Am 16. September 2025 stellte die unabhängige Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats in Genf fest, dass Israel im Gazastreifen vier von fünf Tatbeständen eines Völkermords gemäß der UN-Konvention erfüllt hat.
(iz/dpa). Die dreiköpfige Kommission unter Leitung von Navi Pillay sieht Anhaltspunkte für gezielte Tötung, schwere körperliche oder seelische Schäden, vorsätzliche Schaffung lebensfeindlicher Bedingungen sowie Maßnahmen zur Geburtenverhinderung unter Palästinensern.
Der Report macht die israelische Staatsspitze direkt verantwortlich und spricht von einem fortgesetzten Genozid, begangen seit dem 7. Oktober 2023. Die Sitzung und Vorstellung des Berichts fanden in Genf statt.
Navi Pillay ist eine südafrikanische Juristin und Menschenrechtsexpertin indisch-tamilischer Herkunft. Sie war von 2008 bis 2014 Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte und zuvor Richterin am Internationalen Strafgerichtshof sowie am Tribunal für Ruanda.
Israel erkennt wie die USA unter Präsident Donald Trump den UN-Menschenrechtsrat als Autorität nicht an und wirft ihm und seinen Kommissionen grundsätzlich vor, gegen Israel voreingenommen zu sein. Der Rat besteht aus 47 Ländern, die jeweils für drei Jahre von der UN-Generalversammlung gewählt werden.
Die Kommission nannte als Tatbestände: Tötung, schwere körperliche oder seelische Schädigung, vorsätzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die vollständige oder teilweise Zerstörung der palästinensischen Bevölkerung abzielen, und Maßnahmen zur Verhinderung von Geburten. Zivilisten würden getötet, humanitäre Hilfe blockiert, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen systematisch zerstört und religiöse Einrichtungen angegriffen.
Der Bericht bezieht sich auf die Geschehnisse seit dem Terrorangriff der Hamas und anderer Extremisten auf Israel am 7. Oktober 2023.
Foto: The White House, Joyce N. Boghosian, via flickr | Lizenz: Public Domain
Menschenrechtskommission sieht „Vorsatz“
In dem Bericht heißt es weiter: „Es gibt auch indirekte oder Indizienbeweise für einen besonderen Vorsatz (dolus specialis) im Verhaltensmuster der politischen und militärischen Behörden Israels sowie in den Militäroperationen, die unter Berücksichtigung der Gesamtheit der Beweise die erforderliche spezifische Absicht zur Begehung von Völkermord belegen.“
„Es ist klar, dass es eine Absicht gibt, die Palästinenser zu vernichten“, sagte Vorsitzende. Diese Schlussfolgerung stützt sich laut ihren Angaben auf Aussagen und Verhaltensweisen politischer und militärischer Führungspersonen Israels sowie auf das Muster der Militäraktionen.
Insbesondere die Blockade und die gezielte Zerstörung grundlegender Infrastruktur hätten zu einer von Menschen verursachten Hungersnot in Gaza-Stadt geführt. Ein Bericht der Integrated Food Security Phase Classification zeigt „katastrophale Zustände“, die vollständig reversibel wären.
Israel wird zudem vorgeworfen, keine ernsthaften Ermittlungen gegen eigene Verantwortliche eingeleitet zu haben. Damit sei das Land der Pflicht zur Verhinderung und Bestrafung des Völkermords nicht nachgekommen.
Die Kommission fordert, internationale Waffenlieferungen an Israel einzustellen, solange der Verdacht auf Genozid besteht.
Eine Feststellung von Völkermord kann nur durch ein Weltgericht erfolgen, wie auch UN-Menschenrechtsvertreter betonen. Der Report ist jedoch einer der bislang systematischsten Versuche, einen Genozidvorwurf gegen Israel zu argumentieren, und könnte weitreichende politische und juristische Folgen haben.
Der Vorwurf ist weltweit einer der schwerwiegendsten im Völkerrecht und verschärft die Isolation Israels auf diplomatischer Ebene. Internationale Beobachter wie Amnesty und Human Rights Watch hatten bereits zuvor auf Hinweise für einzelne Genozidhandlungen hingewiesen.
Die Kommission sieht in den israelischen Militäraktionen und politischen Strategien im Gazastreifen zentrale Elemente eines Genozids, darunter gezielte Tötungen, schwere körperliche und psychische Schädigungen, Lebensversagen und Maßnahmen gegen Geburten der palästinensischen Bevölkerung. Israel weist diese Vorwürfe entschieden zurück und sieht sich international zunehmend isoliert.
