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Eigentlich geht es um Taqwa

Ausgabe 264

Foto: Sharikzama007 | Lizenz: CC BY-SA 4.0

(iz). Das Wort Ramadan leitet sich von der arabischen Wurzel R-M-D ab. Es bedeutet große Hitze. Manche sind der Ansicht, dass es zur Zeit des Hochsommers war, als die Gläubigen zu fasten aufgerufen wurden. Das Fasten im Monat Ramadan war eine aufhebende Anweisung, die das frühere Pflichtfasten am Tag von Aschura, dem 10. Tag des Muharram, ersetzte. Auch wenn dieser einzelne Tag immer noch verehrt wird und das Fasten an ihm immer noch als Akt der Anbetung Allahs empfohlen ist, befahl der Allerhöchste stattdessen einen ganzen Monat der Enthaltsamkeit von Essen, Trinken und Geschlechtsverkehr während der Stunden des Tageslichts. Allah sagt im Qur’an: „Oh, die ihr Iman habt, vorgeschrieben ist euch das Fasten, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werden möget.“ (Al-Baqara, 183)

Die letzten Worte dieses Verses werden gerne mit der Bedeutung „auf dass ihr gottes­fürchtig werden möget“ übersetzt. Viele Menschen betrachten Gottesfurcht (eine verkürzte Übersetzung des arabischen Wortes Taqwa) als einen Zustand der spirituellen Erhebung und Freude. Aber das scheint nicht die genaue Deutung der meisten sunnitischen Qur’aninterpretatoren (arab. Mufassirun) zu sein.

Auch wenn Taqwa am Ende dazu führen kann. Aus dieser Ableitung nehmen viele an, dass spirituelle Erhebung sich direkt aus Fasten und Enthaltsamkeit ergibt. Das heißt, demnach diene der Akt des Fastens als das Ausfüllen eines spirituellen Vakuums. Eine Gottesfurcht durch Leiden.

Wie dem auch sei, einer solchen Deutung gelingt es nicht, die eigentliche Anordnung von Ursache und Wirkung zwischen geistiger Erweiterung und Fasten zu reflektieren. Al-Qurtubi schrieb: „Es wurde gesagt, dass die Bedeutung ‘auf dass ihr gottesfürchtig werden möget’ bedeutet, sich von falschen Handlungen zu enthalten. Es heißt auch, dies sei eine allgemeine Aussage…“, die allgemeine Bedeutung leitet sich von dem Wort „tattaqun“ ab. Es bedeutet einfach, zu vermeiden oder vorsichtig zu sein. Diese Auslegung wurde von Al-Suddi wiedergegeben, was durch Ibn Dscharir berichtet wurde: „Vermeidung von Lebensmitteln, Getränken und Frauen, so wie sie (die Leute des Buches) sie vermeiden würden.“ Die grundlegende Annahme ist die gleiche. Das Wesen des Fastens ist in der linguistischen Definition von Saum zusammengefasst: zurückhalten und enthalten. Dies wirft dann ein Schlaglicht auf zwei ramadanische Gedanken.

Erstens, der Zweck des Fastens ist nicht die Erlangung spiritueller Erweiterung, auch wenn sie durch Enthaltsamkeit gestärkt werden mag. Letztendlich kommt es zum Fasten aus Angst und Respekt vor Allah. Das heißt, der Akt des Fastens ist die Manifestation des Glaubens an und die Hingabe gegenüber dem Allerhöchsten. Es kommt von einem Herzen, dem es nach Allah verlangt. Das ist der Grund, warum sich die frühen Muslime Monate vor dem Ramadan auf diesen vorbereiteten. Sie steigerten ihre spirituelle Wahrnehmung und das Wissen von Allah. Sie stärkten ihre Belastbarkeit, sich von irdischem Verlangen zu enthalten, sodass sie zum Ramadanbeginn ihre resolute Fähigkeit zeigen konnten.

