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Sie sind hier: Home >> Bildung >> Medienkonsum und frühkindliche Lernentwicklung: Ratschläge für besorgte Eltern. Von Gaby Huelsmann

27.06.2012 Medienkonsum und frühkindliche Lernentwicklung: Ratschläge für besorgte Eltern. Von Gaby Huelsmann

Unsere Kinder und die neue Medien

(iz). Viele von uns, besonders diejeni­gen die Kinder im Kindergarten und Grundschulalter haben, stellen sich die Frage, ob und wie wir unsere Kinder an neue Medien heran­führen sollen. Ein Verbannen der Bildschirme ist eine Lösung, aber damit verbannt man auch Inhalte, die durchaus sehenswert und sinnvoll sind. ­Besser ist es, sich mit den Vor- und ­Nachteilen der Medien auseinandersetzen, sich als ­Eltern die Zeit zu nehmen, um geeignete Ange­bote heraussuchen und die ausge­wählten Sendungen gemeinsam anzusehen.
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Lächeln ist Sadaqa
Um den Zusammenhang zwischen Medienkonsum und kindlichem Lernen besser zu verstehen, ist es interessant, sich die Entwicklung der Lernfähigkeit des Gehirns näher zu betrachten. Daraus lässt sich dann die kindliche Lernbereitschaft erklären, denn als Eltern, oder andere Bezugspersonen müssen wir uns erst einmal darüber bewusst werden, wie die Inhalte des Fernsehens oder einer Websei­te vom kindlichen Gehirn aufgenommen und verarbeitet werden.

Das menschliche Gehirn ist ein faszinierendes Organ. Es verfügt über 100 Milliarden Nervenzellen. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl an Nervenzel­len, sondern die Anzahl an Verknüpfun­gen zwischen den Zellen. Das Gehirn eines Neugeborenen weist 50 Billionen Verknüpfungen auf. Diese steigern sich im ersten Lebensjahr um ein Vielfaches, sodass bereits im achten Lebensmonat 1.000 Billionen Verknüpfungen bestehen. Eine Nervenzelle kann mit 100.000 bis 200.000 anderen Zellen in Verbindung treten. Dieser Prozess ist teilweise auf genetisch bedingte Abläufe zurückzu­führen, aber vor allem hängt er von äuße­ren Einflüssen ab, wie etwa der Reizzufuhr. Die Entwicklung bestimmter Fähigkeiten erfolgt in so genannten sensib­len Phasen, wobei es hier keine eindeuti­gen Zeitangaben gibt. Allerdings lässt sich aber am Beispiel des Spracherwerbs zeigen, dass diese Phasen in den ersten Lebensjahren liegen. Der Spracherwerb muss zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr stattfinden. Findet er nicht in diesem Zeitraum statt, so kann das Kind nur wenig bis gar nicht mehr sprechen lernen. Fremdsprachen beziehungs­weise zweite Muttersprachen werden in dieser Zeit besonders gut aufgenommen.

Lernprozesse werden durch kleinste Reize in Gang gesetzt, wobei das Gehirn rund 100 Millionen Informationen pro Sekunde erreichen, aber davon werden nur 20 pro Sekunde bewusst wahrgenommen. Wie werden Informationen langfristig im Gehirn gespeichert? Die Vernetzung zwischen den Funktionen der beiden Gehirnhälften findet zwischen dem sechsten und neunten ­Lebensmonat statt. Von diesem Zeitpunkt ab, ­werden Informationen, die mit den ­Nervenzellen beider Hirnhälften erarbeitet wurden, nachhaltig abgespeichert. Zudem ist eine Verbindung mit Emotionen hilfreich, weil die neuro-biologischen Prozesse des Lernens durch Emotionen beeinflusst werden. Wir lernen besser, wenn der ­Erwerb neuer Wissensnetzwerke mit ­positiven Gefühlen verbunden ist. Eine positive emotionale Beziehung zum Kind und ein ermutigender Erziehungsstil sind für Lernprozesse und Spracherwerb unabdingbar. Lernen muss Spaß machen.

Bei der positiven emotionalen Beziehung ist der wichtigste Faktor auf dem Weg zum Wissenserwerb im Kleinkind­alter die Familie. Innerhalb der Familie wird der Grundstein erfolgreichen Lernens gelegt. Indem die Eltern dem Kind durch freudige Bestätigung vermitteln, dass es beispielsweise einen Gegenstand richtig benennen konnte, verfestigt sich die Verknüpfung. Auch der Umgang der Familienmitglieder untereinander dient als Vorbild und das Lernen funktioniert umso besser, je besser die emotionale Bindung ist.

Parken in der kommunikativen Einbahnstraße
Kinder sind wissbegierig, neugierig und wollen ihre Umwelt verstehen und erkunden. Daher hängt die Entwicklung des Lernens eines Kindes davon ab, wie viele Anregungen und welche ­vielfältigen Lernangebote es von seiner Umwelt ­geboten bekommt. Aber auch welche Möglichkeiten und Freiheiten zur eigen­ständigen Erkundung dem Kind ­gelassen werden. Denn Lernen vollzieht sich in zwei Phasen. Zuerst werden Informatio­nen aus der Umwelt mit den Sinnen aufgenommen. Danach werden diese Infor­mationen verarbeitet und im Bewusstseinsbereich gespeichert.

