
Hamburg (KNA). Als erstes Bundesland führt Hamburg einen Religionsunterricht in interreligiöser Trägerschaft ein. Seine Inhalte werden künftig gleichberechtigt von der evangelischen Kirche, der jüdischen Gemeinde, drei islamischen Verbänden und der alevitischen Gemeinde verantwortet. Alle Beteiligten dürften eigene Religionslehrer entsenden, wie Bildungssenator Ties Rabe (SPD) am Freitag in der Hansestadt mitteilte. Die katholische Kirche beteilige sich zunächst nur im Rahmen eines Modellversuchs. Das Konzept werde in den nächsten Jahren schrittweise an allen Hamburger Schulen eingeführt.
„Das gemeinsame Lernen der Kinder ist eine wunderbare Idee für unsere religiös und kulturell vielfältige Stadt“, sagte Rabe. „Es wird kein ganz anderer Religionsunterricht, aber ein besserer, weil er die verschiedenen Religionen gleichberechtigt berücksichtigt.“ Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs betonte: „Wenn die Kinder künftig abwechselnd von Lehrkräften unterschiedlicher Konfessionen unterrichtet werden, wird das den Dialog weiter stärken.“
Das neue interreligiöse Modell wurde nach Angaben der Schulbehörde fünf Jahre lang an mehreren Pilotschulen erprobt. Ein verfassungsrechtliches Gutachten bestätige die Rechtmäßigkeit des eingeschlagenen Wegs. Der „Religionsunterricht für alle“ werde auch künftig von an der Universität ausgebildeten Lehrern im Dienst des Staates erteilt. An der Uni Hamburg seien zusätzlich Lehramtsstudiengänge für islamische und alevitische Religion eingerichtet worden. „Im Religionsunterricht geht es nicht um Mission, sondern um Bildung und religiöse Mündigkeit“, hieß es.