Kennen Muslime ein Theodizeeproblem? Dr. Cemil Şahinöz formuliert islamische Antworten auf eine Frage, die nicht trivial ist.
Vorweg eine kurze, bekannte Erzählung, welches die Thematik gut wiedergibt: Ein Friseur schnitt einmal einem Mann die Haare und der Friseur sagte: „Ich glaube nicht an die Existenz von Gott.“ Der Muslim fragte: „Warum nicht?“ Der Friseur antwortete: „Es gibt so viel Elend und Chaos auf der Welt. Wenn es Gott gäbe, würde es dieses Chaos nicht geben.“ Der Muslim sagte: „Ich glaube auch nicht an Friseure...“ Der Friseur fragte verwirrt: „Wie meinen Sie das?“ Der Muslim sagte zum Friseur: „Siehst du die Männer draußen mit den langen Haaren?“ Der Friseur sagte: „Ja.“ Der Muslim sagte: „Wenn es Friseure gäbe, gäbe es keine Menschen mit langen und unordentlichen Haaren.“ Der Friseur antwortete: „Es gibt uns, aber die Leute kommen nicht zu uns!“ Daraufhin sagte der Muslim: „Eben. Gott existiert auch, aber die Menschen wenden sich nicht an Gott, um Führung zu erhalten. Deshalb gibt es so viele Probleme auf der Welt.“
Begriff und Bedeutung des Theodizeeproblems
Das Theodizeeproblem beschäftigt sich mit der Frage, wie das Vorhandensein von Leid und Bösem in einer Welt mit einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott zu vereinbaren ist. Dabei hat die Fragestellung seine Wurzeln im Christentum, wo ein anderes Gottesverständnis als im Islam herrscht.
Während der Islam Gottes Weisheit und Allmacht als untrennbar betrachtet und das Leid als Teil eines größeren göttlichen Plans sieht, stellt das Christentum nur die Güte Gottes in den Mittelpunkt. Dies führte dazu, dass die Frage, warum ein allmächtiger und allgütiger Gott Leid zulässt, im Christentum zu einem zentralen Problem wurde.
Der Begriff „Theodizee“ selbst wurde im 18. Jahrhundert von dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz geprägt, doch die Diskussion darüber reicht bis zu den Kirchenvätern wie Augustinus und Irenäus im 2. und 4. Jahrhundert zurück. Leibniz versuchte, das Problem philosophisch zu lösen, indem er argumentierte, dass diese Welt die bestmögliche aller möglichen Welten sei. Trotz vieler möglichen Interpretationen blieb diese Fragestellung Jahrhundertelang im Gedächtnis der christlichen Theologie.
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