Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 369: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. Menschenrechte, Expansion in der Westbank und Spannungen zwischen Pakistan und Afghanistan
Epstein-Akten: Milliardäre in Afghanistan
WASHINGTON (IZ). Neue E-Mails aus dem Umfeld von Jeffrey Epstein belasten den US-Milliardär Tom Pritzker. In einer Nachricht von Juni 2011 beschreibt Pritzker, er befinde sich in einem „entlegenen Tal Afghanistans“ mit bewaffneten Soldaten – „toys and boys“ – und bezeichnet dies als seinen Geburtstagswunsch. In Online-Debatten wird zudem behauptet, der damalige Kommandeur David Petraeus habe diesen Einsatz ermöglicht. Unabhängige Bestätigungen dafür liegen bislang nicht vor.

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Taliban grenzen Frauen noch weiter aus
KABUL (KNA/IZ). Die Taliban grenzen Frauen in Afghanistan immer weiter aus dem öffentlichen Leben aus. Diese hätten kaum noch Rechte, die sie aktiv nutzen können, sagte die Afghanistan-Referentin bei Caritas international, Henrike Bittermann, in einem am 5. Februar veröffentlichten Interview. „Zuletzt war in der Presse zu lesen, dass ihnen sogar das Wort verboten wurde.“ Allerdings unterscheide sich die Situation je nach Provinz. Auf den Straßen der Hauptstadt Kabul seien beispielsweise Frauen zu sehen, die sich auch ohne Begleitung eines männlichen Familienmitglieds bewegten, obwohl dies eigentlich Vorschrift sei. Dessen ungeachtet sei die Lage der weiblichen Bevölkerung in dem asiatischen Land extrem hart. „Jede Bewegung und jedes Wort, das in die falsche Richtung gehen könnte, kann schlimme Folgen haben.“ Dazu litten insbesondere Frauen und Kinder unter massiven Mängeln in der medizinischen Versorgung, so die Expertin weiter. Caritas international sei unter anderem im Bereich Mutter-Kind-Gesundheit tätig.

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AU für palästinensische UN-Mitgliedschaft
ADDIS ABEBA (KUNA). Die Afrikanische Union (AU) forderte am 15. Februar die Aufnahme des Staates Palästina als Vollmitglied in die Vereinten Nationen und die Ausrufung einer dringenden humanitären Waffenruhe im Sudan. Dies geht aus der Abschlusserklärung des Afrikanischen Gipfels hervor, der am 14. Februar in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba begann. Darin wird betont, dass die Aufnahme Palästinas als Vollmitglied in die UNO ein legitimes Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung und Beendigung der Besatzung ist. In der Erklärung wurden auch alle Versuche, das palästinensische Volk gewaltsam nach Ägypten oder Jordanien zu vertreiben, entschieden zurückgewiesen und als schwerwiegender Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichnet.
HRW sieht Menschenrechte unter Druck
BANGKOK (KNA). In Süd- und Südostasien haben Einschränkungen der Menschenrechte und der Religionsfreiheit laut Human Rights Watch weithin zugenommen. Besonders Hongkong, China, Vietnam und Kambodscha hätten 2025 wachsende Repressionen und Menschenrechtsverletzungen erlebt, erklärten Vertreter am 5. Februar in Bangkok. Sie stellten dort das Asien-Kapitel ihres Jahresberichts vor. In Ländern wie Indien, Pakistan, Indonesien und China gerieten religiöse Minderheiten immer stärker unter Druck, hieß es. So unternehme Delhi nichts zu deren Schutz, sagte Meenakshi Ganguly, Repräsentantin von Human Rights Watch in Südasien. Mit Blick auf China erklärte Human Rights Watch in Bangkok, Tibeter, Uiguren und andere Gemeinschaften mit eigener Identität, darunter Mitglieder inoffizieller Kirchen, seien schwerster Unterdrückung ihrer Rechte ausgesetzt.

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Sieg für Mitte-Rechts bei Präsidialwahlen
DHAKA (KNA). Die Bangladesh Nationalist Party (BNP) hat bei der Parlamentswahl am 12. Februar eine klare Mehrheit errungen. Laut dem vorläufigen Ergebnis errang die Mitte-Rechts-Partei zusammen mit ihren Partnern mindestens 212 von 299 Mandaten. Die lange als Favoritin gehandelte Partei Jamaat-e-Islami und ihre Verbündeten landeten abgeschlagen dahinter. Der BNP-Spitzenkandidat und designierte Premierminister Tarique Rahman rief seine Anhänger am 13. Februar auf, keine Siegesfeiern zu veranstalten. Stattdessen sollten sie in den Moscheen für das Wohlergehen der Nation beten. Ex-Premierministerin Sheikh Hasina hatte im Sommer 2024 vergeblich versucht, Proteste gegen ihre Regierung von Polizei und Schlägertrupps ihrer inzwischen verbotenen Partei Awami-Liga niederschlagen zu lassen. Mehr als 1.000 Demonstranten wurden damals laut UN-Angaben getötet. Eine Übergangsregierung unter Leitung von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus übernahm die Macht.
Dodik will enger mit Israel kooperieren
BANJA LUKA (IZ). Der bosnisch-serbische Führer Milorad Dodik hat Israel einen mehrtägigen Besuch abgestattet. In Jerusalem traf der wegen sezessionistischer Politik international kritisierte Nationalist unter anderem Präsident Herzog und Ministerpräsident Netanjahu. Kritiker in Bosnien werfen Dodik vor, den Besuch zur Stärkung seiner separatistischen Agenda zu nutzen.

