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Kurzmeldungen Inland (Nr. 377): von Rechtsextremen bis Zivilgesellschaft

Die Kurzmeldungen aus dem Inland (Nr. 377) reichen vom Extremismus im Land bis zu Beiträgen der Religionen.

28.10.2026 .Redaktion 4 Min. Lesezeit Ausgabe 377
muslime wahlkampf kurzmeldungen

Foto: Mo Photography Berlin, Shutterstock

Rechtsextreme Szene wird jünger & gewaltbereiter

BERLIN (IZ). Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen hat vor wachsender Gewaltbereitschaft rechtsextremer Gruppen gewarnt. In einer Anhörung im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags sprach er am 5. Oktober von einer „extrem besorgniserregenden Entwicklung“. Die Szene werde aktionsorientierter, vernetze sich über soziale Medien international, die Täter würden immer jünger. Als Beispiele nannte Selen Angriffe auf CSD-Veranstaltungen und Kontakte ins Rocker- und Kampfsportmilieu. Neurechte Strukturen trügen rechtsextreme Narrative in die Mitte der Gesellschaft, etwa prorussische „Friedensaktivisten“.

Foto: thauwald-pictures, Adobe Stock

516 antisemitische Straftaten im 2. Quartal

BERLIN (IZ). Dem Bundeskriminalamt sind für das zweite Quartal 2026 bis zum Stichtag 31. Juli 516 antisemitische Straftaten gemeldet worden, darunter 4 Gewalttaten und 234 Volksverhetzungen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. 370 Taten werden dem rechten Spektrum zugeordnet, 76 einer ausländischen Ideologie. Ermittelt wurden 196 Verdächtige, eine Person wurde festgenommen, drei Menschen wurden leicht verletzt. Die Zahlen sind vorläufig: Für das erste Quartal waren zunächst 199 Taten gemeldet worden, nach Nachmeldungen sind es inzwischen 743.

Migrantenorganisationen fordern mehr Schutz

BERLIN (KNA). Vier Dachverbände von Migrantenorganisationen fordern von Bund und Ländern eine Kommission zum Schutz von Minderheiten. Sie soll arbeiten, bevor in Sachsen-Anhalt eine Regierung mit Beteiligung der AfD steht, wie es in einem am 19. Oktober veröffentlichten Offenen Brief heißt. Das Schreiben ist an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die Ministerpräsidenten gerichtet.

Lange Nacht der Religionen zog Tausende an

BERLIN (IZ). Mehr als 2.200 Menschen haben nach Veranstalterangaben am 5. und 6. September 2026 die 15. Lange Nacht der Religionen besucht; unter dem Motto „MitGefühl“ öffneten über 60 Gemeinden und Gemeinschaften in Berlin und Teltow ihre Türen. Zum Programm gehörten Gespräche, Vorträge und Meditationen in Synagogen, Kirchen, Moscheen und Tempeln. Der Eintritt war frei. Die nächste Nacht ist für das erste Septemberwochenende 2027 geplant.

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Geringere Bildungschancen für die Nachkommen

BERLIN (KNA/IZ). Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), haben auch die Nachkommen der sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei schlechtere Bildungschancen. Die soziale Herkunft entscheide weiterhin maßgeblich über den Bildungserfolg, sagte Pawlik am 19. Oktober im rbb-Inforadio. Menschen mit türkischer Familiengeschichte seien weiterhin von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen, so Pawlik weiter.

Verbände fordern ein höheres BAföG

BERLIN (IZ). Mehr als ein Drittel der Studierenden in Deutschland ist armutsgefährdet. Das zeigt eine Auswertung von Mikrozensusdaten für 2025, die der Paritätische Gesamtverband und das Deutsche Studierendenwerk vorgestellt haben. Die Quote liegt bei 37,8 %, unter Alleinlebenden bei 82,4 %. Die Verbände fordern höhere Bedarfssätze und höhere Wohnzuschüsse.

Muslimfeindlichkeit hilft den Rechtsextremen

BONN (IZ). Die extreme Rechte nutzt Muslimfeindlichkeit, um Anhänger in bürgerlichen und religiösen Milieus zu gewinnen. Das schreibt die Soziologin Verena Schneider in einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung vom 9. Oktober. Sie bezeichnet die Abwertung von Muslimen als „Brückenideologie“. Wie verbreitet solche Einstellungen sind, zeigt der MOTRA-Monitor: Von April 2023 bis Juli 2025 stimmten knapp 63 % der Befragten der Aussage zu, es gebe zu viele Muslime in Deutschland.

Umweltethik adab charakter

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Religionen gemeinsam für den Schutz der Natur

DARMSTADT (IZ). Neun Religionsgemeinschaften haben sich im September 2026 an den zehnten Interreligiösen Naturschutztagen beteiligt. Nach Angaben des Abrahamischen Forums standen Wanderungen, Mitmachaktionen und Gespräche auf dem Programm. In Wittenberg erläuterte eine Muslimin beim Schöpfungsfest, welche ethischen Grundlagen der Qur’an für den Naturschutz bietet. Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Projekt, das religiöse Gemeinden für den Schutz der biologischen Vielfalt gewinnen soll.

IS-Anschlagsplan auf Kirche in Hamm

HAMM (IZ). Die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf hat einen 16-Jährigen angeklagt, der einen Brandanschlag auf eine Kirche in Hamm geplant haben soll. Laut Anklage hatte er von Mai bis Oktober 2024 per Messengerdienst Kontakt zu einem Mitglied des IS und kündigte an, in den „Dschihad“ zu ziehen. Später soll er sich zu dem Anschlag bereit erklärt und zum Ausspähen eine Drohne gekauft haben. Ein Gutachten bescheinigt ihm wegen einer psychischen Erkrankung eine erheblich eingeschränkte Einsichtsfähigkeit. Er ist in einer Klinik untergebracht. Über die Zulassung der Anklage entscheidet das OLG Düsseldorf.

Handel mit Standortdaten gefährdet Gläubige

KÖLN (IZ). Über frei gehandelte Handy-Standortdaten lassen sich Besucher von Moscheen, Kirchen und Synagogen verfolgen. Das zeigt eine am 6. Oktober veröffentlichte Recherche von netzpolitik.org. Allein in kostenlosen Vorschau-Datensätzen von Datenhändlern fanden die Journalisten mehr als eine Mio. Ortungen an Glaubensorten. Betroffen sind etwa die DITIB-Zentralmoschee in Köln, die Berliner Şehitlik-Moschee und die DITIB-Moschee in Dresden, vor der 2016 Rohrbomben explodierten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht für gefährdete Personen ein erhöhtes Risiko von Spionage, Bedrohung und Angriffen.

Islamfeindliche Schmierereien an Moschee

KREFELD (IZ). Unbekannte haben am 3. Oktober, dem Tag der offenen Moschee, die Mimar-Sinan-Moschee im Stadtteil Uerdingen beschmiert. Ein Banner und eine Mülltonne wurden mit Slogans besprüht. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Nach Angaben der Türkischen Union ist damit erstmals eine Krefelder Moschee auf diese Weise angegriffen worden. Bundesweit zählten die Sicherheitsbehörden im ersten Halbjahr 2026 neun islamfeindliche Straftaten, die sich gezielt gegen Moscheen richteten, darunter fünf Sachbeschädigungen.

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