Während Bomben auf den Iran und viele Staaten der Region fallen, wirken die Aggressoren und die EU-Länder plan- und konzeptlos.
(iz, KNA, GFP.com). Ab dem Morgen des 28. Februar 2026 markierten die gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffe auf iranische Ziele eine neue Phase des seit Jahren eskalierenden Schattenkriegs – erstmals als offener, regionaler Krieg geführt.
Seit 28. Februar fallen Bomben und Raketen
Am 28. Februar gegen Vormittag Ortszeit starteten massive Angriffe mit US‑Projektilen, Drohnen und israelischen Jets auf Ziele in West‑ und Zentraliran, darunter Luftabwehr, Raketenstellungen und Anlagen mit Bezug zum Nuklear‑ und Raketenprogramm.
Tel Aviv sprach von etwa 500 getroffenen militärischen Zielen und der größten Kampagne seiner Luftwaffe. US-Präsident Trump erklärte die Operation zu einer großangelegten Offensive zur Zerstörung von Irans Raketenindustrie, Seestreitkräften und nuklearen Kapazitäten. Entgegen den Behauptungen deutscher Kommentatoren geht es weder Washington noch Tel Aviv in erster Linie um „Freiheit“ oder „Demokratie“ in der Islamischen Republik.
Fast zeitgleich schlossen Iran, Israel und Nachbarstaaten ihren Luftraum; die USA signalisierten, dass diplomatische Optionen als ausgeschöpft gelten. Internationale Reaktionen reichten von scharfer Kritik an der Gefährdung der regionalen Stabilität bis zu Erklärungen der Unterstützung für das „Selbstverteidigungsrecht“ Israels und der USA.
Iran antwortet und weitet den Krieg auf die gesamte Region aus
In den Stunden nach den ersten Angriffen reagierte Teheran mit einem breiten Spektrum von Drohnen‑ und Raketenangriffen. Ziele sind weiterhin Israel, US‑Basen in der Region, zivile Objekte in Jordanien, Kuwait, Bahrain, Katar, Irak, Saudi‑Arabien und den VAE sowie zivile Flughäfen und Häfen der Nachbarstaaten.
Teheran schloss der Straße von Hormus, womit ein neuralgischer Punkt des Welthandels und der Energieversorgung getroffen ist. Die Ölpreise sprangen deutlich nach oben, asiatische Börsen geraten unter Druck.
Politisch verschiebt sich damit der Konflikt von einer bilateralen Konfrontation hin zu einem offenen regionalen Krieg, der Golfmonarchien, Irak, Libanon und de facto europäische Akteure über Militärbasen und Energieabhängigkeit einbindet. Sollten die USA angeblich Pläne zur Mobilisierung kurdischer Kräfte im Iran realisieren, dürfte nach Ansicht von Beobachtern auf die Türkei nicht abseits bleiben.
Die Arabische Liga warnte vor einem „vollumfänglichen regionalen Krieg“ und drängt auf Deeskalation, während Teheran nach Tötung von Ayatollah Ali Khamenei und unzähligen hochrangigen Funktionären des Machtapparats jede Verhandlung mit Washington kategorisch ausschließt.
Die Opferzahlen im Iran steigen rapide an
Im Iran führen die Angriffe seit Beginn zu hunderten zivilen Toten und Verletzten in mehreren Provinzen. Die Aggression trifft dicht besiedelte urbane Räume, Schulen werden geschlossen, Familien fliehen aus besonders gefährdeten Vierteln. Die Internetverbindung bricht landesweit auf wenige Prozent ein, was Informationsfluss, Koordination von Hilfe und die Arbeit humanitärer Organisationen massiv behindert.
Unterbrechungen von Strom, Transportwegen, Gesundheitsdiensten und Versorgungsnetzen verstärken eine vorhandene strukturelle Krise. Wasserknappheit, steigende Preise und hohe Arbeitslosigkeit treffen insbesondere einkommensarme Haushalte, Tagelöhner und informell Beschäftigte.
Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderungen und Kranke gelten als besonders gefährdet, da sie von funktionierenden öffentlichen Diensten und Medikamenten abhängen, während Binnenvertriebene und Flüchtlinge aufgrund prekärer Wohnverhältnisse und knapper Ressourcen doppelt exponiert sind.
