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„Auch Männer fragen nach Kochtipps“

Ausgabe 321

Foto: Lucy Ewitt

(iz). Paradoxerweise beschäftigt man sich in vielen muslimischen Kulturen im Fastenmonat Ramadan mehr als sonst mit Lebensmitteln, Kochen und Essen. Dabei haben sich ausgefeilte Traditionen entwickelt. Nicht immer sind sie so leicht in der modernen Gesellschaft zu realisieren. Hierzu sprachen wir mit der US-Amerikanerin Yvonne Maffei. Sie betreibt unter anderem die Webseite MyHalalKitchen.com und vertreibt Ratgeber, in denen sie über Halal-Lebensmittel, Zutaten, Kochen, Essen und Innenausstattung schreibt.

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, wären Sie so freundlich, Ihre Webseite und Ihr Projekt unseren Lesern vorzustellen?

Yvonne Maffei: MyHalalKitchen.com wurde geschaffen, um eine nützliche Quelle für alle ganzheitlichen, natürlichen Dinge aus dem Halal-Bereich zu sein. Vor allem soll es Lesern bei deren Bedürfnissen nach Halal-Lebensmittel und dem Kochen (wie Ersatzmittel beim Backen und Kochen, die Auswahl von Restaurants et cetera) helfen, aber auch Inspirationen für Lifestyle und Inneneinrichtung bieten.

Islamische Zeitung: Was fasziniert Sie an Lebensmitteln, dem Kochen und Innenausstattung?

Yvonne Maffei: Kochen und Innenausstattung sind wahre Kunstformen. Für jeden, der Kreativität in seinem Leben will, sind das zwei Gebiete einer Halal-Lebensweise, in denen man definitiv seine Bedürfnisse befriedigen kann. Ich liebe es, mit Dingen zu arbeiten, die Schönheit in unser Leben bringen. Als Muslime wissen wir, dass Allah Schönheit liebt.

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, was ist die Bedeutung von Lebensmitteln, Essen und Kochen für die Muslime in unserer Zeit? Handelt es sich dabei um mehr als um die Nahrungsaufnahme?

Yvonne Maffei: Unsere Lebensmittel sind unglücklicherweise, heute mehr denn je, nicht das, was sie zu sein scheinen. Deshalb ist es für uns so wichtig zu wissen, wo unser Essen herkommt und was sich genau darin befindet. Als Muslime haben wir eine Richtschnur über das, was gut für uns ist und was nicht – unabhängig davon, ob es in Zusammenhang mit Lebensmittel, Lebenswandel, Finanzen oder sozialen Interaktionen steht.

Islamische Zeitung: Ist es im Kontext dieses Ramadans nicht ironisch, dass Muslime sich, wenn sie wohlhabend genug sind, jetzt mehr mit Kochen und Essen beschäftigen als zu jeder anderen Zeit?

Yvonne Maffei: (überlegt)… Eigentlich begegnen mir sehr viele bewusste Muslime, die auf die Dinge reagieren, die ich in den sozialen Netzwerken und auf meiner Webseite veröffentliche. Ich kann kein gesteigertes Verlangen nach Essen und Kochen erkennen.

Vielmehr begegnen mir Leute, die wissen, dass wir essen müssen, wenn es Zeit ist, und die nach Wegen suchen, das gesund und schnell zu gestalten. Ihr Ziel ist es, mehr Zeit für das zu haben, was im Ramadan wichtig ist: die ‚Ibadat (Akte der Anbetung). Darum bin ich hier, um Menschen das zu ermöglichen, was sehr erfrischend ist.

Islamische Zeitung: Glauben Sie, dass der Ramadan – so wie ihn viele Muslime heutzutage praktizieren – eine zu große Belastung für die Frauen des Haushaltes wird?

Yvonne Maffei: Ich bin mir nicht ganz sicher… Mir begegnen heute viel mehr Männer, die nach Kochtipps fragen und die insgesamt sehr interessiert an Lebensmittel als etwas sind, für dessen Einkauf und Vorbereitung sie Verantwortung übernehmen sollten. Ich finde das sehr großartig!

Islamische Zeitung: Hätten Sie einen Tipp, wie sich der Ramadan besser gestalten lässt, um Zeit für spirituelle Aspekte zu haben?

Yvonne Maffei: Planung, Planung und noch mehr Planung – und dann Organisation! Es ist überaus wichtig für den Ramadan, die Mahlzeiten, Einkaufen, die Treffen, Dekoration und Reinigung zu planen und uns dementsprechend zu organisieren, sodass wir das alles tun können. Wird es vor dem Ramadan gemacht: großartig. Wenn nicht ist es immer noch eine bessere Möglichkeit, den Haushalt während des Fastens zu organisieren und problemlos am Laufen zu halten.

Islamische Zeitung: Was sind Ihre Lieblingsrezepte für den Ramadan?

Yvonne Maffei: Mein absolutes Lieblingsessen für das Iftar ist Kebab im Golf-Stil, aus Lamm, Rind oder Huhn. Sein Geruch von Kardamom, Nelken und aromatischem Basmati-Reis sagen mir, dass Ramadan in der Luft ist. Ich habe schöne Erinnerungen daran, als ich gelernt habe, dieses Gericht herzustellen. Mittlerweile habe ich es so oft gemacht, dass ich das Rezept genauso eingestellt habe, dass es perfekt zu meinem Gaumen passt. Übrigens, alle diese Rezepte finden sich in meinem Kochbuch, „Summer Ramadan Cooking“. Ramadan ist so wunderschön, nicht wahr?

Islamische Zeitung: Liebe Yvonne Maffei, vielen Dank für das Gespräch.