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Europas Jugend will Zukunft

Ob in Frankreich, Italien, Albanien oder Serbien: Auf Europas Straßen macht sich eine Jugend bemerkbar, die sich mit den Verhältnissen nicht abfinden will, und die sich nicht für den Sündenbock eines „politischen Islam“ interessiert.

30.10.2026 Sulaiman Wilms 2 Min. Lesezeit Ausgabe 377
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Foto: Pierre Laborde/Shutterstock

(iz). Die Anlässe unterscheiden sich. Doch immer wieder stellt sich die Frage, was vom Versprechen auf Teilhabe und eine bessere Zukunft geblieben ist.

Hinter Wut und Unzufriedenheit stehen konkrete Erfahrungen mit Institutionen, die ihren Aufgaben nicht gerecht werden, sowie mit einer Politik, die darauf keine überzeugenden Antworten findet.

Wie sich dieser Unmut äußert, hängt von den jeweiligen Verhältnissen ab. In Frankreich demonstrieren Schüler und Studierende wegen Lehrermangels, überfüllter Klassen und schlechter Lernbedingungen.

Foto: Maria Lupan, Unsplash

Unterstützung erhalten sie dabei von Lehrkräften, Eltern und Gewerkschaften. Beim „No Meloni Day“ in Italien richteten sich die Proteste gegen die Bildungspolitik, steigende Lebenshaltungskosten und höhere Militärausgaben.

In Albanien haben sich Schüler und Studierende wegen hoher Bildungskosten, schlechter Studienbedingungen und mutmaßlicher Korruption der regierungskritischen Bewegung angeschlossen. In Tirana kam es dabei zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei. 

In Serbien wiederum entstand aus der Forderung nach Aufklärung des tödlichen Einsturzes des Bahnhofsvordachs von Novi Sad eine landesweite Bewegung gegen Korruption und politische Verantwortungslosigkeit. Sie trat erfolgreich mit einer eigenen Kandidatenliste zur Parlamentswahl an.

Foto: Pierre Laborde/Shutterstock

Dahinter steht auch eine soziale Frage, die weit über den nächsten Bildungsabschluss hinausreicht: Wie soll ein eigenständiges Leben gelingen, wenn ein großer Teil des Einkommens für Wohnen, Lebensmittel und Energie aufgewendet werden muss?

Hohe Lebenshaltungskosten erschweren es jungen Menschen, Rücklagen zu bilden, und verzögern den Bezug einer eigenen Wohnung oder eine Familiengründung. Gleichzeitig wächst durch die Alterung der Gesellschaft der Finanzierungsdruck auf Renten, Pflege und Gesundheit.

Foto: LPLT, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 4.0

Diese konkreten Ursachen geraten aus dem Blick, wenn die Proteste in Frankreich als „islamistische“ Machenschaften einer vermeintlich allgegenwärtigen „Muslimbruderschaft“ umgedeutet werden.

Für eine solche Steuerung fehlen bislang belastbare Belege. Chems-Eddine Hafiz, der Rektor der Großen Moschee von Paris, betonte, dass nichts solche Ausschreitungen rechtfertige. Wer plündere, handle nicht im Namen des Islam, sondern gegen ihn.

Eine Generation fragt nach ihrer Zukunft. Sie verdient Antworten statt Sündenböcke.

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