, ,

Feiertag der Einheit und Dankbarkeit

Id Al-Fitr

Für den Feiertag zum Ende des Ramadan gibt es je nach Land oder Region auch regionale Sitten und Bräuche, die teilweise auch hier unter Muslimen verschiedener Herkunft fortleben.

(iz). Am Ende des Ramadans steht das ‘Id-Al-Fitr, vor der Tür: das Fest des Fastenbrechens. Es ist neben dem Opferfest das zweite große Fest im Islam. Türkische Muslime kennen den Tag auch als Ramazan Bayrami (Ramadanfest) oder Şeker Bayrami (Zuckerfest), während im Arabischen das ‘Id Al-Adha als ‘Id Al-Kabir (das große Fest) und das ‘Id Al-Fitr als ‘Id As-Saghir (das kleinere Fest) bekannt ist.

Die Muslime feiern den Tag als Familienfest, und nehmen sich an diesem Tag möglichst frei. Schulkinder bekommen hierzulande mittlerweile meistens nach Absprache an den ‘Id-Tagen problemlos schulfrei.

Id Al-Fitr

Foto: famveldman, Adobe Stock

Feiertag beginnt mit dem Gebet am Morgen

Zum ­morgendlichen ‘Id-Gebet sind die Moscheen an beiden großen Festen so voll wie sonst nie, sodass bei vielen der Platz kaum ausreicht. Auch viele Muslime, die sonst kaum in die Moschee gehen oder nicht konsequent ­praktizieren, gehen an diesem Tag in die Moscheen.

Nach dem Gebet trifft man sich dann zu ­einem festlichen Frühstück, denn das ‘Id Al-Fitr ist der erste Tag nach dem Fastenmonat, an dem man wieder normal essen und trinken kann. Es ist ein besonderes Gefühl, zum ersten Mal nach vier Wochen wieder tagsüber etwas zu sich zu nehmen. Die Kinder bekommen kleine Geschenke; und auch unter den Älteren hat es sich teilweise verbreitet, sich zu beschenken. Manche Familien machen Ausflüge oder Spaziergänge.

Geist der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft

Wie auch der Ramadan mit dem gemeinsamen Fasten, den vielen gemeinsamen Iftar-Essen und gemeinsamen abendlichen Tarawih-Gebeten in den Moscheen, ist auch das ‘Id vom Geist der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft geprägt.

Was das ‘Id Al-Fitr betrifft, ist es nicht so, wie man aus nichtmuslimischer Sicht meinen könnte, dass die Freude an diesem Tag vor allem daher rührt, dass man nun nicht mehr fasten muss und quasi den Ramadan hinter sich gebracht hat. Viele vermissen sogar den nun vergangenen Ramadan und freuen sich schon auf den nächsten.

Anlass zur Freude bietet vielmehr ein Ausspruch des Gesandten Allahs, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in dem es heißt: „Wer im Ramadan in festem Glauben und in der Hoffnung auf ­Belohnung fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.“

Vielen Nichtmuslimen sind leider diese schönen Seiten der islamischen Lebenspraxis, die ja auch durchaus Ähnlichkeiten damit haben, wie sie selbst ihre Feste begehen, gar nicht bekannt. Das ist schade, da dies ganz andere Bilder und Eindrücke vom Islam bieten kann, als die sehr geringen und verzerrenden, die man durch die medialen Debatten bekommt.

Id Al-Fitr

Foto: Muha Ajjan

Vor dem Gebet eine Kleinigkeit essen

Nach dem Morgengebet nimmt man entsprechend der prophetischen Sunna eine Kleinigkeit zu sich, allerdings noch kein Frühstück. Dies gilt für das ‘Id Al-Fitr; beim ‘Id Al-Adha isst man erst nach dem Gebet etwas. Es ist außerdem empfohlen, einen Ghusl (rituelle Ganzkörperwaschung) vorzunehmen und sich zu parfümieren. Dann macht man sich relativ früh zum Festgebet auf, denn die Moschee wird sehr voll sein.

Das ‘Id-Gebet findet etwa eine dreiviertel Stunde bis eine Stunde nach dem Sonnenaufgang statt. Je nach Moschee wird die Uhrzeit unterschiedlich festgelegt und kurz vor dem ‘Id bekannt gegeben, wie auch der Tag des ‘Ids selbst, der wie der Anfang des Fastenmonats entsprechend der Neumondsichtung kurzfristig bestimmt wird, sofern man nicht, wie einige Verbände, vorausberechneten Kalendern folgt.

Sollte der Neumond nicht gesichtet werden können, wird der Ramadan nach dreißig Tagen beendet. Der ‘Id-Tag ist in jedem Fall der erste Tag des Monats Schawwal, welcher dem Monat Ramadan folgt.

Vorher muss die Zakat bezahlt werden

Bis spätestens unmittelbar vor dem Festgebet müssen die Muslime für jede Person der Familie eine Pflichtabgabe, Zakat Al-Fitr, in Höhe eines täglichen Grundnahrungsmittelbedarfs an die Bedürftigen leisten, sodass auch diese sich auf das Fest freuen und vorbereiten können. Dies ist eine Bedingung für die Gültigkeit des Fastens.

Der Sunna des Propheten gemäß wird diese Spende in Form von haltbaren Nahrungsmitteln, zum Beispiel Datteln oder Getreide, gegeben; heute wird zumindest in Deutschland oft ein entsprechender Geldbetrag gegeben. Viele Muslime geben auch ihre jährliche Pflichtabgabe, die Zakat, im Ramadan.

Das Feiertagsgebet besteht aus zwei Gebetseinheiten und einer Ansprache, ähnlich wie das Freitagsgebet. Im Unterschied dazu wird allerdings zuerst das Gebet verrichtet, und dann folgt die Ansprache (Khutba). Eine Besonderheit der ‘Id-Gebete ist es auch, dass sie eine zusätzliche Zahl von Takbirat (Aussprüche von „Allahu akbar“, „Allah ist größer“) enthalten, deren Zahl und Position in den Gebetseinheiten je nach Rechtsschule unterschiedlich ist.

Nach der Schule von Imam Malik sind es sieben Takbire in der ersten Rak’a (Gebetseinheit) vor der Qur’an-­Rezitation, einschließlich des das Gebet eröffnenden Takbirs, und sechs in der zweiten, einschließlich des Takbirat, mit dem man aus der Niederwerfung aufsteht. Nach der Schule von Imam Asch-Schafi’i ist dies genauso, nur sind es in der ersten Rak’a acht statt sieben Takbire.

Im Fiqh der Schule von Imam Abu Hanifa ist es etwas anders, hier werden in der ersten Rak’a nach dem eröffnenden Takbir noch drei Takbire gesprochen, und in der zweiten nochmals drei, allerdings erst nach der Rezitation. Auch werden nach Schafi’i- und Hanafi-Fiqh bei jedem Takbir die Hände erhoben wie beim eröffnenden Takbir, nach dem malikitischen Fiqh jedoch nicht.

Id Al-Fitr

Foto: Ibrahim Abdullah

Keine Pflicht, aber eine starke Sunna

Das ‘Id-Gebet ist keine Pflicht, aber eine starke Sunna. Nach Asch-Schafi’i soll es sogar von Reisenden verrichtet werden, nach Imam Abu Hanifa hingegen nur von in Städten und Orten Ansässigen, für die auch das Freitagsgebet Pflicht ist.

Vor dem Gebet werden in vielen Moscheen von den Anwesenden beständig und laut Takbirat gesprochen und Dhikr gemacht, wobei es hier verschiedene Formen gibt. Auch auf dem Weg zur Moschee soll man schon Takbire sprechen. Man sollte gemäß der Sunna auf dem Rückweg vom Gebet einen anderen Weg nehmen als auf dem Hinweg.

Bei vielen türkischen Muslimen wurde es zur Gewohnheit, dass Frauen nicht zu den ‘Id-Gebeten gehen, so wie auch nicht zu den Freitagsgebeten. Bei vielen arabischstämmigen und Muslimen anderer Herkunft findet man hingegen bei den ‘Id-Gebeten auch Frauen und Mädchen in großer Zahl.

Anschließend gratulieren sich die Betenden und wünschen einander ein gesegnetes Fest. „‘Id mubarak!“, „‘Id mubarak sa’id!“ oder „Kul aam wa antum bi khair!“ hört man auf Arabisch oder in der türkischen Form „Bayram mübarek olsun“ – oder in welcher Sprache auch immer. Es herrscht freudige und feierliche Atmosphäre.

In manchen Moscheen, vor allem unter türkischen Muslimen, gibt es eine traditionelle Methode, sich gegenseitig zu gratulieren: Man beginnt mit dem Imam. Jeder, der ihm gratuliert hat, stellt sich zu seiner Rechten und bildet somit allmählich einen Kreis, der von den nachfolgenden Gratulanten abgeschritten wird, ehe sie sich selbst am Ende des Kreises einreihen, sodass jeder jedem gratuliert und die Hand gegeben hat.

Oft kauft man vor dem ‘Id auch neue Kleidung und Schuhe, nicht nur zum Verschenken, sondern auch um festlich angezogen den Tag begehen zu können. Den Tag begeht man nicht nur in der Familie, sondern auch in der weiteren Gemeinschaft zum Beispiel mit Verwandten, die eingeladen oder besucht werden.

Feste und Geschenke

Es gibt je nach Land oder Region auch regionale Sitten und Bräuche zum ‘Id, die teilweise auch hierzulande unter den Muslimen verschiedener Herkunft fortleben. In jedem Volk gibt es andere typische Speisen, meist Süßes und Gebäck, die am ‘Id gegessen werden. Im Grunde ist der Ablauf des Festes unter den Muslimen verschiedener Völker und Ethnien aber sehr ähnlich und unterscheidet sich eher nur in Details.