Foto: Shutterstock
CARE Deutschland über den Kommissionsbericht
Zum Report der UN-Kommission sagte Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE in der Bundesrepublik: „Wir erleben in Gaza eine der schwersten Menschheitskatastrophen unserer Zeit. Gaza ist heute Synonym für menschliches Versagen auf ganzer Linie. Was unsere Kolleg:innen aus Gaza berichten, wurde von den Vereinten Nationen nun als Genozid eingestuft. Wer die Lehren der Geschichte ernst nimmt, muss jetzt den Mut haben, das Unaussprechliche beim Namen zu nennen und Konsequenzen zu ziehen. Im Namen des Völkerrechts und im Namen der Menschlichkeit.“
CARE Deutschland habe den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 sowie jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung durch die kriegführenden Parteien zutiefst verurteilt. Die Hilfsorganisation fordert die Freilassung sämtlicher Geiseln, die Einhaltung des Völkerrechts durch alle Konfliktparteien, einen dauerhaften Waffenstillstand, den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe nach und innerhalb von Gaza sowie die Evakuierung von Kranken und Verletzten.
Kurzmeldungen Ausgabe 359: In dieser Ausgabe behandeln wir globale Rechte, Muslime in Indien und den anhaltenden Nahostkonflikt.
Lebensmittelunsicherheit auf hohem Niveau
BALTIMORE (IPS). Im vergangenen Jahr waren laut dem Welternährungsprogramm (WFP) 343 Mio. Menschen von akuter Lebensmittelkrise betroffen. Das sind 10 % mehr als 2023. Und mitten in einer weltweiten Krise der Ernährungsunsicherheit werden die Mittel für Programme gekürzt, die an vorderster Front Lebensmittelhilfe leisten, für humanitäre Hilfe kämpfen und buchstäblich Leben retten. Das sei nicht nur in den USA zu beobachten, sondern global. Das WFP muss für 2025 mit einem 40-prozentigen Rückgang seiner Gelder gegenüber 2024 rechnen. Dies habe zu einer Situation geführt, die das WFP als beispiellose Krise für Millionen von Menschen weltweit, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen seien, bezeichnet. „In den letzten zwei Jahren hat das WFP trotz der Großzügigkeit vieler Regierungen und einzelner Spender einen stetigen Rückgang der Finanzmittel verzeichnet. Diese Kürzungen treiben Millionen von Menschen, die vom WFP abhängig sind, in eine katastrophale Hungersnot“, sagte Barron Segar, Präsident des World Food Program USA.
Foto: UN Photo/ICJ-CIJ/Frank van Beek
GfbV sieht internationales Recht in ernster Gefahr
GÖTTINGEN (IZ). Die Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnte, dass weltweite Rechtsnormen – insbesondere das Völkerrecht und der Menschenrechtsschutz – zunehmend gefährdet seien. Immer mehr Staaten und politische Akteure würden zentrale Prinzipien missachten oder gezielt untergraben. Laut GfbV drohe sich das „Recht des Stärkeren“ durchzusetzen, während Rechtsstaatlichkeit und der Schutz der Bürgerrechte immer mehr in den Hintergrund geraten. Aktuelle Beispiele wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie der anhaltende Krieg gegen Gaza zeigten, wie elementare Menschenrechte verletzt und internationale Normen systematisch ausgehöhlt würden.
IOM startet globalen islamischen Fonds
RIAD (IOM/IZ). Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hat einen islamischen Philanthropie-Fonds ins Leben gerufen. Diese neue Initiative zielt darauf ab, die Kraft muslimischer Wohltätigkeit zu nutzen, um einige der am stärksten benachteiligten Personen der Welt zu unterstützen. Dies ist „ein wichtiger Meilenstein für die IOM“. Angesichts der sich verschärfenden globalen Krisen und der zunehmenden Vertreibung sucht die Organisation nach neuen Wegen, um den mehr als 75 Millionen Menschen, die durch Konflikte, Katastrophen und Unsicherheit aus ihrer Heimat vertrieben wurden, lebensrettende Hilfe zu leisten.
