Der Handel mit Deko-Artikeln zur muslimischen Fastenzeit wächst. Ramadan-Halbmonde zum Aufstellen oder Aufhängen, Ramadan-Kalender oder Halbmond-Kissen. Viele Muslime freuen sich darüber, es gibt aber auch Kritik.
Berlin (KNA). Der Fastenmonat Ramadan hat gerade begonnen und viele muslimische Haushalte sind in dieser Zeit festlich geschmückt. Goldglänzende Halbmonde sind aufgestellt, es gibt Schilder mit Moscheenabbildungen und der Aufschrift „Ramadan Kareem“, die eine gesegnete Fastenzeit wünschen.
Zu kaufen gibt es diese Deko-Artikel bundesweit in vielen Warendiscountern. Und weil der Fastenmonat in diesem Jahr fast zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit stattfindet, die stets 40 Tage vor Ostern beginnt, findet man die Artikel direkt neben Osterhasen und bunt bemalten Ostereiern.
In einigen Drogeriemärkten sind zudem Kalender ausgestellt, die auf den ersten Blick wie verspätete Adventskalender daherkommen, die aber bei näherer Betrachtung ebenfalls für die muslimische Fastenzeit bestimmt sind.
Die Berlinerin Selva F. freut sich darüber: Die Mutter von zwei Kindern hat ihr Wohnzimmer geschmückt und findet es klasse, dass die Artikel seit einigen Jahren in vielen Läden zu finden sind. Für sie ein sichtbares Zeichen, dass Muslime gesehen werden und selbstverständlich dazugehören.
Ähnlich sieht es auch der Regensburger Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. „Auf jeden Fall wird der Islam als Teil der Alltagskultur sichtbar“, sagte Hirschfelder der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Insofern seien Ramadan-Halbmonde oder Ramadan-Kalender in Geschäften auch ein Zeichen von Anerkennung. „Die muslimische Community ist hier angekommen.“
Natürlich habe das Ganze auch eine ökonomische Komponente. In Deutschland leben laut Statistik rund 5,5 Millionen Muslime. „Da regieren die Unternehmen letztlich auf eine demografische Realität.“
Es gibt aber auch Muslime, die sich an diesem neuen Hype stören. Grund ist der Gedanke hinter der muslimischen wie der christlichen Fastenzeit, sich vom Konsum freier zu machen und bewusst zu verzichten. So hat Adrian Balbegi, der als Gründer des Dortmunder Unternehmens SugarGang die Ramadan-Kalender vertreibt, negative Reaktionen erlebt.
Der KNA sagte er, dass einige Muslime ihm das Nachahmen christlicher Bräuche vorwerfen und die Aufmachung wenig fromm finden. Allerdings gilt eine Fastenpflicht erst für muslimische Jugendliche ab 14 Jahren, für viele auch ab 16 Jahren, also nicht mehr so ganz das Alter für einen Süßigkeiten-Kalender. Ab diesem Alter sind gläubige Muslime dazu angehalten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken.
Für Hirschfelder ist an dem Bekenntnis vieler Muslime, den Ramadan zu praktizieren und dafür auch die Wohnung zu schmücken, noch etwas ganz anderes wichtig: Für die muslimische Community, deren Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Ländern mit teilweise anderen Kulturen nach Deutschland gekommen seien, sei gerade der Fastenmonat eine gemeinsame Identifikationsfolie.
Traditionell wird nach Sonnenuntergang auch das Fastenbrechen mit anderen gefeiert, erläutert der Kulturwissenschaftler. Gastfreundschaft habe in vielen muslimischen Haushalten nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Und während des Ramadans werde der private Raum dann sozusagen zu einer Bühne für Gastfreundschaft und für Kultur.
Dazu gehört auch, dass beim Fastenbrechen das traditionelle Gebäck Baklava gereicht wird. Es besteht aus dünnen Teigschichten, die übereinander gelagert werden. Dazwischen kommt eine Füllung aus Pistazien oder Nüssen. Auch für spezielle Bäckereien ist der Fastenmonat eine Zeit, in der besonders viel Baklava gebacken wird.

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Zunehmend wird der Monat auf sogenannten Ramadan-Märkten auch öffentlich begangen. Angelehnt an den Weihnachtsmarkt, gibt es in vielen Städten ein solches Event mit vielen Lichterketten und Essensstände. Es beginnt allerdings gemäß dem muslimischen Fastenmonat nach Sonnenuntergang und zieht sich oft bis nach Mitternacht hin.
Der Ramadan endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens, arabisch Eid al-Fitr, das in diesem Jahr am 19. März beginnt. Dann findet auch das Zuckerfest statt, an dem traditionell Kinder beschenkt werden und Besuche stattfinden
In vielen Familien werden in den Tagen die Ramadan-Halbmonde und andere Utensilien abgehängt und in Kisten verstaut – bis zum nächsten Jahr. Gut zwei Wochen später ist Ostern, damit endet die christliche Fastenzeit.