Das Lager der Angreifer ist plan- und kopflos
Politisch steht Washington vor der Spannung zwischen dem Anspruch, Irans Sicherheitsapparat „zu zerschlagen“, und der Gefahr, in einen langwierigen Krieg ohne klar definiertes Endziel hineingezogen zu werden. Für Israel verschränken sich der Angriff gegen den Iran, die anhaltenden Operationen in Gaza und die neue Front im Libanon zu einem Mehrfrontenkrieg, der militärisch beherrschbar sein mag, aber enorme diplomatische und innenpolitische Kosten erzeugt.
Auf iranischer Seite schafft die Tötung Khameneis ein Machtvakuum mit unklarer Nachfolge, in dem Hardliner jede Form von Zugeständnissen als existenzielle Bedrohung rahmen und damit die Eskalationsspirale eher antreiben als bremsen.
Mit Raketen, Drohnen und Flüchtlingsbewegungen, die längst Grenzen überschreiten, ist die Region in eine Konstellation eingetreten, in der ein einzelner Fehlkalkulationsmoment genügen kann, um den Krieg weiter auszuweiten. Währenddessen ist die humanitäre Bilanz nach wenigen Tagen katastrophal und wird absehbar anwachsen.

Foto: Deutscher Bundestag/Thomas Imo/photothek
Berlin stellt sich grundlos auf die Seite eines Angriffskriegs
Die USA und Israel erhalten bei ihrem zweiten Krieg gegen den Iran binnen neun Monaten erneut die Rückendeckung der Bundesregierung. Bundeskanzler Friedrich Merz teilte am Sonntag mit Blick auf den völkerrechtswidrigen Überfall auf Iran mit, er wolle keine „völkerrechtliche Einordnungen“ des Krieges vornehmen.
Es sei „jetzt nicht der Moment, unsere Partner und Verbündete zu belehren“. Im Gegensatz dazu forderte er Iran auf, „diese wahllosen Angriffe sofort zu beenden“.
Deutsche Muslime rufen zur Deeskalation auf
Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland blickt nach eigenen Angaben mit großer Besorgnis auf die jüngste militärische Eskalation im Zusammenhang mit dem Iran. Die Entwicklungen drohen, eine ohnehin fragile Region weiter zu destabilisieren und neues Leid über die Zivilbevölkerung zu bringen.
Das Gremium rief in einer Erklärung vom Montag alle beteiligten Akteure eindringlich dazu auf, unverzüglich Schritte zur Deeskalation einzuleiten, das internationale Recht zu respektieren und zu einer politischen Lösung zurückzukehren. „Die internationale Gemeinschaft steht in der Verantwortung, weitere Eskalationen zu verhindern und Wege zu eröffnen, die langfristig Sicherheit und Stabilität fördern.“
Die OIC verurteilt Attacken gegen Ziele in arabischen Ländern
Ungeachtet der Darstellung von Präsident Massud Peseschkian, die Tötung von Khamenei durch die USA und Israel sei eine „Kriegserklärung an Muslime“, hat der Weltverband 57 muslimischer Staaten ein Ende der Eskalation und die Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. In einer am Abend des 28. Februar verbreiteten Erklärung verurteilte die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in Riad die Angriffe Teherans auf benachbarte Mitgliedstaaten.
Das OIC-Generalsekretariat sprach mit Bezug auf iranische Luftangriffe auf Ziele in Saudi-Arabien, mehreren Golfstaaten und Jordanien von „Aggression“ und „einer inakzeptablen Eskalation“. Diese bedrohe die Stabilität der gesamten Region und habe schwerwiegende Folgen für Frieden und Sicherheit.
Die Verletzung der Souveränität von OIC-Mitgliedern und völkerrechtlicher Grundsätze durch den Iran stelle einen gefährlichen Präzedenzfall dar, so der islamische Staatenverband. Er verlangte die Wahrung gegenseitigen Respekts und Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.
Leider wie immer: Jerusalem und palästinensische Gebiete werden zu Opfern des Teheraner Vorgehens
Im Felsendom nahm eine Studentengruppe gerade an einem Qur’anunterricht teil, als Alarm ertönte. Kaum jemand habe sich bewegt, berichtet eine Studentin. Zwar sei der Bereich geschlossen worden, aber die Besucher auf dem Plateau der Al-Aksa-Moschee hätten alle Ruhe bewahrt.