In muslimischen Ländern gibt es am Bayram-Tag oft auch öffentliche Feste, so zum Beispiel in der Türkei so genannte Fuar, mit kostenlosen Konzerten, Essen und Trinken, Karussells oder Verkaufsständen, zu denen man gerne geht. Man freut sich besonders auf diese Konzerte, die keinen Eintritt kosten, um allen den Eintritt möglich zu machen.

Sowohl das ‘Id Al-Adha als auch das ‘Id Al-Fitr umfassen hier drei Tage. Nach anderen Rechtsschulen hat das ‘Id Al-Fitr lediglich einen Tag. Bei den Türken ist das Küssen der Hand der Älteren durch die Jüngeren sehr wichtig; anschließend berühren sie die Hand der Älteren mit ihrer Stirn. Die Älteren wiederum küssen den Jüngeren die Wangen.

Die Kinder bekommen Geschenke. Üblicherweise beschenken die Älteren die Kinder; dass auch Kinder ihre Eltern und älteren Familienmitglieder beschenken oder die Ehepartner einander, sei eher eine neuere Entwicklung, erklärt Aisha Ugurlu. Die Kinder ziehen dann, zumindest in der Türkei, durch die Straßen, klingeln bei den Verwandten und Bekannten an der Tür und wünschen ihnen ein gesegnetes Fest. Daraufhin erhalten sie dort kleine Geschenke, zum Beispiel Bonbons, manchmal auch Geld.

Die ‘Id-Tage sind Tage der Einheit und Gemeinschaft der Muslime. Es ist auch eine Sitte, an den Tagen des ‘Id die Friedhöfe zu besuchen und für die Verstorbenen zu beten und Qur’an zu rezitieren. So werden auch sie an diesem Tag einbezogen und nicht vergessen.

, ,

Samen der Hoffnung – muslimehelfen verteilt Festagskleidung im Ramadan

muslimehelfen Muslime Helfen Ramadan

Community: Die Hilfsorganisation muslimehelfen e.V. engagiert sich in diesem Fastenmonat auch auf Sri Lanka und in Indonesien.

(mh/IZ). Wir befinden uns im heiligen Monat Ramadan, alhamdulillah. Abgezählte Tage in denen wir uns intensiver mit unserer Religion beschäftigen, die Nähe zu Allah (swt) und unseren geliebten Prophet Muhammad (saw) suchen, aber auch eine Zeit des Verzichtens und der Reinigung. Von Khadija Ould Sidi Mohamed

An diesen besonderen Tagen suchen viele gezielt die Nähe zur islamischen Gemeinschaft und verbringen die Nächte im Gebet. Nach Ende des gesegneten Monats Ramadan folgt eines der beiden wichtigsten Feste im islamischen Kalender: Idul-Fitr.

In den meist familiären Vorbereitungen werden Süßigkeiten und Kuchen gebacken, festliche Dekorationen gebastelt oder eingekauft sowie auch die Kleidung für den Festtag besorgt. Besonders für Kinder sind diese Vorbereitungen und die Vorfreude auf Idul-Fitr etwas Besonderes und mit viel Vorfreude verbunden.

Um auch Bedürftigen, die unter schwierigen Umständen leben, diese Freude und Wertschätzung zu geben, wurde im vergangenen Ramadan wieder Kleidung als Festgeschenk an Bedürftige verteilt.

Durch Eure Spenden konnten gleich zwei Projekte umgesetzt werden, in denen insgesamt 2.977 Bedürftige ein Festgeschenk erhalten haben. Neue Kleidung für Idul- Fitr, bringt nicht nur Freude, sondern vermittelt auch ein Gefühl von Würde, Hoffnung und Zugehörigkeit.

Es zeigt den Bedürftigen, dass sie gesehen, geschätzt und die gleichen Chancen auf Feierlichkeiten verdient haben. Des Weiteren können diese Kleider auch nach dem Fest im Alltag getragen werden. Für viele der Begünstigten ist es eine Seltenheit, wenn nicht sogar das erste Mal, dass sie neue Kleidung erhalten. Andernfalls sind sie auf gespendete Altkleider angewiesen.

Im indischen Ozean liegen die beiden Projektländer Indonesien und Sri Lanka. Trotz einer Entfernung von über 4.500 km verbindet sie das Leuchten der Gesichter der Begünstigten beim Erhalt der Festgeschenke.

Begünstigt wurden in Sri Lanka besonders bedürftige Kinder, Senioren und Menschen mit Behinderungen. Verteilt wurden die Festgeschenke in den Distrikten Trincomalee und Kandy.

Die hier Lebenden sind zu 90% Muslime. Der Großteil davon lebt unter der Armutsgrenze. Jeweils 510 Jungen erhielten eine Hose mit Hemd und 500 Mädchen ein Kleid und eine Hose. 320 Frauen wurden eine Sari und eine Bluse und 321 Männern ein Sarong und ein Hemd überreicht. Ein Sarong ist eine Stoffbahn, die als Wickelrock um die Hüfte gebunden wird. Er wird landestypisch von Männern im asiatischen Raum getragen.

Die Verteilung der Kleidung hat in den Tagen vor dem Fest in Moscheen und auch Schulen stattgefunden, damit die Begünstigten diese Kleidung direkt am Festtag tragen können.

Foto(s): muslimehelfen e.V.

Die Begünstigten konnten die Freude direkt zweimal spüren: zum einen bei der Verteilung und zum anderen am Festtag selbst, als sie mit ihren neuen und sauberen Kleidern am Fest teilnehmen konnten. Auch hat dies einen psychologischen Aspekt, welcher das Selbstwertgefühl der Begünstigten entsprechend positiv beeinflussen kann.

Im weltweit größtem Inselstaat Indonesien haben 1.326 Kinder in der zweiten Hälfte des Ramadans die Festgeschenke erhalten. Die Mehrheit der Begünstigten sind Waisen, die anderen Kinder kommen aus extrem einkommensschwachen Familien. Sie leben mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von weniger als 2 USD pro Tag.

Die Eltern haben meist nur eine geringe oder gar keine Ausbildung. So bleibt Ihnen nur die Arbeit als Tagelöhner oder beispielsweise als Straßenverkäufer.  Die Mehrheit dieser Kinder leben in ländlichen oder abgelegenen Regionen, etwa 30 % der begünstigten Kinder leben in städtischen Gebieten.

Die Verteilung der Festgeschenke hat in den Provinzen Aceh, Jogyakarta, Nord Sumatra und West-Nusa-Tenggara stattgefunden. Für einen optimalen Verteilungsprozess wurden die Kinder je nach Wohngebiet gruppiert. Die Übergabe der Festgeschenke fand in ausgewählten örtlichen Geschäften statt, wo sie ihre vorbestellten Kleidungsstücke abholen konnten.

Dies hatte den Vorteil, dass die Kinder eine gewisse Auswahl an Kleidungsstücken hatten und auch passende Größen ausgewählt werden konnten. Neben den Begünstigten wurden so auch die lokalen Geschäfte der Wohngebiete unterstützt und die Zusammenarbeit mit den Gemeinden gefördert. Dank der guten Vorarbeiten konnte ein reibungsloser, respektvoller und gut organisierter Verteilungsprozess stattfinden.

Foto(s): muslimehelfen e.V.

Durch die Übernahme der Kosten für Festkleidung können Familien ihre begrenzten Mittel für Essen und andere wichtige Dinge zum Fest nutzen. Auf diese Weise hebt das Projekt nicht nur die Stimmung der Kinder, sondern unterstützt auch das allgemeine Wohlbefinden der Familien.

Dies zeigen auch die Worte der 10-jährigen Cantika beim Erhalt ihres Festgeschenkes im indonesischen Aceh:

„Alhamdulillah, ich bin so glücklich, diese Kleidung zu erhalten. Meine Eltern haben mir keine neuen Kleider gekauft, weil sie zu teuer für uns sind. Sie können sich nur einmal im Jahr ein neues Kleidungsstück leisten. Ich bin so glücklich, weil diese Kleidung so schön ist. Danke an die Spender, nur Allah weiß, wie dankbar ich bin. Möge Allah sie schützen. Amin.“

Letztendlich geht diese Verteilung über materielle Unterstützung hinaus – sie bietet Hoffnung, stärkt das Vertrauen und hilft, die Samen von Freude, Dankbarkeit und Ehrgeiz in ihre Herzen zu pflanzen. Zeig auch Du mit Deiner Spende, dass sie gesehen und geschätzt werden und ein fröhliches Idul-Fitr verdient haben.

,

Wie das Fasten erfolgreich beenden?

ramadan 2024 indonesien fasten

Das Siegel einer Handlung – die Art und Weise, in der sie vollendet wird – ist immer der wichtigste Teil. Das gilt auch für das Fasten.

(iz). So schnell sich der Fastenmonat nähert, so schnell ist er für manchen schon wieder vorbei. Es gibt eine Tendenz, sich auf das Danach zu freuen, nachzulassen und auf seinen Abschluss zu hoffen. Diese Neigung verstärkt sich noch einmal nach der Nacht zum 27. Ramadan. Was für viele von dem Monat bleibt, ist Warten. Das ist eine gefährliche Haltung und sie droht, alle erheblichen Anstrengungen nichtig zu machen. Denn es sind auch hier die letzten paar Meter, die den Erfolg oder Misserfolg ausmachen.

Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden gaben, sagte: „Die Handlungen sind entsprechend ihres Abschlusses.“ Das Siegel einer Handlung – die Art und Weise, in der sie vollendet wird – ist immer der wichtigste Teil. Wir können unser ganzes Leben einen besonderen Kurs verfolgen und in eine spezifische Richtung gehen, wenden wir uns aber schließlich ab, dann war die gesamte Mühe umsonst.

Fasten ist qualitativ anders

Zweifelsohne ist Ramadan eine spezielle Zeit. Jeder Muslim weiß das. Er ist qualitativ verschieden von jedem anderen Augenblick. Das ist unabhängig von der Aktivität des Fastens. Es ist nicht so, dass ihn das Fasten verändert. Sondern Allah hat es zwingend vorgeschrieben, in ihm zu fasten, damit die Muslime den maximalen Nutzen aus seiner Besonderheit ziehen können. Allah, der Erhabene, hat ihn zum Moment für ein großes Geheimnis gemacht: die Lailat’ul-Qadr oder Nacht der Macht.

Der Ramadan hat zwei Aspekte. Der erste ist Fasten und der zweite das Wesen von Zeit an sich. Es gibt keine spirituelle Tradition, die nicht auf die eine oder andere Weise diesen Verzicht kennt. Es ist eine grundlegend menschliche Praxis. Nur ein Mensch ist in der Lage, sich durch einen Willensakt von Dingen wie Essen unter bestimmten Umständen zu enthalten.

Das macht es zu einer speziellen Form von Anbetung, die von Allah hoch belohnt wird, wenn sie um Seinetwillen geschieht. Es gibt viele Vorteile, aber der größte liegt in der Tatsache, dass wir durch den Verzicht auf Essen und Trinken – obwohl wir es wollen – eine der fundamentalen Ketten brechen, die uns an die niedere Welt fesseln.

Allah manifestiert Seine Eigenschaften

Die göttlichen Eigenschaften sind unermesslich. Einige von ihnen sind majestätischer Natur, andere sind schön. Die königlichen inspirieren Ehrfurcht und Respekt. Sie finden sich in Namen wie der Rächer, der Allmächtige, der Erniedrigende usw. Die schönen Eigenschaften inspirieren Stauen und Erstaunen: der Barmherzige, der Wiederbelebende, der Gewährende von Gnade und der Nutzbringende. Jede Personen benötigt einen Anteil daran, wenn sie ihre volle Humanität zur Entfaltung bringen will.

Im Ramadan manifestiert Allah ein überwältigendes Maß an Schönheit. Er hat die Tore der Hölle verschlossen, die Tore des Gartens geöffnet, beschränkt dämonische Kräfte, befreit jede Nacht eine unbekannte Anzahl an Seelen aus dem Feuer, belebt die Herzen in der Nacht der Macht und umfasst die ganze Schöpfung mit Barmherzigkeit. Es wird berichtet, dass sogar derjenige, der während des Fastens ein Nickerchen macht, mit der Absicht, seine nächtliche Anbetung fortzusetzen, spirituelle Anerkennung für seinen Schlaf erhält.

Bis zum Schluss konsequent vollenden

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Jemand unter euch mag die Taten der Leute des Gartens vollbringen, bis nur geringer Abstand zwischen beiden liegt, und dann holt ihn sein Schicksal ein und er handelt wie die Leute des Feuers, in das er eintreten wird.“ Wir müssen bis zum letzten Moment weitermachen, nicht nachlassen und uns nicht abwenden, bis unsere Unternehmung vollendet ist. Das gilt für jeden Lebensbereich.

Sportler rennen, Studentinnen büffeln und die Leute Allahs widmen ihre Zeit vollkommen der Anbetung Allahs. Das gilt insbesondere für den Fastenmonat. Das Fasten und das Stehen (im Gebet) in diesem Monat fordert seinen Preis. Je weiter diese Spanne voranschreitet, desto schwieriger wird es. Es droht, dass wir einen Teil unseres Schwungs, unserer Energie und Frische verlieren, die seinen Beginn auszeichnete. Aber die Leute Allahs nutzen das nicht als Entschuldigung, um langsamer zu werden und weniger zu tun. Darin folgen sie dem Vorbild unseres edlen Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Die letzten zehn Nächte zählen

Unsere Meisterin ’Aischa (r) sagte: „Der Gesandte Allahs pflegte sich in den letzten zehn Nächten des Ramadan noch härter anzustrengen als im Rest des Jahres.“ Er verdoppelte seine Bemühungen, betete mehr in der Nacht, rezitierte mehr Qur’an und verbrachte mehr Zeit in der Moschee.

Ibn ’Umar berichtete: „Der Prophet verbrachte die letzten zehn Tage des Ramadans in der Moschee, wo er im I’tikaf war.“ I’tikaf ist ein sehr empfehlenswerter Akt der Anbetung für Männer und Frauen. Er ist sehr populär, aber die Leute haben angefangen, manchmal lax mit einigen Elementen umzugehen, die eigentlich wesentlich dafür sind.

Der erste Bestandteil ist die Moschee. Hierhin zieht man sich zurück. Und diese Zone kann nur für einen wirklich triftigen Grund verlassen werden wie den Gang zur Toilette oder die Gebetswaschung. Nicht bloß, weil man gelangweilt ist oder einen Wechsel der Szenerie wünscht. Der zweite ist der Beginn. I’tikaf beginnt mit dem Abendgebet (arab. maghrib) des Vorabends. Selbst, wenn man eine Minute danach eintrifft, ist dieser Tag nicht gültig.

Und schließlich ist auch die Verwendung der Zeit wichtig. Viele Menschen im I’tikaf nutzen einen Großteil ihrer Zeit für das Gespräch mit anderen Leuten. Das ist aber nicht der Zweck. Im I’tikaf ist man mit seinem Herrn alleine. Und Er ist der Einzige, mit dem man sprechen soll – in Form des Gebetes oder der Anrufung. Ansonsten sollte man die Zeit mit Dhikr und dem Qur’an füllen.

Das Stehen im Gebet

Der andere, wichtige Akt der Anbetung – neben dem Fasten – in diesen letzten zehn Tagen ist das nächtliche Stehen im Gebet (Qijjam Al-Lail). Diese zehn Nächte fallen mit der besten Nacht des Jahres zusammen. Eine Nacht, deren Wert größer ist als der von tausend Monaten. Diese Lailat Al-Qadr entspricht somit einer ganzen Lebenszeit.

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Sucht nach der Lailat Al-Qadr in den letzten zehn Nächten des Ramadan.“ Sie kann sich in einer dieser zehn Nächten ereignen; am wahrscheinlichsten in einer ungeraden und insbesondere in der 27. Jeder sollte dafür beten, dass er oder sie zu denjenigen gehört, die sie finden und von ihrem Nutzen profitieren.

Der Din ist ein enormer Segen von Allah. Und es findet sich darin Freude in den Anfängen und am Ende (des Ramadan). So wie er begann, endet der Monat mit der Sichtung des Mondes. Es gibt einige Regeln in Hinblick auf den Feiertag und wir tun gut daran, sie zu vergegenwärtigen.

Das ‘Id-Gebet

Zuerst gibt es das ’Id-Gebet. Es ist eine bekräftigte Sunna. Nach dem Witr-Gebet, dem abschließenden, ungeraden Gebet nach dem Nachtgebet, ist es das am stärksten betonte Gebet unter den Sunnan. Obwohl es am besten an einem dafür festgelegten Ort unter freiem Himmel verrichtet wird, ist es doch möglich, es in einer Moschee zu tun. Jeder sollte an ihm teilnehmen – Männer und Frauen, Junge und Alte. Umm Atija überlieferte: „Der Gesandte Allahs ermutigte junge, unverheiratete Frauen, ältere Damen, solche, die sich in ihren Häusern zurückzogen, und sogar Menstruierende, zum Feiertagsgebet zu kommen.“

Vor dem Gebet vollzieht man eine Ganzkörperwaschung (arab. Ghusl), bricht sein morgendliches Fasten und trägt die beste Kleidung. Am besten ist ein frühes Eintreffen am Ort des Gebetes, um sich den Takbirat anzuschließen – dem lauten Dhikr vor dem Gebet. Sie sind eine der großen Scha’a’ir, der äußeren Manifestationen der Kraft und Vitalität des Islam.

Die Zakat Al-Fitr ist zu beachten

Ibn ’Umar überlieferte: „Der Gesandte Allahs machte es für jeden Muslim – Freien oder Dienern, männlich oder weiblich, jung oder alt – zur Pflicht, die Zakat Al-Fitr zu zahlen.“ Die besteht aus einem Sa’ (medinensisches Volumenmaß) von haltbaren Lebensmitteln pro Kopf (in Medina waren dies Gerste oder Datteln). Sie müssen gezahlt werden, bevor die Leute zum Feiertagsgebet hinausgehen. Bei der Abgabe handelt es sich nicht um irgendeinen bloß empfohlenen Vorgang, wie manche meinen, sondern um eine Pflicht.

Sie gilt nicht nur für die Wohlhabenden, sondern für alle verantwortungsfähigen Muslime (arab. mukallaf) – ungeachtet von sozialem Rang, Alter, Geschlecht oder Besitz. Sie schließt auch jene mit ein, die arm sind oder üblicherweise Empfänger der Wohlstandsabgabe (arab. Zakat) sind. Die einzige Ausnahme stellen jene dar, die so mittellos sind, dass ihnen die grundlegenden Mittel für sich und ihre Familien am Feiertag fehlen. Bezahlt wird diese Feiertagsabgabe vom Kopf eines Haushaltes entsprechend der Menge derjenigen, für die er oder sie verantwortlich ist.