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HRW über „Stimmung gegen Migranten“
BRÜSSEL (IZ). Human Rights Watch warnt vor einer verschlechterten Stimmung gegenüber Migranten in Europa und kritisiert eine „Normalisierung“ migrationsfeindlicher Rhetorik durch etablierte Parteien. Im EU-Kapitel des aktuellen World Report dokumentiert HRW, dass Regierungen Migration „um fast jeden Preis“ eindämmen wollen. Diese Politik verschärfe soziale Spannungen, fördere Rassismus und gefährde grundlegende Rechte von Geflüchteten und anderen Schutzsuchenden.
USA setzen Versuche von Einflussnahme fort
BRÜSSEL (IZ). Die US-Regierung intensiviert ihre Versuche, den politischen Diskurs in Europa zu beeinflussen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Unterstaatssekretärin für öffentliche Diplomatie, Sarah Rogers, die im Dezember mehrere europäische Städte besuchte und sich mit einflussreichen Thinktanks traf. Laut Medienberichten sondierte sie dabei gemeinsam mit führenden Vertretern von Nigel Farages Reform UK den Einsatz spezieller Fördermittel, um „amerikanische Werte“ und eine MAGA-nahe Freiheitsrhetorik in Europa zu verankern.

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Wegen Genozid: Richter erlässt Haftbefehle
PARIS (IZ). Französische Ermittlungsrichter haben Haftbefehle gegen zwei französisch-israelische Aktivistinnen erlassen, denen „complicité de génocide“ vorgeworfen wird. Nili Kupfer-Naouri und Rachel Touitou sollen 2024 und 2025 an Grenzübergängen wie Kerem Schalom wiederholt Hilfstransporte in den Gazastreifen blockiert und öffentlich dazu aufgerufen haben, die Versorgung der Zivilbevölkerung zu verhindern. Die Haftbefehle gelten als weltweit erster Fall, in dem das gezielte Behindern humanitärer Hilfe als mögliche Beihilfe zum Völkermord geprüft wird.
Gericht hebt Verbot von „Palestine Action“ auf
LONDON (IZ). Das britische High Court hat am 13. Februar das Verbot der Gruppe „Palestine Action“ nach Anti-Terror-Gesetzen für „rechtswidrig“ erklärt. Dennoch bleibt das Verbot vorerst bestehen, da die Regierung Berufung einlegen will. Mitbegründerin Ammori sprach von einem „monumentalen Sieg“ für Grundrechte und Meinungsfreiheit, während sie das ursprüngliche Verbot als schwerwiegenden Angriff auf die freie Rede verurteilte. Die Einstufung erfolgte 2025 unter Innenministerin Cooper und stellte die Gruppe auf eine Stufe mit Al-Qaida und IS.

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Türk will Schritte gegen „aggressive Expansion“
GENF (KNA). Der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen Türk hat zu Maßnahmen gegen die nach seinen Worten aggressive Ausweitung israelischer Siedlungen aufgerufen. Israel treibe eine rassistische Segregation voran, erklärte ein Sprecher am 6. Februar in Genf. Die völkerrechtswidrigen Siedlungsaktivitäten im Westjordanland müssten nach mehreren Urteilen des Internationalen Gerichtshofs aufhören, bestehende illegale Siedlungen seien zu räumen. Die Staatengemeinschaft solle „unverzüglich handeln“.
Neue Gewalt verschärft humanitäre Lage
ADEN (IZ/IOM). Neue Gewalt im Osten des Landes droht die fragile Machtbalance im Jemen zu verschieben: Erneute Kämpfe und Unsicherheit treiben seit Wochen Familien aus Hadramaut und angrenzenden Gebieten Richtung Ma’rib, eine der letzten Hochburgen der anerkannten Regierung und Knotenpunkt rivalisierender Milizen. Der plötzliche Zustrom Tausender Binnenvertriebener verschärft den Wettbewerb um Territorium, Ressourcen und externe Hilfsgelder und könnte lokale Absprachen zwischen Regierungskräften, mit Riad verbündeten Formationen und anderen bewaffneten Akteuren destabilisieren. Die IOM warnte, das anhaltende Machtvakuum und die unterfinanzierte Hilfe eröffneten Spielräume für weitere Eskalation.

