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„Die größte Nähe zu Muslimen“

Foto: Sozialdienst muslimischer Frauen Freiburg e.V.

Kempten (KNA). Der Sozialdienst muslimischer Frauen (SmF) setzt auf den Aufbau einer muslimischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. „Erst mal wäre es natürlich schön, wenn sich der SmF flächendeckend in Bayern und Deutschland etablieren könnte“, sagte die Kemptener SmF-Vorsitzende Ayla Inan im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Inan ergänzte: „Mittelfristig halte ich auch weitere muslimische Sozialeinrichtungen für vorstellbar: beispielsweise Altenheime, Kindergärten oder Frauenhäuser.“

Der SmF-Bundesverband wurde 2016 in Köln gegründet, 2018 sein Ableger in Kempten. Sieben weitere Ortsvereine gibt es in Delmenhorst, Freiburg, Köln, Krefeld, Neumünster, Sindelfingen und Stuttgart. Insgesamt hat der SmF nach eigenen Angaben gut 450 Mitglieder und bisher rund 3.000 Klienten beraten und begleitet.

In Kempten zählt er demnach 45 Mitglieder und an die 500 Klienten. Der SmF ist nach eigener Darstellung der erste bundesweite muslimische Frauenverband in der Wohlfahrtspflege und richtet sich an alle Menschen „ungeachtet der religiösen, ethnischen, kulturellen und weltanschaulichen Zugehörigkeit“. Gefördert wird der SmF vom Bundesfamilienministerium.

Im Vergleich zu anderen Wohlfahrtsverbänden hat der SmF laut Inan „die größte Nähe zu Muslimen und zu Menschen, die aus der Ferne nach Deutschland gekommen sind“. Sie erklärte: „Wir kennen ihre Mentalität und wissen, wo bei ihnen der Schuh drückt – weil wir denselben Hintergrund haben wie sie. Muslime und andere Migranten haben deshalb uns gegenüber viel weniger Berührungsängste als in ‘etablierten’ Verbänden, wo sie sich vielleicht sprachlich oder kulturell fremd und unverstanden fühlen.“

Die Arbeit des SmF ist Inan zufolge vielfältig: „Wir befassen uns zum Beispiel mit Kindererziehung, Impfen und Mülltrennung, mit häuslicher Gewalt genauso wie mit Basteln und Nähen, Inklusion und Diskriminierung.“ Auch wolle man die Mehrheitsgesellschaft für muslimische Belange sensibilisieren.

In Kempten liege den Mitarbeiterinnen besonders die Bildung am Herzen. So werde etwa versucht, Eltern zur Mitarbeit im Schulbereich zu motivieren. Denn in diesem Bereich würden Migranten und Muslime bisher nicht oft gesehen. Das hänge auch damit zusammen, dass Eltern-Einsatz in Schulen in südlichen Ländern nicht verbreitet sei, erläuterte Inan: „Das ist einfach eine andere Tradition.“

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