Seit dem heutigen Morgen greift das israelische Militär unter Beteiligung der USA Ziel im Iran an.
(iz, Agenturen). Explosions in Teheran, Menschen bleiben auf den Bürgersteigen stehen, blicken in einen Himmel, aus dem Rauchfahnen über zentrale Regierungsviertel driften: Der Angriff, den Israel in den frühen Morgenstunden des 28. Februar als „präventiven Schlag“ angekündigt hat, markiert eine neue Stufe der Eskalation.
Kurze Zeit später bestätigen US‑Stellen, dass amerikanische Streitkräfte an den Operationen beteiligt sind. In der iranischen Hauptstadt sind Detonationen in der Nähe des Präsidialpalastes und des Sitzes des Nationalen Sicherheitsrates zu hören, während staatliche Medien zunächst nur von „Explosionen“ sprechen, ohne die Urheberschaft zu benennen.
Fast zeitgleich ruft Verteidigungsminister Katz in Tel Aviv den landesweiten Notstand aus; Sirenen heulen. Die Behörden stellen sich auf Raketen- und Drohnenangriffe aus dem angegriffenen Land ein.
Israelische Attacke begann am Morgen
Nach übereinstimmenden Berichten richtet sich der Angriff in erster Linie gegen Raketenstellungen, militärische Infrastruktur und Kommandozentren in und um Teheran. Bewohner schildern eine Serie von Einschlägen in einem Viertel, in dem sich der Wohnsitz des obersten Staatsoberhauptes sowie zentrale Regierungsgebäude befinden.
Bilder in sozialen Medien zeigen Feuer und Rauch nahe dieser Areale. Während Tel Aviver Stellen betonen, man habe „Bedrohungen beseitigen“ wollen, bleibt zunächst unklar, wie groß der tatsächliche Schaden an militärischen Kapazitäten Irans ist.
Aus den USA verlautet, dass amerikanische Streitkräfte sich an den Operationen beteiligt hätten, zugleich aber genaue Ziele und Umfang des eigenen Beitrags offenlassen. Aus israelischen Sicherheitskreisen heißt es, der Schritt sei mit Washington abgestimmt worden.
Beide Regierungen hatten in den vergangenen Wochen wiederholt angekündigt, auf behauptete Fortschritte im iranischen Raketen- und Nuklearprogramm nicht tatenlos zu reagieren. Noch während in Teheran die Sirenen verstummen, beginnt der mediale & diplomatische Wettlauf um Deutung, Begründung und mögliche weitere Schritte.
Ein Winter der Zuspitzung
Der Schlag an diesem Morgen steht am Ende einer Kette von Entwicklungen, die sich seit Jahresbeginn stetig verdichtet haben. Am 5. Januar tagt in Israel das Sicherheitskabinett über Stunden und autorisiert weitere Operationen gegen iranische Ziele, nachdem es zuvor intensive Gespräche zwischen der Führung und dem amerikanischen Präsidenten gegeben hatte.
In Iran dauern zu diesem Zeitpunkt seit Tagen Massenproteste an, deren Niederschlagung zahlreiche Tote gefordert hat und die die innenpolitische Lage zusätzlich destabilisieren.
Mitte Januar richtet Donald Trump eine öffentliche Botschaft an die dortige Bevölkerung, in der er Proteste ausdrücklich unterstützt und erklärt, „Hilfe sei unterwegs“. Wenige Tage später kündigt er an, eine maritime „Armada“ in Richtung Naher Osten zu entsenden; darunter der Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ und mehrere Lenkwaffenzerstörer.
Parallel formulieren amerikanische und europäische Vertreter drei Kernforderungen an Teheran: ein permanentes Ende der Urananreicherung, eine strikte Begrenzung des Raketenprogramms sowie die Einstellung der Unterstützung bewaffneter Verbündeter in der Region.

Foto: USAF/Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei
Zu Beginn des Februar wird die militärische Präsenz der USA erneut verstärkt, als ein weiterer Flugzeugträger, die „USS Gerald R. Ford“, in die Region verlegt wird. Gleichzeitig nehmen Washington und Teheran in Maskat (Oman) indirekte Verhandlungen über das Nuklearprogramm auf, begleitet von der Ankündigung Washingtons, man sei weiterhin zu einem Abkommen bereit, setze Iran aber eine faktische Frist.
Am 11. Februar, dem Jahrestag der Revolution von 1979, demonstrieren Regierungsanhänger in iranischen Städten und skandieren Parolen, in denen insbesondere die USA scharf angegriffen werden. Die Führung in Teheran nutzt die Bühne, um dem Westen die alleinige Verantwortung für die festgefahrenen Gespräche zuzuschieben.
Am 13. Februar erklärt Trump öffentlich, ein Wechsel der Führung in Teheran wäre aus seiner Sicht „das Beste, was passieren“ könne. Tags darauf lassen US‑Vertreter durchblicken, dass das Militär nicht nur kurzzeitige Schläge, sondern gegebenenfalls wochenlange Operationen gegen iranische Strukturen vorbereite.
Reaktionen zwischen Warnung und Kalkül
In europäischen Hauptstädten mehren sich zu diesem Zeitpunkt Stimmen, die vor einer „Rutschbahn in den Krieg“ warnen, während in der Region selbst viele Regierungen angesichts der unklaren Lage auffallend zurückhaltend bleiben. Als am Donnerstag vor dem Angriff die indirekten Gespräche in der Schweiz ohne greifbares Ergebnis enden, sprechen Diplomaten von einer „verpassten letzten Gelegenheit“, eine militärische Konfrontation abzuwenden.
Noch während die ersten Bilder der Explosionen aus Teheran über internationale Sender laufen, formieren sich die diplomatischen Reaktionen.
Aus dem UN‑Sitz in New York dringt die Nachricht, Generalsekretär António Guterres sei „tief besorgt“ über den Einsatz militärischer Gewalt und warne vor einer „gefährlichen Eskalation in einer ohnehin instabilen Region“. Er ruft alle Beteiligten auf, internationale Verpflichtungen zu beachten und Schritte zu vermeiden, die zu einem unkontrollierbaren Konflikt führen könnten.
In europäischen Hauptstädten dominieren Appelle zur Zurückhaltung; Vertreter mehrerer Regierungen betonen, man verstehe die Sorge vor einem möglichen militärischen Nuklearprogramm Irans, halte aber eine erneute diplomatische Initiative für dringend geboten.
Aus Ankara kommt eine scharfe Verurteilung der israelischen Angriffe, verbunden mit dem Hinweis, solche Operationen gefährdeten die Chancen auf eine politische Lösung und verletzten internationales Recht. Staaten wie Mexiko, Neuseeland und Japan mahnen eine rasche Deeskalation an und warnen vor den globalen wirtschaftlichen Folgen eines länger andauernden Konflikts.

Foto: UN Photo | Mahmoud Abd ELLatiff
Russland und einige lateinamerikanische Regierungen nutzen den Moment, um generell vor Militärschlägen gegen Iran zu warnen. Moskau spricht von einem Verstoß gegen Völkerrecht und kündigt an, man werde Teherans Position auf internationaler Bühne unterstützen.
Peking hat die Angriffe kritisiert. In der Tonlage bleibt China damit bei der schon in den Wochen vor der Attacke sichtbaren Linie: politische Unterstützung für Irans staatliche Stabilität, klarer Widerspruch gegen militärischen Druck, kombiniert mit dem Angebot, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.
Für die Staaten entlang des Persischen Golfs verstärkt sich die Sorge, in eine Auseinandersetzung hineingezogen zu werden, die Handel, Energieexporte und innenpolitische Stabilität gleichermaßen bedrohen könnte.
Oman, welches in den vergangenen Monaten als Vermittler zwischen Washington und Teheran aufgetreten ist, äußert Bedauern über das Scheitern der Gespräche und warnt, dass nun die Logik des Militärischen die Oberhand gewonnen habe.
In Irak und anderen Nachbarstaaten wächst die Furcht, dass Basen und Infrastruktur auf ihrem Territorium zu Schauplätzen von Vergeltungsaktionen werden könnten.