Foto: Amnesty International, Stéphane Lelarge
Hinrichtungen global auf Zehn-Jahres-Hoch
BERLIN (KNA). 2024 wurden weltweit so viele Menschen hingerichtet wie seit 10 Jahren nicht. In 15 Ländern wurden mehr als 1.500 Todesstrafen vollstreckt, ein Großteil davon im Nahen Osten. Das dokumentiert Amnesty International in seinem am 7. April veröffentlichten Jahresbericht zur Anwendung der Hinrichtungen weltweit. Mehr als 40 % erfolgten so in Zusammenhang mit Drogendelikten. Die fünf Länder mit den meisten Hinrichtungen waren demnach China, der Iran, Saudi-Arabien, Irak und Jemen. Iran, Irak und Saudi-Arabien trügen die Verantwortung für den drastischen Anstieg der Hinrichtungen im vergangenen Jahr, sagte die Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, Julia Duchrow. Allein diese drei Länder hätten mindestens 1.380 und damit mehr als 90 Prozent der bekannten Todesurteile weltweit vollstreckt.
Muslimische Vertreter trauern um Papst
KAIRO (KNA). Der Großimam der Kairoer Azhar-Universität, Ahmad al-Tayyeb, hat den gestorbenen Papst Franziskus als engen Freund der Muslime gewürdigt. Auch habe er den interreligiösen Dialog vorangetrieben. „Heute hat die Welt ein Symbol der Humanität verloren“, schrieb al-Tayyeb am 21. April auf X. Er habe sein Leben dem Dienst für die Menschlichkeit gewidmet, der Verteidigung von Schwachen, Flüchtlingen und Unterdrückten.
Algier und Moskau wollen Militärkooperation
ALGIER (MEMO). Vertreter Algeriens und Russlands sind kürzlich zusammengekommen, um Bereiche von gemeinsamem Interesse zu erörtern, darunter einen gemeinsamen Ausschuss für militärisch-technische Zusammenarbeit. Der Generalsekretär des algerischen Verteidigungsministeriums Benbicha empfing den stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses für Verteidigung und Sicherheit des Föderationsrates der Russischen Föderation Valyaev zusammen mit einer hochrangigen Delegation, wie aus einer Erklärung hervorgeht.
Foto: Kamrul Hasan/IPS
Rohingya-Flüchtlinge sind nicht sicher
DHAKA (IPS). Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch sind derzeit mit Bedingungen konfrontiert, die durch Überbelegung, Mangel an grundlegenden Versorgungsleistungen, Gewalt, Klimawandel und Ausbeutung geprägt sind. Nach Angaben des Hohen UN-Kommissars für Menschenrechte (UNHCR) liegt das Land heute an dritter Stelle der Staaten, die am massivsten von Naturkatastrophen mitgenommen sind. Extreme Hitze, Zyklone, Fluten und starke Regenfälle sind regelmäßige Symptome des Wandels des Klimas in Bangladesch, von denen die Rohingya überproportional betroffen sind. „Diese Lager – und die Gemeinden, die sie beherbergen – stehen an vorderster Front der Klimakrise“, sagte UN-Generalsekretär Guterres.
Europa-Troika verlangt Ende der Blockade
BRÜSSEL (IZ). Das Vereinigte Königreich, Frankreich und Deutschland forderten am 23. April von der israelischen Besatzungsmacht die Beendigung der Hilfsblockade gegen den Gazastreifen und wiesen darauf hin, dass diese zu Hunger, der Ausbreitung von Krankheiten und Todesfällen geführt habe. In einer Erklärung ihrer Außenminister forderten die drei Länder die israelische Besatzungsmacht auf, diese Blockade zu beenden und die Lieferung humanitärer Hilfe unverzüglich und ungehindert wieder aufzunehmen, um die Bedürfnisse aller Zivilisten zu decken.
Muslime lehnen umstrittenes Waqf-Gesetz ab
DELHI (AA). Der All India Muslim Personal Law Board (AIMPLB) verurteilte am 6. April den umstrittenen Waqf-Änderungsentwurf, der vom indischen Parlament verabschiedet wurde, und kündigte eine landesweite Protestaktion und einen Rechtsstreit an, um die „ungerechte Gesetzgebung“ zu kippen. Die neue Regelung betrifft islamische Stiftungen, die als Waqf bekannt sind. Zu den Waqf-Gütern, die Muslime für religiöse oder karitative Zwecke stiften, gehören Moscheen, Friedhöfe, Seminare, Waisenhäuser, Schulen, Märkte und große Landflächen in ganz Indien. Die NGO kündigte umfassende Proteste an.
