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Erinnerung an den Aspekt von Zeit im Ramadan

Ausgabe 310

Foto: Lenar Musin, Shutterstock

(Lamppost Education). Zeit ist ein Geschenk, dessen größte Bedeutung in der Gelegenheit verborgen ist, sich mit dem Schöpfer durch die Erfahrungen des Lebens und seiner Wechselfälle vertraut zu machen. Allah hat die Anbetungsate der Gläubigen mit einer interessanten Beziehung zu ihr angelegt. Das Pflichtgebet, die turnusgemäße Einsammlung der Zakat, die Saison der Pilgerfahrt und das Fasten im Monat Ramadan – alle finden ihre rechtliche Signifikanz im Gefäß der Zeit.

Im gewissen Sinne ließe sich sagen, dass Zeit der Gastgeber des Lebens ist. Sie gewährt jede freundliche Aufnahme und serviert in anderen Momenten Speisen, die weniger erfreulich sind, um uns schließlich zur Tür hinaus zu begleiten. Ein guter Gast, der damit rechnet, wieder in das Haus eines liebenswürdigen Gastgebers eingeladen zu werden, tut gut daran, sich in seiner Kleidung und seinem Auftreten gut vorzubereiten und die wichtigsten Umgangsformen für die Begrüßung dieses würdevollen Gastgebers zu lernen.

Mit anderen Worten: Ramadan ist kein Gastgeber, sondern eher Gast. Der Hausherr ist die menschliche Seele, der die Gelegenheit gegeben wird, eine solch gute Gesellschaft zu empfangen. Ebenso ist es wichtig, dass der Gastgeber, wenn er die Ehre haben will, in Zukunft eine solche Gesellschaft zu bewirten, sich gut vorbereitet. Er muss dafür Sorge tragen, dass sein Haus (das heißt: das Herz) sauber, vorzeigbar und aromatisiert ist und dass angebotene Köstlichkeiten unvergesslich sind.

Niemand würde es wollen, einen geehrten Gast bis zu dem Punkt zu beleidigen, dass er seiner Gesellschaft unwillig wird – oder sogar gezwungen, die Missgriffe seines Wirtes öffentlich zu machen. Ramadan ist bekannt als Monat der Großzügigkeit (arab. karam), Geduld (arab. sabr), der Bevorzugung anderer (arab. ithar) und des Trostes (arab. muwasat).

Es wurde überliefert, dass der Prophetengefährte ‘Abdallah ibn ‘Umar, möge Allah mit ihm und seinem Vater zufrieden sein, in den Nächten des Ramadans vor dem Fastenbrechen nach draußen ging auf der Suche nach mittellosen Menschen, denen sie etwas zu Essen geben konnten. Und mit denen sie das Fasten brechen und Gemeinschaft teilen konnten. Teil davon war sein Verständnis, dass eine der Botschaften des Ramadan die wachen Herzen für die Botschaft der Bedürftigkeit sensibel macht. Diese Zeit erinnert uns an unseren Bedürfnischarakter. Wir brauchen Essen und Trinken – aber andere brauchen es ebenfalls. Es erinnert uns daran, dass wir schwach sind und unseres Schöpfers bedürfen.

Der Monat gilt auch als Moment des Qur’an. In ihm befindet sich die Nacht der Macht (arab. lailatu’l-qadr), in welcher das Buch Allahs von der wohlverwahrten Tafel (arab. al-lauh al-mahfuz), auf der die Schicksale aller Dinge verzeichnet sind und die sich am Fuße des himmlischen Throns befindet, in das Haus der Macht (arab. bait al-’izza) im untersten Himmel gebracht wird. Ihn zu hören oder zu rezitieren, sind beides Handlungen der Anbetung. Der Qur’an ist ein Buch, das aus 321.000 Buchstaben besteht. Für jeden Buchstaben, den ein Anbetender rezitiert, erhält man 10 gute Taten und gute Handlungen selbst werden vervielfältigt.

Er wurde als Erleuchtung der Menschheit mit der Absicht offenbart, dass ihr Bewusstsein von Allah zunimmt. Das Wissen um Seine Anwesenheit folgt aus der Befolgung dessen, was zu tun ist, und der Vermeidung von dem, was zu lassen ist. Während die islamische Lehre der Idee eines krassen Anthropomorphismus widerspricht, wonach der Mensch eine wörtliche Reflexion Gottes sei, stimmt sie damit überein, dass sich der Mensch jene göttlichen, moralischen Eigenschaften aneignen kann, die der Schöpfung offenstehen.