Fällig wird sie in haltbaren Grundnahrungsmitteln des Landes, in dem man sich aufhält. Nach den bekannten Ansichten von Imam Malik und Imam Asch-Schafi’i ist ein Ersatz durch Geld unzulässig. Empfohlen ist, dass das gegebene Essen von der höchstmöglichen Qualität ist, obwohl es ausreichend ist, dass es auf gleicher Höhe zu dem ist, was die Gesellschaft durchschnittlich gewohnt ist.

Gegeben werden muss sie vor dem ’Id-Gebet – auch ein oder zwei Tage vorher sind zulässig. Der Prophet sagte: „Wenn ihr sie vor dem Gebet abgebt, ist sie angenommen. Aber wenn ihr sie nach dem Gebet zahlt, ist sie das Gleiche wie jede andere Spende.“ Im Gegensatz zur eigentlichen Zakat ist es hier am besten, sie selbst und persönlich zu verteilen, wenn man jemanden kennt, der sie empfangen darf.

, ,

Die letzten zehn Tage des Ramadan

zehn Tage

Heute jedoch finden es viele schwierig, ein hohes Niveau für die letzten zehn Tage durchzuhalten. (iz). Inmitten des Wirbels an Erwartungen und Vorbereitungen hat der Ramadan begonnen. Und wir stürzen […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Wie den Ramadan spirituell gehen?

ramadan

Ramadan ist kein bloßer Monat im Kalender der „Frommen“. Er ist ein Einschnitt in die Zeit selbst: eine von Allah geöffnete Zone, in der sich die Horizonte des Diesseits und des Jenseits einander annähern.

(iz). Wer kurz nach Sonnenuntergang in den Himmel blickt und auf die schmale Sichel wartet, erlebt ein kleines Wunder – nicht, weil sich ein Himmelskörper bewegt, vielmehr da ein Herz bereit ist, sich bewegen zu lassen.

Der andalusische Gelehrte Qadi Abu Bakr ibn Al‑’Arabi deutete den Mondkalender der Muslime als Zeichen dafür, dass ihre Zeitrechnung nicht von der Jagd nach weltlichem Nutzen, sondern von der Ausrichtung auf das Jenseits geprägt ist. Die Sonne ordnet die Arbeitswelt, der Mond das gottesdienstliche Leben. In diesem Licht erscheint er wie eine Schule der inneren Umkehr. Und er ist Prüfstein dafür, wie ernst wir es mit der Reinigung unserer Herzen meinen.

Das Herz im Zentrum

Im Kern dieser Zeit steht nicht der Magen, sondern das Herz. Es ist in der Sprache der klassischen Gelehrten das edelste Organ des Menschen, der Ort von Erkenntnis, Absicht und Liebe. Zugleich ist es der gefährdetste. Der Sinn des Monats, sein inneres Geheimnis, kreist darum, dass es gereinigt, aufgeweckt und neu ausgerichtet wird.

In den Nächten, in denen wir lange im Gebet stehen und dem Qur’an zuhören, verliert die achtlose Zerstreutheit (ghafla) ihre gewohnte Zuflucht. Der Mensch wird daran erinnert, dass Allah die Bewegungen seiner Gedanken und Gefühle kennt, und diese Bewusstheit lässt viele dunkle Regungen beschämt verstummen.

Die traditionelle Literatur zur „Reinigung des Herzens“ – von al‑Ghazali bis zu den Gedichten von Imam Mawlud – liest sich wie ein inneres Handbuch für diesen Monat.

Sie beschreibt Krankheiten, die modernen Menschen nur allzu vertraut sind: Geiz und Selbstbezogenheit, Stolz auf flüchtige Leistungen, übermütige Freude an der Welt, die sich als taube Sicherheit auf ein „später“ tarnt. Dieser Monat konfrontiert uns mit der Frage, ob wir dieser inneren Diagnose wirklich ins Auge sehen wollen – oder ob uns das Ritual genügt, solange es nicht zu nah an die Komfortzonen rückt.

Fasten als Therapie

Mawlud beginnt seine Beschreibung der Herzenskrankheiten mit Knausrigkeit (bukhl). Es ist kein Zufall, dass der Prophet, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, in den Überlieferungen als der großzügigste aller Menschen beschrieben wird, und dass seine Freigebigkeit im Ramadan noch zunahm.

Seine Gefährten verglichen ihn in dieser Phase mit einem Wind, der unaufhörlich Gutes bringt. Dasselbe Fasten, das tagsüber Begehren zügelt, öffnet abends die Hand. Das ist eine symbolische Gegenbewegung zum Reflex, gerade in Zeiten der Entbehrung enger zu werden.

Sadaqa

Foto: Muslimfoodbank.com

Eine weitere Krankheit nennt Lehrer „Batar“. Das ist ein übermütiges Freudentaumeln über die flüchtigen Dinge dieser Welt, das den Menschen blind macht für die Zerbrechlichkeit seiner Lage. Die verpflichtende Enthaltsamkeit setzt hier einen anderen Akzent: 

Der Fastende erfährt ein gegenwärtiges Glück, wenn er bei Sonnenuntergang das Fasten bricht und eine gottesdienstliche Handlung vollendet. Hinzukommt eine zukünftige Freude, die sich auf das Wiedersehen mit seinem Herrn und die bleibende Seligkeit des Paradieses richtet.

Der Monat Ramadan eröffnet zudem ein seltenes Fenster, um tiefe Abneigung und Hass zu überwinden. Wer sich Allah im Zustand der Bedürftigkeit nähert, erlebt oft, wie hartnäckige Ressentiments ihre Selbstverständlichkeit verlieren.

In einer Überlieferung wird betont, dass die beste Sadaqa darin besteht, Versöhnung zwischen Menschen zu stiften. Unterdrückung und Unrecht bleiben im Islam immer verwerflich, doch wer in dieser Spanne bewusst über die Würde und Rechte anderer hinweggeht, verfehlt nicht nur ein Gebot, sondern widerspricht ihrem Geist der Barmherzigkeit.

Eine geheime Tat

Zu den subtilsten Versuchungen gehört die Liebe zum Lob. Die Brillanz des Ramadan liegt darin, dass das Fasten als gottesdienstliche Handlung im Verborgenen geschieht. Man kann einem Menschen ins Gesicht schauen, ohne zu wissen, ob er fastet.

Wo Gebete sichtbar und Spenden messbar sind, bleibt die Enthaltung von Essen, Trinken und ehelichem Verkehr im Stillen. Das ist auch ein Schutz gegen das offene Zurschaustellen der eigenen Frömmigkeit.

Eine der gefährlichsten Krankheiten des Herzens bleibt jedoch die Unzufriedenheit mit dem göttlichen Erlass, die innere Revolte gegen das, was als Geschick geschieht.

Sie entspringt einem Mangel an Zutrauen in die Weisheit und Fürsorge Allahs. Ramadan zwingt uns, dieses Vertrauen einzuüben: Wir verzichten freiwillig auf das Erlaubte, warten geduldig auf das erlaubte Genießen und verlassen uns darauf, dass diese Enthaltsamkeit in Seinen Waagschalen nicht verloren geht.

Aus wachsendem Glauben erwächst eine andere Bereitschaft, die Schicksalsfügungen zu akzeptieren – nicht als passiven Fatalismus, sondern ist eine Haltung, die im Handeln nicht die Illusion der totalen Kontrolle sucht.

zeit ramadan fasten

Foto: Sondem, Adobe Stock

Die Zeit als solche

Die ersten Tage ziehen sich für viele in die Länge, als hätte die Zeit selbst an Tempo verloren. Doch nach dieser Anfangsphase beschleunigt sich der Ramadan und ist plötzlich, fast schockartig, vorüber. Seine Struktur – Anfang, Mitte, Ende – spiegelt das menschliche Leben.

Es ist eine Kindheit, die sich wie ein weites Feld anfühlt, ein Erwachsenenalter, in dem sich Jahre zu bündeln scheinen, und ein letztes Drittel, in dem das Bitten um Rettung aus den Strafen des Jenseits dringlicher wird. Der anschließende Feiertag erinnert dann an die Freude der Annahme. Nicht umsonst beten die Wissenden bis zum Schluss um ein angenommenes Fasten.

Imam Al‑Ghazali und viele andere warnen vor der trügerischen Sicherheit eines langen Lebens, das uns angeblich genug Zeit für spätere Umkehr lässt. Die stille Botschaft eines bewussten Ramadan lautet: Niemand besitzt die Garantie, einen weiteren zu sehen. Wer auf einen „besseren Zeitpunkt“ wartet, um sich Allah zuzuwenden, läuft Gefahr, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen.

Disziplin, Geduld und die Logik des Aufschubs

Die Gelehrten der spirituellen Läuterung betonen drei Grundübungen des Fastens: Geduld mit dem Hunger – Trieb zur Selbsterhaltung – und Mäßigung in der Sexualität – Erhaltung der Art. Hinzukommen Selbstdisziplin in allen übrigen, die diesen beiden folgen. Wer die ersten beiden in den Griff kriegt, hat es mit den restlichen Disziplinen leichter.

Interessanterweise bestätigen moderne Sozialwissenschaften, dass die Bereitschaft zum Belohnungsaufschub, um langfristigen Nutzen zu sichern, einer der wichtigsten Indikatoren für weltlichen Erfolg und geistige Reife ist. Aus islamischer Perspektive ist Ramadan eine kollektive Übung in genau dieser Fähigkeit.