Auch außerhalb des Damaskustors zur Altstadt waren die Geschäfte zunächst geöffnet, auf den Straßen herrschte Treiben. Und im Garten der Dormitio, der deutschen Benediktiner-Abtei auf dem Zionsberg, ging die Zitronenernte ungestört weiter.
Dann aber gab es kurz nach 10 Uhr auch für Jerusalem Alarm. Die Bewohner suchten Schutzräume auf. Über der Stadt wurden Raketen gesichtet. Mehrere laute Explosionen waren zu hören, als das israelische Abwehrsystem erfolgreich ein Geschoss abfing. Die deutsche Schmidt-Schule am Rand der Altstadt schickte die Schülerinnen nach Hause.
Später entdeckte man im Hof der Schule zwei etwa 40 Zentimeter große Trümmerteile. Auch beim Sultanspool westlich der Altstadt fiel ein umfangreicheres Raketenstück nieder und sorgte für starke Rauchentwicklung. Der Platz vor der Klagemauer war inzwischen verwaist. Nach Tel Aviver Angaben feuerte der Iran rund 30 Raketen in Vergeltung ab.

Foto: diloka107, Freepik.com
Dramatische Folgen für die Weltwirtschaft sind nicht abzusehen
Die ersten Ausläufer der zu erwartenden Konsequenzen des unnötigen Angriffs auf den Iran zeigte sich bereits an deutschen Tankstellen. Preise stiegen im Schnitt um 20 ct/Liter an. Ökonomen befürchten langfristig ein erneutes Absinken des Wirtschaftswachstums im Euroraum sowie eine Zunahme inflationärer Effekte. An vielen Börsen – von Europa bis Ostasien – sackten die Kurse ab.
„Wir sehen hier nicht nur eine Energiekrise, sondern eine sicherheitspolitische Eskalation mit gravierenden völkerrechtlichen und wirtschaftlichen Folgen. Die Dauer dieses illegalen und sinnlosen Krieges ist nun entscheidend. Für Verbraucher bedeutet jeder weitere Tag höhere Preisschwankungen, steigende Beschaffungskosten und das Risiko erneuter deutlicher Preissteigerungen für Energie. Anders als 2022 wird es diesmal vor allem um die Senkung der Nachfrage gehen“, sagte Dr. Pauline S. Heinrichs vom Londoner King’s College.
„Der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien ist eine Frage strategischer Souveränität. Jede zusätzliche Kilowattstunde aus Wind- und Solarenergie reduziert die Abhängigkeit von fossilen Staaten und fossilen Brennstoffen – und damit die Anfälligkeit für genau solche geopolitischen Schocks“, meint der Ökonom Lukas Scholle. Er ist Chefredakteur des kritischen Wirtschaftsmagazins „Surplus“.
Eine der Lehren aus dem Iran-Krieg müsse eine möglichst schnelle Energiewende sein. Fossile Energie sei eine zentrale ökonomische Grundlage für Kostenschocks – vom Gas aus Russland bis Öl aus dem Nahen und Mittleren Osten.

Foto: WFP/Ali Khalafalla
Empfänger internationaler Hilfe leiden jetzt schon unter den Effekten des Kriegs
Die Kriegshandlungen im Nahen Osten bringen die Logistik für Hilfslieferungen in Engpässe. Die humanitären Lieferketten gerieten zunehmend unter Druck; Grund seien Behinderungen der Schifffahrt, aber auch gesperrte Lufträume, sagte der Regionaldirektor des Welternährungsprogramms WFP, Samer Abdeljaber, am 3. März in Genf. Das von den Vereinten Nationen getragene WFP ist mit seinem Transportnetz und seinen technischen Möglichkeiten einer der wichtigsten Akteure der Nothilfe weltweit.
Abdeljaber verwies auf Risiken für Schiffe in der Straße von Hormus und drohende Angriffe im Roten Meer. Die Störungen führten zu höheren Transportkosten, längeren Lieferzeiten und einer geringeren Containerverfügbarkeit. Die Beschränkungen im Luftverkehr sorgten für Probleme beim Austausch der Crews und erschwerten Einsätze.
Das WFP und Partnerorganisationen versuchten, sich der Situation anzupassen, etwa durch die Nutzung von Transitrouten in der Türkei, Ägypten, Jordanien und Pakistan sowie Landkorridoren zwischen den VAE und der Levante. Wichtig seien ägyptische Häfen und der Suezkanal. Beide stellten Knotenpunkte für die Region dar, so Adeljaber.
