Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 377: von häufigen Kriegsfolgen bis Bürgerrechten
Die Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 377 reichen dieses Mal von Folgen des Irankriegs, über die Missachtung von Bürgerrechten bis zum Jemenkrieg.
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Steigende Pegel und Hitze bedrohen Küsten
GENF (IZ). Die Weltmeere werden wärmer und saurer, der Meeresspiegel steigt schneller. Das zeigt der zehnte Copernicus-Ozeanbericht. Zwischen 2012 und 2025 stieg der globale Meerespegel im Mittel um 4,2 Millimeter pro Jahr. Seit 1985 nahm der Säuregehalt bis 2025 um rund 17 Prozent zu. Die Weltwetterorganisation WMO meldet für 2025 zudem einen Rekord beim Wärmeinhalt der Ozeane. Die Folgen treffen Küstengemeinden und Inselstaaten: Korallenriffe geraten unter Hitzestress, Überschwemmungen und Erosion bedrohen Siedlungen. Auf Sansibar erschwert wärmeres Wasser den Algenanbau und gefährdet auch Einkommen.

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Mehr Öl durch Hormus – Iran greift Tanker an
TEHERAN (IZ). Nach einem Anstieg der Öltransporte durch die Straße von Hormus greift Iran dort wieder verstärkt Tanker an. Ende September lagen die Rohölexporte aus dem Nahen Osten laut dem Datendienst Kpler an mehreren Tagen über dem Vorkriegsniveau. Seither zählte CNN mehr als ein Dutzend Angriffe auf Schiffe. Am 6. Oktober passierten nur sieben Rohstofffrachter die Meerenge, so wenige wie seit dem 23. Juli nicht. Der Ölpreis bleibt über 100 Dollar je Barrel. Irans Parlamentspräsident Ghalibaf hatte gewarnt: Könne Iran sein Öl nicht verkaufen, könnten es auch die anderen Länder der Region nicht.
Religionsführer einigen sich auf KI-Ethik
ASTANA (IZ). Vertreter von Islam, Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus, Taoismus, Shinto und Bahai aus 20 Ländern haben in Kasachstan einen Ethikkodex für Künstliche Intelligenz im religiösen Bereich und ein Papier zur Rolle der Religionen im Klimaschutz verabschiedet. Anlass war am 7. Oktober die 24. Sitzung des Sekretariats des „Kongresses der Führer der Welt- und traditionellen Religionen“, den es seit 2003 gibt. Die Texte sind rechtlich nicht bindend. „Eine Erklärung, die nicht umgesetzt wird, verliert ihre Funktion“, warnte Mohamed Abdelsalam, Generalsekretär des Muslimischen Ältestenrats.
Demenz breitet sich immer schneller aus
GENF (IZ). Mit der Alterung der Weltbevölkerung steigt die Zahl der Demenzkranken rasch. Nach Angaben der WHO lebten 2021 rund 57 Mio. Menschen mit Demenz, mehr als 60 Prozent davon in ärmeren Ländern. Bis 2050 könnten es laut einer Studie im Fachblatt „Lancet Public Health“ etwa 153 Mio. sein. Eine neue Studie in „JAMA Neurology“ beziffert die Neuerkrankungen 2023 auf 11,4 Mio. und erwartet bis 2050 jährlich 24,7 Mio.. Frauen sind stärker betroffen und leisten 70 Prozent der Pflegestunden. Laut der Lancet-Kommission ließen sich bis zu 45 % der Fälle verhindern oder hinauszögern.
Friedensnobelpreis für Juristin Navi Pillay
OSLO (IZ). Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die südafrikanische Juristin Navanethem „Navi“ Pillay. Das norwegische Nobelkomitee ehrte die 85-Jährige am 9. Oktober für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht. Sie habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord verfolgt werden. Pillay verteidigte Gegner der Apartheid, war Richterin am Ruanda-Tribunal und am Internationalen Strafgerichtshof sowie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Später leitete sie eine UN-Kommission, die Israel Völkermord in Gaza vorwarf. Israel verurteilte die Wahl.
Ägypten nimmt eine gesamte Redaktion fest
KAIRO (IZ). Ägyptische Sicherheitskräfte haben am 28. und 29. September sämtliche sechs Journalisten der unabhängigen Rechercheplattform Matsadaash festgenommen. Das Innenministerium wirft ihnen vor, Falschmeldungen im Auftrag der verbotenen Muslimbruderschaft zu verbreiten. Die Redaktion bestreitet jede Verbindung zu der Organisation. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation EIPR wurde die Untersuchungshaft am 13. Oktober um 15 Tage verlängert. Amnesty International berichtet, die Männer seien gefoltert worden, um Geständnisse zu erzwingen. Human Rights Watch fordert ihre sofortige Freilassung.