Damit die Inhalte aus den Medien eine positive Wirkung auf den verstandesmäßigen Lernprozess des Kindes haben, sind einige Voraussetzungen unabdingbar. Der Informationsgehalt muss vom Kind verarbeitet werden können. Dazu dürfen nicht zu viele Informationen in zu schneller Reihenfolge vorkommen, das überfordert die kindliche Auffassungsgabe. Außerdem sollten Eltern bei der Verarbeitung des Gesehenen helfen. Vor allem Filme, Animationen und ­bunte Kinderwebseiten vermitteln in kurzer Zeit eine Vielzahl komplexer ­Inhalte, die von dem Kind nicht kontrolliert werden können. Es ist eine Informationsdusche ohne Schalter. Daher ist es empfehlenswert, wenn Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren nur jeweils eine Sendung anschauen und die Eltern während und nach der Sendung mit den Kindern über den Inhalt diskutieren und ihn erklä­ren. Das Besprechen der „Moral von der Geschichte“ oder das Wiederholen wichtiger Szenen trägt zu einer positiven Verarbeitung bei.

Das Fehlen dieser elterlichen Begleitung kann, vermuten manche Wissenschaftler, zur Steigerung der Aggression beitragen oder auch Ängstlichkeit und Furcht erzeugen. Den wohl deutlichsten Einfluss hat der unkontrollierte Medien­konsum auf den Spracherwerb von Klein­kindern. Fernsehen und Computer geben dem Kind in der Regel keine Rückmeldung. Beim Fernsehen konzentriert sich das Kind vor allem auf die Bilder und weniger auf das, was gesagt wird und es muss auch nicht antworten. Sitzt die Familie dann noch sprachlos dabei, verringert sich die Zeit der aktiven Sprachvermittlung weiter. Auch wenn viele Sendungen gut aufbereitetes Wissen vermitteln können, ist das Fernsehen eine kommunikative Einbahnstraße. Ein gutes Buch, ein Hörspiel oder eine alltägli­che Familienunterhaltung am Frühstückstisch fördert den Spracherwerb mehr als das Fernsehen.

Aber Medien bestehen heute nicht nur aus Fernsehen. Was bietet ­beispielsweise das Internet an sehenswerten Seiten an? Das Angebot an Seiten für Kinder im Internet ist mittlerweile sehr groß. Viele dieser Seiten zielen darauf ab, dass ein Kind möglichst lange vor dem ­Computer verweilt - und viele Eltern nehmen die „Parkmöglichkeit“ auch bereitwillig an. Die Nutzung des Internets sollte niemals ohne Kontrolle der Eltern erfolgen. Hier ist jeder Inhalt zu jeder Zeit für das Kind erreichbar - auch das, was im Fernsehen erst zur späten Sendezeit ausgestrahlt w­erden würde.

Aber auch hier ist nicht alles zu verdammen. Der Computer gehört in unsere Welt und ein besonnener Umgang wird für unsere Kinder in der Zukunft noch wichtiger sein, wie für uns heute. Was unterscheidet die Onlinewelt nun vom klassischen Fernsehen? Der Compu­ter ist interaktiver und vielfältiger. Jeder kann hier kostengünstig Inhalte produzieren und anbieten. Die Quantität übersteigt hier oftmals die Qualität und es braucht Erfahrung und Zeit, gute Inhalte zu finden. Vor allem das Angebot islamischer Inhalte hat sich in den ­letzten Jahren erheblich verbessert. Doch zielt der Großteil dieser Seiten meist ausschließlich auf die Vermittlung religiösen Wissens, wie etwa den Geschichten der Propheten ab. Lange Texte am Bildschirm lesen ist nicht nur für Erwach­sene ermüdend und die meisten Bilder wenig anregend.

Wie schafft man also für die islamische multimediale Bildung unserer Kinder eine Mischung aus vielfältigem Wissen und Emotionalität, aus Interaktion und familiärer Bindung?

1. Tipp: Den Bildschirm an den Rand und das gemeinsame Handeln wieder in die Mitte der Familie holen - Kommunikation im gemeinsamen Aktivsein ­fördern.
2. Tipp: Kreativität mit unterschiedlichen Angeboten anregen. Neue Techniken ausprobieren dürfen und Fertigkeiten üben.
3. Tipp: Islam nicht nur auf das Gebet reduzieren! Unsere Religion wirkt sich auf alle Bereiche unseres Alltags aus und kann dort ebenso thematisiert werden.
4. Und nicht zuletzt, mit Freude und Spaß gemeinsame Zeit verbringen.

Literatur:
Liebertz, Charmaine: Warum ist ganzheitliches lernen wichtig? , in: WWD 2001, Nr.75, 12-13. Online unter: www.kindergartenpaedagogik.de/419.html (12.06.2012).
Küls, Holger: Gehirnforschung, lernen und Spracherwerb, in: www.kindergartenpaedagogik.de/1024.html (12.06.2012).

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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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