, ,

Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 373: von Krieg, Hunger und Klimawandel

Ausgabe 373

eskalation gaza hunger kurznmeldungen
Frauen und Kinder stehen mit Töpfen in einer Schlange, während Freiwillige Nahrungsmittel verteilen. (Foto: Shutterstock)

Die Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 373 reichen dieses Mal vom Nexus Krieg und Hunger, über die Folgen des Irankriegs bis zu Unfreiheit im Sahel.

Kriege in aller Welt verschärfen Hunger

NEW YORK (IZ). Internationale Experten warnen vor neuen Ernährungskrisen infolge der verschärften geopolitischen Spannungen. Kriege wie in der Ukraine und im Iran, Handelskonflikte sowie Sanktionen treiben die Preise für Energie, Dünger und Transporte in die Höhe und machen Lebensmittel für viele Länder des Globalen Südens unerschwinglich. Laut UN-Organisationen haben bereits heute Hunderte Millionen Menschen nicht genug zu essen. Weitere könnten in akute Hungerkrisen abrutschen, wenn Lieferketten erneut reißen bzw. Exportstopps verhängt werden. Besonders gefährdet sind importabhängige Staaten in Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens, die einen Großteil ihres Weizens, Mais oder Reises aus wenigen großen Exportländern beziehen. Fachleute fordern deshalb, Ernährungssicherheit stärker als geopolitische Schlüsselaufgabe zu behandeln, etwa durch Diversifizierung von Lieferketten, Schuldenerleichterungen und Investitionen in lokale Landwirtschaft.

Foto: Oxfam New Zealand, flickr

Klimawandel verschärft religiöse Konflikte

BERLIN (KNA). Der Wandel des Klimas eskaliert nach den Erkenntnissen einer neuen Studie bestehende religiöse Konflikte in Afrika. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hervor. Demnach kommt es durch vom Klimaveränderung ausgelöste Dürren zu mehr Gewalt zwischen christlichen Bauern und muslimischen Hirten in Nigeria. Dabei zeigt sich, dass Trockenperioden nicht automatisch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen um Land und knappe Ressourcen werden. Die Forscher werteten für ihre Studie Daten von 1997 bis 2020 für rund 300 Gebiete in Nigeria aus. Außerdem führten die Autoren eine eigene Umfrage im Bundesstaat Kaduna in Zentralnigeria durch. „Die negative Wechselwirkung zwischen Dürren und religiösen Spannungen schafft besonders günstige Bedingungen für das Entstehen von Konflikten“, so die Forscher.

Ägypten

Foto: Daniel Torok | Lizenz: gemeinfrei

NGOs: Trump setzt Sanktionen als Waffe ein

NEW YORK (IZ/IPS). Die Regierung von US-Präsident Donald Trump steht wegen ihres Umgangs mit Sanktionen international in der Kritik. Menschenrechtsorganisationen werfen Washington vor, wirtschaftliche Strafmaßnahmen gezielt als Druckmittel gegen internationale Gerichte und Institutionen einzusetzen, die Menschenrechtsverletzungen verfolgen. Im Zentrum steht der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag: Gegen seine Chefankläger und mehrere Richter verhängte die US-Regierung Einreiseverbote, fror mögliche Vermögenswerte ein und untersagte US-Bürgern finanzielle Transaktionen mit den Betroffenen.

Abkommen von heftigen Äußerungen begleitet

PARIS (IZ). Das von US-Präsident Donald Trump verkündete Rahmenabkommen mit dem Iran zur Beendigung des Krieges sorgt in den USA für heftige Reaktionen. Während das Weiße Haus die Einigung als historischen Erfolg und Voraussetzung für die Öffnung der Straße von Hormus darstellt, sprechen konservative Kommentatoren und Republikaner von „Kapitulation“, „Katastrophe“ und dem „schlimmsten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten“. Besonders umstritten ist ein geplanter milliardenschwerer Wiederaufbaufonds für den Iran, den Kritiker mit einem „Marshallplan für ein weiterhin feindliches Regime“ vergleichen. Linguistinnen und Kommunikationsforscher verweisen darauf, dass der politische Streit von drastischer, teilweise vulgärer Sprache geprägt wird.

Foto: John Smith 2021, Shutterstock

Journalistinnen werden massiv behindert

KABUL (IZ/IPS). Unter den Taliban sind Journalistinnen in Afghanistan faktisch aus der öffentlichen Berichterstattung verdrängt. Nach Angaben von Medienorganisationen dürfen viele TV- und Radiomoderatorinnen nicht mehr vor die Kamera treten, in einigen Provinzen sind weibliche Stimmen im Rundfunk komplett verboten. Frauen, die weiterhin im Journalismus arbeiten, unterliegen strengen Kleidungs- und Verhaltensvorschriften, dürfen häufig weder Fragen an Regierungsvertreter richten noch politische Diskussionen moderieren. Zahlreiche Journalistinnen haben ihre Arbeit verloren oder das Land verlassen.

