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Praktische Tipps für die ‘Ibada des Fastens

Ausgabe 143

Foto: Sehitlik-Moschee Berlin

(iz). Das Fasten wird nicht nur im Ramadan von Muslimen als Akt der ‘Ibada, der Anbetung Allahs, praktiziert. Die grundlegenden Regeln des Fastens kann der Leser detailliert in seriösen Nachschlagewerken gemäß dem Fiqh der vier Rechtsschulen nachlesen oder einen Imam oder Gelehrten danach fragen. Sie können hier nur kurz gestreift werden; stattdessen sollen im folgenden praktische Ratschläge im Vordergrund stehen. Zumeist sind sie auch auf das freiwillige Fasten außerhalb des Ramadan anwendbar.

Grundlegendes

Allah sagt über das Fasten: „O, die ihr Iman [Vertrauen in Allah] habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Taqwa [Furcht und Respekt vor Allah in jedem Augenblick, die das gesamte Verhalten beeinflusst] habt.“ (Al-Baqara, 183)

Das Fasten an den 30 Tagen des Monats Ramadan ist bekanntlich eine der Fünf Säulen des Islam und damit eine der grundlegenden, verpflichtenden Teile der Lebenspraxis von Muslimen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Arten des freiwilligen Fastens, die auf die Praxis des Propheten Muhammad zurückgehen und die in unterschiedlich starker Weise empfohlen sind. Als am stärksten empfohlen gilt das Fasten am Aschura-Tag, dem 10. Tag des Monats Muharram. Empfohlen ist es zudem, am Tag davor, dem 9., ebenfalls zu fasten. Weiterhin überliefert ist das Fasten jeden Montag und Donnerstag, dem zweiten und fünften Tag der Woche. Weitere Überlieferungen beziehen sich unter anderem auf das Fasten im Monat Muharram, das Fasten an drei Tagen jedes Monats, wo bei vom 13., 14. und 15. des Monats, am Tag von ‘Arafat während der Hadsch für diejenigen, die sich nicht auf der Hadsch befinden, das häufige Fasten im Monat Scha’ban oder das Fasten an sechs Tagen im Monat Schawwal, dem auf den Ramadan folgenden Monat.

Als intensivste Form des freiwilligen Fastens ist das Fasten nach dem Vorbild von Dawud, nämlich das kontinuierliche Fasten an jedem zweiten Tag, überliefert. Es gibt auch Tage, an denen es verboten ist, zu fasten, wie an den ‘Id-Tagen und am Freitag und Samstag, es sei denn man fastet dazu noch einen Tag zuvor oder danach. Verboten ist das Fasten auch für Frauen, die Monatsblutung oder Wochenbettblutung haben, sowie für jene, die fürchten, dass das Fasten für sie lebensbedrohlich wäre.

Für folgende Gruppen wurde von Allah das Fasten im Ramadan verpflichtend gemacht: Muslime – Nichtmuslime sind nicht verpflichtet, zu fasten. Für Erwachsene; Kinder bis zum Erreichen der Pubertät müssen nicht fasten. Für Geistig Gesunde; psychische Krankheit enthebt für die betroffene Phase von jeglicher Pflicht zur ‘Ibada [Handlungen der rituellen Anbetung]; für körperlich Gesunde, Kranke müssen Tage nach ihrer Gesundung nachholen. Alte oder sehr hinfällige Menschen haben, falls sie können, die Möglichkeit, stattdessen Arme zu speisen. Eine weitere Bedingung ist Freiheit von Menstruation – Frauen müssen Tage, die wegen Regelblutung ausgesetzt wurden, nachholen. Und es ist vorgeschrieben für Sesshafte – Reisende dürfen das Fasten brechen.