Es gibt allerdings einen anderen Horizont: Belohnungsaufschub zielt nicht nur auf bessere Gesundheit, Arbeitsdisziplin oder finanzielle Stabilität, sondern auf die dauerhafte Nähe Gottes. Der größte Dienst, den ein Mensch leisten kann, besteht darin, die Begierden seiner Glieder zu kontrollieren und die ihm gegebenen Fähigkeiten dankbar im Gehorsam gegenüber dem Geber einzusetzen.

rechtsschulen lesen

Foto: ademmm, Deviantart

Kein Automatismus

Bei allem liegt eine Warnung wie ein Kommentar über dem Monat: Nichts geschieht mechanisch. Allah hat die Welt nicht als Ort eingerichtet, an dem Früchte ohne Anstrengung wachsen. Jeder Gewinn wie Sein Wohlgefallen verlangt Mühe, bewusste Entscheidungen sowie ein Mindestmaß an innerer Wachheit. Ramadan kann, bei aller Heiligkeit, zu dreißig recht leeren Tagen verkommen, die in der Jahreschronik kaum Spuren hinterlassen.

Die leicht beängstigende Frage lautet: Was hat der Ramadan an mir sichtbar verändert, das sich nicht im bloßen Abhaken von Ritualen erschöpft? Hat sich mein Verhältnis zu Geld spürbar verschoben – von der Angst, zu kurz zu kommen, hin zu Großzügigkeit? Habe ich konkrete Schritte zur Versöhnung unternommen, statt nur abstrakt „Vergebung“ zu beschwören? Habe ich die Zunge diszipliniert, die Blicke gesenkt, meine digitale Gegenwart gesäubert? Oder verlässt mich der Monat so, wie ich vorher war?

Ein Monat als Angebot und als offene Tür

Ramadan gleicht einer barmherzigen Tür in die Zeit, die sich öffnet und wieder schließt. Niemand kann sicher sein, ob er sie im nächsten Jahr erneut hindurch gehen darf. Wer den Monat ernst nimmt, investiert in die Dinge, die im islamischen Verständnis dauerhaft Ertrag bringen: nützliches Wissen, anhaltende Gottesdienste, stabile Familienbande, Gebete und versteckte oder offene Wohltätigkeit, die in den Aufzeichnungen der Engel erscheinen wird.

Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Logik dieses Monats in den Rest des Jahres mit zu übernehmen. Wenn Fasten nur ein saisonales Projekt bleibt, das pünktlich mit dem Neumond beginnt und endet, verfehlt man seinen Charakter als Schulung.

Wer jedoch auch nach dem Feiertag bewusst kleine Elemente dieser Schule weiterführt – regelmäßige Portionen Qur’an, freiwillige Fastentage, eine freundlichere Zunge, zusätzliche Routinen des Gebets –, hat begonnen, aus dieser Ausnahmezeit eine neue Grundorientierung seines Lebens zu machen.

In diesem Sinn ist der Fastenmonat weniger ein einmaliges Ereignis als ein Prüfstein: Er zeigt uns, wie ernst wir es mit dem Verlangen nach einem reinen Herzen tatsächlich meinen. Und wie viel wir zu investieren bereit sind, um jenem Wunsch Gewicht zu geben.

* Unter Verwendung von „Ramadan: The Soul’s Delight“, Zaytuna College, 2026.

, ,

Was den Ramadan in dieser Zeit relevant macht

ramadan relevant

Der Ramadan hat auch Relevanz für aktuelle Fragen der Zeit: Die wichtigsten sind Freiheit und Gemeinschaft.

(iz). Muslime und Nichtmuslime werden bei der Reflexion über den Ramadan in all seinen Aspekten vorrangig an überzeitliche und jenseitige Fragen denken.

An Dinge, die eine Person ihrem Schöpfer näherbringt, oder die zu ihrer spirituellen Verbesserung beiträgt. Nichts umsonst beschrieb Ahmet Aydin diesen Monat als eine „Übung im Menschsein“.

Damit Ramadan bzw. das in ihm verpflichtende Fasten relevant sein können, muss beide auch zu unserem Ort in dieser Zeit sprechen. Will heißen, jeweils Dinge adressieren, die für uns bedeutend sind. 

weiblich Zeit Iftar

Foto: Nate Pesce, flickr | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gerade stechen zwei Aspekte heraus, die den Fastenmonat jetzt wichtig und wertvoll machen: die Themen Freiheit und Gemeinschaft.

Der Verlust des sozialen Lebens und seiner organischen Netzwerke macht sich heute als Einsamkeit bemerkbar. Sie ist kein Randphänomen mehr: In Deutschland fühlen sich laut Studien Millionen Menschen regelmäßig allein.

Das geht quer durch Altersgruppen und Lebenssituationen. Vor allem Großstädte, die Lawine digitaler Kommunikation und ein beschleunigter Alltag verstärken das Gefühl gegenseitiger Distanz.

Was früher Tabuthema war, wird längst als ernsthafte soziale Herausforderung erkannt. Politik, Forschung und Zivilgesellschaft suchen nach Wegen, gegen Vereinsamung vorzugehen – denn chronische Einsamkeit bedroht nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern ebenso die körperliche Gesundheit und das Zusammenleben.

Auch um unsere bürgerlichen Freiheiten ist es nicht rosig bestellt – vor Ort und global. Ranglisten zum Thema weisen seit einiger Zeit beunruhigende Trends auf: Mit Bürgerrechten und Meinungsfreiheit geht es weltweit bergab.

demokratie

Foto: The White House/flickr | Lizenz: Public Domain

Das betrifft nicht nur für Ländern der „Dritten Welt“, sondern ebenso die im Westen. Beispiele sind leider nicht selten: die Faschisierung der USA, „illiberale Demokratien“ in Ost- und Mitteleuropa sowie die schleichende Erosion hiesiger Freiheiten sind gefährlich für alle.

Erst vor Kurzem musste die Bundesregierung eine kritische Einschätzung der Redefreiheit durch die UN-Berichterstatterin Khan zur Kenntnis nehmen.

Das Land stünde „an einem Scheideweg der Meinungsfreiheit“. Sie sieht Symptome, dass ein demokratischer Kernanspruch der Bundesrepublik – der freie Widerspruch – zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät.

Was hat das mit Ramadan & Fasten zu tun? Nun, die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zugunsten höherer Ziele hintanzustellen und die Kulturtechnik des Aufschubs von Belohnung sind gute Übungen für einen zivilisierten Umgang. Gleichzeitig machen sie Freiheit existenziell erlebbar.

, ,

Die Weisheit des Fastens

ramadan fasten weisheit

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen und eines der hervorragendsten Kennzeichen des Islams. Es zeugt von Weisheit hinsichtlich der Herrschaft Gottes.

„Im Monat Ramadan wurde der Koran herabgesandt – als Rechtleitung für die Menschen, als Beweis der Rechtleitung und als Kriterium.“ (Al-Baqara, Sure 2, 185)

Text von Said Nursi – übersetzt von Serdar Aslan

Das Fasten im Ramadan ist eine der fünf Säulen und eines der hervorragendsten Kennzeichen des Islams. Es zeugt von Weisheit hinsichtlich der Herrschaft Gottes, des individuellen wie auch des gesellschaftlichen Lebens der Menschen, von Selbstdisziplinierung und Danke gegenüber den göttlichen Gaben.

Erster Punkt: Das Fasten als Dienerschaft

Eine Weisheit des Fastens bezieht sich auf die Herrschaft Gottes: Die Vollkommenheit seiner Herrschaft, Barmherzigkeit und seines Erbarmens bringt Gott zum Ausdruck, indem er die Erdoberfläche in Form einer Tafel erschaffen hat und diese mit vielfältigsten Gnadengaben „aus unerwarteten Quellen“ deckt.

Diese hierdurch zum Ausdruck kommende Wahrheit erkennen die Menschen im Rahmen der Kausalität nicht angemessen an oder vergessen diese oft unter dem Schleier der Unachtsamkeit.

Indem sie eine dienerische Haltung einnehmen, wenn sie gegen Abend auf die Anweisung „Das Buffet ist eröffnet!“ warten, gleichen die Gläubigen im herrlichen Ramadan einem organisierten Heer.

Als wären sie zum Festessen des urewigen Herrschers eingeladen, begegnen sie der sich zuneigenden, majestätischen und umfangreichen Barmherzigkeit mit einer umfassenden, erhabenen und organisierten Dienerschaft (ubudiyya). Gebührt Menschen, die bei solch einer himmlischen Dienerschaft und ehrenvollen Gnadenfülle nicht teilnehmen, überhaupt noch der Titel ‚Mensch‘?

Zweiter Punkt: Das Fasten als Ausdruck der Dankbarkeit

Eine Weisheit des Fastens im segensreichen Ramadan im Hinblick auf die Dankbarkeit gegenüber den Gaben Gottes ist folgende: Die Speisen, die ein Kellner aus der Küche eines Königs bringt, erfordern ihren Preis. Es wäre eine grenzenlose Dummheit dem Kellner Trinkgeld zu geben und dabei den Geber zu missachten, der doch für die beachtlich wertvollen Gaben verantwortlich ist.

Gott erwartet für seine mannigfachen Gaben, die er für die Menschheit auf der Erdoberfläche ausgebreitet hat, Dankbarkeit als Gegenleistung und Preis. Die scheinbaren Ursachen und Besitzer dieser Gaben gleichen dem Kellner. Wir bezahlen diesen „Kellnern“ einen Preis; ihnen gegenüber fühlen wir uns zu Dank verpflichtet. Zuweilen erweisen wir ihnen sogar mehr Respekt und Dank als sie verdienen.