Europäer bereit für ein Ende von Sanktionen

BRÜSSEL (IZ). Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien haben ihre Bereitschaft erklärt, nach dem geplanten Friedensabkommen zwischen den USA und Iran wesentliche Sanktionen gegen Teheran aufzuheben. In einer gemeinsamen Erklärung begrüßten die vier Regierungschefs die Verständigung als „diplomatischen Durchbruch“, knüpften die Lockerung der Strafmaßnahmen jedoch an „klare und überprüfbare Schritte“ Irans zur Einschränkung seines Atomprogramms. Iran dürfe „niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen“, betonten sie und sagten enge Zusammenarbeit mit den USA, Iran und der Internationalen Atomenergieorganisation zu.

großbritannien

Symbolbild der britischen Polizei. (Foto: Shutterstuck, Alan Fraser Images)

Attentäter sticht aus Hass auf fünf Menschen ein

EDINBURGH (IZ). In Edinburgh ermitteln die schottische Anti-Terror-Einheit und Polizei Scotland nach einer Serie gewalttätiger Angriffe auf fünf Männer. Ein 36-jähriger weißer Schotte wurde festgenommen und wegen mehrerer Taten angeklagt. Premierminister Keir Starmer erklärte, der Verdächtige scheine aus „anti-muslimischem Hass“ gehandelt zu haben; mehrere Opfer sind nach Angaben muslimischer Organisationen Muslime, zwei wurden nach dem Verlassen einer Moschee attackiert. Muslimische Verbände sprechen von islamfeindlich motivierter, teils rechtsextrem beeinflusster Gewalt.

Emirate wollen eingefrorene Mittel freigeben

ABU DHABI (IZ). Die VAE sollen sich nach übereinstimmenden Medienberichten bereit erklärt haben, dem Iran eingefrorene Milliardenbeträge zugänglich zu machen. Nach Informationen von Reuters geht es um zunächst rund zehn Milliarden Dollar aus iranischen Öleinnahmen, die wegen US-Sanktionen auf ausländischen Konten blockiert waren; andere Quellen nennen bis zu 20 Milliarden Dollar. Im Gegenzug soll Teheran zugesagt haben, Raketen- und Drohnenangriffe auf das Golfemirat einzustellen und die Beziehungen – einschließlich Geheimdienstkooperation und Handel – schrittweise zu normalisieren.

geografie homus mahan Schiffe Iran

Foto: Aerial View/Adobe Stock

Trump droht bei Scheitern mit Gebühren

WASHINGTON (IZ). US-Präsident Trump droht für den Fall eines Scheiterns der Friedensverhandlungen mit dem Iran mit eigenen US-Durchfahrtsgebühren in der Straße von Hormus. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, während der 60-tägigen Waffenruhe werde keine Maut erhoben, danach könnten die USA aber Gebühren verlangen, um ihre Rolle als „Schutzengel“ der Golfstaaten sowie vergangene und künftige Kosten zu vergüten. Die Meerenge ist derzeit nur eingeschränkt befahrbar.

7 Männer wegen Lynchmord verurteilt

TEL AVIV (IZ). In Israel sind sieben Männer wegen der tödlichen Attacke auf einen arabischen Mann während der nationalistischen Ausschreitungen im Mai 2021 schuldig gesprochen worden. Das Gericht in Tel Aviv wertete den Angriff, bei dem Sa’id Moussa aus seinem Auto gezerrt und von einem israelischen Mob bewusstlos geprügelt wurde, als rassistisch motivierten Lynchmord. Das Strafmaß steht noch aus. Menschenrechtsgruppen sehen in dem Urteil ein seltenes, aber wichtiges Signal gegen religiös-nationalistische Gewalt.

Jemen Kurzmeldungen

Foto: Islamic Relief Deutschland

UN fordert dringende Erhöhung der Hilfen

GENF (IZ). Die Vereinten Nationen haben angesichts neuer Warnungen vor wachsender Ernährungsunsicherheit im Jemen zu einer raschen Aufstockung der Hilfsgelder aufgerufen. Laut Analysen der IPC-Klassifizierung drohen in mehreren Regionen des Landes in den kommenden Monaten akute Hungerkrisen, wenn Lebensmittelhilfen weiter gekürzt werden müssen. Bereits jetzt sind UN-Programme zur Ernährungssicherung und Gesundheitsversorgung chronisch unterfinanziert, sodass Millionen Menschen nur noch reduzierte Rationen erhalten. UN-Vertreter fordern die Geberstaaten auf, zugesagte Beiträge vollständig auszuzahlen und neue Mittel bereitzustellen.

