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In Westdeutschland sind antimuslimische Ressentiments zurückgegangen

Ausgabe 310

Religion ist eine entscheidende Kategorie

(iz). Täglich werden Menschen zur Zielscheibe rassistischer Benachteiligungen, Anfeindungen bis zu tätlichen Übergriffen. Antimuslimischer Rassismus macht dabei einen nicht unerheblichen Anteil an Hassverbrechen insgesamt aus: 2020 erfassten Behörden bundesweit mindestens 901 antimuslimische und islamfeindliche Straftaten. Mehrere Einrichtungen haben in den letzten Tagen zum Thema Papiere und Hintergründe veröffentlicht: der Mediendienst Integration, CLAIM Allianz sowie die Antidiskriminierungsinitiative des Berliner Vereins Inssan e.V.

Nach Angaben des Mediendienstes ließen sich die festgestellten Fälle vom vorherigen Jahr auf „mehr als zwei Angriffe“ täglich herunterbrechen. Allerdings sei Muslimfeindlichkeit im Vergleich zu 2018 gesunken. Das führte das Informationsportal auf ein Abnehmen antimuslimischer Ressentiments im Westen zurück. Das Vorurteil äußere sich nach den Autor*innen eines Infopapiers durch negative Einstellungen gegenüber Muslim*innen sowie ihrer Religion, ihrer Benachteiligung „in unterschiedlichen Lebensbereichen“ sowie islamfeindlichen Straftaten.

Hauptarena des Vorurteils sowie dadurch motivierter Diskriminierung sei die Öffentlichkeit. Hier sind sich die verschiedenen Einrichtungen einig. Das Berliner Netzwerk gegen Diskriminierung erfasste die meisten Fälle (48,7 Prozent) im „sozialen Nahraum“. Hierzu gehörten die Straße, der öffentliche Nahverkehr sowie die Nachbarschaft. 12 Prozent der Berliner Fälle ereigneten sich im Bildungsbereich (Kita, Schule, Universität usw.). Fast 11 Prozent betrafen die Arbeitswelt – sowohl Suche nach einem Arbeitsplatz als auch Arbeitsverhältnisse selbst.

Muslim*innen sind häufig von mehrdimensionaler Diskriminierung betroffen. Das heißt, dass verschiedene Gründe wie Religion, Herkunft und das Geschlecht miteinander verflochten sind. Unter zugewanderten Menschen würden sich Muslime deutlich diskriminierter fühlen als Christen oder Menschen ohne Religionszugehörigkeit.

Ein Hauptziel von Vorurteil und Hass seien Menschen, die von außen als Muslim*innen wahrgenommen werden. Das führt häufig dazu, dass „Frauen mit Kopftuch“ betroffen sind. Zahlen verschiedener Einrichtungen wie dem BAMF ließen den Schluss zu, dass sich diese Gruppe in den behandelten Lebensbereichen diskriminierter fühle. Das andere Schwerpunktziel antimuslimischer Straftaten sind muslimische Einrichtungen. 2019 zählte das Innenministerium 95 Angriffe auf Moscheen. Einige Organisationen dokumentierten selbst und kamen zu teils höheren Zahlen als die des BMI. (ak)

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