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Freitag – der Tag der Versammlung

Ausgabe 105

Foto: Godong-Photo, Shutterstock

Der Freitag, Al-Dschumu’a, ist im Islam ein besonderer Tag, der natürlich vor allem durch das Freitagsgebet gekennzeichnet ist, welches, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, für männliche Muslime obligatorisch wird. Frauen können auch teilnehmen und tun dies häufig auch, sind aber nicht dazu verpflichtet. Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass der Freitag kein Feiertag im Sinne des christlichen Sonntags ist, an dem nicht gearbeitet werden dürfte. Allerdings soll während der Zeit der Freitagspredigt und des Gebets kein Handel stattfinden, ebenso wenig andere Tätigkeiten. Er ist aber auch kein Tag wie jeder andere in der Woche.

Es ist notwendig – im Sinne einer starken Sunna – vor dem Gang zum Freitagsgebet eine rituelle Ganzkörperwaschung (Ghusl), durchzuführen. Dies gehört zum Adab des Dschumu’a-Gebetes. Am besten sollte dies möglichst spät, kurz vor dem Gang zum Gebet, durchgeführt werden. Zum Adab des Freitagsgebetes gehört es auch, möglichst früh dorthin zu gehen, das bedeutet, rechtzeitig zum Beginn seiner Zeit, jedoch nicht schon frühmorgens. Auch ist es Sunna, sich zum Freitagsgebet zu parfümieren (dies gilt nicht für die Frauen) und seine beste Kleidung anzuziehen. Zum Adab des Dschumu’a-Gebetes gehört es auch, den Schnurrbart zu kürzen, die Nägel zu kürzen sowie Achsel- und Schambehaarung zu rasieren, wenn nötig. Auch das Benutzen des Miswak [Hölzchen zur Zahnreinigung] ist empfohlen. Ebenso sollte man, wenn möglich, zum Freitagsgebet zu Fuß gehen. Letzteres ist in muslimischen Ländern in der Regel kein Problem, in Europa hingegen sind die Entfernungen zu den Moscheen meist größer.

Das Freitagsgebet hat natürlich eine wichtige gemeinschaftliche Bedeutung. Zu ihm kommt die Bevölkerung eines Ortes in feierlicher Stimmung zusammen, und gerade nach dem Gebet besteht die Möglichkeit für sozialen Austausch. Auch die Ansprache sollte idealerweise einen Bezug zu den aktuellen Anliegen der Gemeinschaft vor Ort haben und relevante Themen reflektieren. Das Freitagsgebet wurde im Islam auch erst zur Zeit von Medina als verpflichtend etabliert, als eine funktionierende Gemeinschaft entstanden war. Die Ansprache im Rahmen des Gebets hatte immer auch eine politische Bedeutung. Ursprünglich, unter den früheren Generationen, wurde die Khutba vom Khalifen selbst gehalten, später zumindest in seinem Namen oder stellvertretend für ihn. Traditionell wurde und wird am Ende jeder Khutba ein Bittgebet (Du’a) für den Amir der Gemeinschaft gelesen, wie es seit der Zeit des Propheten und seiner Nachfolger der Fall war. Nach dem Gebet wird die Moschee zu einem Ort, in welchem sich die Leute begrüßen und einladen. Dieser Aspekt des Freitagsgebets als sozialem Ereignis wird auch dadurch deutlich, dass es in der Rechtsschule des Imam Malik nicht üblich ist, nach dem gemeinsamen Gebet weitere freiwillige Gebete in der Moschee zu verrichten.

In einem Hadith vom Propheten, Allahs Friede auf ihm, heißt es: „Der beste von den Tagen, an denen die Sonne aufgeht, ist der Tag des Dschumu’a. An ihm wurde Adam geschaffen, und an ihm war sein Fall aus dem Garten. An ihm wurde ihm vergeben, und an ihm starb er. An ihm wird die Stunde kommen, und jedes sich bewegende Ding lauscht von Morgen bis Abend in Erwartung der Stunde, mit Ausnahme der Dschinn und der Menschen. Währenddessen [des Freitags] gibt es eine Zeit, an dem Allah seinem im Gebet stehenden Sklaven das gibt, worum er ihn bittet. (…)“ (Abu Huraira). Dieser Zeitpunkt ist nicht genau bekannt. Als einer der wahrscheinlichsten Zeitpunkte wird der Moment genannt, an dem der Imam während der Khutba zwischen den beiden Teilen kurz sitzt. Deswegen sprechen viele Muslime, und auch der Imam, in dieser Zeit Bittgebete.

Nach dem Gebet ist es in vielen muslimischen Ländern Sitte, dass man sich mit der Familie zum gemeinsamen Essen trifft. In Marokko zum Beispiel wird am Freitag traditionell Couscous serviert, der dann auch an die Armen verteilt wird.

In der Nacht vor dem Dschumu’a und am Tag selbst sollte man viel Qur’an lesen, zum Beispiel die Sura Al-Kahf, und außerdem viel Salawat (Segenswünsche für den Propheten) sprechen. Daher findet man vor dem Beginn der Freitagspredigt viele Moscheebesucher sich der Rezitation des Qur’an widmend, in Ländern wie Marokko wird auch gemeinsam laut der Qur’an rezitiert, was ein unvergleichliches Erlebnis ist. (Von Yasin Alder)