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Was den Ramadan jetzt relevant macht

Ausgabe 369

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Foto: imago/Funke Foto Service

Der Ramadan hat auch Relevanz für aktuelle Fragen der Zeit: Die wichtigsten sind Freiheit und Gemeinschaft.

(iz). Muslime und Nichtmuslime werden bei der Reflexion über den Ramadan in all seinen Aspekten vorrangig an überzeitliche und jenseitige Fragen denken.

An Dinge, die eine Person ihrem Schöpfer näherbringt, oder die zu ihrer spirituellen Verbesserung beiträgt. Nichts umsonst beschrieb Ahmet Aydin diesen Monat als eine „Übung im Menschsein“.

Damit Ramadan bzw. das in ihm verpflichtende Fasten relevant sein können, muss beide auch zu unserem Ort in dieser Zeit sprechen. Will heißen, jeweils Dinge adressieren, die für uns bedeutend sind. 

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Foto: Nate Pesce, flickr | Lizenz: CC BY-SA 3.0

Gerade stechen zwei Aspekte heraus, die den Fastenmonat jetzt wichtig und wertvoll machen: die Themen Freiheit und Gemeinschaft.

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Der Verlust des sozialen Lebens und seiner organischen Netzwerke macht sich heute als Einsamkeit bemerkbar. Sie ist kein Randphänomen mehr: In Deutschland fühlen sich laut Studien Millionen Menschen regelmäßig allein.

Das geht quer durch Altersgruppen und Lebenssituationen. Vor allem Großstädte, die Lawine digitaler Kommunikation und ein beschleunigter Alltag verstärken das Gefühl gegenseitiger Distanz.

Was früher Tabuthema war, wird längst als ernsthafte soziale Herausforderung erkannt. Politik, Forschung und Zivilgesellschaft suchen nach Wegen, gegen Vereinsamung vorzugehen – denn chronische Einsamkeit bedroht nicht nur das seelische Wohlbefinden, sondern ebenso die körperliche Gesundheit und das Zusammenleben.

Auch um unsere bürgerlichen Freiheiten ist es nicht rosig bestellt – vor Ort und global. Ranglisten zum Thema weisen seit einiger Zeit beunruhigende Trends auf: Mit Bürgerrechten und Meinungsfreiheit geht es weltweit bergab.

demokratie

Foto: The White House/flickr | Lizenz: Public Domain

Das betrifft nicht nur für Ländern der „Dritten Welt“, sondern ebenso die im Westen. Beispiele sind leider nicht selten: die Faschisierung der USA, „illiberale Demokratien“ in Ost- und Mitteleuropa sowie die schleichende Erosion hiesiger Freiheiten sind gefährlich für alle.

Erst vor Kurzem musste die Bundesregierung eine kritische Einschätzung der Redefreiheit durch die UN-Berichterstatterin Khan zur Kenntnis nehmen.

Das Land stünde „an einem Scheideweg der Meinungsfreiheit“. Sie sieht Symptome, dass ein demokratischer Kernanspruch der Bundesrepublik – der freie Widerspruch – zunehmend unter Rechtfertigungsdruck gerät.

Was hat das mit Ramadan & Fasten zu tun? Nun, die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zugunsten höherer Ziele hintanzustellen und die Kulturtechnik des Aufschubs von Belohnung sind gute Übungen für einen zivilisierten Umgang. Gleichzeitig machen sie Freiheit existenziell erlebbar.

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