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Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 372: von der KI-Regulierung bis zur Westbank

Ausgabe 372

KI Islam Kurzmeldungen
Foto: Dorodenkoff/Adobe Stock

Auslands-Kurzmeldungen Ausgabe 372: In dieser Ausgabe behandeln wir u.a. die Folgen des Irankriegs, über die Grüne Mauer bis zu Provokationen in Jerusalem.

CARE: Mittelkürzungen kosten Mütterleben

BERLIN (IZ). Weltweit sterben noch immer jeden Tag Mütter an Komplikationen, die vermeidbar wären – alle zwei Minuten eine Frau, wie UN-Organisationen schätzen. Besonders in Krisen- und Kriegsgebieten ist das Risiko, Schwangerschaft oder Geburt nicht zu überleben, etwa fünfmal höher als in stabilen Staaten. Zugleich kürzen reiche Länder ihre Beiträge für humanitäre Hilfe und Gesundheitsprogramme, was zur Schließung von Kliniken führt und Hebammen sowie Medikamente fehlen lässt. Hilfswerke wie CARE warnen: Diese Sparpolitik kostet Mütter in Afrika und anderen Konfliktregionen das Leben. Das sei eine ethische Bankrotterklärung.

Migranten sind ein Wirtschaftsfaktor

GENF (KNA/IZ). Migranten spielen nach einem UN-Bericht eine bedeutende Rolle in der globalen Wirtschaft. Allein Überweisungen von den laut letzten Schätzungen 168 Mio. Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer betrugen 2024 bis zu 905 Mrd. US-Dollar, wie aus dem World Migration Report 2026 hervorgeht, der am Dienstag in Genf veröffentlicht wurde. 685 Mrd. Dollar gingen in Entwicklungs- und Schwellenländer. Der Betrag war größer als die offizielle Entwicklungshilfe und ausländische Direkt-Investments zusammen. „Weltweit trägt Migration dazu bei, Arbeitsplätze zu schaffen, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, Stabilität zu fördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken“, sagte Amy Pope, IOM-Generaldirektorin.

KI Künstliche Intelligenz pharao

Foto: Shutterstock

Islamische Weltliga will ethischen Rahmen für KI

RIAD (KNA). Die Islamische Weltliga fordert einheitliche und klare ethische Standards für die Weiterentwicklung Künstlicher Intelligenz. Generalsekretär Muhammad bin Abdul Karim Issa warnte auf einer internationalen Konferenz im marokkanischen Fès vor den Risiken unregulierter Systeme, wie die Zeitung „Arab News“ Ende April meldete. Besonders in sensiblen Bereichen wie Religion, Ethnien und Kultur könne eine missbräuchliche Anwendung Spaltung, Hass und Konflikte schüren. Der Vertreter der Islam-Liga verlangte Transparenz und eine stärkere Rechenschaftspflicht für Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Bildung für Mädchen kann gefährlich sein

KABUL (IPS). In Afghanistan riskieren Lehrende und andere Haft, wenn sie öffentlich für das Recht von Mädchen auf Bildung eintreten. Zwei Männer in Herat wurden nach Posts zur Wiederöffnung von Schulen für Mädchen von der Taliban-Moralpolizei vorgeladen und an den Geheimdienst überstellt. Seit fast fünf Jahren bleiben weiterführende Schulen und Hochschulen für sie geschlossen, mehr als zwei Mio. Schülerinnen sind vom Unterricht ausgeschlossen.

Foto: Anke van Wyk, Adobe Stock

„Grüne Mauer“ wächst langsam, aber sie wirkt

DAKAR (IZ). Im Sahel wächst die „Große Grüne Mauer“ langsamer als geplant, aber sie wirkt: Mio. Bäume und Hecken schützen Böden vor Erosion, halten Wasser im Boden und schaffen Einkommen für BäuerInnen von Senegal bis Nigeria. Das afrikanische Schlüsselprojekt gegen Desertifikation soll bis 2030 bis zu 100 Mio. Hektar degradierte Flächen wiederbeleben und Mio. „grüne Jobs“ schaffen. Umweltorganisationen sehen darin ein Beispiel, wie Klimaschutz, Armutsbekämpfung und Bewahrung der Schöpfung zusammengehen können.

Schmidt-Rücktritt als „alarmierendes Signal“

SARAJEVO (GfbV). Die GfbV bewertet den angekündigten Abgang des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, als alarmierendes Signal für die Stabilität des Landes und für die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft: „Wenn ein Hoher Repräsentant unter politischem Druck zurücktritt, dann ist das kein geordneter Amtswechsel, sondern ein gefährlicher Präzedenzfall“, erklärte Belma Zulčić, Direktorin der GfbV-Sektion Bosnien und Herzegowina am 12. Mai. „Der Rücktritt darf nicht als Erfolg jener Kräfte verstanden werden, die seit Jahren systematisch den Staat Bosnien und Herzegowina schwächen, die Institutionen blockieren und die Opfer des Krieges verhöhnen.“

myanmar

Screenshot: Arakan Army, YouTube

Rebellen leugnen Schuld an Mord an Rohingya

NEW YORK (IZ). Human Rights Watch wirft der Arakan Army vor, im Mai 2024 in Rakhine Hunderte Rohingya-Muslime getötet, verletzt und ihre Häuser niedergebrannt zu haben. Zwei Jahre später verweigert die inzwischen mit der Junta verfeindete Miliz jede Verantwortung, während Überlebende in Lagern festgehalten werden und nicht in ihre Heimat zurückkehren können. UN-Gremien und Menschenrechtsorganisationen sprechen von Kriegsverbrechen.