Damit das Fasten überhaupt gültig ist, muss man zuvor die Absicht (Nijja) dazu fassen. Manche Rechtsgelehrte meinen bezüglich des Ramadan, dass es ausreichend ist, die Absicht für das Fasten einmal zu Beginn des Monats zu fassen, andere meinen, dass es besser sei, sie an jedem Morgen vor Beginn des Fastens zu wiederholen. Das Fasten wird von allem gebrochen, was durch Körperöffnungen in den Körper gelangt, sei es Essen, Trinken oder auch Rauchen, Injektionen oder Infusionen, sowie Geschlechtsverkehr oder sexuelle Erregung, die zu einer Ausscheidung von Körperflüssigkeit führt, und erzwungenes Erbrechen.

Falls man während des Fastens eine dieser Handlungen vollzieht, so entscheidet die Absicht über die Bewertung. Geschieht es unbeabsichtigt, so wird der Tag weiter gefastet und man muss diesen Tag später nachholen, sofern es sich um Pflichtfasten handelt. Wird das Fasten im Ramadan allerdings absichtlich gebrochen, so muss man als Fidja entweder zwei Monate durchfasten oder 60 Bedürftige speisen. Es empfiehlt sich, nachzuholende Fastentage, etwa wegen Krankheit oder Menstruation, so bald wie möglich nachzuholen. Vergisst man, diese Tage bis zum nächsten Ramadan nachzuholen, sollte man für jeden nicht nachgeholten Tag eine bedürftige Person speisen, so der Gelehrte Dr. Asadullah Yate aus Potsdam. Wird ein freiwilliges Fasten versehentlich gebrochen, sollte man den Tag weiterfasten, es hat auch keine Konsequenzen. Man kann freiwilliges Fasten, anders als das Pflichtfasten im Ramadan, auch absichtlich abbrechen, wobei es unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob man den abgebrochenen Fastentag dann nachholen sollte oder nicht. Auch soll man bei absichtlichem Brechen des freiwilligen Fastens den Tag dann nicht weiterfasten.

Was Kranke betrifft, so gibt es im Islam die Sicht, dass man eine gegebene Erleichterung auch annehmen soll, demnach sollte eine kranke Person oder jemand, dessen Wohlbefinden durch eine Krankheit während des Fastens im Ramadan stark eingeschränkt wird, nicht fasten beziehungsweise sein Fasten umgehend brechen. Kranke, die Medikamente einnehmen müssen, aber dennoch fasten wollen, sollten dies mit ihrem Arzt besprechen. Es hängt von der Schwere der Erkrankung ab, ob dies möglich ist oder nicht, da die Einnahme von Medikamenten während des Fastens nicht erlaubt ist. Man sollte nicht fasten, wenn die Krankheit sich dadurch verschlimmern würde oder man starke Beschwerden hat, so auch Dr. Asadullah Yate. Für Schwangere hingegen gebe es keine generelle Befreiung vom Fasten im Ramadan, auch hier gelte aber, dass man abbrechen kann, wenn die Gesundheit des Baby oder der Mutter gefährdet sei oder das Befinden stark beeinträchtigt ist und man sich ernsthafte Sorgen macht. „Letztlich ist dies aber wie auch im Falle das Abbrechens wegen Krankheit, eine Entscheidung, die zwischen einem selbst und Allah zu treffen ist“, so Dr. Yate.

Fasten bedeutet im Islam aber nicht nur den Verzicht auf Nahrungsaufnahme, sondern hat auch eine kontemplative Seite; es ist ein bewusstes Sich-Enthalten von allen Dingen, die ungut oder der Konzentration auf Allah abträglich sind. Dazu gehört zum Beispiel, sich noch bewusster als sonst unter Kontrolle zu halten und von nutzlosem Gerede, Streit, übler Nachrede oder schlechten Wörtern zu enthalten. Der Gesandte Allahs sagte: „Wer Falschaussagen und üble Nachrede nicht unterlässt, so hat Allah kein Interesse daran, dass dieser für Allah sein Essen und Trinken unterlässt.“ Man enthält sich überflüssiger und ablenkender Dinge mit Zunge, Augen und Ohren und versucht stattdessen, sich auf Allah und das Gedenken an Ihn (Dhikr) und vermehrtes Qur’an-Lesen zu konzentrieren.