Religionen wollen keine Vertreibung aus Gaza
JAKARTA (KNA). Indonesiens Regierung wollte eigentlich vorübergehend Palästinenser aus dem Gazastreifen aufnehmen. Religionsvertreter des muslimisch geprägten Landes sehen das eher kritisch. Organisationen in Indonesien lehnen den Plan der Regierung ab, Palästinensern aus Gaza vorübergehend Schutz zu gewähren. Ein Vertreter von Nahdlatul Ulama, mit 80 Millionen Mitgliedern die größte muslimische Organisation des Landes, bezeichnete den Plan als unangemessen und einen Fehler. „Wir müssen mit all unseren Bemühungen weiter der palästinensischen Bevölkerung helfen, vor allem den im Gazastreifen Verbliebenen“, sagte ein Vertreter. Johan Kristantara vom Dachverband der protestantischen Kirchen Indonesiens mahnte die Regierung zu Vorsicht.
Foto: The White House | Lizenz: gemeinfrei
Trump: Keine Eile bei Angriffen auf Teheran
WASHINGTON (KUNA). Der US-Präsident wies Medienspekulationen zurück, wonach er kürzlich israelische Pläne für eine auf iranische Nuklearanlagen aufgegeben habe, nachdem seine Regierung Gespräche mit der Islamischen Republik aufgenommen hatte. „Ich habe es nicht eilig, denn ich glaube, dass der Iran die Chance hat, ein großartiges Land zu werden und in Frieden zu leben, und das würde ich gerne sehen“, antwortete er am 17. April einem Reporter.
Netanjahu lehnt Forderung nach Kriegsende ab
NEW YORK (IPS). Seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und der Hamas ist der Gazastreifen schweren Bombardements und Blockaden humanitärer Hilfslieferungen ausgesetzt. Da die Hilfslieferungen in den Gazastreifen eingestellt wurden, sind rund zwei Millionen Palästinenser auf schwindende Ressourcen angewiesen und einem erhöhten Risiko von Unterernährung und Krankheiten ausgesetzt. Am 10. April wies der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen Brief von über 1.000 aktiven und pensionierten Reservisten der israelischen Luftwaffe zurück, in dem ein Ende des Krieges gefordert wurde. Die Soldaten bezeichneten den langwierigen Krieg als „marginal und extremistisch“ und forderten die israelischen Behörden auf, der Befreiung der israelischen Geiseln Vorrang vor der Fortsetzung der Feindseligkeiten einzuräumen.
JERUSALEM (KNA). Orthodoxe Christen in Jerusalem haben das Verhalten der israelischen Polizei gegen christliche Gläubige bei den Feiern des „Heiligen Feuers“ am Karsamstag verurteilt. Die Beamten hätten Kinder der Pfadfindergruppen, Frauen und ältere Menschen mit Waffen bedroht, geschubst und geschlagen, heißt es in einer Stellungnahme des „Arab Orthodox Union Club of Jerusalem“ von 19. April. Die Szenen, die sich in der Altstadt abspielten, bezeichnete die Gruppe als „inakzeptabel“.
Gaza: Amman lehnt Vertreibung ab
AMMAN (KUNA). König Abdullah II. bekräftigte die Ablehnung seines Landes gegenüber israelischen Versuchen, Palästinenser zu deportieren. Er erneuerte die Forderung nach einer Wiederherstellung des Waffenstillstands in Gaza, der Wiederaufnahme der Hilfslieferungen an die Palästinenser und einer Deeskalation der Angriffe auf das Westjordanland und die heiligen Stätten in Jerusalem.
Albaner-Protest gegen Megainvestor in Ulcinj
PODGORICA (IZ). Montenegro plant, den „Langen Strand“ im überwiegend muslimischen Ulcinj für 99 Jahre an den Geschäftsmann Mohamed Alabbar aus den Emiraten zu verpachten. Sein Unternehmen will an diesem Standort einen Mega-Tourismuskomplex im Stil von Dubai errichten. Premierminister Spajic unterzeichnete den Vertrag in Dubai. Der Streifen ist 12 Kilometer lang und damit einer der längsten Strände Europas. Die Stadtverwaltung organisierte eine Protestkundgebung dagegen. Ex-Ministerpräsident Dritan Abazovic erklärte, seine Partei werde die Vereinbarung im Parlament blockieren. Er erklärte, die Regierung könne das Projekt nur durchführen, „wenn sie die Albaner aus Ulcinj vertreibt“.