Doch dem wahren Geber gebührt für die Gaben unendlich mehr Dank als den Ursachen. Dank heißt zu wissen, dass jene Gaben unmittelbar von ihm kommen, diese wertzuschätzen und dem eigenen Bedürfnis nach ihnen bewusst zu werden.

Das Fasten im Ramadan ist der Schlüssel zu einer wahren, aufrichtigen, großartigen und umfassenden Dankbarkeit. Die meisten Menschen begreifen in anderen Zeiten die Bedeutung vieler Gaben nicht, weil sie nicht notgedrungen einen wirklichen Hunger verspüren. Eine satte und zudem noch reiche Person weiß nicht den Grad der Gabe eines trockenen Brotes zu schätzen.

Zur Stunde des Fastenbrechens (iftar) bezeugt der Geschmackssinn eines Gläubigen, was für eine wertvolle Gottesgabe doch jenes Stück trockenes Brot ist. Vom Reichsten bis zum Ärmsten erweist ein jeder im ehrwürdigen Ramadan dadurch, dass er den Stellenwert dieser Gaben begreift, eine spirituelle Dankbarkeit.

Da tagsüber das Essen verboten ist, bringt der Mensch – die Gabe als Gabe wahrnehmend – durch seine Haltung eine geistige Dankbarkeit zum Ausdruck: „Jene Gaben sind nicht mein Eigentum. Ich bin nicht frei im Speisen und Trinken, d. h. sie sind Eigentum Gottes und seine Gaben – ich warte auf seinen Befehl.“

So wird das Fasten in vielerlei Hinsicht zu einem Schlüssel der Dankbarkeit – der wahren Aufgabe der Menschlichkeit!

Dritter Punkt: Funktion des Fastens im gesellschaftlichen Leben

Eine von vielen Weisheiten des Fastens in Hinsicht auf das gesellschaftliche Leben der Menschen ist jene: Den Menschen wurde unterschiedlicher Lebensunterhalt zugeordnet. Gott lädt die Reichen aufgrund dieser Unterschiede ein, den Armen zu helfen. Die Reichen können sich nur durch das Hungern beim Fasten in den zu bemitleidenden Zustand der Armen einfühlen.

Gäbe es das Fasten nicht, hätten viele selbstsüchtige Reiche womöglich nicht nachvollziehen können, wie schmerzhaft Hunger und Armut sind und wie sehr diese Armen des Mitgefühls bedürfen. Aus dieser Perspektive heraus ist das Mitleid gegenüber Mitmenschen die Grundlage wahrer Dankbarkeit. Jeder Mensch kann – in welcher Form auch immer – einen noch bedürftigeren Menschen als sich selbst finden und ist ihm gegenüber zur Fürsorge verpflichtet.

Gäbe es nicht die Verpflichtung sich des Essens zu enthalten, so könnte man die Hilfe und Güte aus Mitleid und Verantwortung nicht erbringen; und wenn, dann doch nicht im gewünschten Maße. Denn dieser Zustand wäre ja nicht selbst erlebt.

Vierter Punkt: Das Fasten als Selbstdisziplinierung

Eine Weisheit des Fastens im Ramadan in Bezug auf die Selbstdisziplinierung lautet wie folgt: Das Ego will frei und ungebunden sein und zugleich glaubt es, dass dem auch so sei. Aufgrund seiner Veranlagung verlangt es sogar nach einer illusorischen Autorität und zügellosen Aktivität.

Es will nicht daran denken, dass es mit zahllosen Gnadengaben erzogen wird. Insbesondere wenn es auch Vermögen und Macht besitzt und dazu noch die Achtlosigkeit Beihilfe leistet, raubt es die Gottesgaben wie ein Dieb und verschlingt diese gleich einem Raubtier.

Im Ramadan versteht eine jede Seele – die des Reichsten als auch die des Ärmsten -, dass sie nicht Eigentümerin, sondern selbst Eigentum, nicht Herr seiner selbst, sondern eine Dienerin ist. Ohne Anordnung vermag sie nicht einmal einfachste und banalste Handlungen, wie das Strecken der Hand nach Wasser, auszuführen; ihre trügerische Autorität bricht zusammen. Die Seele nimmt somit die Rolle der Dienerschaft an und gelangt zur Dankbarkeit – ihrer wahren Bestimmung.

Fünfter Punkt: Das Fasten als Selbsterziehung

Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Fastens im Ramadan betrifft die Charaktererziehung des Selbst und die Eindämmung seiner aufbegehrenden Aktivität: Das Selbst des Menschen vergisst sich selbst in Achtlosigkeit. Es erkennt nicht die grenzenlose Schwäche, unendliche Bedürftigkeit und unermessliche Fehlbarkeit in seinem Wesen und will sie erst gar nicht sehen.

Es realisiert nicht, mit welcher Schwäche es Verfall und Unglück ausgesetzt ist und dass es lediglich aus Fleisch und Knochen besteht, welche sich auflösen und verwesen. Es rafft die Welt an sich und fühlt sich ewig und unsterblich, als besäße es einen Körper aus Stahl. Mit grenzenloser Gier, Habsucht, heftiger Begehrlichkeit und Leidenschaft klammert es sich an die Welt; es bindet sich an alle Lust und jeden Gewinn.

Es vergisst seinen Schöpfer, der es mit vollendeter Fürsorge erzieht, und macht sich keine Gedanken über die Konsequenzen im diesseitigen und jenseitigen Leben; mit verwerflichem Charakter wälzt es sich hin und her.

Das Fasten im Ramadan lässt jedoch selbst den gedankenlosesten und unverbesserlichsten Menschen seine Schwäche, Ohnmacht und Bedürftigkeit wahrnehmen. Durch den Hunger denkt er an seinen Magen und wird sich seiner Bedürftigkeit bewusst. Sein schwacher Körper erinnert ihn daran, wie anfällig er ist. Er begreift, wie sehr er der Güte und des Mitgefühls bedarf.

Er gibt seinen Pharaonismus auf und bekommt so – seiner Schwäche und Armut vollkommen bewusst – ein Gefühl dafür, was es bedeutet am göttlichen Hofe Zuflucht zu nehmen und bereitet sich darauf vor mit der Hand der innigsten Dankbarkeit an die Tür der Gnade zu klopfen – insofern die Achtlosigkeit/Apathie sein Herz noch nicht verdorben hat.

Sechster Punkt: Ramadan – der Monat des Qur‘ans

Das Fasten im ehrwürdigen Ramadan beinhaltet, hinsichtlich der Offenbarung des weisen Korans und vor allem was diesen Monat als die wichtigste Zeit seiner Herabsendung anbelangt, viele Weisheiten. Eine von diesen soll nun angeführt werden:

Da der weise Koran im Monat Ramadan herabgesandt wurde, sollte man, um sich auf diese Phase zu konzentrieren und diese ‚himmlische Predigt‘ gebührend aufzunehmen, sich der triebhaften Bedürfnisse enthalten, sinnlose Beschäftigungen sein lassen und so – durch den Verzicht auf Speis und Trank – in einer engelsgleichen Art, den Koran rezitieren und ihm zuhören, als ob er hier und jetzt herabgesandt worden wäre, und sogar so, als lauschte man dieser göttlichen Predigt in seiner tatsächlichen Herabsendungszeit und man sollte ihm horchen, als hörte man diese Predigt vom ehrenvollen Gesandten (sas), von Gabriel oder gar vom urewigen Sprecher, um sich dadurch in einen spirituellen Zustand zu versetzen. Damit wird man zu einem „Übersetzer“ des Korans und kann auf diese Weise die Weisheit seiner Herabsendung demonstrieren.

Im Ramadan verwandelt sich die islamische Welt in ein gewaltiges Gebetshaus, in dem Millionen Rezitatoren den Koran – diese himmlische Predigt – den Bewohnern und Bewohnerinnen der Erde vorlesen.

spirituell jüngst Demut

Foto: Mehmet Subasi, Unsplash

Jeder Ramadan präsentiert den Vers „Der Monat Ramadan, in dem der Koran herabgesandt wurde“ auf eine einleuchtende Weise. So beweist er, dass der Ramadan der Monat des Korans ist. Einige in dieser großen Gemeinde lauschen voller Hochachtung den Rezitatoren und einige andere lesen ihn für sich.

In einem derartig heiligen Gebetshaus achtlos seinen irdischen Trieben zu folgen, zu essen und zu trinken und infolgedessen diesen geweihten Zustand zu verlassen, ist unerträglich und ruft den geistigen Unwillen der Gemeinde hervor. Genauso ziehen diejenigen, welche sich im Ramadan von den Fastenden zuwiderhandelnd abgrenzen, die innere Missbilligung und Verachtung der gesamten islamischen Welt auf sich.

Siebter Punkt: Das Fasten als jenseitiger Handel

Eine Weisheit des Fastens im Ramadan hängt mit dem Verdienst des Menschen zusammen, der in diese Welt gekommen ist, die ihm als Acker und Handel dient: Im segensreichen Ramadan ist der Lohn für eine gute Tat 1:1000. Die Rezitation eines Buchstaben aus dem weisen Koran wird gewöhnlich mit zehn Wohltaten angerechnet, als zehn gute Taten und bergen zehn Paradiesfrüchte in sich.