Der zweite Aspekt behandelt die Kunst des sich Enthaltens. Es geht gegen die ganze Lehre der Enthaltsamkeit, den Sonnenuntergang  grünes Licht für Völlerei zu nutzen. Oder sich am Tage zu zügeln, während wir uns für  tägliche Festmahl vorbereiten. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, moderierte eine Schari’a zwischen den beiden Extremen. Er verbot den übermäßigen Verbrauch genauso wie Wisal (das ununterbrochene Fasten an jedem Tag). Der Punkt des Verbrauchs ist eine sehr einfache. Anas ibn Malik überlieferte, dass der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sein Fasten mit Datteln vor dem Abendgebet brach. Wenn es diese nicht gab, mit getrockneten. Und in Abwesenheit dieser mit einem Becher Wasser. Dies findet sich in einem anderen Hadith, in dem er sagte: „Wenn jemand von euch sein Fasten bricht, dann soll er das mit Datteln tun. Und wenn er keine finden kann, dann mit Wasser, denn es ist reinigend.“

Seine Aussagen verweisen  mehrere Dinge, aber eine vielleicht drängende Frage, die hier zu Tage tritt, sind die ausgefeilten Feste, die Leute organisieren. Oft wird dies mit dem häufig zitierten Hadith begründet: „Wer einem Fastenden Nahrung zum Fastenbrechen gibt, wird die Belohnung dieser Person erhalten, ohne dass der Fastende irgendeinen Verlust erfährt.“

Bei diesem Hadith müssen wir bedenken, dass die Belohnung für die Speisung eines Fasten darin besteht, was man ihr gibt, um ihr Fasten zu brechen (Ifrar). Der Anlass für diese Aussage war, einen Anreiz für die Speisung der weniger Begüterten zu liefern. Das gleiche gilt für die Zakat al-Fitr: Niemand soll an dem Feiertag hungern. Heute wird es oft benutzt, um Übertreibung zu begründen. Hier gibt es Nachsichtigkeit in einem Zusammenhang, der selten gottesfürchtig ist.

Da haben wir die unglückliche Ehefrau, die den ganzen Tag das Essen vorbereiten muss, anstatt sich in der Anbetung zu engagieren. Eine der bekannten Folgen ist, dass sie manchmal sogar das Abendgebet verschieben muss. Und andere können nicht einmal beten, weil ihre Hosen an den Nähten platzen. Ein solches Verhalten ist ein Schlag ins Gesicht einer auf der Offenbarung basierten Haltung gegenüber. So wird das Fastenbrechen zu etwas, das es nicht ist.

Das Thema (wie jedes andere im Islam) verlangt nach Differenzierung. Die frühen Muslime unternahmen Anstrengungen, um ihr Fasten mit anderen zu brechen. Daher ist die gemeinschaftliche Natur des Iftars nichts, das nicht entmutigt werden sollte. ’Abdullah ibn Mubarak brach sein Fasten mit Waisen und den. ’Abdullah ibn Al-Mubarak tat dies mit anderen Gelehrten und servierte ihnen Essen. Hammad ibn Sulaiman speiste jede Nacht 50 Menschen und gab ihnen am Feiertag neue Kleidung. Offenkundig sind solche Versammlungen, wo sich die Religiösen versammeln, um einfach zu essen und sich an der Gesellschaft zu erfreuen, empfehlenswert. Anas ibn Malik überlieferte, wie der Prophet zu Sa’d ibn Ubada kam. Dieser brachte Brot und Öl. Der Gesandte Allahs aß es und sagte: „Die Fastenden haben ihr Fasten mit dir beendet. Die Rechtschaffenen haben dein Mahl gegessen und die Engel haben dich empfohlen.“

Ein Kommentar zu “Eigentlich geht es um Taqwa

  1. Moslems dürfen doch nach Einbruch der Dunkelheit auch Wasser trinken. Also können sie dann den Liter Evian-Wasser trinken, wenn sie wollen. Der Tag hat 24 Stunden. Darum verstehe ich die ganze Aufregung um diese Werbung von Evian nicht. Das ist doch ein unnötiger Konflikt.

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