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Bräute für China: Frauenhandel als Geschäftsmodell

Foto: Siam Pukkato, Freepiks.com

Rangun (KNA) „Die Familie brachte mich in ein Zimmer. Jedes Mal, wenn mir der chinesische Mann Essen brachte, vergewaltigte er mich“, sagt eine 16 Jahre alte Kachin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Sie war von ihrer Schwägerin als „Braut“ nach China verkauft worden. Eine andere, 36 Jahre alte Kachin wurde 2016 zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn Opfer von Menschenhändlern. Sie erzählt in dem Bericht: „Nach drei Tagen brachten sie mich zu einem eingezäunten Gelände. Der Zaun war so hoch, dass man nicht sehen konnte, was dahinter vor sich ging. Sie trennten mich von meinem Kind und führten mich Männern vor. Als ich sagte, ich würde keinen der Männer mögen, wurde ich von dem Vermittler geschlagen. Das ging tagelang so. Der Vermittler wurde wütend und vergewaltigte mich.“
Zwei von 36 Frauengeschichten aus dem 112 Seiten langen Bericht „Gib uns ein Baby und wir lassen dich gehen“. Die Dunkelziffer von Frauen aus Myanmars Kachin-Region, die von Menschenhändlern als Bräute, Prostituierte, Arbeiterinnen oder „Gebärmaschinen“ nach China verkauft werden, liege um einiges höher, befürchtet HRW. „Die Behörden von Myanmar und China schauen weg, während skrupellose Schlepper Frauen und Mädchen der Kachin in die Gefangenschaft und für unaussprechlichen Missbrauch verkaufen“, sagt HRW-Frauenrechtsexpertin Heather Barr.
Viele dieser Frauen stammen aus den Flüchtlingslagern in Kachin, in denen mehr aas 100.000 Menschen unter schwierigsten humanitären Bedingungen leben. Seit 2011 führt die Armee von Myanmar im rohstoffreichen Kachin-Staat an der Grenze zu China einen Krieg gegen die Armee der Separatisten.
China braucht Frauen. Wegen der 2015 abgeschafften Ein-Kind-Politik hat das Reich der Mitte ein Geschlechterdefizit von mindestens 40 Millionen Frauen. Heiratsfähige Männer schauen sich daher mit Hilfe von Spezialagenturen im Ausland um. Ein weiteres Problem ist laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua der steigende Wohlstand der Chinesen, der die Kosten für eine chinesische Ehefrau in schwindelerregende Höhen treibe. Ein Haus, ein Auto und Bargeld bis fast 90.000 Euro für die Brauteltern seien keine Seltenheit mehr. Frauen aus Kachin hingegen kosten nach HRW-Angaben – je nach Aussehen – umgerechnet zwischen 2.700 und 11.500 Euro.
Frauen werden mitunter jedoch auch nur zum Kinderkriegen nach China verkauft. „Ich hatte eine Geburt. Nach einem Jahr erhielt ich die Erlaubnis, nach Hause zu gehen. Aber ohne das Baby. Die Familie hatte mir nur erlaubt, dem Baby die Brust zu geben. Dann hat mir die Schwiegermutter das Baby weggenommen“, berichtet eine Kachin den HRW-Mitarbeitern.
Der Frauenhandel zu Heiratszwecken ist auch in anderen asiatischen Ländern ein immer lukrativeres Geschäftsmodell. In Indien herrscht Frauenmangel, weil trotz gesetzlichen Verbots weibliche Föten zehntausendfach abgetrieben werden. Vor allem in Assam, Westbengalen und Bihar werden Mädchen entführt, um in nördlichen Bundesstaaten wie Haryana zwangsverheiratet zu werden. Die indische Polizei registrierte 2016 mehr als 34.000 entführte Frauen, von denen die Hälfte unter 18 Jahre alt war.
In Kambodscha, Vietnam und Laos hingegen sind, wie in Kachin, die Frauenhändler im chinesischen Auftrag unterwegs. Trotz Aufklärungskampagnen und Polizeieinsätzen gegen die Schlepperbanden werden Frauen aus einem Grund immer wieder Opfer des modernen Sklavenhandels: Armut.
Im mehrheitlich muslimische Pakistan entwickeln chinesische Firmen den 62 Milliarden US-Dollar teuren „China Pakistan Economic Corridor“ als Teil der „Neuen Seidenstraße“. Gebaut werden die Fernstraßen, Eisenbahnlinien und Häfen von Zehntausenden alleinstehenden chinesischen Arbeitern. Die katholische Kirche Pakistans sieht mit Sorge die zunehmende Zahl von Ehen zwischen einheimischen Frauen und Chinesen. Pater Inayat Bernard, Rektor der katholischen Kathedrale in Lahore, warnte gegenüber dem Portal Asianews: „Die betroffenen Mädchen werden für Prostitution benutzt.“

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