Muslimische ­Zivilgesellschaft
(iz). Die Präsenz des Islam in Deutschland hat in den letzten Jahren auch zu neuen Organisationsformen geführt. Aus dem politischen Islam sind die Verbände hervorgegangen, die sich heute als Interessenvertretung der Muslime verstehen. mehr ...
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26.01.2011 Studie widerlegt große Teile der Integrationsthesen des kontroversen Autors

Sarrazin im Fakten-Check

(iz). Ein nicht unerheblicher Teil der öffentlichen Empörung über die kruden Thesen Thilo Sarrazins bezog sich auf dessen Behauptung der genetischen Determinierung von Intelligenz. Selbst Kritiker, wie Sigmar Gabriel (SPD), gestanden ihm hingegen zu, beim Thema Integration und Integrationsprobleme auch viel richtiges zu sagen. „Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten“, schrieb Sarrazin noch Ende Dezember in einem Beitrag für die FAZ.
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Dem ist nun nicht mehr so: Die Politik- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Naika Foroutan von der Berliner Humboldt-Universität hat gemeinsam mit ihrer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Sarrazins vermeintliche Fakten widerlegt. Die Ergebnisse der Studie „Sarrazins Thesen auf dem Prüfstand“ wurden in einem knapp 70 Seiten starken Dossier zusammengestellt, das auch im Internet heruntergeladen werden kann.

Das Forscherteam hat sich das Kapitel „Zuwanderung und Integration“ des Sarrazin-Buches vorgenommen und mit statistischen Daten vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), dem Statistischen Bundesamt und einer Reihe fundierter wissenschaftlicher Studien verglichen. Zu den Ergebnissen gehört, dass entgegen den Behauptungen Sarrazins ein Bildungsaufstieg der Zuwanderer der jüngeren Generation feststellbar ist - dies gelte insbesondere für weibliche Muslime. Die niedrigeren Chancen speziell türkischstämmiger Kinder, ein Gymnasium zu besuchen, sind auf deren sozioökonomischen Status, nicht die Religion, zurückzuführen, wie eine vergleichende Analyse zeigte. Auch das Tragen des Kopftuches nimmt nicht zu, sondern ab. Interethnische Partnerschaften und Ehen nehmen in den jüngeren Generationen hingegen zu und nicht ab.

Sarrazin behauptete auch, dass in Berlin „20 Prozent aller Gewalttaten von nur 1.000 türkischen und arabischen jugendlichen Tätern begangen“ würden. Eine simple Anfrage beim Berliner Polizeipräsidenten ergab, dass 2009 lediglich 8,7 Prozent aus diesem Täterspektrum kamen; selbst unter Hinzurechnung von Personen unbekannter Nationalität wären es höchstens 13,3 Prozent. Foroutan folgert, dass bei der Sarrazin-Debatte Integrationserfolge systematisch verschwiegen würden. Es gehe nicht um eine Integrationsdebatte, sondern es würden „unter dem Stichwort Integration Ängste, Ressentiments und rassistische Abwehrreaktionen verhandelt“.

Auch Prof. Wilhelm Heitmeyer von der Uni Bielefeld sieht eine „zunehmend rohe Bürgerlichkeit“. In Zeiten der Krise scheinen viele ihr Heil in ethnischer Homogenität zu suchen - ein unguter Irrweg.

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Egal, ob angezählte Ex-Boser oder ehema­lige Bonner Musterschüler, die in den Bergen Afghanistans ums Leben kommen, Der „Salafismus“ ist trotz der zahlenmäßig geringen Menge der Anhänger zum Synonym einer amorphen Bedrohung geworden. Diese neuzeitliche Ideologie, die lange unter Muslimen und unse­ren Gelehrten als „Wahhabismus“ [nach ihrem Begründer Ibn ‘Abdulwahhab] bezeichnet wurde, hat sich lange dieses Tarnbegriffs bedient, um der Klassifi­zierung als Sekte zu entgehen. Phänome­nologisch ähnelt sie den Khawaridsch. Zum Leidwesen der muslimischen Welt ist der „Salafismus“ in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Nicht nur, weil er ungenau ist, sondern mehr noch, weil die Generationen (die Salaf As-Salihin), auf die sich die ­Wahhabiten gerne beziehen, um sich deren Legitima­tion anzueignen, von allen praktizierenden Muslimen der Ahl As-Sunna wa’l-Dschama’a geachtet und geliebt werden. Wie bei anderen Begriffen muss man auch hier erst einmal der zeitgenössische Schutt der Missverständnisse weggeräumt werden, um verstehen zu können. Qadi ‘Ijad aus Ceuta, früherer andalusischer Gelehrter und Autor des monumen­talen „Kitab Asch-Schifa“ beschrieb den Charakter dieser Generation unter ande­rem wie folgt: „(…) Es wurde überliefert, dass es eine Gruppe der Salaf, oder besser alle von ihnen, verabscheute, über etwas zu diskutieren, welches nicht zu Handlungen führte. (…)“ Der Imam schließt an anderer Stelle mit dem Gebet: „Möge Allah unseren gottesfürchtigen Salaf barmherzig sein, die ihren Din beschützt haben!“
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