Im Ramadan jedoch ist der Verdienst nicht zehn, sondern 1000. Buchstaben der Verse wie des Thronverses (âyat al-kursi) bringen sogar Tausende ‚Pluspunkte‘. An Freitagen des Ramadans ist der Lohn noch höher. In der Nacht der Bestimmung (lailat al-qadr) wird zudem ein Buchstabe als eine 30.000-fache Wohltat gezählt.

Ja, der weise Koran, dessen jeder Buchstabe 30.000 ewige Früchte schenkt, gleicht einem lichtvollen Paradiesbaum, der im Ramadan den Gläubigen Millionen ewige Früchte gewinnen lässt. So siehe denn, was für ein großer Verlierer jemand ist, der jene Buchstaben bei solch einem heiligen, ewigen und gewinnbringenden Handel nicht wertschätzt.

Der Ramadan ist also für den ‚jenseitigen Handel‘ eine bemerkenswert profitable Messe und ein sehr ertragreicher ‚Markt‘. Er ist ein fruchtbares Land für die jenseitige Ernte. Für die Entfaltung unseres Potenzials ist er wie der Frühlingsregen im April. Er ist ein glanzvolles und heiliges Parade-Festival der Dienerschaft des Menschen gegenüber der Souveränität der göttlichen Autorität.

Weil dem so ist, wurde das Fasten angeordnet, damit der Mensch nicht durch Essen und Trinken der Unbedachtsamkeit des Egos verfällt und den tierischen Gelüsten, der sinnlosen und wollüstigen Laune, hinterher läuft.

So ist es, als ob er für eine bestimmte Zeit, sich von dem Zustand eines Lebewesens lösend, eine engelsgleiche Form annimmt oder, sich mit jenseitigem Handel beschäftigend und so, diesseitige Bedürfnisse beiseitelassend, sich in eine jenseitige Person verwandelt oder wie ein reiner Geist wird, der als ein Körper in Erscheinung tritt. Mit alldem wird er durch das Fasten zu einer Art Spiegel der Absolutheit (samadaniyya) Gottes.

Das Fasten im segensreichen Ramadan trägt in dieser Welt, in diesem vergänglichen und allzu kurzen Leben, ein ewiges und unsterbliches Leben in sich und lässt es gewinnen. Ja, ein einziger Ramadan kann den Ertrag eines 80-jährigen Lebens erbringen. Dass die Nacht der Bestimmung (lailat al-qadr) – basierend auf dem Korantext – wertvoller als Tausend Monate ist, belegt dieses Geheimnis mit definitiver Beweiskraft.

Ein König lässt im Verlauf seiner Regierungszeit – vielleicht jährlich – anlässlich seiner Thronbesteigung oder an einigen besonderen Tagen, als Andenken an ein grandioses Werk seiner Herrschaft, ein Fest ausrufen. Zu diesen Zeiten behandelt er seine Untertanen nicht nach regulärem Protokoll, sondern kommt ihnen besonders entgegen, zeigt öffentliche Präsenz sowie besondere Geneigtheit, lässt seine loyalen Bürger wohlverdient bei seinem ungewöhnlichen Schaffen zugegen sein und gewährt ihnen Privataudienz.

handel islam

Foto: imago

In vergleichbarer Weise hat der König aller Zeiten in seiner Majestät seinen hoheitsvollen Erlass – den weisen Koran – als eine Gunst an 18.000 Welten im Ramadan herabgesandt. Folgerichtig wird dieser Ramadan ein besonderes himmlisches Fest, eine göttliche Messe und eine Versammlung der Seligen. Da der Ramadan dieses Fest ist, wird logischerweise – um den Menschen von animalischer und tierischer Tätigkeit zu befreien – das Fasten vorgeschrieben.

Das ideale Fasten bedeutet, neben dem Magen, auch alle Sinne, wie das Auge, das Ohr, das Herz, die Phantasie und den Intellekt, einer Art Fasten zu unterziehen, d. h. diese dem unstatthaften und nutzlosen Handeln zu entziehen und jeden Sinn in seinem speziellen Dienst zu motivieren. Ein Beispiel dafür ist folgendes: Seine Zunge vor der Lüge, übler Nachrede und Schimpfwörtern zu bewahren heißt, sie fasten zu lassen. Stattdessen soll die Zunge mit der Rezitation des Korans (tilâwat al-qurʼân), dem Gedenken (dhikr), Lobpreisen (tasbîh), Segenswunsch (salawât) und mit der Bitte um Vergebung (istighfâr) beschäftigt werden.

Das Auge vom Betrachten des Illegitimen und das Ohr vom Lauschen des Schändlichen abzuhalten und dafür das Auge dem Lehrreichen hinzuwenden und das Ohr auf wahre Worte und die Rezitation des Korans zu richten, ist beispielsweise auch eine Form des Fastens. Da ja der Magen die größte Fabrik in uns ist, können kleinere Anlagen ihr leichter folgen, wenn einmal bei ihr der Betrieb durch das Fasten eingestellt wird.

Achter Punkt: Fasten als materielle und geistige Diät

Eine von vielen Weisheiten des Fastens im heiligen Ramadan bezüglich des individuellen Lebens des Menschen ist jene: Das Fasten ist für den Menschen eine Medizin in Form einer materiellen und geistigen Diät. Medizinisch betrachtet ist es eine Kur.

Solange der Mensch sich in Bezug auf Essen und Trinken zügellos verhält, erleidet er gesundheitliche Schäden und vergiftet auch sein geistiges Leben, da er, ohne auf die Speisevorschriften zu achten, alles zu sich nimmt, was er in die Hand bekommt.

In diesem Zustand macht es sich das Ego schwer dem Herzen und dem Geist zu folgen. Es nimmt wie ein Rebell die Zügel in die Hand. Der Mensch verliert die Macht über sein Selbst; es erlangt die Macht über ihn.

Im Ramadan gewöhnt sich das Selbst mit Hilfe des Fastens an eine Art Diät, bemüht sich um Askese und lernt Gehorsam. Der Magen wird von Krankheiten verschont, da ein Überessen vor dem Verdauen vermieden wird. Weil es durch die Anordnung des Fastens sich selbst des Erlaubten enthält, erhält es die Befähigung vernünftigen und rechtlichen Weisungen Folge zu leisten und so auch das Verbotene zu unterlassen. Es versucht das spirituelle Leben nicht zu ruinieren.

erfolg

Foto: Adobe Stock

Das Fasten trainiert Geduld und Ausdauer

Ein Großteil der Menschheit erleidet oft Hunger. Um Geduld und Aushaltevermögen für eine Hungerperiode zu trainieren, benötigt der Mensch eine Phase der Askese. Das Fasten im Ramadan ist als eine 15-stündige (ohne das Frühmahl (sahur) sogar 24-stündige) Hungerphase und somit als eine Geduldprobe zu sehen. Sie kommt einer Askese und einem Training gleich. Das heißt, das Fasten ist auch eine Lösung für die Ungeduld und Unrast des Menschen, die sein Unglück verdoppeln.

Das Fasten als „spiritueller Urlaub“ des Magens

Die Bauchfabrik, die viele Beschäftigte hat, steht mit vielen Organen des Menschen in Beziehung. Wenn das Selbst nicht im Verlauf eines Monats tagsüber den Betrieb einstellt, vergessen die Arbeiter/-innen und Organe ihren speziellen Gottesdienst. Es hält sie auf und bringt sie somit unter seine Zwangsherrschaft.

Das Gemüt der Menschen wird durch den Lärm und Rauch der geistigen Fabrikanlage durcheinandergebracht. Es zieht die ganze Zeit die Aufmerksamkeit auf sich und lässt so die Beschäftigten ihre würdevollen Dienste zeitweise vergessen. Aus diesem Grunde haben sich von je her viele Gottesfreunde angewöhnt, auf dem Wege der Vervollkommnung in Askese, also unter anderem mit weniger Essen und Trinken, zu leben.

Im Lichte des Fastens im erhabenen Ramadan begreifen die Arbeiter/-innen jener Fabrik, dass sie nicht nur für die Arbeit dort geschaffen wurden. Auch die übrigen Organe widmen sich anstelle der animalischen Lust dieser Fabrik der engelhaften und seligen Entzückung.

Deshalb erfahren Gläubige im Ramadan, dem Grad ihrer Entwicklungsstufe entsprechend, facettenreiche Erleuchtung, reichlichen Segen und innere Freude. Viele Zentren wie das Herz, der Geist, der Verstand und die Seele werden geläutert und entfalten sich. Während der Magen ‚weint‘, ‚lachen‘ sie unschuldig.

Neunter Punkt: Fasten lehrt die Herrschaft Gottes

Eine Weisheit unter vielen Weisheiten des Fastens im Ramadan ist mit dem unmittelbaren Zusammenbrechen der eingebildeten Herrschaft des Egos und der Belehrung der Dienerschaft durch das Aufzeigen seiner Schwäche verbunden. Diese Weisheit soll im Folgenden dargelegt werden:

Das Ego (nafs) will seinen Herrn nicht anerkennen. Pharaonenhaft strebt es nach der eigenen Herrschaft. Wie viel Pein es auch immer erfährt, dieser Wesenszug bleibt ihm anhaften. Nur durch das Fasten gibt es dieses Gefühl auf. D. h. das Fasten im Ramadan erschüttert die pharaonenhafte Front des Egos, versetzt ihm einen Schlag, deckt so seine Schwäche, Ohnmacht und Bedürftigkeit auf und offenbart, dass es ein Diener ist.