Dem Oppositionsführer droht lebenslange Haft
BAKU (IZ). Dem aserbaidschanischen Oppositionsführer Ali Karimli droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft. Die Ermittlungen gegen ihn wurden laut OC Media bereits abgeschlossen. Der Vorsitzende der Volksfrontpartei sitzt seit November 2025 in Untersuchungshaft. Die Behörden werfen ihm vor, einen gewaltsamen Machtwechsel geplant zu haben. Karimli weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Das Europäische Parlament forderte am 8. Oktober seine sofortige und bedingungslose Freilassung.
Die Unterdrückung der Uiguren dauert an
PEKING (IZ). Die Unterdrückung der Uiguren in China hält nach Angaben von Menschenrechtlern an. Das Uyghur Human Rights Project berichtet, Überwachung und Angst vor Repressalien verhinderten den Kontakt zwischen Familien in Xinjiang und Angehörigen im Ausland. Recherchen der „Financial Times“ zeigen, dass trotz geschlossener Umerziehungslager ein weitreichendes Gefängnissystem fortbesteht. Zahlreiche Uiguren verbüßen lange Haftstrafen. Das UN-Menschenrechtsbüro hat 2022 erklärt, die willkürlichen Inhaftierungen könnten Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. China weist die Vorwürfe zurück.
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Le Pens Kurs verunsichert Muslime vor den Wahlen
PARIS (IZ). Fast jeder zweite muslimische Befragte in Frankreich würde bei einem Wahlsieg Marine Le Pens 2027 erwägen, das Land zu verlassen. Das ergab eine Ifop-Umfrage für das Magazin Marianne. Der Anteil liegt bei 46 %, unter allen Befragten bei 21 %. Die Rechtsaußenpolitikerin plant ein Kopftuchverbot im öffentlichen Raum und will darüber per Referendum abstimmen lassen. Zugleich erklärte sie laut Le Parisien, Muslime hätten keinen Grund zur Sorge und könnten ihre Religion weiter ausüben. Ifop befragte vom 25. bis 30. September insgesamt 9.689 Erwachsene in Frankreich per Onlinefragebogen.
HSBC-Fonds investiert in israelische Zulieferer
LONDON (IZ). Ein als „schariakonform“ vermarkteter HSBC-Fonds hat im ersten Halbjahr 2026 für mehr als 130 Millionen US-Dollar Aktien von fünf Firmen mit Verbindungen zu Israels Militär gekauft. Das berichtet Al Jazeera. Dazu zählen Palantir, RTX und Rolls-Royce. Nach Kritik britischer Pensionsanbieter prüft HSBC laut „Financial Times“, ob Palantir aus dem Fonds ausgeschlossen werden soll. Allein dessen Aktien kaufte der Fonds für 38,3 Mio. Dollar.
Iran droht mit Angriffen auf US-Stützpunkte
TEHERAN (IZ). Iran droht den USA im Fall einer Bodenoffensive mit Angriffen auf alle amerikanischen Stützpunkte und Schiffe in der Region. „Wenn die Amerikaner einen Bodenangriff starten, greifen wir jeden Ort an, der mit den Amerikanern zu tun hat“, sagte Ali Fadavi, Leiter der Beratergruppe des Oberbefehlshabers der Revolutionsgarden, am 4. Oktober im Staatsfernsehen. Die USA hatten zuvor zusätzliche Flugzeugträger- und Landungsverbände in die Region verlegt. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte später, Washington wolle keine großen Bodentruppen entsenden, um Gebiete im Iran zu kontrollieren.
Belagerung verschärft Hunger und Wassernot
TAIZ (IZ). In der von Huthi-Rebellen belagerten jemenitischen Stadt Taiz fehlt es an Wasser, Lebensmitteln und Treibstoff. Oxfam warnt laut Guardian vor einer kaum noch beherrschbaren humanitären Krise. Kämpfe haben wichtige Versorgungswege abgeschnitten. Nach Angaben von Save the Children ist die Wasserförderung um circa die Hälfte gesunken. Müll bleibt auf den Straßen liegen, Krankenhäusern fehlen Medikamente. Laut WHO stieg die Zahl der Cholerafälle seit Anfang September von 221 auf 683. Hilfsorganisationen drängen auf Zugang zur Stadt, um Trinkwasser, Nahrung und medizinische Hilfe liefern zu können.
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WHO besorgt über Cholera-Ausbrüche
GENF (KNA). Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einem großen Cholera-Ausbruch im Jemen. Die Zahl der Neuinfektionen in dem kriegsversehrten Land habe sich zuletzt innerhalb weniger Wochen auf mindestens 647 verdreifacht, teilte die WHO am 13. Oktober mit. Bislang seien mehr als 8.000 Fälle in diesem Jahr gemeldet worden, mindestens 27 Menschen seien an der Durchfallerkrankung gestorben. Zuletzt hatte die Gewalteskalation zwischen den jemenitischen Huthi-Milizen und Saudi-Arabien eine größere Fluchtwelle ausgelöst. Seit August hätten rund 200.000 Menschen deswegen ihre Heimat verlassen müssen.