UN-Ausschuss rügt Umgang mit den Fulani

GENF (KNA). Das UN-Komitee gegen Rassendiskriminierung hat sich besorgt über den Umgang mit der ethnischen Gruppe der Fulani in Burkina Faso geäußert. Deren Angehörige würden Opfer von Exekutionen, Folter, willkürlicher Inhaftierung, Verschleppung und Zerstörung von Eigentum, heißt es in einem turnusmäßigen Länderbericht, der Anfang Mai veröffentlicht wurde. Täter seien Berichten zufolge oft Mitglieder der regulären Streitkräfte und deren Verbündete. Fulani würden auch weiterhin von der Polizei besonders scharf beobachtet.

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Foto: Aerial View/Adobe Stock

Paris schließt NATO-Rolle an Meerenge aus

PARIS (IZ). Frankreich schließt eine Rolle der NATO in der Straße von Hormus aus und setzt stattdessen auf eine eigenständige, europäisch geführte Marinemission zum Schutz der Handelsschifffahrt. Es will damit Distanz zu einer weiteren Militarisierung unter US-Führung wahren und zugleich die Golfstaaten als Partner gewinnen, deren Vertrauen in Washington durch den Iran‑Krieg stark gelitten hat. Während der US‑Blockade und iranischer Kontrollen bleibt der Seeweg ein globaler Engpass, dessen Sicherung über Energiepreise und Versorgung direkt Europa und mehrheitlich muslimische Länder betrifft.

Außenministerin warnt vor Lebensmittelkrise

LONDON (IZ). Die britische Außenministerin Cooper warnt, die Welt „schlafwandle“ in eine globale Ernährungskrise, weil die Schifffahrt durch die Straße von Hormus infolge des Iran‑Kriegs fast zum Erliegen gekommen ist. Statt rund 90 passieren derzeit nur noch wenige Schiffe täglich die Meerenge, hunderte Frachter mit Getreide und Düngemitteln stecken fest. Das Welternährungsprogramm befürchtet, dass bis zu 45 Mio. Menschen zusätzlich in akute Ernährungsunsicherheit geraten könnten, wenn die Blockade anhält. Besonders Länder im Globalen Süden wären betroffen.

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Foto: The White House/Daniel Torok

Gerüchte über eine 30-Tage-Waffenruhe

WASHINGTON (Agenturen). US‑Medien berichten, Washington und Teheran stünden kurz vor einer 60‑tägigen Waffenruhe, die die Wiederöffnung der Straße von Hormus einschließen soll. Demnach würde Iran in dieser Zeit Minen räumen und auf Transitgebühren verzichten, während die USA die Blockade iranischer Häfen lockern und Ölexporte wieder zulassen könnten. Ziel ist, den nahezu eingebrochenen Schiffsverkehr zu normalisieren, der seit Beginn des Kriegs massive Folgen für Energie- und Lebensmittelpreise hat. Menschenrechtsexperten erinnern daran, dass solche Abkommen nicht nur als geostrategische Deals, sondern auch am Maßstab des Schutzes von Zivilbevölkerungen im Iran, in der Region und im Globalen Süden zu messen sind.

Hebron: Gericht erlaubt Teilenteignung

HEBRON (KNA). Das Oberste Gericht von Israel hat die teilweise Enteignung der Machpela, der Patriarchengräber am Rand von Hebron, offiziell legitimiert. Eine entsprechende Petition der Stadtverwaltung, der zuständigen muslimischen Stiftung sowie eines Komitees für die Wiederherstellung der Altstadt wiesen die Richter in Jerusalem am 20. Mai zurück, wie Medien berichten. Die Grabstätte gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer des Judentums, wird aber aufgrund der abrahamitischen Herkunft auch von Christen und Muslimen verehrt.

Foto: Muhamad Taufiq Bin Azmi, Shutterstock

OIC verurteilt „Provokation“ von Ben Gvir

JEDDAH (KNA). Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit OIC hat die jüngste Kundgebung des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir an einer der heiligsten Stätten des Islam verurteilt. Der Chef der jüdisch-fundamentalistischen Partei Otzma Jehudit und Minister für Nationale Sicherheit hatte am 14. Mai an der Spitze von Siedlergruppen den Platz der Al-Aqsa-Moschee in Ostjerusalem besucht und dort die israelische Flagge gehisst. Die OIC sprach in einer Erklärung von einer „bewussten Provokation der Gefühle von Muslimen weltweit“.

