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Musterschüler gibt es keine

Ausgabe 318

Foto: Mauro Ujetto, Shutterstock

Bisher erfüllt kein Land das Pariser Klimaziel. Das zeigt der Klimaschutz-Index. Allerdings deuten Daten darauf hin, dass das Wettrennen begonnen hat.

(KNA). Die Gesamtnote „sehr gut“ erhält kein einziges Land. Doch weckt der auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellte Klimaschutz-Index von Germanwatch und NewClimate Institute durchaus Hoffnung: Es geht voran – aber immer noch viel zu langsam.

„Wir stehen am Anfang des Jahrzehnts, in dem es vor allem um die Umsetzung der gesetzten Klimaziele geht“, sagte Niklas Höhne vom NewClimate Institute, einer der Autoren des Berichts. „Unser Index zeigt, dass das Wettrennen zu Null Treibhausgasemissionen begonnen hat.“

Der Index ist eine seit 2005 veröffentlichte Rangliste der rund 60 Länder plus EU, die zusammen für etwa 90 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind. 500 Experten und Expertinnen haben diesmal den Energieverbrauch pro Person und die jeweiligen Strategien bewertet, wie diese verringert werden. Ebenfalls bewertet werden der Anteil der erneuerbaren Energien, die Schnelligkeit des Ausbaus sowie die jeweilige Klimapolitik.

Einen „Musterschüler“ gibt es erneut nicht. Die Plätze 1 bis 3 bleiben wieder frei, da sich noch kein Land tatsächlich auf einem 1,5 Grad-Pfad befinde. Vor allem dank großer Fortschritte bei den Erneuerbaren Energien und guter Klimapolitik belegen Dänemark, Schweden und Norwegen im Gesamt-Classement die Ränge 4 bis 6. Deutschland ist mit Rang 13 so gut platziert wie seit acht Jahren nicht mehr. Die EU wird auf Rang 22 eingeordnet – sechs Plätze schlechter als 2020.

Am Ende der Gesamtwertung befinden sich Kanada, Iran, Saudi-Arabien und Kasachstan. Der größte Emittent weltweit, China, rutscht vier Plätze auf Rang 37 ab (Gesamtwertung „schwach“). Beim zweitgrößten Emittenten USA macht sich das erste Jahr unter Joe Biden positiv bemerkbar. Im Vorjahr Schlusslicht, klettern sie nun in der Gesamtwertung um sechs Plätze auf Rang 55.

Mitautor Jan Burck von Germanwatch erläutert, die deutsche Politik habe noch keine ausreichende Antwort auf die Frage gegeben, wie sie ihre Klimaziele tatsächlich erreichen wolle. „Alle Prognosen für dieses Jahr sagen voraus, dass wir uns nach dem Rückgang der Corona-Einschränkungen wieder deutlich unterhalb des Klimaziels für 2020 befinden.“ Deutschland drohe zudem seine gesetzlich vorgeschriebenen Ziele für 2030 krachend zu verfehlen.

Bis 2009 war Deutschland ein Vorbild beim Klimaschutz. 2008 belegte es im Länderranking den ersten Platz, sackte dann aber kontinuierlich ab. Die diesmal um sechs Ränge verbesserte Platzierung ist vor allem auf gute Trends bei den Emissionen und das verbesserte Emissionsziel zurückzuführen.

Problematisch sind aus Sicht der Autoren hingegen das hohe Emissionsniveau pro Einwohner, der massiv stockende Ausbau der Erneuerbaren Energien und die als „schwach“ bewertete nationale Klimapolitik. Thea Uhlich von Germanwatch fordert von der neuen Bundesregierung ein 100-Tage-Programm gleich zu Beginn der Amtszeit. Zentral seien dann der Kohleausstieg bis 2030, ein Turbo für den Ausbau der Erneuerbaren Energien und Emissionssenkungen endlich auch im Verkehrsbereich.

Laut Bericht hat eine Reihe ambitionierter Staaten in der Kategorie „Klimapolitik“ inzwischen entschlossen den Pfad zur Klimaneutralität eingeschlagen. Neben den skandinavischen Staaten sind dies vor allem Marokko, die Niederlande, Portugal und Frankreich. Am Ende dieser Tabelle finden sich die größten Bremser: Australien mit der schlechtestmöglichen Wertung 0,0 noch hinter Brasilien und Algerien.

In der Kategorie „Erneuerbare Energien“ kommt Norwegen als einziges Land auf die herausragende Wertung „sehr gut“. Neben dem hohen Anteil von Wasserkraft setzt das Land auch zunehmend auf Wind- sowie Solarenergie. „Wenn Norwegen seine Erschließung von Öl- und Gasfeldern in der Arktis einstellen sollte, könnte das Land als erstes überhaupt einen der bisher unbesetzten ersten drei Plätze in der Gesamtwertung des Index belegen“, heißt es. „Dann wäre es wahrscheinlich auf einem tatsächlich Paris-kompatiblen Pfad.“ Dänemark überzeugt mit überwiegend guten Bewertungen in fast allen Kategorien. Allerdings hat auch der Gesamtsieger noch Nachholbedarf: bei der Energieeffizienz und beim Erreichen des 2030-Ziels.