Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD melden sich im ganzen Land muslimische Verbände, Imame und Religionsgemeinschaften zu Wort.
(iz). Von KRM über IGMG und Schura Hamburg bis zu einzelnen Imamen verurteilen sie die Tat entschieden, stellen klar, dass religiös begründete Gewalt keine Legitimation besitzt, und fordern Prävention statt pauschaler Hetze gegen Muslime.
Was über den Anschlag und Täter bekannt ist
Am späten Abend des 25. Juli 2026 fährt Abdul B., ein 21‑jähriger in Berlin geborener deutscher Staatsbürger mit libanesischem Hintergrund, mit einem Fahrzeug am Rand des Christopher Street Day in eine Menschengruppe im Großen Tiergarten.
Eine Frau kommt ums Leben, mindestens 16 bis 29 Menschen werden verletzt, mehrere zunächst lebensbedrohlich. Der Fahrer verlässt das Fahrzeug und flieht, während Einsatzkräfte sich um Verletzte kümmern und den Bereich sichern.
Die Ermittler fahnden öffentlich nach Abdul B., der den Sicherheitsbehörden als „Gefährder“ bekannt war und der Szene gewaltorientierter Milieus zugerechnet wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft betonten, dass Motivlage und mögliche Unterstützer weiter geprüft werden müssen.

Foto: DABLJU/Adobe Stock
Am folgenden Tag wird Abdul B. in einer Kleingartenanlage in Berlin‑Spandau vom SEK gestellt. Nach Angaben der Polizei greift er die Beamten mit einer Stichwaffe an, woraufhin Schüsse fallen. Trotz Reanimationsversuchen stirbt er an den Folgen der Schussverletzungen.
Die Bundesanwaltschaft übernimmt das Verfahren, das als möglicher Terroranschlag gegen die betroffene Community und die Freiheit der gesamten Gesellschaft geführt wird.
Muslime reagieren breit und eindeutig mit Ablehnung
Während Ermittlungsbehörden den bekannten Täter Abdul B. einordneten und nach möglichen Unterstützern suchten, richtete sich der Blick vieler Medien schnell auf die muslimische Bevölkerung insgesamt.
Genau hier setzen die Stellungnahmen von Verbänden, Räten und einzelnen Imamen an: Sie formulieren eine eigenständige, religiös begründete Kritik an Fanatismus und Hass, die sich von polarisierenden Debatten absetzt.
Foto: Muslimische DiaLogen
„Terror, Hass und Gewalt besitzen keinerlei religiöse Legitimation“
Der Rat Berliner Imame erneuert in einer ausführlichen Pressemitteilung seine Solidarität mit den Opfern, ihren Angehörigen und der queeren Community. Sie schreiben, der Anschlag mache deutlich, „dass religiös begründeter Extremismus, ebenso wie andere Formen des Extremismus und Menschenfeindlichkeit, eine reale Gefahr für unsere Gesellschaft darstellen“.
Zugleich betonen sie: „Terror, Hass und Gewalt besitzen keinerlei religiöse Legitimation“, und wer die Religion benutze, „um Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer Identität, ihrer Überzeugungen oder ihrer Lebensweise auszuüben oder gar zu töten, handelt nicht im Einklang mit den ethischen Grundsätzen unserer Religion“.
Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Schutz des Lebens und Achtung der Menschenwürde werden als zentrale Fundamente des Islam benannt. Besonders hervorheben die Imame die Notwendigkeit der Prävention: Radikalisierung sei „meist das Ergebnis eines schleichenden Prozesses, der sich heute häufig im Internet und in sozialen Medien vollzieht“.
Entsprechend müsse man junge Menschen früh erreichen, ihnen Orientierung und Perspektiven geben und jene stärken, „die Warnsignale erkennen und Verantwortung übernehmen“.
„Schutz des Lebens als Kern des Glaubens“
Die IGMG reagiert mit einer eigenen Stellungnahme, in der ihr Generalsekretär Ali Mete den Angriff „mit aller Entschiedenheit“ verurteilt. „Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der getöteten Frau, den Verletzten und allen Menschen, die diese Tat miterleben mussten“, erklärt er.
Die menschenverachtende Ideologie des sogenannten „IS“ wird als „fundamentaler Widerspruch zu den Werten des Islams“ bezeichnet. Der Qur’an messe dem Schutz des menschlichen Lebens höchste Bedeutung bei, die Würde jedes Menschen gehöre zu den unveräußerlichen Grundlagen des Glaubens.
Mete sagt dazu: „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer menschenverachtenden Wahnideologie. Er missbraucht Religion, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen. Dafür darf es weder religiöse noch politische Entschuldigungen geben.“
Die IGMG begrüßt ausdrücklich die Arbeit der Sicherheits- und Ermittlungsbehörden, warnt aber davor, laufende Ermittlungen „durch Spekulationen oder pauschale Schuldzuweisungen“ zu belasten.
„Wer sich dabei auf den Islam beruft, missbraucht unsere Religion“
Auch die Schura Hamburg, als Zusammenschluss von Moscheegemeinden und islamischen Organisationen, meldet sich zu Wort. Bei einer Solidaritätsveranstaltung für die Opfer erklärt der Vorsitzende Fatih Yildiz, er gedenke der Toten, drücke Verletzten und Angehörigen sein Mitgefühl aus und wende sich gegen den Versuch, Gewalt religiös zu begründen.
Wörtlich wird er mit den Worten zitiert: „Wer Menschen angreift, begeht ein schweres Unrecht. Und wer sich dabei auf den Islam beruft, missbraucht unsere Religion.“
Yildiz unterstreicht, dass die Schura als islamische Religionsgemeinschaft Verantwortung übernehme: „Für Hass, Gewalt und extremistische Ideologien darf es in den muslimischen Gemeinden keinen Platz geben.“ Zugleich weist er hin, dass der Anschlag die gesamte Gesellschaft treffe und Muslime „eine Bevölkerungsgruppe sind, die gerade viel Hass und Hetze abbekommt“.
Der KRM und weitere Verbände schließen sich an
Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) und weitere Verbände schließen sich der Linie deutlich formulierter Solidarität und Abgrenzung von religiös begründeter Gewalt an. Sie verurteilen den Anschlag, bekunden Anteilnahme gegenüber der queeren Community und betonen, dass Attacken auf friedlich feiernde Menschen Angriffe auf die Freiheit aller sind.
In verschiedenen Landesstrukturen – etwa in Nordrhein‑Westfalen und Hamburg – wird diese Haltung in Posts und kurzen Mitteilungen wiederholt, in denen Begriffe wie Menschenwürde, Freiheit, Sicherheit und Verantwortung eine zentrale Rolle spielen.
Damit entsteht ein breites Spektrum muslimischer Stimmen, die in Ton und Inhalt ähnlich argumentieren: klare Verurteilung des Anschlags, Betonung der Unvereinbarkeit von Gewalt und islamischen Grundwerten, Solidarität mit den Betroffenen und Warnung vor pauschaler Stigmatisierung.






