Die Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 375 reichen dieses Mal von der steigenden Gewalt gegen humanitäre Helfer, über Siedlungen im Westjordanland bis zu Angriffen auf US-Moscheen.
Religionsführer sollen Hilfe sicher machen
ROM (KNA/IZ). Angesichts Hunderter getöteter Mitarbeiter von Hilfsorganisationen im vergangenen Jahr ruft Caritas Internationalis religiöse Autoritäten auf, ihren Einfluss geltend zu machen. Mit ihrer Vertrauensbasis könnten sie bei Konfliktparteien auf die Wahrung humanitärer Grundsätze hinwirken, teilte der im Vatikan ansässige weltweite Dachverband katholischer Caritas-Organisationen am 19. August mit. Als Beispiel verwies der Verband auf Bischof Gazzera in Zentralafrika. Trotz erheblicher Sicherheitsrisiken stehe der Leiter des Bistums Bangassou gemeinsam mit muslimischen und evangelischen Glaubensführern in Kontakt mit Behörden, Streitkräften und lokalen Gemeinschaften und trage so dazu bei, Kanäle offen zu halten.
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Rekordzahl getöteter Helfer weltweit
NEW YORK (IZ). 2024 sind weltweit 383 humanitäre Helfer getötet worden – so viele wie nie zuvor, fast die Hälfte von ihnen im Gazastreifen. Ende Juni starben im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei 17 Menschen, als Bewaffnete einen deutlich gekennzeichneten Hilfskonvoi überfielen; fünf Opfer arbeiteten für die John Dau Foundation. Der UN-Sicherheitsrat verlangt mit Resolution 2730 den Schutz von Helfern und unabhängige Ermittlungen nach Angriffen. Hilfsorganisation Action Against Hunger fordert, lokale Partner direkt mit Mitteln für Sicherheit, Kommunikation und Risikoanalysen auszustatten.
Flucht statt Wegweisung: Die UN warnen
GENF (IZ). Die Flüchtlingskonvention bleibt nach UNHCR-Angaben 75 Jahre nach ihrer Verabschiedung ein zentrales Schutzinstrument. Sie verpflichte Staaten, Menschen vor Verfolgung, Krieg und Gewalt aufzunehmen und nicht in Verfolgerstaaten zurückzuschicken. In Zeiten verschärfter Grenzpolitik und wachsender Asylkonflikte würden Rückweisungen und Abschiebungen de facto zum Bruch dieses Schutzversprechens.
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Menschenrechtsgruppen klagen gegen Sanktionen
WASHINGTON (IZ). Vier US-Menschenrechtsorganisationen haben gegen die Sanktionen der Trump-Regierung gegen den Internationalen Strafgerichtshof geklagt. American Friends Service Committee, Center for Constitutional Rights, Human Rights Watch und Open Society Institute reichten die Klage in New York ein. Sie wenden sich gegen Trumps Dekret vom Februar 2025, das Strafmaßnahmen gegen ICC-Beschäftigte und Unterstützer erlaubt. Die Gruppen sehen ihre Meinungs-, Vereinigungs- und Religionsfreiheit verletzt. Betroffen seien unter anderem acht Richter, frühere Ankläger sowie drei palästinensische Organisationen. Die Kläger fordern, das Sanktionsregime vollständig aufzuheben.
Daesh: weniger schlagkräftig, doch brandgefährlich
FRANKFURT (KNA/IZ). Die Terrormiliz Daesh/IS hat sich seit den 2010er Jahren stark verändert, doch sie bleibt nach Worten eines Experten „brandgefährlich“. Es handle sich nicht um eine zentral gesteuerte Organisation, sagte Islamwissenschaftler Michael Kiefer der FAZ. Vielmehr gebe es „viele kleine Zellen oder lokale Ableger (…), die eher regional rekrutieren und natürlich auch untereinander vernetzt sind.“ Damit habe sich auch die Art der Attacken geändert: Es gebe weniger „strategisch lange vorbereitete, große Anschläge, die mit professionellen Waffen durchgeführt werden. (…) Stattdessen haben wir Anschläge mit Alltagsgegenständen, also haushaltsüblichen Messern, Fahrzeugen (…)“.
Hilfswerke beklagen dramatische Lage
BERLIN (KNA/IZ). Menschenrechtler und Hilfswerke blicken mit großer Sorge auf die humanitäre Lage in Afghanistan. Seit der Machtübernahme der extremen Taliban vor fünf Jahren werde die Lage für Millionen Menschen immer dramatischer, betonte das Nothilfe-Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“. Hauptgeschäftsführerin Rüther sprach von einer der größten und komplexesten humanitären Katastrophen weltweit. Auch die Diakonie Katastrophenhilfe wies auf die dramatische Lage insbesondere von Afghaninnen hin.
