, ,

In Erwartung der besonderen Zeit

Ausgabe 321

Foto: Shutterstock

„Und (Er schuf) die Sonne, den Mond und die Sterne und hat sie durch Seinen Befehl dienstbar gemacht. Sicherlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl. Segensreich ist Allah, der Herr der Weltenbewohner.“ (Al-A’raf, Sure 7, 54)

Wir befinden uns gerade im Monat Scha’ban. Er ist Teil einer speziellen Phase des (Mond-)Kalenders, die im segensreichen Fastenmonat Ramadan mündet. An diese drei Zeiträume sind verschiedene religiöse Handlungen wie ein freiwilliges Fasten und Nächte gebunden, die Muslime in aller Welt mit der Erinnerung an Allah und dem Lobpreis Seines Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, begehen.

Wenn es irgendeine Religion gibt, die den Menschen zum Beobachten und Verstehen des Himmels einlädt, dann ist dies Islam. So ist ein gewisses Verständnis der Astronomie sogar Bestandteil der Religionsausübung. Keine andere Religion fußt derart auf der Bewegung des Mondes und der Sonne zur Zeitrechnung und Kalenderschreibung wie der Islam.

Allah hat dieses gewaltige Universum geschaffen, damit wir in und mit ihm leben und darüber nachdenken: „Und Er ist es, Der euch die Sterne gemacht hat, damit ihr euch durch sie in den Finsternissen des Festlandes und des Meeres rechtleiten lasst. Wir haben ja die Zeichen ausführlich dargelegt für die Leute, die Bescheid wissen.“  (Al-An’am, Sure 6, 97)

Die Existenz des Mondkalenders und seiner Zeitläufe erzwingt bekanntermaßen eine kontinuierliche, dem islamischen Recht entsprechende Beobachtung des Himmels, um die Anfänge (beziehungsweise das Ende) eines jeden Monats genau zu bestimmen. Werden Anfang und Ende der vorherigen Monate nicht korrekt festgelegt, bleibt die Gültigkeit des Ramadanbeginns folgerichtig im Unklaren.

Vom Propheten Muhammad, Allahs Segen und Heil auf ihm, stammte ein Bittgebet über den Anfang dieser gesegneten Zeit: „O Allah, segne uns im Radschab und im Schaben und lass uns den Ramadan erreichen.“ Auf den Radschab folgt der ebenfalls besondere Sch’aban, auf ihn der Fastenmonat Ramadan. Im Scha’ban ist es Sunna, möglichst viel zu fasten. Man kann sagen, dass er – wie auch schon der Radschab – eine Vorbereitung auf den Ramadan ist.

Er ist der achte Monat des islamischen Kalenders. ‚Aischa, die Frau des Propheten, Allahs Segen und Friede auf ihm, berichtete: „Nie sah ich den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, einen ganzen Monat hindurch fasten, außer im Ramadan; und nie habe ich ihn in irgendeinem Monat mehr fasten gesehen als im Scha’ban.“ (Muwatta, Imam Malik)

Während des Übergangs von Scha’ban zu Ramadan sollte man, wenn Zweifel bestehen, ob dieser Tag zum Ramadan gehört (weil der Neumond noch nicht gesehen werden kann), diesen nicht mit der Absicht zum Fasten im Ramadan fasten. Ein freiwilliges Fasten an diesem Tag ist zwar zulässig, sicherer ist es aber, an diesem Tag nicht zu fasten.

Im Scha’ban sollte man viel Qur’an lesen und das Bittgebet für den Propheten rezitieren, sowie die guten Taten erhöhen. Oft haben die Wohlhabenden insbesondere jetzt viel Sadaqa an die Armen gegeben, damit diese für den Ramadan gestärkt sind. Auch zieht man sich in die Moscheen zurück (I’tikaf), um den Beginn des Ramadans zu erwarten und in Abgeschiedenheit zu reflektieren.

Im Scha’ban gibt es wie im Radschab und im Ramadan eine besondere Nacht – Lailat Al-Baraa, die Nacht des 15. Scha’ban. Sie ist die Nacht der Befreiung, eine der gesegnetsten des Jahres; Segen, Gnade und Vergebung kommen in dieser Nacht auf die Erde herab. Es wird überliefert, dass in dieser Nacht Fehler – mit Ausnahme der schwerwiegendsten – vergeben werden. Hier wird auch die Versorgung der Menschen und ihre Lebenszeit bestimmt, sowie diejenigen, die die Pilgerfahrt (Hadsch) zum Haus Allahs unternehmen werden. Sich in dieser Nacht in den Moscheen zu versammeln, gehört zu den Besonderheiten der hanafitischen Rechtsschule, der in Deutschland insbesondere die türkisch-, albanisch- und bosnisch-stämmigen Muslime angehören.

Es wird berichtet, dass in dieser Nacht Schaikh Hassan Al-Basri sein Haus verließ und ganz bleich aussah, so als ob er aus seinem Grab gestiegen wäre. Er wurde gefragt, was so viel Furcht verursacht habe. Er antwortete: „Ich schwöre, dass ich in einem Zustand bin, der schlimmer ist als der eines Mannes, dessen Schiff gesunken ist, denn ich bin mir meiner begangenen Fehler bewusst, aber ich habe keine Gewissheit darüber, ob meine guten Taten angenommen werden. Deshalb sorge ich mich so viel.“