Lebensmittelspekulation ist ein Unding, und muss beendet werden. Kommentar von Khalil Breuern

(iz). In Deutschland gibt es viele Schreibtischhelden, die ganz gerne aus heutiger Sicht das Verhalten anderer unter den Verhältnissen der Diktatur moralisch ­beurteilen. Im Westen gilt derzeit gerne der bequeme Grundsatz, dass wir nur für ­unser politisches, aber nicht für unser ­ökonomisches Handeln Verantwortung übernehmen wollen. Heute, im Hier und Jetzt also, gibt es realen Grund zur Em­pörung. Die verbreitete Nahrungsspekulation kostet unter unseren Augen jeden Tag neue Opfer.

Man muss nicht gleich wie der Schweizer Autor Jean Ziegler von „organisiertem Mord“ sprechen, aber ein Skandal ist es doch. Nicht alle nehmen das schweigend hin. Mit einer Aktion vor dem Bundeskanzleramt unter dem Motto „Spekulation macht unbezahlbar – Mit Essen zockt man nicht!“ haben neulich einige Aktivistinnen und Aktivisten dagegen protestiert, wie Finanzinvestoren die Preise von Nahrungsmitteln beeinflussen. Leider waren keine muslimische Organisationen ­beteiligt, die Aktion fand „ohne uns“ statt, obwohl das islamische Wirtschaftsrecht Spekulationen mit Nahrungsmittel klar verbietet. Schade eigentlich, denn es wäre damit ein sinnvolles Thema gefunden, den Schulterschluss und die ­Gemeinsamkeiten mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zu suchen.

Getragen wurde die ehrbare Aktion von Attac, Weed, Oxfam, dem Südwind-Ins­titut, Medico international und der Welthungerhilfe. Die Argumente der Organi­sationen sind erschlagend. „Terminmärkte für Nahrungsmittel haben sich in den ­letzten Jahren zunehmend zum Spielfeld für Finanzinvestoren entwickelt“, beklagte beispielsweise Jutta Sundermann von Attac. „Die Folgen der Spekulation ­treffen vor allem die Ärmsten: Während der spekulativen Hochphasen wird Nahrung für Millionen Menschen unbezahlbar.“

Auf einer Leinwand zeigten die Aktivis­ten die Lebensmittel-Preiskurve der ­letzten Jahre. Im letzten Teil war diese Kurve jedoch beweglich montiert und wurde von einem „Banker“ immer wieder nach oben gezogen. Das Bündnis forderte die ­Politik auf, preistreibende Spekulation mit Nahrungsmitteln zu stoppen. Gelegenheit dazu bietet die laufende Reform der europä­ischen Richtlinie über Märkte für Finanz­instrumente (MiFID). Im Finanzausschuss des Europäischen Parlaments kämpft der Abgeordnete Markus Ferber (CSU) für Veränderung und tritt unter anderem für Handelsgrenzen („Positionslimits“) für Spekulanten ein. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ferber muss sich auch in den weiteren Verhandlungen für diese Verschärfung des Gesetzes einsetzen“, forderte Markus Henn von Weed.

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