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Amnesty warnt vor Menschenrechtsbrüchen
LONDON (IZ). Nach neuen Gefechten zwischen der äthiopischen Armee und Tigray-Kräften in Teilen West-Tigrays warnt Amnesty International vor einem erneuten Risiko schwerer Menschenrechtsverletzungen für Zivilisten. Die Bewohner leiden weiter unter den Folgen der Verbrechen des Krieges 2020–2022, für die es bislang kaum Aufarbeitung gibt. Amnesty und andere Organisationen fordern die Wiederherstellung unabhängiger Untersuchungsmechanismen sowie ungehinderten Zugang für Medien, Menschenrechtsbeobachter und humanitäre Helfer.
Rohingya-Heimkehr bleibt politisch blockiert
DHAKA (IPS/IZ). Die Rückkehr der Rohingya nach Burma kommt trotz neuer Ankündigungen nicht voran. Das Medium IPS verwies auf fehlende Sicherheitsgarantien, ungeklärte Staatsbürgerschaftsfragen und mangelnde Umsetzungsmechanismen. Zugleich meldete Reuters zuletzt neue, aber weiter begrenzte Absprachen über 5.000 Rückkehrer aus Malaysia und 180.000 zur Prüfung vorgemerkte Flüchtlinge aus Bangladesch.
Prabowo plant eine eigene Rohstoffbörse
JAKARTA (IZ). Indonesiens Präsident Prabowo Subianto will zum 1. Januar 2027 eine Börse für strategische Mineralien und Rohstoffe eröffnen. Sie soll Referenzpreise für zentrale Exportgüter wie Nickel, Zinn, Gold, Kohle oder Palmöl schaffen und Indonesiens Einfluss auf Weltmärkte erhöhen. Die Regeln sollen bis 17. September vorliegen; die Finanzaufsicht OJK soll die Börse überwachen. Zugleich legte Prabowo den Haushaltsentwurf für 2027 vor: Ausgaben von 4.097,2 Billionen Rupiah stehen Einnahmen von 3.426 Billionen gegenüber. Das geplante Defizit liegt bei 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
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Extreme Übergriffe auf den Haram verurteilt
AMMAN (KNA/IZ). Der jordanische König hat die muslimische Welt zu Anstrengungen gegen israelische Zugriffe auf den Tempelberg in Jerusalem aufgerufen. Die Lage in Jerusalem und ihren Heiligen Stätten standen im Zentrum eines Treffens von Außenministern in der jordanischen Hauptstadt Amman, wie arabische Medien berichteten. An dem Treffen nahmen laut Bericht der staatlichen jordanischen Nachrichtenagentur Petra Mitglieder des arabischen Ministerausschusses, der Generalsekretär der Arabischen Liga und die Außenminister der Türkei, Pakistans, Indonesiens und Malaysias teil. Auf dem Haram al-Scharif befinden sich mit dem „Felsendom“ und der Al-Aksa-Moschee zwei der heiligsten Stätten des Islams.
Kasachstan wählt erstmals neuen Kurultai
ASTANA (IZ). In Kasachstan hat die Wahl zum erstmals gebildeten Kurultai begonnen. Das Einkammerparlament mit 145 Abgeordneten ersetzt Mazhilis und Senat. Grundlage ist die im März per Referendum beschlossene und seit Juli geltende Verfassung. Rund 12,6 Mio. Menschen sind wahlberechtigt. Sieben Parteien treten in einem landesweiten Wahlkreis über geschlossene Listen an, unabhängige Kandidaturen sind ausgeschlossen. Beobachter erwarten einen klaren Sieg der präsidentennahen Adilet-Partei. Kritik richtet sich gegen fehlende zugelassene Oppositionsparteien.
UN kritisiert Israels Präsenz im Südlibanon
GENF (IZ). Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, fordert Israel auf, seine militärische Präsenz im Südlibanon zu beenden und Hausabrisse einzustellen. Laut UN könnten Teile des Vorgehens gegen internationales Humanitäres Recht verstoßen. Zugleich drängt er auf die sichere Rückkehr der Vertriebenen. Der Vorwurf richtet sich auch gegen die Zerstörung ganzer Ortschaften.
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Vorwürfe gegen das russische Africa Corps
BAMAKO (IZ). Russlands staatlich kontrolliertes Africa Corps soll am 10. Juli im malischen Dorf Bombori neun Zivilisten getötet haben, darunter vier Kinder. Human Rights Watch stützt sich auf 13 Interviews: Mehr als 100 Kämpfer seien mit malischen Soldaten in die Ortschaften in der Region Mopti eingedrungen, hätten mindestens 80 Männer und Jungen misshandelt und verhört. Sechs Menschen seien bei der Flucht erschossen, drei Gefangene später getötet worden. Zudem seien mindestens acht Häuser geplündert und niedergebrannt worden. HRW fordert eine unabhängige Untersuchung; Moskau und Bamako reagierten zunächst nicht.