Hitzewelle und der Indus trocknet aus
ISLAMABAD (KNA). Pakistan erlebt derzeit mit Temperaturen von bis zu 45 Grad in Städten eine extreme Hitze. Senatorin Sherry Rehman äußerte sich besorgt über die „beispiellose Wasserkrise“ im Indussystem, der auf einem historischen Jahrhunderttiefstand ist. „Der Indus trocknet vor unseren Augen aus“, warnte sie, Vorsitzende des Senatsausschusses für Klimawandel und Umwelt, am 10. April in Medien. Der 3.180 Kilometer lange Strom ist mit seinen zahlreichen Nebenflüssen die Lebensader Pakistans. Die für 2025 erwartete erneute Hitzewelle wird laut Experten voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Wasserversorgung für Menschen und Landwirtschaft haben.
Foto: IKRK
IFRK verurteilt Tötung von Rotkreuzhelfern
GENF (IFRK). Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften reagierte empört auf den Tod von acht Sanitätern der Palästinensischen Rothalbmondgesellschaft, die in Gaza im Dienst getötet wurden. Ein neunköpfiges Notfallteam verschwand zusammen mit seinen Krankenwagen, als es am 23. März in Al-Hashashin unter schweren Beschuss geriet. IKRK-Generalsekretär Jagan Chapagain sagte: „Ich bin untröstlich. Diese engagierten Rettungssanitäter waren im Einsatz, um Verwundeten zu helfen. Sie waren humanitäre Helfer. Sie trugen Embleme, die sie hätten schützen müssen; ihre Krankenwagen waren deutlich gekennzeichnet. Sie hätten zu ihren Familien zurückkehren sollen, aber das konnten sie nicht.“
Pfarrer in Gaza: Über 17.000 Kinder getötet
GAZA (KNA). Der katholische Pfarrer von Gaza vermeldet dramatische Zahlen: Im aktuellen Nahost-Krieg seien bisher mehr als 17.000 Kinder im Gazastreifen getötet worden. In einer Mitteilung des katholischen Hilfswerks Kirche in Not erklärte Gabriel Romanelli am 10. April: „So viele Kinder wurden bislang getötet, das ist einfach schrecklich.“ Der Pfarrer der Pfarrei „Heilige Familie“ berichtete: „Wir hatten bislang über 50.000 Tote und über 110.000 Verletzte. Vielen von ihnen mussten Gliedmaßen amputiert werden.“ Die erneuten Kampfhandlungen nach der vereinbarten Waffenruhe seien fatal: „Kein weiterer Kriegstag löst die Situation, sondern verschlimmert sie nur noch.“ Der argentinische Seelsorger erklärte, er hoffe auf einen Verhandlungserfolg und dass die von der Hamas entführten Geiseln in naher Zukunft freikommen. Der Alltag sei von unvorstellbarer Not geprägt. „Die meisten Menschen haben alles verloren – ihre Häuser, ihre Arbeit, die Schulen für ihre Kinder.“
Die anhaltende Blockade der humanitären Hilfe durch die israelische Armee hat bei humanitären Organisationen und Vertretern der Welt gleichermaßen heftige Kritik hervorgerufen. (IPS). Ein neuer Report von der Menschenrechtsorganisation Human […]
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Seit der Besetzung der Krim 2014 missachtet Moskau systematisch internationale Rechte, um seine Macht durchzusetzen: Zu diesem Urteil kommt der Menschenrechtsgerichtshof.
Straßburg (KNA) Russland hat nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in der besetzten Krim begangen.
Auf der Krim bricht die russische Besatzung regelmäßig Menschenrechte
In der am Dienstag veröffentlichten Entscheidung stellte die Große Kammer in Straßburg Verstöße unter anderem gegen das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit, faire Gerichtsverfahren, Religions- und Medienfreiheit sowie gegen das Verbot von Misshandlung, willkürlicher Bestrafung und Diskriminierung fest. Nach den vorliegenden Beweisen stehe es außer Zweifel, dass „ein Muster oder System von Verstößen“ vorliege, sagten die Richter.
Russland hatte die Autonome Republik Krim und die Stadt Sewastopol im Frühjahr 2014 völkerrechtswidrig besetzt und annektiert. Der Gerichtshof betonte, die Menschenrechtsverletzungen stünden im Kontext einer vollumfänglichen Anwendung russischen Rechts in der besetzten Krim; auch dies stelle einen Bruch des Völkerrechts dar.
