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Dieser Ramadan in Berlin

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Foto: Mohd. Faizol Aziz/Bernama

Ramadan 2026 in der Hauptstadt. Der US-Berliner Journalist Robert Rigney zieht eine recht persönliche Bilanz.

Berlin (iz). Von 2011 bis 2012 lebte ich in Istanbul. Es war mein letztes Jahr als Nichtmuslim. Seit mehr als einem Jahrzehnt hatte ich über den Islam nachgedacht. Das Leben drehte sich bis dahin um Balkanmusik und abendliches Ausgehen, und doch wusste ich im Hinterkopf, dass der beschrittene Weg nicht der richtige war. Gedanken über den Din drängten sich mir immer wieder auf.

Ich ahnte, dass ich mich eines Tages zum Islam bekehren würde, aber ich war noch nicht bereit. Die Erfahrungen, die ich in Istanbul sammelte, sollten mich schließlich dazu ermutigen, die letzten Schritte zur Annahme des Islam zu gehen. Ich war dort Englischlehrer und unterrichtete an einer Filiale der Berlitz-Schule auf der asiatischen Seite der Stadt. Meine Schüler waren Geschäftsleute aus allen Gesellschaftsschichten. Einige waren nicht religiös, andere schon.

Foto: home for heroes, Shutterstock

Berlitz hat recht strenge Richtlinien, wie Englischunterricht zu gestalten ist, doch für eine spezifische Klasse beschloss ich, die mir auferlegte starre Struktur aufzugeben und stattdessen offene Konversation zu fördern. Das Thema unserer Gespräche drehte sich unweigerlich um Religion, insbesondere um den Islam.

Noch nicht in Berlin: Istanbuler Vorspiel

Der Fastenmonat 2011 fiel damals auf Ende Juli. Vielleicht war es die wohltuende Wirkung der Gespräche mit meinen muslimischen Schülern. Jedenfalls beschloss ich, obwohl noch kein Muslim, am ersten Tag zu fasten, nur um zu sehen, wie es so ist.

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Zuvor verbrachte ich die Wochenenden in Taksim, Istanbuls Ausgehviertel auf der europäischen Seite, das voller Meyhanes und Musikclubs ist. Doch der Reiz dieses Kiezes hatte allmählich nachgelassen. Stattdessen wuchs das Interesse am religiösen Viertel Fatih am Goldenen Horn, einem der geschichtsträchtigsten Stadtteile Istanbuls, den mir einige meiner wohlmeinenden Studenten jedoch abzuraten versuchten.

Ich hatte begonnen, mich nahe der Fatih-Moschee aufzuhalten, einem historischen Sultans-Komplex aus dem 15. Jahrhundert, der von Sultan Mehmed II. nach seiner Eroberung im Jahr 1453 in Auftrag gegeben wurde, einen bedeutenden Übergang zur osmanischen Herrschaft markierte und das Grab von Mehmed II. beherbergt.

Dort verbrachte ich den ersten Tag des Ramadan 2012, in und um die Moschee herum, und versuchte, mein Verlangen nach einer Zigarette sowie Hunger- und Durstgefühle zu bekämpfen. Schließlich ging ich zum Iftar in ein kleines türkisches Restaurant vor den Moscheetoren, wo mir ein paar freundliche Muslime alles Gute wünschten und meine Mahlzeit bezahlten.

Ich erinnere mich noch immer an die Herzlichkeit ihrer Begrüßung, als ich mich an ihren Tisch setzte. Muslim zu sein bedeutete, Teil einer großen universellen Bruderschaft zu sein, beschloss ich.

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Foto: Shutterstock

Zurück in Berlin

Als ich etwa fünf Monate später wieder in Berlin war, beschloss ich schließlich, dass die Zeit gekommen war, den Islam anzunehmen. Ich hatte mich nicht aus oberflächlichen politischen Gründen dazu entschlossen, Muslimin zu werden.

Vielmehr entsprang dieser Wunsch aus tiefstem Herzen. Ich sprach meine Schahada und versuchte, wann immer es mir möglich war, die fünf täglichen Gebete zu verrichten. Es dauerte eine Weile, bis mir die volle Bedeutung dieser Pflicht bewusst wurde. Ebenso wie die des Ramadanfastens.

Verzicht während des Monats Ramadan ist eine der fünf Säulen des Islam, und doch hatte ich diese Praxis viele Jahre lang vernachlässigt, nachdem ich Muslim geworden war. Ich musste morgens und abends Medikamente einnehmen, und mir war von wohlmeinenden Hocas und Mitmenschen erklärt worden, dass ich daher von der Fastenpflicht befreit sei.

