Britische Moscheen im Fokus von Angriffen
Neue Daten einer britischen Stelle zeigen eine wachsende Zahl von Übergriffen auf Moscheen in Großbritannien. Trotz höherer Sicherheitsmittel bleibt der Schutz vieler Gemeinden lückenhaft.
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(iz). In Großbritannien verdichten sich die Hinweise auf eine anhaltende und weit verbreitete Bedrohungslage für Moscheegemeinschaften. Nach Angaben des British Muslim Trust wurden in den zwölf Monaten bis Juli mehr als 70 Angriffe auf Moscheen registriert.
Die dokumentierten Vorfälle reichen von Brandstiftung und Sachbeschädigung über Drohungen und Einschüchterung bis hin zu Gewalt und Online-Hetze. Im Schnitt wurde demnach alle fünf Tage ein Gebäude attackiert.
Besonders häufig betroffen waren London, der Großraum Manchester und die West Midlands, also Regionen mit großen muslimischen Gemeinden und einer besonders hohen Sichtbarkeit islamischer Einrichtungen im öffentlichen Raum.
Foto: East London Mosque
Die Zahlen stehen nicht für ein einzelnes Eskalationsereignis, sondern für einen länger laufenden Trend. Schon für den Zeitraum Juli bis Oktober 2025 hatte der British Muslim Trust 27 Angriffe auf 25 Moscheen in 23 Städten und Gemeinden erfasst. Der Befund zeigt, dass sich die Vorfälle über das Land verteilen und nicht auf wenige Brennpunkte beschränkt bleiben.
In mehreren Fällen wurden religiöse bzw. politische Symbole gezielt eingesetzt, um Moscheen zu markieren und ihre Nutzer einzuschüchtern. Dazu gehörten Kreuze, Flaggen und Parolen, teils kombiniert mit Graffiti, zerstörten Fenstern oder anderen Formen der Verwüstung.
Die Attacken richten sich damit nicht nur gegen Gebäude, sondern zusätzlich Sichtbarkeit und Zugehörigkeit muslimischen Lebens in der britischen Öffentlichkeit.
Auch andere Erfassungsstellen zeichnen ein ähnliches Bild. Tell MAMA, eine Meldestelle für anti-muslimische Vorfälle, meldete für Juni bis September 2025 mehrere Angriffe auf Moscheen und islamische Einrichtungen.
Zusammen mit den Daten des British Muslim Trust ergibt sich ein Muster, das auf eine breiter werdende Islamfeindlichkeit schließen lässt.
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Die Debatte darüber wird in Großbritannien inzwischen nicht nur als Sicherheitsfrage geführt, sondern auch als gesellschaftliche und politische Frage: Welche Wirkung haben öffentliche Diskussionen über Migration, Krieg im Nahen Osten, Populismus und nationale Identität auf das Klima im Land?
Die Vorfälle an Moscheen liefern darauf keine einfache Antwort, aber sie zeigen, wie schnell abstrakte Feindbilder in konkrete Gefahr für Gemeinden übergehen können.
Die Regierung verweist auf einen Ausbau des Schutzes. Für das Haushaltsjahr 2026/27 stellte London bis zu 40 Mio. Pfund für ein Sicherheitsprogramm bereit; insgesamt sind 73,4 Mio. für den Schutz religiöser Einrichtungen vorgesehen.
Gefördert werden unter anderem Wachpersonal, Kameras, Zäune, Alarmanlagen und Beleuchtung. Die Mittel sind nicht neu, aber sie markieren die Anerkennung eines Problems, das sich längst nicht mehr wegverwalten lässt. Gerade nach einer Serie von Angriffen wird der Ruf nach sichtbarer Prävention lauter.
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Verbände und Moscheegemeinden halten dennoch dagegen, dass der Schutz im Alltag oft nicht ankommt. Kritisiert wird vor allem, dass Förderanträge aufwendig seien und manche Gemeinden erst nach einer Attacke überhaupt Zugang zu staatlicher Hilfe erhielten.
Für kleine Moscheen, die oft ehrenamtlich organisiert sind, bedeutet das eine doppelte Belastung: Sie müssen nicht nur mit Angriffen leben, sondern auch mit einer Schutzlogik, die auf den Ernstfall statt auf Vorbeugung ausgerichtet ist. In der Folge wächst in vielen Gemeinden das Gefühl, allein gelassen zu werden.
Der Fall zeigt damit mehr als eine Serie von Übergriffen. Er macht sichtbar, wie sich antimuslimische Ressentiments in einem hoch entwickelten europäischen Staat in räumlich und symbolisch aufgeladene Angriffe übersetzen. Moscheen sind in diesem Zusammenhang nicht nur Gebetsstätten, sondern auch Marker sozialer Zugehörigkeit.
Wer sie angreift, zielt deshalb auf mehr als Eigentum. Er attackiert Präsenz, Normalität und das Recht muslimischer Bürger, den öffentlichen Raum ohne Angst zu nutzen.
Dass die Behörden inzwischen mit höheren Mitteln reagieren, ändert daran zunächst wenig: Entscheidend bleibt, ob aus Ankündigungen tatsächlich verlässlicher Schutz wird.