25 Jahre 11. September: Ein Vierteljahrhundert Desinformation

25 Jahre später reicht das Erbe der Anschläge vom 11. September weit über die ursprünglichen materiellen und wirtschaftlichen Auswirkungen hinaus.

29.09.2026 .Redaktion 3 Min. Lesezeit
9/11 11. September desinformation

Foto: White House photo by Eric Draper/Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

(The Conversation). Die Ereignisse des Tages und der darauffolgende „Krieg gegen den Terror“ haben das Vertrauen in die etablierten Nachrichtenmedien in den USA schwer erschüttert. So wurde der Grundstein für das heutige, von extremer Parteipolitik geprägte, zersplitterte Informationsklima gelegt. Von Jared Ahmed

In den Tagen und Wochen nach den Anschlägen sahen sich US-Journalisten mit einem Dilemma konfrontiert: Sollten sie die professionellen Standards der Objektivität und Unparteilichkeit wahren oder sich zur Unterstützung des Staates „hinter der Flagge versammeln“?

Viele entschieden sich für Letzteres und in den US-Redaktionen herrschte eine starke patriotische Stimmung. Journalisten und Nachrichtensprecher trugen Anstecker mit Sternen und Streifen, während TV-Sender Slogans wie „America Under Attack“ für ihre Abendnachrichten übernahmen.

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Der erfahrene Sprecher Dan Rather brachte diesen vaterländischen Ton in einem emotionalen Interview mit dem Late-Night-Moderator Letterman auf den Punkt: „George Bush ist der Präsident, er trifft die Entscheidungen … wo auch immer er will, dass ich mich einreihe, sag mir einfach, wo.“

In einer Ansprache wenige Tage nach den Anschlägen legte Bush das Narrativ fest, die einen Großteil der folgenden Jahre prägen sollte: „Uns ist großer Schaden zugefügt worden. Wir haben große Verluste erlitten. Und in unserer Trauer und Wut haben wir unsere Mission und unseren Moment gefunden. Freiheit und Angst stehen im Krieg gegeneinander. Der Fortschritt der menschlichen Freiheit – die große Errungenschaft unserer Zeit und die große Hoffnung aller Zeiten – hängt nun von uns ab. Unsere Nation – diese Generation – wird eine dunkle Bedrohung durch Gewalt von unserem Volk und unserer Zukunft abwenden.“

Anstatt als kritische Stellen zu fungieren, haben Redaktionen diese Narrative vielmehr übernommen. Unzählige Studien zeigten, wie sich Journalisten in der Darstellung an die Regierung anpassten, als sie in ihrer medialen Vermittlung zunehmend Begriffe wie „Krieg“, „Terror“ und „Freiheit“ verwendeten.

Dies ist ein Beispiel für das, was Medienwissenschaftler als „Re-Institutionalisierung“ bezeichnet haben. Dabei übernimmt eine kleine Gruppe politischer Quellen nach einer Krise die Kontrolle über die Erzählung und zwingt den Medien ihre Interpretation auf.

Eine solche patriotische Berichterstattung beschränkte sich nicht auf die USA. Andere Medien im Vereinigten Königreich, in Spanien und in Deutschland übernahmen auffallend ähnliche Berichterstattungsmuster.

Foto: Dan Doane Jr., SIPA Presse | Lizenz: Public Domain Mark 1.0

Ein Thema, das internationale Quellen durchzog, war die Verknüpfung zwischen Islam und Terrorismus. In den Jahren nach dem 11. September 2001 erhielten Anschläge in den USA angeblich 357 % mehr Aufmerksamkeit in den Nachrichten, wenn der Täter als Muslim identifiziert wurde.

Und das obwohl Attacken von Rechtsextremisten in den USA zumindest seit 2001 weitaus häufiger vorkamen. Ähnliche Muster zeigten sich im Vereinigten Königreich und in Europa.

Die Berichterstattung über den 11. September ist ein Paradebeispiel dafür, wie Mainstreammedien unbeabsichtigt ihren eigenen Niedergang herbeiführen können.

Indem sie grundlegende journalistische Normen zugunsten eines patriotischen Konsenses sowie von oben verordneter, panischer Narrative außer Acht ließen, trugen die Nachrichtenquellen dazu bei, die öffentliche Skepsis hinsichtlich der Hintergründe der Terroranschläge in tiefsitzenden Zynismus umzuwandeln.

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