Dennoch machte es mich traurig, dass ich an dieser wichtigen islamischen Pflicht nicht teilnehmen konnte, und ich fühlte mich von diesem reichen Teil unserer Religion abgeschnitten.

Vor zwei Jahren beschloss ich dann, daran teilzunehmen. Ich schaffte es und nahm mir vor, von da an jedes Jahr zu fasten. Doch erst 2026 begann ich, die volle Bedeutung der Tarawihgebete zu schätzen, jener besonderen nächtlichen Gebete, die während des Ramadan verrichtet werden.

Ein Tarawih in der Hauptstadt

An diesen Gebeten, die nach dem Nachtgebet stattfinden und als Sunna von großer Bedeutung sind, um die spirituelle Verbindung zu vertiefen, hatte ich schon ein paar Mal teilgenommen. Doch damals erschienen sie mir sinnlos und anstrengend. Erst als ich letzten Monat zur Umrah aufbrach, konnte ich die Gnade, die mit ihrer Vollendung einhergeht, voll und ganz würdigen.

Tarwih wird oft gemeinsam in Moscheen verrichtet und fördert so den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Es besteht aus mehreren Rakats, in der Regel zwischen 8 und 20. Der Prophet Muhammad sagte: „Wer während des Ramadan aus Glauben und auf der Suche nach seiner Belohnung zum Nachtgebet steht, dem werden alle seine früheren Sünden vergeben.“

Nach meiner Rückkehr von der Umrah, wo ich mich gemeinsam mit anderen aus meiner Gruppe dem Tarawih in der Masjid al-Haram in Mekka gewidmet hatte, kehrte ich nach Berlin zurück und begann, mich in der Emir-Sultan-Moschee im Berliner Stadtteil Schöneberg diesen Gebeten zu widmen.

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Foto: Muslimische DiaLogen | Rat Berliner Imame

Schulter an Schulter – Ramadan in Berlins Moscheen

In Berlin gibt es mehr als achtzig Moscheen. Die meisten davon befinden sich in den traditionellen Einwanderervierteln der Stadt, wie Neukölln, Kreuzberg und Wedding.

Dort, wo ich wohne, im Bezirk Wilmersdorf, gibt es nur eine, zufälligerweise der älteste noch erhaltene Bau Deutschlands, der in den 1920er Jahren errichtet wurde. Die für mich am günstigsten gelegene ist jedoch die Emir-Sultan-Moschee, eine fünfzehnminütige Busfahrt von meinem Wohnort entfernt.

Die Gemeinschaft, die sich (wie viele in Berlin) im Hinterhof einer ehemaligen Fabrik aus rotem Backstein befindet, ist eine türkisch geprägte. Sie ist benannt nach der gleichnamigen Moschee in Bursa, Türkei, einem osmanischen Komplex aus dem 14. Jahrhundert und bedeutenden Pilgerort, der gegenüber dem Mausoleum von Emir Sultan liegt, einem renommierten islamischen Gelehrten und Berater von Bayezid I.

Im Laufe der Jahre, in denen ich die Gebete in ihr besucht habe, habe ich einige der Stammgäste dort kennengelernt. Es ist immer eine Freude, ihre Gesichter zu sehen. Wir geben und nehmen geistige Kraft voneinander.

Durch ihren regelmäßigen Besuch werde ich immer wieder von der Bedeutung und den Tugenden der Jamaat beeindruckt. Das Gebet in Gemeinschaft gilt als 27-mal lohnender als das Beten allein, wie in zahlreichen Hadithen betont wird.

Man steht Schulter an Schulter, unabhängig von Nationalität und sozialem Status, und entwickelt so ein Gemeinschaftsgefühl. Es wird während des Tarawihs noch verstärkt, wo der gute Geist unserer muslimischen Glaubensbrüder dazu anspornt, einander in Ausdauer und richtigem Handeln zu übertreffen.

Es ist 24 Jahre her, seit ich 2012 den Islam angenommen habe, und im Laufe meiner Zeit als Muslim ist mir bewusst geworden, dass man sich nicht über Nacht vollständig verändern kann.

Spirituelle Reife und Reifung erfolgen schrittweise, in kleinen Sprüngen, über die Jahre hinweg durch die Gnade Allahs. Man kann sie nicht beschleunigen. Dieser Ramadan war für mich jedoch ein besonderer.

Was mit der Umrah in Mekka begann und hier in Berlin fortgesetzt wurde und inshallah bis zu den letzten Tagen des Ramadan andauern wird, wird sich mit der Gnade Allahs über den Rest des Jahres und der kommenden fortsetzen.

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