Im Ramadan sollte man auch besonders viele Spenden geben, wobei das Spenden eines Essens zum Fastenbrechen eine besondere Stellung hat. Der Prophet sagte: „Wer einer fastenden Person Nahrung gibt, wird genauso belohnt wie die fastende Person, und die Belohnung der fastenden Person wird nicht verringert.“ (Tirmidhi)

Praktische Tipps

Bei den Iftar-Essen sollte man ebenso wie beim Suhur, der kleinen Mahlzeit vor der Morgendämmerung, nicht zu viel essen. Dies widerspräche nicht nur dem Sinn und Geist des Fastens, man tut sich auch gesundheitlich damit keinen Gefallen. Es ist Sunna, das Suhur am Morgen so spät wie möglich einzunehmen. Gibt es Zweifel über den richtigen Zeitpunkt, so soll man jedoch mit dem Suhur aufhören. „Es ist besser, zum Suhur nicht zu viel zu essen, denn man wird sonst tagsüber eher träge und bekommt auch früher wieder Hunger. Dass viel zu essen, quasi ‘auf Vorrat’, besser ist, stimmt meiner Erfahrung nach nicht“, meint die deutsche Muslimin Heike Sakowski. Empfehlenswert ist ballaststoffhaltige Nahrung wie zum Beispiel Müsli, Obst, wasserreiches Gemüse (Gurken oder Tomaten) und natürlich, gerade in den Sommermonaten und längeren Tagen, viel Trinken. Das Zähneputzen muss morgens vor dem Fastenbeginn durchgeführt werden, und man sollte sich den Mund gründlich ausspülen.

Das Fasten soll unverzüglich gebrochen werden, wenn die Zeit des Sonnenuntergangs gekommen ist. In einer Überlieferung vom Propheten heißt es: „Die Leute werden auf dem rechten Weg bleiben, solange sie sich beeilen, das Fasten zu brechen“ (Bukhari). Das Maghrib-Gebet sollte nicht zu lange herausgezögert werden, es empfiehlt sich daher, zunächst mit einer Kleinigkeit das Fasten zu brechen, etwa gemäß der Sunna mit ein paar Datteln und Milch oder auch Wasser, und dann zu beten. Anschließend hat man genügend Zeit, in Ruhe zu essen und riskiert nicht, das Gebet zu spät, nach seiner eigentlichen Zeit, zu verrichten.

Zum Iftar zu viel zu essen ist auch deshalb nicht ratsam, weil es müde macht, was gerade vor dem Tarawih-Gebet kontraproduktiv ist. Man kann natürlich auch etwas Süßes zu sich nehmen, um den tagsüber abgesunkenen Blutzuckerspiegel wieder etwas anzuheben, aber nicht zu viel. Gut, da leicht und mit viel Flüssigkeit, ist auch eine Suppe. Ein Kaffee oder Tee zum Iftar ist sehr angenehm und macht munter. Ansonsten ist es, wie generell, ratsam, möglichst ausgewogen zu essen, mit Obst und Gemüse, Brot- und Getreideprodukten und Milchprodukten, und es mit Fleisch nicht übertreiben.

Wenn man am Arbeitsplatz oder unterwegs ist, kann man oft nicht das Fasten im Rahmen der Familie oder in einer Moschee brechen. Eine kurze Pause einzulegen, um das Fasten mit einer Kleinigkeit zu brechen und möglichst auch zu beten, sollte eigentlich kein Problem darstellen. Gegebenenfalls kann man dies mit dem Arbeitgeber abklären. „Ich nehme mir in der Regel Datteln mit und etwas zu trinken. Ich habe an meiner Arbeitsstelle auch problemlos die Möglichkeit, dann das Gebet zu verrichten, und dann geht es mit dem weiter, was ich gerade an Arbeit zu tun habe“, berichtet Heike Sakowski. „Ich habe sogar das Gefühl, dass ich in der Fastenzeit viel mehr leisten kann als sonst, sowohl arbeitsmäßig als auch spirituell“, sagt Jakob Kaufmann. Nicht zuletzt ist zu empfehlen, ein gewisses Maß an körperlicher Bewegung nicht zu vernachlässigen.