Premier pocht auf staatliches Gewaltmonopol
BEIRUT (IZ). Libanons Ministerpräsident Nawaf Salam pocht auf das Machtmonopol des Staates. Die Souveränität bleibe unvollständig, wenn Entscheidungen über Krieg, Frieden und nationale Sicherheit außerhalb der Verfassungsorgane fielen, sagte er am 7. Oktober zum 100. Jahrestag der Verfassung. Er forderte, das Abkommen von Taif umzusetzen, das 1989 den Bürgerkrieg beendet hatte. Die Hisbollah nannte er nicht. Seine Regierung hatte ihre militärischen Aktivitäten im März verboten. Am 12. Oktober kündigte er Härte an, nachdem ein Sprengstofftransport mutmaßlicher Hisbollah-Mitglieder gestoppt worden war.
Mindestens 48 Zivilisten bei Angriffen getötet
BAMAKO (IZ). Bei Angriffen mutmaßlicher IS-Kämpfer sind im Osten Malis mindestens 48 Zivilisten getötet worden. Das berichtete Reuters unter Berufung auf Sicherheitskreise und örtliche Amtsträger. Die Täter griffen am 18. Oktober mindestens fünf Orte in der Region Ménaka an, zündeten Häuser an und raubten Vieh. Hunderte Menschen flohen in die Regionalhauptstadt. Unter den Toten seien Kinder und ältere Menschen, sagte ein Mitglied des Übergangsparlaments.
Regierung zufrieden mit Hijabverbot an Schulen
WIEN (KNA). Die Bundesregierung zog nach der ersten Unterrichtswoche im Osten des Landes eine gemischte Bilanz über ein neu in Kraft getretenes Kinder-Kopftuchverbot. Größere Konflikte mit betroffenen Schülerinnen oder Eltern seien ausgeblieben, berichteten örtliche Medien. Vor allem aus Wiener Pflichtschulen war aber auch von einzelnen „Härtefällen“ zu hören. Mit Beginn des Schuljahres 2026/27 ist es Schülerinnen in Österreich bis zum 14. Geburtstag untersagt, in der Schule ein Kopftuch zu tragen, welches „das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt“.
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Jede 21. Frau getötet oder schwer verletzt
GENF (IZ). Im Gazastreifen sind seit Oktober 2023 fast 50.000 Frauen und Mädchen getötet oder schwer verletzt worden. Das entspricht etwa jeder 21. Frau oder jedem 21. Mädchen dort, teilte die UN-Organisation UN Women mit. Mehr als 38.000 starben, 11.700 leben mit bleibenden Behinderungen. Seit Beginn der Waffenruhe im Oktober 2025 wurden 277 Frauen und Mädchen getötet. Fast alle sind vertrieben, die meisten leben in Zelten oder Ruinen. Die Zahl der Fehlgeburten stieg im ersten Halbjahr 2026 auf fast 4.000, dreimal so viele wie im Halbjahr davor. UN Women fordert, die Waffenruhe vollständig umzusetzen.
Riad wirft Huthi Angriffe auf Haramain vor
RIAD (IZ). Saudi-Arabien wirft der jemenitischen Huthi-Miliz vor, binnen neun Jahren dreimal die heiligen Städte Mekka und Medina ins Visier genommen zu haben. Nach Angaben der von Riad geführten Militärkoalition traf am 29. September eine Drohne eine Stromverteilerstation in Medina, die die Prophetenmoschee versorgt. Mitte September sei südlich von Mekka eine Drohne abgefangen worden, 2017 eine ballistische Rakete. Die Huthi weisen die Vorwürfe als „Lüge“ zurück. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die Arabische Liga und Staaten wie die Türkei verurteilten die mutmaßlichen Angriffe.
Drohnenangriffe töten hunderte Menschen
KHARTUM (IZ). Bei einem Drohnenangriff auf den Markt von Amiet in der zwischen Sudan und Südsudan umstrittenen Region Abyei sind nach Behördenangaben mindestens 153 Menschen getötet worden. Die örtliche Verwaltung machte Sudans Armee verantwortlich. Ein Offizier sagte AP, Ziel seien Tankwagen für die RSF-Miliz gewesen. Die UN verurteilten die Angriffe, bei denen auch Frauen und Kinder starben. Laut Reuters wurden bei Luftangriffen in den vergangenen Tagen mehr als 250 Menschen getötet. Seit April 2023 kämpfen Sudans Armee und die RSF um die Macht. Ärzte ohne Grenzen versorgte in Abyei mehr als 20 Verletzte.
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Ilhan Omar: CAIR spricht von Verfolgung
WASHINGTON (IZ). Die größte muslimische Bürgerrechtsorganisation der USA, CAIR, hat die Durchsuchung bei der Kongressabgeordneten Ilhan Omar als „offensichtlichen Akt politischer Verfolgung“ verurteilt. Ermittler der Heimatschutzbehörde hatten ihr Haus in Washington am 12. Oktober mit richterlichem Beschluss durchsucht. Das Justizministerium verwies auf laufende Strafermittlungen. Angeklagt ist Omar nicht. Die Demokratin wirft der Regierung vor, politische Gegner zu verfolgen.

