Berlin (KNA). Zahlreiche Regierungen im Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region) haben 2019 mit staatlicher Gewalt auf friedliche Demonstrationen reagiert: Beispielsweise seien ĂŒber 500 Menschen im Irak und 300 im Iran bei der brutalen Niederschlagung von Protesten getötet worden, heiĂt es in einem am 18. Februar von Amnesty International veröffentlichten Bericht zur Menschenrechtslage in 19 Staaten der Region. Auch in Algerien, Ăgypten, dem Libanon und Israel beziehungsweise den besetzten palĂ€stinensischen Gebieten gab es demnach Gewalt gegen Demonstranten sowie willkĂŒrliche Festnahmen.
Amnesty dokumentierte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 367 Inhaftierungen von Menschenrechtsverteidigern in der Region, davon allein 240 willkĂŒrliche Festnahmen im Iran. In zwölf der insgesamt 19 LĂ€nder wurden der Hilfsorganisation zufolge mindestens 136 Menschen inhaftiert, weil sie in den Sozialen Medien ihre Meinung geĂ€uĂert hatten.
Die Behörden versuchten laut Bericht auĂerdem, Menschen daran zu hindern, online auf Informationen zuzugreifen oder sie zu verbreiten, um beispielsweise neue Proteste zu unterbinden. Sie schalteten demnach das Internet ab oder unterbrachen Messenger-Anwendungen, zensierten Websites und verhinderten den Zugriff auf Soziale Netzwerke. âDie Tatsache, dass Regierungen in der gesamten Region einen Null-Toleranz-Ansatz bei der friedlichen MeinungsĂ€uĂerung im Internet verfolgen, zeigt, wie sehr sie die Macht der Ideen fĂŒrchten, die die offizielle Politik in Frage stellenâ, erklĂ€rte der Recherche-Direktor von Amnesty International fĂŒr die Region, Philip Luther.
Dennoch hĂ€tten die Demonstranten den zahlreichen staatlichen Repressionen getrotzt und seien weiterhin auf die StraĂe gegangen, um ihren Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und politischen Reformen Gehör zu verschaffen. Das Jahr habe gezeigt, âdass die Menschen auch nach dem âverblĂŒhten Arabischen FrĂŒhlingâ den Glauben an ihre gemeinsame VerĂ€nderungsmacht nicht verloren habenâ, sagte der deutsche Amnesty-GeneralsekretĂ€r Markus Beeko.