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Kasachstan will Stabilisierungstruppe entsenden
ASTANA (IZ). Kasachstan will sich laut Präsident Kassym-Jomart Tokajew aktiv an einer internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza beteiligen. Geplant sind die Entsendung von Militär- und Sanitätseinheiten sowie Unterstützung beim Wiederaufbau von Infrastruktur, Schulen und Krankenhäusern. Zudem sollen 500 Stipendien für Palästinenser vergeben und humanitäre Hilfe, etwa in Form von Weizenlieferungen, geleistet werden.
Massive Verletzungen von Menschenrechten
GENF (IZ). Migranten und Flüchtlinge in Libyen sind laut einem neuen Bericht des UN-Menschenrechtsbüros systematischen und brutalen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, darunter Tötungen, Folter, sexualisierte Gewalt und Menschenhandel. Auf Grundlage von fast 100 Interviews beschreibt der Bericht ein ausbeuterisches, „normalisiertes“ System, in dem Betroffene entführt, willkürlich in Haftzentren gebracht und zur Sklavenarbeit, Prostitution und Zahlung von Lösegeld gezwungen werden. UN-Kommissar Türk sprach von einem „nie endenden Albtraum“ und forderte zusammen mit der UN-Mission in Libyen ein Ende gefährlicher Abfangaktionen.

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Kommunen sammelten Daten von Muslimen
DEN HAAG (IZ). Zehn niederländische Kommunen haben jahrelang heimlich sensible Daten über muslimische Einwohner und Moscheegemeinden gesammelt und auswerten lassen – ohne Wissen der Betroffenen und ohne rechtliche Grundlage. Die Auftragsstudien enthielten Informationen zu religiösen Überzeugungen, politischen Ansichten, Familienstrukturen sowie Spannungen innerhalb von Moscheen und wurden teils mit Polizei und Sicherheitsbehörden geteilt. Die Datenschutzbehörde verhängte gegen die Städte – darunter Delft, Eindhoven, Tilburg und Zoetermeer – Bußgelder von insgesamt 250.000 Euro und sprach von einem schweren Verstoß gegen die EU-Datenschutzgrundverordnung, der das Vertrauen vieler Muslime nachhaltig beschädigt habe.
Erschütterndes Massaker mit über 160 Toten
ABUJA (KNA). Bei einem bewaffneten Angriff auf mehrere Dörfer im westnigerianischen Bundesstaat Kwara sind nach übereinstimmenden Angaben von Hilfsorganisationen und Menschenrechtsgruppen mehr als 160 Menschen getötet worden. Die Attacke ereignete sich den Angaben zufolge in der Region Kaiama. Die Regierung des Bundesstaates machte „terroristische Zellen“ für das Massaker verantwortlich. Nigerias Präsident Bola Tinubu beschuldigte die Terrororganisation Boko Haram, während andere politische Stimmen die Splittergruppe Lakurawa verdächtigen.
Proteste gegen Hijab-Verbot für Schulkinder
WIEN (KNA). In Wien haben am 13. Februar rund 200 Personen gegen ein geplantes Kopftuchverbot für Mädchen an Schulen demonstriert. Die Teilnehmer zogen durch die Innenstadt, um nach eigenen Worten das Recht auf Religionsfreiheit und Selbstbestimmung von Mädchen zu verteidigen. Sie sprachen von „Diskriminierung“. Das im Dezember vom Nationalrat beschlossene Kopftuchverbot soll für Schülerinnen unter 14 Jahren gelten und ab nächstem Schuljahr in Kraft treten.

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Pakistan bombardierte Ziele in Afghanistan
ISLAMABAD (IZ). Pakistan hat am 22. Februar Luftangriffe auf Ziele im Osten und Südosten Afghanistans geflogen und dabei sieben „Terrorcamps“ der pakistanischen Taliban und des IS-Ablegers IS-Khorasan getroffen. Das sei eine Reaktion auf Selbstmordanschläge, die von afghanischem Boden aus geplant worden seien, erklärte Islamabad und sprach von rund 70 getöteten Kämpfern. Lokale Behörden berichten hingegen von Dutzenden getöteten und verletzten Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, und kündigten eine „angemessene“ Antwort an.
Wirtschaft wächst weiter
RIAD (IZ). Die saudische Wirtschaft hat im vierten Quartal 2025 um 4,9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt und damit das höchste Wachstum seit drei Jahren erzielt. Laut vorläufigen Daten der Statistikbehörde trieben vor allem ein Plus von 10,4 % im Ölsektor sowie ein Wachstum von rund 4 % in den nicht-ölbasierten Aktivitäten die Konjunktur an. 2025 stieg das reale Bruttoinlandsprodukt um 4,5 %, gestützt von höheren Fördermengen nach der schrittweisen Lockerung früherer OPEC+-Förderkürzungen. Die Regierung verweist zudem auf Fortschritte in der dritten Phase der Vision-2030-Strategie.