Lage der Beduinen wird zunehmend prekär

JERUSALEM (KNA). Der Konflikt im Westjordanland betrifft auch die Beduinen. Für sie wird der Lebensraum immer enger. Genaue Bevölkerungsdaten fehlen. Zunehmende Zersiedelung, soziale Benachteiligung und neuerdings wachsende Repressalien israelischer Siedler schränken aber in wachsendem Maß die halbnomadische Lebensweise der Menschen ein. Die Beduinen und Hirtengemeinschaften gehören weder zur israelischen noch zur palästinensischen Gesellschaft. Die UN zählen sie daher zu den „am meisten gefährdeten Gruppen in den besetzten palästinensischen Gebieten“.

sahel

Foto: MINUSMA, Marco Dormino

Lage der Tuareg wird entscheidend sein

BAMAKO (The Conversation). Bewaffnete Gruppen haben in Mali zuletzt erneut Regierungsstützpunkte und Städte angegriffen, darunter Verbände der Tuareg, die sich mit Jihadisten verbündet haben. Beobachter verweisen darauf, dass Konflikte um politische Teilhabe, Ressourcenverteilung und kulturelle Anerkennung der Tuareg seit Langem den Boden für Gewalt bereiten. Mit dem Abzug der UN‑Mission und Schwächung staatlicher Strukturen wächst die Gefahr, dass Zivilisten vertrieben und Massaker verübt werden.

Irankrieg stürzt die Armen ins Elend

WASHINGTON (GFP.com). Der Krieg der USA und Israels stürzt Länder des Globalen Südens in eine tiefe Krise. Nicht nur der Ölpreisschock verschärft ihre meist ohnehin schon prekäre Lage. Zudem gefährdet die Unterbrechung eines Drittels der globalen Düngemittelversorgung die weltweite Ernährungssicherheit und droht schon in Kürze 45 Mio. Menschen in akuten Hunger zu treiben. Gleichzeitig muss sich Afrika für einen Mangel an medizinischen Gütern wappnen, da der Kontinent einen Großteil davon über den Mittleren Osten importiert. Darüber hinaus droht der dreifache Schock aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie kriegsbedingt schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Mio. Menschen in die Armut zu treiben – vor allem in Entwicklungsländern.

Trotz Terror – Pakistan setzt Impfkampagne fort

ISLAMABAD (KNA). Einen Tag nach zwei tödlichen Terroranschlägen auf Polio-Impfteams in Pakistan hat die Provinz Sindh am 19. Mai dennoch eine entsprechende Impfkampagne für 5,8 Millionen Kindern unter fünf Jahren gestartet. Die 17.000 Mitglieder der Teams würden von 15.000 Sicherheitskräften geschützt, berichtete das pakistanische Nachrichtenportal „Dawn“. Morde von Terroristen an den Teams kommen seit Jahren in Pakistan immer wieder vor. Im Dezember 2025 kamen ebenfalls in Bajaur zwei Menschen bei einem Angriff auf ein Polio-Impfteam ums Leben.

Foto: Nick Brundle

Autonomiebehörde zu Provokationen an Al-Aqsa

RAMALLAH (IZ). Die palästinensische Autonomiebehörde wirft Israel vor, mit immer neuen Provokationen das historische Status‑quo‑Arrangement in Jerusalem auszuhebeln. Anlass ist der jüngste Besuch des rechtsextremen Sicherheitsministers Itamar Ben‑Gvir auf dem Gelände der Al‑Aqsa‑Moschee, bei dem er in Begleitung von Siedlern mit israelischer Flagge durch das zog. Palästinensische und internationale Beobachter sehen darin Teil einer Strategie, die exklusiv muslimische Nutzung der heiligen Stätte schrittweise auszuhöhlen und Ostjerusalem demographisch wie rechtlich weiter zu verändern.

Euro-Troika: Lage „deutlich verschlechtert“

BRÜSSEL (MEMO). Italien, Großbritannien, Frankreich und Deutschland warnten am 22. Mai, dass sich die Lage im besetzten Westjordanland in den letzten Monaten „erheblich verschlechtert“ habe, vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt durch Siedler und einer israelischen Politik, die ihrer Ansicht nach die Stabilität und die Aussichten auf Frieden untergrabe, berichtete Anadolu. In einer gemeinsamen Erklärung erklärten die vier europäischen Länder, dass die israelischen Siedlungsaktivitäten gegen das Völkerrecht verstoßen und das Gebiet weiter zersplittern würden, wodurch die Möglichkeit eines lebensfähigen palästinensischen Staates gefährdet werde.

Siedler setzen eine Moschee in Brand

JERUSALEM (KNA). Die Gewalt israelischer Siedler in den besetzten palästinensischen Gebieten hält an. Israelische Siedler haben das Dorf Jibiya nordwestlich von Ramallah im besetzten Westjordanland angegriffen. Dabei steckten sie laut örtlichen Medienberichten am 22. Mai eine Moschee und mehrere palästinensische Fahrzeuge in Brand. Der Angriff ist kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Politik.

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