Acht Staaten fordern Stopp von E1-Siedlung
KAIRO (IZ). Die Außenminister von acht arabischen und muslimisch geprägten Staaten haben Israel aufgefordert, das Siedlungsprojekt E1 östlich von Jerusalem sofort zu stoppen. Die VAE, Saudi-Arabien, Katar, Jordanien, Indonesien, Pakistan, die Türkei und Ägypten verlangen zudem ein Ende aller Siedlungsaktivitäten. Sie unterstützen internationale Maßnahmen und Sanktionen gegen Verantwortliche. Auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, die Niederlande und Norwegen forderten Israel auf, die Ausschreibungen zurückzuziehen.
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Energieanlagen im Nahen Osten unter Beschuss
LONDON (IZ). Angriffe auf Energieinfrastruktur haben den Nahen Osten 2026 weiter destabilisiert. Nach Berichten über Attacken auf Gas- und Ölanlagen in Iran, Katar, Saudi-Arabien und den Emiraten warnen Menschenrechtsgruppen vor völkerrechtswidrigen Angriffen auf zivile Ziele.
UN-Rat verurteilt Huthi-Angriffe scharf
NEW YORK (IZ). Der UN-Sicherheitsrat hat Angriffe der Huthi auf Saudi-Arabien und Schiffe verurteilt. Laut dem Rat richten sich die Angriffe auf das Königreich seit dem 13. Juli, gegen zivile Schiffe seit dem 22. Juli. Der GCC begrüßte die Erklärung und forderte die internationale Gemeinschaft auf, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Experten kritisieren Beirat in Niederösterreich
WIEN (IZ). Renommierte Religionswissenschaftler und Islamforscher kritisieren die Besetzung des Beirats der niederösterreichischen Beobachtungsstelle für radikalen Islam. In einem offenen Brief an Johanna Mikl-Leitner beanstanden sie fehlende islamwissenschaftliche Expertise. Das Land verweist auf Prävention, nicht Forschung. Die IGGÖ warnt vor Pauschalverdacht und fordert Rechtsstaatlichkeit.
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Pakistan verschärft Kontrolle über Auslandspresse
ISLAMABAD (IZ). Pakistan hat die Arbeit internationaler Medien weiter eingeschränkt. Nach den neuen „Foreign Media Facilitation Guidelines 2026“ benötigen ausländische Korrespondenten, pakistanische Mitarbeiter und Fixer für Recherchefahrten außerhalb von Islamabad, Lahore und Karachi eine Genehmigung des Informationsministeriums. Zudem müssen sich Medienhäuser und Beschäftigte registrieren lassen. Die Akkreditierung kann bei Verstößen gegen „Ideologie“, Souveränität, Sicherheit oder öffentliche Ordnung entzogen werden.
Gaza: Humanitäre Hilfe bleibt lebenswichtig
GENF (IZ). Die humanitäre Lage im Gazastreifen und im besetzten Westjordanland bleibt laut UNO und Hilfswerken dramatisch. OCHA meldet weiter eingeschränkte Zugänge, zu wenig Geld für Hilfsoperationen und viele Vertriebene ohne verlässliche Versorgung. Ärzte ohne Grenzen spricht von zerstörter Infrastruktur und lückenhafter medizinischer Hilfe. Die Schweiz stellt zusätzliche Mittel bereit und fordert freien Zugang für Hilfslieferungen.
Israel zieht neue Grenze durch Gaza
TEL AVIV (IZ). Satellitenbilder zeigen, dass die IDF im Gazastreifen einen mehr als 23 Kilometer langen Erdwall errichtet hat. Die Barriere verläuft nach AP und Zeit entlang der sogenannten „Gelben Linie“, teils aber auch darüber hinaus. Bewohner fürchten eine dauerhafte Teilung des Küstenstreifens. Das Militär spricht von Schutz und einer klaren Trennung zwischen den Kontrollzonen.
Gaza: Zerstörungen nehmen weiter zu
GAZA (IZ). Satellitenbilder der Vereinten Nationen zeigen das Ausmaß der Zerstörung im Gazastreifen: Bis Mitte Juni waren nach UNOSAT-Angaben 201.290 Gebäude beschädigt – rund 82 % des Bestands. 134.422 Bauten gelten als zerstört. Seit Oktober 2025 stieg ihre Zahl trotz Waffenruhe um 9 %. Die UN, Weltbank und EU beziffern den Bedarf für Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung auf 71,4 Mrd. US-Dollar. Bis Dezember erwarten Fachleute, dass 1,4 Mio. Menschen unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden.
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CAIR meldet Anstieg von Moschee-Vorfällen
WASHINGTON (IZ). Die US-Bürgerrechtsorganisation CAIR hat für die Monate Mai bis Juli 17 Vorfälle gegen islamische Gebetsstätten dokumentiert. Das ist laut ihren Angaben eine Zunahme von 183 % gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Genannt wurden Drohungen, Brandstiftung, Einschüchterung und ein Anschlag auf eine Moschee. Für 2025 zählte CAIR insgesamt 33 gezielt gegen islamische Einrichtungen gerichtete Vorfälle.