Imam wurde vor seiner Moschee angegriffen

VICTORIA (IZ). Im kanadischen Victoria ist ein Imam vor einer Moschee Opfer eines mutmaßlich antimuslimischen Angriffs geworden. Nach Angaben des National Council of Canadian Muslims saß Sheikh Ebrahim in seinem geparkten Auto nahe der Moschee, als ein Mann die Tür aufriss, ihn beschimpfte und mit den Worten „Geh zurück in dein Land“ attackierte. Der Imam blieb körperlich unverletzt, zeigte den Vorfall bei der Polizei an. Ein Verdächtiger wurde später festgenommen. Muslimische Verbände verurteilten den Angriff als Ausdruck wachsender Islamfeindlichkeit und forderten besseren Schutz für Gemeinden.

libanon 2024 gewalt barbar iran katar kulturerbe libanon

Foto: Shutterstock

Trotz Waffenruhe fliegt Israel Angriffe

BEIRUT (IZ). Trotz vereinbarter Waffenruhe sind bei israelischen Luftangriffen im Libanon nach Angaben staatlicher Stellen mindestens 35 Menschen getötet worden. Besonders betroffen waren Orte im Süden des Landes, darunter Nabatija und Qennarit. Unter den Toten sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch Zivilisten; Dutzende wurden verletzt. Die libanesische Armee wirft Israel vor, mit den Angriffen eine politische Lösung zu torpedieren.

Eine christliche Gemeinde schrumpft massiv

MÜNCHEN (KNA/IZ). Die israelischen Attacken auf Ziele der militanten Hisbollah haben nach Angaben des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ negative Folgen für Christen in dem Land im Nahen Osten. So ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour binnen weniger Monate nahezu verschwunden, wie es am 16. Juni mitteilte. Von einst rund 120 Gläubigen leben demnach heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Pfarrer Youssef Semaan sagte, seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien geflohen. Die Menschen stünden vor einer schweren Entscheidung: bleiben und das Leben riskieren – oder die Heimat verlassen.

Genozid Folter Kriegsverbrechen

Normalisierung an Palästinenser geknüpft

RIAD (IZ). Saudi-Arabien knüpft eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel weiter klar an die Gründung eines unabhängigen Palästinenserstaats. Ein namentlich nicht genannter saudischer Regierungsvertreter betonte laut CNN, ohne einen „klaren und definitiven Weg“ zu einem solchen Staat werde es kein Abkommen geben; jedes künftige Arrangement müsse glaubwürdige Garantien für eine Zwei-Staaten-Lösung enthalten. Riad halte unverändert an der Position fest, dass Frieden und Stabilität in der Region eine „gerechte und umfassende Lösung“ der Palästina-Frage voraussetzen, einschließlich der Gewährleistung der legitimen Rechte der Palästinenser.

Stelle verzeichnet Anstieg von Angriffen

WIEN (IZ). Die Dokumentationsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus hat für 2025 einen neuen Höchststand an Übergriffen in Österreich verzeichnet. Dem Jahresbericht zufolge wurden 1.684 rassistische Vorfälle gegen Musliminnen, Muslime und muslimisch wahrgenommene Personen registriert, darunter ein rassistisch motivierter Mord. 63 Prozent der Fälle ereigneten sich online; offline dominierten Hassäußerungen und Beleidigungen. Besonders häufig gingen die dokumentierten Vorfälle von Medien, Bildungsinstitutionen und Politik aus. Die Dokustelle warnt vor gesellschaftlicher Spaltung und fordert einen Nationalen Aktionsplan.

Foto: Montecruz Photos, via flickr | Lizenz: CC BY-SA 2.0

Israel genehmigt neue Siedlerwohnungen

JERUSALEM (KNA/IZ). Israel hat den Bau von 2.162 weiteren Wohnungen in mehreren Siedlungen im besetzten Westjordanland genehmigt. Unter anderem soll die Siedlung Har Bracha unweit der palästinensischen Stadt Nablus mit 922 neuen Wohnungen ihre Größe verdreifachen, teilte der rechtsradikale Politiker Smotrich mit. International wird Israels Siedlungspolitik in den besetzten Gebieten verurteilt. Die dortigen Siedlungen seien illegal und ein maßgebliches Hindernis für einen nachhaltigen und gerechten Frieden.

UN-Bericht wirft Hamas systematische Gewalt vor

GAZA (IZ). Ein UN-Bericht wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas systematische Gewalt gegen Palästinenser vor. Demnach dokumentierte das UN-Menschenrechtsbüro zwischen August 2024 und Januar 2026 mindestens 249 Fälle willkürlicher Bestrafung, bei denen 108 Menschen getötet wurden. Dazu zählen außergerichtliche Hinrichtungen, Folter und Verstümmelungen, etwa gezielte Schüsse in die Knie („Kneecapping“) oder das Brechen von Knochen mit Metallstangen und Betonblöcken.

Sahel-Staaten schränken Freiheiten ein

GENF (IZ). In den Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger verschärfen die Militärregime ihren Kurs gegen kritische Stimmen. Laut Menschenrechtsorganisationen und Berichten werden Journalistinnen und Aktivisten zunehmend festgenommen, eingeschüchtert oder ins Exil gedrängt. Regierungen nutzen vage Anti-Terror- und Desinformationsgesetze, um Berichterstattung über Sicherheitslage, Armee und Milizen zu unterbinden; unabhängige Medienhäuser wurden geschlossen oder ihre Lizenzen entzogen. In Burkina Faso erklärte Junta-Chef Ibrahim Traoré, das Land müsse „die Demokratie vergessen“, sie „töte“ das Land.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert