Der Weg zur Einheit
(iz). An einem Donnerstagabend vor vielen Jahren nahm ich an einer wöchentlichen Versammlung in der Zawijja von Sidi Ali Al-Dschamal in Fes teil. Als sie sich auflöste, blieb ich mit einem der alten Faqire von Sidi Muhammad ibn Al-Habib zurück. mehr ...
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Sie sind hier: Home >> Berlin >> Extreme Gruppen sind eine Herausforderung für den gemäßigten Mehrheitsislam. Auf sie muss reagiert werden, meint Sulaiman Wilms

28.06.2011 Extreme Gruppen sind eine Herausforderung für den gemäßigten Mehrheitsislam. Auf sie muss reagiert werden, meint Sulaiman Wilms

Hilfreiche Radikale

(iz). Im Rahmen des umstrittenen ­Präventivgipfels von Innenminister Friedrich kritisierten Muslime, dass nur auf den „Extremismus“ ­ver­ein­zelter Muslimen geblickt werde. Gleichzei­tig vernachlässige der Staat, so Nurhan Soykan, Generalsekretärin des Zentralrates der ­Muslime, das Thema der Islamfeindlichkeit. „Soykan (…) warnte zudem davor, die radi­kalislamische Strömung der Salafisten über­zubewer­ten“, hieß es in einer Agenturmeldung. ­Deren Einfluss sei eher gering.
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Die übergroße Mehrheit praktizierender ­Muslime würde ihr beim ersten Punkt zustim­men. Beim zweiten muss sie mit Widerspruch rechnen. Was Frau Soykan nicht sagen kann oder will, belegen Gespräche mit Gemeindevorsitzenden, engagierten Muslimen oder ­Ver­bandsvertretern. Auf allen Ebenen - und über ethnische oder weltanschauliche Gräben hinweg - betrachten viele in verantwortlicher Posi­tion das moderne, durch das Internet ­massive verstärkte Phänomen der „Salafiten“ (oder „Wahhabiten“) sorgenvoll.

Es zählt zu den Schwachstellen des organisier­ten Islam in Deutschland, dass sich dieser in den letzten zehn Jahren zwar oft - und kompromisslos wie eindeutig - gegen „Terror“ und „Extre­mismus“ aussprach. Die Ideologie und falsche Lesart des Islam aber, die deren Grundlage bildete, blieb mehrheitlich ausgespart. Vielleicht, weil es den Verbänden an geeig­ne­ten und mutigen Gelehrten fehlt, vielleicht, weil die Vorstellung, wir seien „doch alles ­Brü­der“, bislang dominierte; bisher jedenfalls fehlt eine fundier­te, rechtlich überzeugende Zurückweisung dieser Ideologie.

Nurhan Soykan irrt auch, wenn sie meint, die­se Gruppierungen (innerlich zur Einheit un­­fähig und viele Muslime zu ­„Ungläubigen“ erklärend) hätten nur einen geringen ­Einfluss. In Orten wie Berlin, Bonn, Münster und ­anderen Städten hinterließen sie an Herz und Seele beschädigte Jugendliche, denen die ­Pre­di­­­ger mit dem starren Blick massive Selbstzweifel und falsche Vorstellungen einpflanzten. Von den unglückseligen Individuen, die schließlich in Afghanistan oder Pakistan ­­ende­ten, ganz zu schweigen.

Dabei hätten es diese, in sich gespaltenen Klein­gruppierungen viel schwerer, wenn die Moscheen und ihre Dachverbände ihre Hausaufgaben gemacht hätten. Wird der Islam in den Augen von Jugendlichen ohne innere Begeisterung „verwaltet“ und sprechen ­Imame, die kaum oder kein Deutsch können, über ­alles außer über die Anlie­gen junger ­Muslime, dann geschieht es, dass sie sich an­deren, vermeintlich glaubwürdigeren Quellen für ihr Wissen vom Islam zuwenden.


Mohamed aus schrieb am 29.06.2011
Ich denke, wenn die Imame in den Moscheen vor der Verbreitung des Internet sich aufgerafft hätten, vernünftig deutsch zu lernen und sich mit den Jugendlichen zu beschäftigen, hätten wir dieses Problem nicht in diesem Ausmaß. So jedoch finden die Jugendlichen im Internet, was ihnen die ganzen Jahre fehlte: Viele Islam-Vorträge auf Deutsch. Die Entwicklung wurde einfach verschlafen. Selbst Schuld, liebe Moscheevorstände.
Gub Rieh aus Hier schrieb am 28.06.2011
Wovon distanzieren sich die Vereine eigentlich?
Ein Beleg dessen wäre angebracht. Pauschales "die sind extrem" ist keine Art und Weise... Worin liegt der Unterschied?!
Annett Annett Abdel-Rahman aus Hannover schrieb am 04.07.2011
Immer wieder interessant ist der erhobene Zeigefinger den Vereinen und Dachverbänden gegenüber. Natürlich hätten sie ihre Hausaufgaben machen müssen, fragt sich bloß mit wem? Wer von den intellektuellen Muslimen, bildungsnah und eloquent, sicher in Deutsch und Rhetorik engagiert sich noch in den Vereinen und Verbände? Eben - kaum jemand! Und jetzt bitte nicht sagen: Ja die sind so konservativ, das ist alles so schwierig. Stimmt auch, aber es ändert sich nur etwas, wenn man dann auch mitarbeitet und sich verantwortlich fühlt. Und: wenn Mann/Frau bereit ist, etwas von der wertvollen Zeit zu opfern, um an der Basis zu arbeiten. Ich stelle hingegen eher einen Individualismus fest, der das Eigene nie aus dem Blick verliert, sprich: sich in einer Stiftung zu engagieren oder in berühmten anderen interreligiösen Bündnissen bringt auch der eigenen Karriere mehr, als der Kampf in einem Moscheevorstand! Klingt ja auch besser im Lebenslauf!
Ich sehe das mit Sorge und würde mir wünschen, nicht die Dachverbände per se zu kritisieren, sondern den zweiten Blick zu wagen und auf die Verantwortung aller zu verweisen! Eben auch im ehrenamtlichen Engagement, (fast) ganz uneigennützig, denn wenn dann die Hausaufgaben gemacht sind, haben alle was davon.....

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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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