Die Kurzmeldungen aus dem Inland (Nr. 373) reichen von Muslimfeindlichkeit im Land, über politische Gewalt bis zu einem Friedhof für Kassel.
CLAIM zu Muslimfeindlichkeit: tausende Fälle
BERLIN (IZ). CLAIM verweist in einem aktuellen Überblick auf mehrere tausend dokumentierte antimuslimische Vorfälle innerhalb eines Jahres. Erfasst werden nicht nur Angriffe auf Moscheen und muslimische Einrichtungen, sondern auch Beschimpfungen im Alltag, Benachteiligung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie Hass und Verschwörungserzählungen im Netz. Die Dunkelziffer gilt als deutlich höher, weil viele Betroffene Vorfälle aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen in Behörden gar nicht melden. Die Organisation kritisiert, dass das Thema häufig nur selektiv thematisiert wird – etwa nach spektakulären Anschlägen, während strukturelle Diskriminierung und die Erfahrungen im Schatten des Alltags unsichtbar bleiben. Für muslimische Organisationen ist die Datensammlung zugleich ein wichtiges Instrument, um zu zeigen: Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein Muster.

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Politisch motivierte Gewalt auf Rekordniveau
BERLIN (IZ). Die politisch motivierte Kriminalität hat im Jahr 2025 ein Rekordniveau erreicht: ca. 86.000 Delikte wurden erfasst – so viele wie nie zuvor seit Einführung der Statistik. Die Spannbreite reicht von Propagandadelikten und Bedrohungen bis zu Körperverletzungen und schweren Angriffen, die aus rechten, linken oder religiös-extremistischen Motiven begangen werden. Behörden warnen, dass insbesondere rechtsextreme Netzwerke Gewalt strategisch einsetzen, um die Gesellschaft zu polarisieren.
Strafe für Hassmail gegen Muslime und Giffey
BERLIN (IZ). In Berlin ist ein 44-jähriger Mann zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einer E-Mail Muslimen den Tod wünschte und die Senatorin Franziska Giffey massiv beleidigte. Die Nachricht war kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für einen digitalen Alltag, in dem Politikerinnen und Muslime regelmäßig Zielscheibe von Hass werden. Das Gericht wertete die E-Mail als Volksverhetzung und öffentliche Aufforderung zu Straftaten; die verhängte Geldstrafe von 2.250 Euro soll deutlich machen, dass solche „Entgleisungen“ nicht unter Meinungsfreiheit fallen.
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Mehr Hass auf Sinti und Roma dokumentiert
BERLIN (IZ). Die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus hat für 2025 einen neuen Höchststand von 2.076 antiziganistischen Vorfällen registriert – ein Plus von rund 24 %. Besonders häufig erleben Sinti und Roma Diskriminierung im Kontakt mit staatlichen Stellen: 428 Fälle betreffen Behörden, in 29 % der dokumentierten Vorfälle seien Polizisten involviert. Neben Stereotypisierungen und Herabwürdigungen, die mit 1.193 Fällen den größten Block bilden, verzeichnet MIA 55 körperliche Angriffe und acht Fälle extremer Gewalt.
AIWG hielt ihren Fachkongress ab
FRANKFURT (IZ). Am 12. und 13. Juni fand der Fachkongress der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) statt, zu dem Forschende, Studierende, Pädagogen und Vertreter muslimischer Organisationen zusammenkamen. In Panels und Workshops ging es um die Rolle islamischer Theologie an deutschen Universitäten, Fragen religiöser Autorität, muslimische Wohlfahrtsarbeit sowie um neue Formate von Bildung für Kinder und Jugendliche. Diskutiert wurde auch, wie sich muslimische Lebensrealitäten in Lehrplänen, Medien und Politik besser abbilden lassen.

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GfbV kritisiert China-Reise von Reiche
GÖTTINGEN (IZ). Die Gesellschaft für bedrohte Völker warf der Bundesregierung vor, bei China-Reisen Menschenrechte systematisch auszuklammern. Anlass war der Besuch von Wirtschaftsministerin Reiche in Peking, bei dem weder die Verfolgung der Uiguren in Xinjiang noch Zwangsarbeit und Unterdrückung von Minderheiten thematisiert worden seien. Damit setze sie die Linie von Kanzler Merz fort, der bereits im Februar ohne öffentliche Menschenrechtsforderungen nach China gereist war.
Neue muslimische Grabfelder in Kassel
KASSEL (IZ). Die Stadt reagiert auf die wachsende Nachfrage nach muslimischen Bestattungen und richtet auf dem Hauptfriedhof zusätzliche Grabfelder ein. Die erweiterten Flächen sind nach Mekka ausgerichtet, erfüllen die für muslimische Beerdigungen relevanten religiösen Vorgaben und sollen über Jahre hinweg zusätzliche Kapazität schaffen. Für die lokale Community ist das mehr als ein verwaltungstechnischer Akt. Viele Familien standen bislang vor der Entscheidung, ihre Verstorbenen ins Herkunftsland zu überführen, obwohl die Kinder und Enkel längst in Deutschland verwurzelt sind.
CDU-Mitglied wünscht Muslimen den Tod
KREFELD (IZ). In Krefeld sorgt ein Video für große Verunsicherung unter Muslimen: Ein 23-jähriges CDU-Mitglied soll darin sagen, man solle sie „lieber umbringen lassen – so vergasen oder so“ und dabei ausdrücklich auf die Ermordung der Juden Bezug nehmen. Muslimische Vertreter in NRW warnen, solche Entgleisungen blieben nicht ohne Wirkung auf das Sicherheitsgefühl in Gemeinden und Moscheen. Viele fragten sich, wie tief enthemmter Hass inzwischen in der sogenannten politischen Mitte verankert ist und ob Staat und Parteien Muslime wirklich wirksam schützen.
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Umfrage: Christen wählen seltener die AfD
KÖLN (KNA). Der Anteil von potenziellen AfD-Wählern ist unter Katholiken und Angehörigen evangelischer Landeskirchen geringer als der Gesamtbevölkerung. Das geht aus einer Yougov-Umfrage im Auftrag der KNA hervor. Die katholische Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatten die AfD mehrfach als für Christen nicht wählbar bezeichnet. Demnach würden 29 % aller Wähler die AfD wählen, wenn Bundestagswahl wäre. Bei den Mitgliedern der katholischen Kirche und der evangelischen Landeskirchen wären es jeweils 24 %. Menschen, die keiner Religion angehören, gaben zu 32 % an, sie wählen zu wollen.
Das BamF geht von mehr Muslimen im Land aus
NÜRNBERG (KNA/IZ). In der Bundesrepublik wächst die Zahl der Muslime. Laut einer neuen Hochrechnung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lebten 2025 6,6 bis 7 Mio. in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 8,0 und 8,5 %. Gegenüber der letzten (für das Jahr 2019) entspricht dies einem Anstieg um 1,6 bis 1,8 Prozentpunkte. Damals gab das Bamf die Zahl der Muslime mit 5,3-5,6 Mio. an. Ein wichtiger Grund für den Zuwachs sei Zuwanderung , erklärte Anja Stichs, Wissenschaftlerin am Bamf-Forschungszentrum.