Mit anderen Worten: Obwohl es rational wie religiös unvorstellbar ist, dass Allah innerhalb der Grenzen der Schöpfung inkarniert ist, wäre es keine Blasphemie, wenn man annimmt, dass der Mensch in vielerlei Hinsicht eine abstrakte Ähnlichkeit mit Allah hat. Im Klartext: Der Mensch erlangt die Nähe zu Allah durch die Nachahmung Allahs.

Im Fasten werden drei aktive Eigenschaften Allahs deutlich, wenn eine Person Essen, Trinken und sexuelle Handlungen unterlässt. Diese Dinge sind normalerweise erlaubt, wenn nicht gar lebensnotwendig. Wenn Gläubige sie unterlassen, werden sie zu Mitteln der Annäherung an Allah, denn sie spiegeln Handlungen wieder, an denen Allah keinen Anteil hat. Da es für Allah unvorstellbar ist, sich der Falschheit, des Verrats und der Unanständigkeit schuldig zu machen, wird der Vermeidung solcher Missetaten während des Fastens noch strenger entsagt als außerhalb des Fastens. Ein solches Verhalten hilft uns auch, das Vergnügen Allahs zu erreichen.

Die göttlichen Eigenschaften sind unermesslich. Einige von ihnen sind majestätischer Natur, andere sind schön. Die königlichen inspirieren Ehrfurcht und Respekt. Sie finden sich in Namen wie der Rächer, der Allmächtige, der Erniedrigende usw. Die schönen Eigenschaften inspirieren Stauen und Erstaunen: der Barmherzige, der Wiederbelebende, der Gewährende von Gnade und der Nutzbringende. Jede Personen benötigt einen Anteil daran, wenn sie ihre volle Humanität zur Entfaltung bringen will.

Im Ramadan manifestiert Allah ein überwältigendes Maß an Schönheit. Er hat die Tore der Hölle verschlossen, die Tore des Gartens geöffnet, beschränkt dämonische Kräfte, befreit jede Nacht eine unbekannte Anzahl an Seelen aus dem Feuer, belebt die Herzen in der Nacht der Macht und umfasst die ganze Schöpfung mit Barmherzigkeit. Es wird berichtet, dass sogar derjenige, der während des Fastens ein Nickerchen macht, mit der Absicht, seine nächtliche Anbetung fortzusetzen, spirituelle Anerkennung für seinen Schlaf erhält.

Der Qur’an wird als „wunderbar“, „erleuchtend“ und „edel“ bezeichnet. Die bekannteste Bezeichnung jedoch ist „die Erinnerung“. Verborgen darin ist das Konzept von „Nobilität“ (arab. scharaf). „Haben Wir dein Ansehen nicht hochgehalten?“, heißt es in Vers 4 der Sure 94, Al-Scharh. Damit ist Vornehmheit gemeint. Dies legt nahe, dass der Adel einer Person und ihre echte Würde in der Verinnerlichung und Umsetzung der qur’anischen Anweisungen liegt.

Da ist es auch nicht seltsam, dass jemand anderes ebenfalls als „Erinnerung“ bezeichnet wurde: nämlich der Prophet Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Allah sagt: „Allah sandte euch eine Ermahnung hinab, einen Gesandten, der euch Allahs Zeichen deutlich vorträgt.“ (At-Talaq, Sure 65, 10-11) Er war der Gesandte der Barmherzigkeit. Die größte Manifestation Seiner Eigenschaften in menschlicher Form. Das heißt, das offenbarte Wort Gottes zeigte sich in der Person Muhammads, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Sagte seine Frau nicht über ihn, „seine Lebensführung war der Qur’an“ und „er war der gehende Qur’an“?

Während wir in diesem Monat die Erleuchtung feiern und Dankbarkeit für diesen immensen Segen zeigen, sollten wir über die Bedeutung des Geschenks der Zeit nachdenken. Und diese Gelegenheit nutzen, um uns besser mit unserem Schöpfer vertraut zu machen, indem wir dem größten Geschenk nacheifern, das uns von Ihm nach dem Leben und dem Glauben gegeben wurde. Muhammad, Allahs Barmherzigkeit und Frieden auf ihm, sagte: „Ich bin nur eine gewährte Gnade.“ Denken wir daran, dass wir Gastgeber eines großzügigen Gastes sind. Wir sollten es nicht eilig haben, ihn auf seinen Weg zu schicken.

„Wer an Allah und den Jüngsten Tag glaubt, sollte seinen Gast ehren.“

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