In Sarajevo gibt die osmanische Altstadt jeden Abend die wunderschöne Kulisse für eine festliche Stimmung nach Sonnenuntergang vor.
(iz). Während Europa unter den Lasten der Finanzkrise stöhnt und das Auseinanderbrechen der Eurozone – und sogar den Rückfall in den Nationalismus – befürchtet, sind Millionen Muslimen durch einen alten Ritus vereint: das Fasten.
Jeden Tag üben Millionen Gläubige, vereint in einem überlieferten Ablauf, den Verzicht auf Nahrung und Konsum ein. Das Fasten gleicht so für einige Stunden die unterschiedlichsten Lebensverhältnisse an.

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Im Mittelpunkt steht das Verhältnis der Menschen zu ihrem Schöpfer und die Reflektion über die Bedeutung des eigenen Daseins. Am Abend nach Sonnenuntergang dreht sich das Geschehen dann in eine ausgelassene Atmosphäre, es wird gemeinsam gegessen, gefeiert und gebetet.
In allen Moscheen Europas treffen sich Muslime zu besonderen Gebeten und Vorträgen. Dabei ist die Praxis des Fastens zwischen allen Glaubensrichtungen unstrittig. Natürlich gibt es auch regionale Unterschiede, die sich besonders in den Stunden nach Sonnenuntergang zeigen.
Es gibt zum Beispiel bestimmte Traditionen, was man abends isst oder trinkt. Besonders interessant ist der Ramadan in den muslimischen Regionen Europas. In Sarajevo gibt die osmanische Altstadt jeden Abend die wunderschöne Kulisse für eine festliche Stimmung nach Sonnenuntergang vor.
In vielen Lokalen trifft man sich zum Fastenbrechen oder geht später zu Konzerten unter freiem Himmel. Im andalusischen Granada genießen die Gläubigen nach einem Fastentag mit großer Hitze das Fastenbrechen. Sie sitzen nach dem Gebet noch lange auf der Terrasse der örtlichen Moschee im Albaycin; bis zum Morgengebet herrscht hier ein buntes Treiben.
Natürlich fehlt es in vielen deutschen Städten wie Berlin an dieser einmaligen architektonischen Umgebung. Aber in unzähligen kleinen und großen Moscheen fehlt es dennoch weder an Atmosphäre, noch am Zusammenhalt.

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Jeder muslimische Haushalt lädt in dieser einmaligen Zeit gerne Gäste zum Essen ein. In den Moscheen wird Geld für sozial Bedürftige oder Menschen in Not gesammelt. Auch wenn die Muslime in Großstädten wie Berlin nur eine Minderheit sind, es ist gerade die Fastenzeit, die ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl schafft.
Außerdem laden Dutzende Gemeinden traditionell auch die Nachbarschaft zum Fastenbrechen ein. Die Besucher werden so Teil des reichhaltigen spirituellen Lebens im Islam. In ganz Europa wird so deutlich, dass es zwischen Muslimen in Europa manche kulturellen Unterschiede gibt, aber auch eine große Einheit in der Lebenspraxis selbst.
