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Fasten ist keine Diät

Ausgabe 217

Foto: Nate Pesce (2014), US-Army | Lizenz: CC BY-SA 3.0

(Lifestyle of a Muslim Girl). Da sich der Ramadan nähert, würde ich gerne über eine Sache schreiben, die mich seit Längerem beschäftigt. Erneut tritt das Fasten für muslimische Gemeinschaf­ten wieder auf die Tagesordnung. Möge ­Allah uns einen gesegneten und intensiven Ramadan gewähren. Ein Monat voller Verständnis und Segen.

Im letzten Jahr erfuhr ich eine lebens­verändernde Fastenzeit. Sie veränderte mich sprichwörtlich vom Scheitel bis zur Sohle. Mein Blick auf das Leben wurde umgekrempelt und der Monat verlieh mir eine innere Gottesfurcht. Ich weiß nicht, wie ich es in passendere Worte gießen soll, aber ich denke, dass es zum ersten Mal in meinem Leben geschah, dass mein Herz vollkommen mit der Liebe zu Allah angefüllt war. Sie war vollkom­men rein; frei von Negativität oder weltlichem Verlangen. Mir ging es allein um Allahs Zufriedenheit.

Danach habe ich begonnen – der Sunna folgend – Montags und Donnerstags zu fasten, um mindestens zwei Mal die Woche meinen eigenen, kleinen Ramadan zu schaffen. Dies ist großartig, um sich spirituell lebendig zu halten, aber nicht mit dem Ramadan zu vergleichen. So lernte ich diesen Monat noch mehr zu schätzen. Moderne Muslime schenken den beiden Monaten vor dem Rama­dan keine große Aufmerksamkeit mehr. Aber darüber geht es mir hier nicht, sondern die vorliegende Frage ist viel umfangreicher: Es geht mir um die Reinheit der Absichten.

Wir wissen, dass Handlungen entspre­chend ihrer Absichten beurteilt werden. Sie sind das Herz und die innere Dimen­sion einer Tat, die ihren Wert bestimmt. Daher wollen wir unsere Absichten immer wieder in Frage stellen. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Taten nur für Allah sind. Daher wollen wir alles ­andere beiseite legen. Wir handeln so, weil ­Allah es von uns verlangt. Da wir Ihn lieben, ist unser Streben auf Allah ausgerichtet. Unsere Absicht ist Sein Wohlgefallen, kein weltlicher Nutzen. Oft wird über eine reine Absichten gesprochen, aber da der Ramadan bevorsteht, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass es Sachen gibt, welche die Absichten der Leute im Rama­dan verdirbt.

Wir fasten. In dieser Zeit essen wir nicht, trinken nicht, haben keinen Sex, streiten nicht, verfluchen niemanden etc. Wir enthalten uns der verbotenen Dinge – und sogar ­einiger erlaubter… Da wir uns des Essens und Trinkens enthalten, verlieren wir Gewicht. Natürlich sind die meisten deswe­gen ziemlich glücklich. Kein Problem an diesem Punkt, richtig? Warten Sie, was jetzt kommt… Da wir einen Gewichtsverlust zu erwarten haben, blicken wir auf den Ramadan, um endlich abnehmen zu können. Warum wollen wir dünner werden? Um attraktiver zu ­erscheinen und den Menschen zu gefallen. So verderben wir unsere Absichten. Was einst nur um Allahs willen geschah, wird nun zu einer geteilten Sache. Egal ­welcher weltlichen Sache – uns selbst, unseren Ehegatten oder anderen – wir dies zulie­be tun, bleibt der Sachverhalt doch der gleiche.

Die Waage verbannen – Einfach nicht während des Ramadans benutzen. Oder noch besser: ab in die Abstellkam­mer! Verzichten Sie auf die Kontrolle Ihres Gewichts.

Große Spiegel – Es empfiehlt sich, den eigenen Mut nicht durch Spiegel zu ersetzen. Sollte es große Spiegel im Zimmer geben: Idealerweise mit Tüchern teilweise abhängen und nicht länger als nötig davor stehen. 40 Sekunden reichen, um das Erscheinungsbild in Ordnung zu bringen.

Shopping – Es lohnt sich, im Ramadan erst gar keine Kleidung zu kaufen. Es sollte nicht vergessen werden, dass es im Ramadan viele Dinge gibt, die man besser tun kann. Außerdem führt dies zur übermäßigen Beschäftigung mit dem eigenen Körperempfinden.

Das verpflichtende Fasten im Ramadan schafft einen Monat voller Baraka (Segen). Wir können es uns nicht wirklich leisten, diese Zeit zu verschwenden.