Fasten gilt in vielen Religionen als wertvolle geistige Übung. Auch für Christen und Muslime. In diesem Jahr beginnen sie gemeinsam.
Bonn (KNA). Am 19. Februar beginnt für Muslime der Fastenmonat Ramadan. Nur einen Tag zuvor, am Aschermittwoch, gehen auch Christen in ihre 40-tägige Fastenzeit bis Ostern.
Für den Dialog zwischen den Religionen ist das ein Glücksfall, der dem islamischen Mondkalender zu verdanken ist. Denn er verschiebt den Beginn des Ramadan jedes Jahr um zehn bis elf Tage nach vorne.
Schon seit einigen Jahren haben sich beide Fastenzeiten deshalb überschnitten, doch ein gemeinsamer Start ist äußerst selten.
Fasten als Besinnung auf Gott
Christen wie Muslime suchen im Verzicht auf materielle Genüsse die Besinnung auf Gott, ihre jeweiligen Glaubensinhalte und die eigene Spiritualität.
Die Zeit der Entbehrung und Buße soll geistige Selbstdisziplin und das Mitgefühl mit Bedürftigen stärken. Beide Religionen erlauben Ausnahmen für bestimmte Gruppen, so sollen etwa Kranke und Schwangere nicht fasten.
Doch es gibt auch große Unterschiede zwischen Ramadan- und christlichem Fasten. Während Muslimen an allen 30 Tagen des Monats von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jegliches Essen und Trinken, sogar Rauchen und Geschlechtsverkehr strikt untersagt sind, gilt für Christen vor allem der Fleischverzicht.
Streng geregelt sind in der katholischen Kirche aber nur der Aschermittwoch und der Karfreitag. Für Protestanten herrschen keine speziellen Vorschriften.
Zwischen Individuum und Gemeinschaft
Auch deshalb ist das Fasten im christlichen Kontext heute stark individualisiert. Man verzichtet auf Süßigkeiten, Alkohol, Fernsehen oder Social Media. Im Alltag christlich geprägter Länder wie Deutschland spielt die vorösterliche Enthaltsamkeit kaum noch eine Rolle.
Der Ramadan, der mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens endet, hat im Glaubensleben von Muslimen dagegen einen wichtigen Platz. Neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Pflichtgebeten, der Almosengabe und der Wallfahrt nach Mekka ist er eine der fünf Säulen des Islam.

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In der islamischen Welt kommt das öffentliche Leben tagsüber quasi zum Erliegen. Dafür ist nach dem abendlichen Fastenbrechen (Iftar) auf den oft festlich beleuchteten Straßen umso mehr los; es gibt öffentliche Armenspeisungen und selbst im Fernsehen laufen fromme Sendungen und besondere Unterhaltungsprogramme.
Zuhause kommen die Familien zum Iftar-Essen zusammen, am späten Abend versammeln sich Männer zum sogenannten Tarawwih-Gebet in den Moscheen – Gemeinschaft wird im Ramadan großgeschrieben.
Fasten – über alle Grenzen beliebt
In Deutschland ist das Fasten über alle kulturellen Grenzen hinweg sehr verbreitet. Etwa drei Viertel der schätzungsweise sechs Millionen Muslime in Deutschland halten sich laut einer Studie ganz oder teilweise an die Gebote des Ramadan.

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Aber auch 72 Prozent der Mehrheitsgesellschaft gaben 2025 in einer repräsentativen Forsa-Umfrage an, zwischen Aschermittwoch und Ostern auf Genüsse zu verzichten, meist auf Alkohol, Süßes oder Fleisch – und das, obwohl bekennende Christen inzwischen die Minderheit sind.
Der diesjährige gemeinsame Fasten-Start sei für das interreligiöse Verständnis eine besondere Gelegenheit, sagten christliche und muslimische Vertreter der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Förderlich für den Dialog
„Die zeitliche Überschneidung bietet eine willkommene Gelegenheit, einander besser kennenzulernen und den respektvollen, förderlichen Dialog zwischen Christen und Muslimen zu vertiefen“, so Timo Güzelmansur, der die Fachstelle der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für den christlich-islamischen Dialog (CIBEDO) in Frankfurt leitet. Trotz unterschiedlicher theologischer Hintergründe teilten beide Religionen das Streben nach Nächstenliebe und Solidarität.
„Ein schöner Zufall“, meint auch die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft in Köln, Dunya Elemenler, über den gemeinsamen Aufbruch ins Fasten. „Auch wenn wir aus unterschiedlichen Gründen und auf verschiedene Weise fasten, verbindet uns dabei die Hinwendung zu Gott und zum Mitmenschen.“

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Schon in den vergangenen Jahren habe man bei gegenseitigen Einladungen die jeweiligen religiösen Eigenarten beachtet, erzählt die Muslimin. Wenn sie christliche Freunde und Freundinnen zum Fastenbrechen einlade, stimme sie das Menü auf deren Fasten ab und verzichte beim Hauptgang auf Fleisch oder Zucker im Nachtisch.
„Umgekehrt beginnen meine christlichen Freundinnen und Freunde erst mit dem Essen, wenn meine Zeit des Fastenbrechens gekommen ist.“ Nicht nebeneinander, sondern als gläubige Menschen miteinander in dieser Gesellschaft zu agieren, nennt Elemenler den Inbegriff eines gelebten Dialogs.
Zeit für interreligiöses Fasten bietet auch noch das kommende Jahr: Dann beginnt der Ramadan am 8. Februar – dem Rosenmontag.