In den Überlieferungen gibt es folgende Erzählung:

Gott fragte das Ego (nafs): „Wer bin ich, wer bist du?“
Das Ego antwortete: „Ich bin ich, du bist du.“
Er peinigte das Ego, warf es in die Hölle und fragte es noch einmal.
Es antwortete wieder: „Ich bin ich und du bist du.“
Welcher Strafe er es auch unterzog, es gab seinen Egoismus nicht auf.
Dann bestrafte er es mit dem Hunger, er ließ es hungern.
Er fragte es noch einmal: „Wer bin ich, wer bist du?“
Das Ego antwortete diesmal: „Du bist mein barmherziger Herr und ich bin dein schwacher Diener.“

„O Gott! Segne unser Vorbild Muhammad, seine Familie und Gefährten mit einem Segen, der deiner Zufriedenheit entspricht! Spende ihm Segen nach dem Verdienst der rezitierten Buchstaben des Korans  im Monat Ramadan! Schenke ihm und den Seinen Frieden!

„Preis deinem Herrn, dem Würdevollen, erhaben über dem, was sie sich ausmalen. Friede allen Gesandten! Das Lob ist Gottes, dem Herrn der Welten.“ (Koran, 37:180-182)

, ,

Segenskraft: Baraka und Dhikr im Ramadan

Baraka

Der zweite Schritt der Bewusstwerdung ist ein aktives Streben nach Segenskraft, der Baraka. (iz). Wohl selten in der neueren Geschichte war der Muslim so vielen Anfechtungen und Heimsuchungen ausgesetzt wie […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.

, ,

Die Zeit des Fastens im Ramadan

zeit ramadan fasten

Die Zeit im Ramadan: Unsere Erfahrung des Fastens inspiriert zu philosophischen Überlegungen.

(iz). Zu den eindrücklichen Erfahrungen des Fastens gehört die existentielle Zeiterfahrung. Wir alle kennen das Phänomen: die Zeit, die man ohne Trinken und Essen verbringt, kann lang werden.

„Eine Stunde kann je nach unserer Stimmung, unserem Lebensalter oder unserer Tätigkeit dahinkriechen oder dahinrasen, sich beschleunigen oder verlangsamen, aber auf der Uhr ist jede Stunde gleich“, schreibt die Philosophin Jose Hermsen. In ihrem Buch über die Kunst des „Kairos“ weist sie auf eine andere Zeiterfahrung hin, die – so die Überlegung – ebenso zum Ramadan gehört.

„Während Chronos für die universelle, statische und quantitative Zeit steht, die notwendig ist, um die Zeit in einen linearen Zusammenhang zu versetzen, steht Kairos für den subjektiven, dynamischen und qualitativen Moment, der gerade den spezifischen und sich ständig verändernden Umständen Rechnung trägt und darum zu einem Wandel der Erkenntnis führen kann.“

Das Ziel des Fastens im Ramadan

Ein Ziel der Enthaltsamkeit ist es (und darin liegt die Schwierigkeit), die Erwartung auf den besonderen Moment stets hochzuhalten. Wir sollten nachdenken über den Doppelcharakter der Zeit: den Unterschied zwischen der chronologisch vorgestellten Uhrzeit und den Augenblicken, wo sie die Möglichkeit einer erweiterten Erfahrung des Bewusstseins birgt.

Für die griechischen Dichter war Kairos „alles, was für den Menschen gut ist.“ Die Segnungen des Ramadans beschränken sich nicht nur auf den positiven Einfluss auf unsere Gesundheit. Vielmehr eröffnet sich ein Erfahrungsraum der Besinnung und Selbstreflexion stimuliert. Im Moment des Stillstands und der Aufmerksamkeit sehen wir eine Zäsur in den gewohnten Ereignisketten und die Möglichkeit echter Veränderung.

Es gehört zu den Besonderheiten der Zeit, dass es leichter fallen kann, auf Essen oder Trinken zu verzichten, als auf die Nutzung des Smartphones. Wir sollten gerade am Ende des Ramadans die Gelegenheit ergreifen, unser Verhältnis zur Technologie zu hinterfragen.

Was ist es, was einen bewussten Verzicht auf den permanenten Online-Zustand so schwer macht? Der Philosoph Henri Bergson schrieb schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts über die Schwierigkeit in der Moderne, sich wiederzufinden. „Die meiste Zeit leben wir unserer selbst äußerlich, wir gewahren von unserem Ich nur sein entfärbtes Phantom, den Schatten (…). Wir leben eher für die Außenwelt als für uns (…) eher als daß wir selbst handeln, werden wir gehandelt.“ Während des Ramadans erleben wir die Möglichkeit, uns im Gebet von der Dominanz der äußeren Welt immer wieder zu befreien.

Ramadan als Gleichgewicht zwischen Innen und Außen

Letztendlich streben wir in diesem Monat eine Balance dieser beiden Aspekte an. Wir versuchen, die Prioritäten unserer Wahrnehmung richtig zu setzen; anstatt nur die Zeit totzuschlagen. „Die innere Emigration funktioniert nicht mehr, weil die Infiltration des Realen uns in jedem Rückzugsraum einholt“, stellt der Philosoph Peter Sloterdijk in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“ treffend fest. 

Wichtige Phänomene, deren Bedeutung wir insbesondere in der Fastenzeit zu ergründen versuchen, kann man nicht simpel verdrängen. Wir nehmen zum Beispiel bewusst die tragische und verzweifelte Situation der Palästinenser war. Uns erreichen die Bilder von ihrem Fastenbrechen in einer Trümmerwelt und wir empören uns über die Gewalt, der sie auch in diesem heiligen Monat ausgesetzt sind. Die Bittgebete, die wir gemeinsam in der Nacht sprechen, erinnern daran.

Foto: GreenIftar, NourEnergy

In diesen Tagen ist häufig von einer „Zeitenwende“ die Rede. Blicken wir auf die hinter uns liegenden Jahrzehnte zurück, wurde das Fasten lange vorrangig als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft gesehen. Heute ist es vor allem die Angst und die Depression, Ablenkung und Zerstreuung, die das Seelenleben gefährden, Zustände, denen wir uns mit den Riten und dem daraus resultierenden Vertrauen auf eine höhere Wirklichkeit entziehen.

Um dieses Potenzial für uns offen zu halten, müssen wir vorsichtig mit den äußeren Eindrücken sein, die einen erreichen. Die Unterscheidung, was tatsächlich wichtig ist oder was nicht, gehört zu den bedeutsamen Übungen dieser Zeit.

Die Griechen hatten die Tragödie – was bringt uns Katharsis?

In der griechischen Philosophie sind es die Tragödien, die dem Menschen die Bewältigung der Affekte von Furcht und Mitleid aufzeigen sollen und zu einer „Kartharsis“, einer Reinigung, führen sollen.

Aristoteles argumentierte, dass die Affektbeeinflussung nicht schädlich sei. Denn der Ablauf der Tragödien mit ihrer Lösung des Konfliktes befreit uns von dem Druck, der durch sie erregten Affekten. Sein Lehrer Platon war skeptisch angesichts dieser Form der Reinigung. Er befürchtete generell, dass geistige und emotionale Einflüsse in der Seele eine unbeherrschbare, oft negative Eigendynamik entfalten.

krieg

Foto: Adobe Stock

In diesem Jahrhundert erleben wir zahlreiche Tragödien, Kriege und Herausforderungen, von denen man sagt, dass es keine simplen Lösungen mehr gibt. Die Flut der Bilder, die Darstellung von Gewalt und Exzessen, die Vielzahl wahrer und falscher Informationen beeinflussen den eigenen Zustand unbemerkt. Man neigt heute dazu, gerade wenn man an irrationale Gewaltausbrüche denkt, die Einwände Platons wieder ernster zu nehmen. Der Blick in die Abgründe unserer Zeit bleibt nicht folgenlos. 

Der Ramadan ist eine ungewöhnliche Zeit und die uns zugeeignete Form der Reinigung, die unseren Körper, unser Denken und unseren Glauben erneuert. Die besonderen Momente dieses Monates kann man nicht erzwingen, man muss sich in der Offenheit für sie halten.

Jede Nacht erleben wir gemeinsam den Klangraum der Offenbarung und die Macht göttlicher Inspiration. Es ist der Monat Ramadan, in welchem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt wurde, der die Zeichen der Wahrheit inne hat und das Richtige vom Falschen trennt (Al-Baqara, 2/185). 

Angesichts der Lage des Menschen im 21. Jahrhundert ist tiefes Gottvertrauen und unumstößliche Zuversicht notwendiger denn je.

, ,

Wie im Ramadan gesund leben?

ramadan

Aus dem muslimischen Alltag: Tipps & Tricks für eine bessere Gesundheit im Fastenmonat. (iz). Ramadan ist der Monat im islamischen Kalender, in dem der Qur’an dem Propheten Mohammed, möge Allah […]

IZ+

Weiterlesen mit dem IZ+ (Monatsabo)

Mit unserem digitalen Abonnement IZ+ (Monatsabo) können Sie weitere Hintergrundbeiträge, Analysen und Interviews abrufen. Gegen einen Monatsbeitrag von 3,50 € können Sie das erweiterte Angebot der Islamischen Zeitung sowie das ständig wachsende Archiv nutzen.

Abonnenten der IZ-Print sparen beim IZ+ Abo 50%.

Wenn Sie bereits IZ+ Abonnent sind können Sie sich hier einloggen.

* Einfach, schnell und sicher bezahlen per Paypal, Kredit-Karte, Lastschrift oder Banküberweisung. Das IZ+ Abo verlängert sich automatisch um einen Monat, wenn es nicht vorher gekündigt wurde. Sie können ihr bestehendes Abo jederzeit auf der Mein Konto-Seite kündigen.