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Weltweites Gedenken an NS-Opfer

Foto: Memorial and Museum Auschwitz-Birkenau

Bonn (KNA). 76 Jahre nach der Befreiung von überlebenden Häftlingen im Konzentrationslager Auschwitz ist weltweit an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Staatsoberhäupter, Politiker und Religionsvertreter warnten am Mittwoch vor Hass und Antisemitismus und riefen zu Menschlichkeit auf. Wegen der Corona-Pandemie fanden viele Gedenkfeiern digital statt, darunter die Veranstaltungen der KZ-Gedenkstätte Auschwitz im polnischen Oswiecim und in der Holocaust-Gedenktstätte Yad Vashem in Jerusalem. Auch im Deutschen Bundestag gab es eine Gedenkfeier.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief dazu auf, sich für den Schutz von Juden einzusetzen. „Ein jeder von uns ist aufgerufen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalt zu schützen“ sagte Steinmeier in einer Videobotschaft für eine gemeinsame virtuelle Gedenkveranstaltung des World Jewish Congress und der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

In einer Stellungnahme unterstrichen der israelische Präsident Reuven Rivlin und Amtskollegen Medienberichten zufolge den gemeinsamen Kampf gegen Antisemitismus und die Bewahrung des Gedenkens. Der Präsident des Europäischen Parlaments, David Sassoli, sagte, dass das, was in den NS-Lagern geschah, den Menschen heute die Pflicht auferlege, wachsam zu sein. Ähnlich äußerten sich auch UN-Vertreter.

In Berlin erinnerte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble an die 1.700 Jahre alte und vielfältige Geschichte der Juden in Deutschland, die 2021 in einem Festjahr gefeiert werden. Es sei niederschmetternd und beschämend, dass neue Formen des Rassismus und des Antisemitismus hemmungslos und gewaltbereit heute in Deutschland existierten.

Die Holocaust-Überlebende und frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte im Parlament, die Demokratie müsse wehrhafter verteidigt werden. Der Kampf gegen Antisemitismus sei eine „Sisyphos-Aufgabe“. Judenhass müsse auch dort bekämpft werden, wo es weh tue: in der Mitte der Gesellschaft. Im Reichstagsgebäude wurde die restaurierte Thorarolle der einstigen jüdischen Gemeinde des oberpfälzischen Sulzbach von 1793 durch Hinzufügung der letzten Buchstaben vollendet.

Das Gedenken war vor 25 Jahren vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog initiiert und auf den Tag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 gelegt worden. Die Zahl der im KZ Auschwitz und im dazugehörigen Vernichtungslager Birkenau Ermordeten wird auf etwa 1,1 bis 1,5 Millionen geschätzt.

Papst Franziskus betonte in seiner wöchentlichen Videoansprache: „Erinnern ist ein Ausdruck von Menschlichkeit und ein Zeichen von Zivilisation.“ Zu gedenken bedeute auch, „wachsam zu sein, weil diese Dinge ein weiteres Mal geschehen können“. Die deutschen katholischen Bischöfe riefen zum entschiedenen Einsatz gegen alle Formen des Antisemitismus auf.

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, kritisierte, dass zunehmend mehr Länder in Europa die Religionsfreiheit beschnitten. Auch habe eine „Welle des islamisch-fundamentalistischen Terrors“ Europa bis in den Kern erschüttert. Der Zentralrat der Juden in Deutschland prangerte eine Verunglimpfung und Instrumentalisierung der Opfer der Schoah etwa bei Protesten gegen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung an und rief dazu auf, nicht gleichgültig gegenüber rechtsradikalen Positionen zu sein.

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