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Hunger und Vertreibung in der Zentralafrikanischen Republik

Foto: UN Photo, Herve Serefio

Seit 2013 ist die Zentralafrikanische Republik im Ausnahmezustand. Damals stürzten Rebellen Präsident Francois Bozize. Der greift nun wieder nach der Macht – und stürzt sein Land noch tiefer ins Chaos.

Bangui (KNA), Vor einem Monat strömten die Menschen in Bangui mit einem Wunsch in die Wahllokale: Das Votum möge ihrem Land endlich Frieden bringen. Doch davon ist die Zentralafrikanische Republik jetzt weiter entfernt als zuvor. Rebellen kontrollieren zwei Drittel des Landes und der im Amt bestätigte Präsident Faustin Touadera muss um seine Existenz bangen. Mit Hilfe von UN-Soldaten und russischen Söldnern versucht seine Regierung, die Hauptstadt gegen einen alten Feind zu verteidigen.

„Bangui ist eingekesselt und einige der Rebellen sind schon hier. Die Bevölkerung hat Angst“, sagt Georgette Koyt-Deballe, Akademikerin in der zentralafrikanischen Hauptstadt. Viele hätten Schwierigkeiten, zu ihrer Arbeit zu gelangen; aus Furcht vor Anschlägen hätten die Behörden öffentliche Transportmittel stillgelegt. Viele Zufahrtswege in die Hauptstadt seien abgeschnitten. Der Preis von Eiern und Gemüse habe sich dadurch verdoppelt und verdreifacht. Fleisch wird zur Mangelware. „Es herrscht außerdem Angst, weil jene, die verdächtigt werden, in Verbindung zu den Rebellen zu stehen, verschwinden, verhaftet oder tot aufgefunden werden“, so Koyt-Deballe.

Die Regierung macht einen alten Feind für die Gewalt verantwortlich: Ex-Präsident Francois Bozize. Der Sturz des immer noch einflussreichen Politikers hatte das Land 2013 ins Chaos gestürzt. Ihm folgte ein Bürgerkrieg zwischen der islamischen Rebellenallianz Seleka und der christlichen Anti-Balaka-Miliz. 2015 fand das Land, mit Unterstützung der Vereinten Nationen, unter dem neuen Staatschef Touadera, einem Mathematikprofessor, wieder brüchige Stabilität.

Jetzt will Bozize offenbar zurück an die Macht. Am Montag verkündete die Regierung, mehr als 40 seiner Rebellen getötet zu haben, als diese versuchten, die Hauptstadt einzunehmen. Präsident Touadera rief einen Notstand aus. Bereits Mitte Januar hatten Soldaten und UN-Blauhelme 200 Rebellen am Rande der Hauptstadt zurückgedrängt. Ein Friedenssoldat starb bei dem Einsatz. „Unsere Friedenstruppen haben die Sicherheitsmaßnahmen zur Unterstützung der zentralafrikanischen Armee verstärkt und patrouillieren, um weitere Angriffe auf Bangui zu verhindern“, sagt Vladimir Monteiro, Sprecher der UN-Friedensmission MINUSCA. Es gelte, Zivilisten zu schützen.

Am Dienstag schlug das Rote Kreuz Alarm: Etwa 100.000 Zentralafrikaner seien auf der Flucht vor den Kämpfen. Viele Familien hätten die Gewalt bereits kommen sehen und versteckten sich nun in den Wäldern rund um Bangui. In der Stadt sei die Situation kaum besser. „Wir sind tief besorgt, dass die Familien nicht genügend zu essen haben. Die Zeit ist nicht auf ihrer Seite und die Situation wird nur schlimmer“, warnte der Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Bruce Biber, vor Ort.

Rebellen sollen Berichten zufolge die Autobahn zwischen Bangui und dem Nachbarland Kamerun abgeschnitten haben. Diese gilt als Lebensader der Zentralafrikanischen Republik, da über sie Lebensmittel aus Westafrika ins Land gelangen. Zuletzt kam es zu Angriffen auf Transporte. „Wir stehen bereit, um ein sicheres Geleit für die Güter nach Bangui zu geben, sobald der Verkehr wieder anläuft“, so MINUSCA-Sprecher Monteiro. Inzwischen patrouillierten die Blauhelme täglich entlang der Route. Auch für den UN-Mitarbeiter steht fest: „Die Rebellenangriffe schlagen auf die wirtschaftliche und humanitäre Situation durch.“

Während die Lage in Bangui ungewiss bleibt, sorgte zu Wochenbeginn aber eine positive Entwicklung für Nachrichten: So wurde zum ersten Mal ein Kämpfer der Seleka-Rebellen an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) nach Den Haag überstellt. Mahamat Said Abdel Kani werden Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Bürgerkriegstage 2013 vorgeworfen. Laut Alice Banens, Juristin bei Amnesty International, sendet diese erste Klage gegen die Rebellen unter internationalem Recht eine „Botschaft“ an die Täter der immer noch lodernden Gewalt: „Niemand steht über dem Gesetz.“

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