Weiter habe Russland das Strafrecht missbraucht, um die Opposition auf der Krim niederzuschlagen. Nach Auskunft des Gerichts weigerten sich russische Behörden, bei der Untersuchung der Vorwürfe mitzuarbeiten. Die Frage einer Entschädigung ist laut Urteil noch offen.
Auch Imame von der Tyrannei betroffen
Hinsichtlich der Religionsfreiheit fand das Gericht Vorwürfe bestätigt, nach denen Geistliche, die nicht der Linie des Russischen Patriarchats folgten, bedrängt und eingeschüchtert wurden. Dies habe besonders ukrainisch-orthodoxe Priester und muslimische Imame betroffen.
Kirchen seien beschlagnahmt, geschlossen oder gestürmt worden, mehrere Koranschulen durchsucht, eine Moschee angezündet und ein islamischer Friedhof beschädigt. 23 türkischen Imamen und einem katholischen Priester wurde laut Gericht der Aufenthaltsstatus entzogen.
Die Beschwerden vor dem Gerichtshof in Straßburg bezogen sich auf Menschenrechtsverletzungen in der von Russland kontrollierten Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol – es ging nicht um die völkerrechtliche Frage der Annexion selbst.
Foto: Ukrainian Presidential Office
Die Ukraine hatte vor dem Gerichtshof geltend gemacht, Moskau habe im Rahmen seiner Machtausübung zahlreiche Menschenrechtsverstöße in Justiz und Verwaltung begangen und Ukrainer systematisch unterdrückt.
Konkret warf Kiew den russischen Besatzern das Verschwindenlassen von Personen, rechtswidrige Inhaftierungen und Misshandlungen vor. Ukrainische Medien und die ukrainische Sprache seien unterdrückt, Inhaftierte von der Krim in abgelegene Gefängnisse in Russland verlegt worden. Außerdem sei es seit Anfang 2014 zu rechtswidrigem Freiheitsentzug, Verfolgung und Verurteilung von Ukrainern wegen ihrer politischen Haltung gekommen.
Wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine wurde die Russische Föderation am 16. März 2022 aus dem Europarat ausgeschlossen. Dennoch ist der Staat verpflichtet, den Entscheidungen des Straßburger Gerichtshofs zu solchen Menschenrechtsverstößen nachzukommen, die bis zum 16. September 2022 begangen wurden.
Seit 2023 setzte Russland keine Urteile mehr um. Ende 2023 waren 19 zwischenstaatliche Verfahren vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof anhängig, acht davon betrafen Russland.
Mangelnder Schutz von Zivilisten und Frauen: Amnesty International sieht die Entwicklung der Menschenrechte in vielen Bereichen kritisch – auch in Deutschland. Berlin (KNA) 75 Jahre nach ihrer Erklärung stehen die […]
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Taliban seit zwei Jahren an der Macht: Alle Hoffnungen auf eine halbwegs gemäßigte Herrschaft waren vergebens. (KNA). Die schnelle Einnahme Kabuls durch die Taliban am 15. August 2021 und der […]
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Sudan-Krieg: Humanitäre Korridore und Sanktionen gefordert. Verhandlungen nur mit Beteiligung aller zivilen Kräfte.
Göttingen (GfbV). Seit vier Monaten herrscht im Sudan wieder Krieg. Vor diesem Hintergrund kritisiert die „Bana Group for Peace and Development“, ein Netzwerk sudanesischer Frauenorganisationen die internationale Gemeinschaft: Die demokratische Bewegung des Sudan, die 2018/2019 das Ende der Militärdiktatur unter Omar Al Baschir erreichte, sei viel zu wenig unterstützt worden.
Sudan-Krieg geht auf El Bashir-Dikatur zurück
„Gegen den Willen des sudanesischen Volkes wurden genau jene Kräfte im Land gefördert, die jetzt den Krieg führen: Abdelfatah Burhan, Chef der sudanesischen Armee und Mohammed Hamdan Daglo, Anführer der paramilitärischen Rapid Support Forces“, berichtete Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsabteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Die Ansprechpersonen der Demokratiebewegung seien vom politischen Prozess ausgeschlossen worden. Besonders die Rolle der Frauen sei nicht anerkannt worden.
„Frauen haben von Anfang an eine zentrale Rolle in der Revolution gespielt. Sie haben die Proteste angeführt, sie haben sich einen permanenten Platz in den Widerstandskomitees erkämpft und sich gegen die patriarchalen Strukturen und die Gewalt in der sudanesischen Gesellschaft engagiert“, so Reinke.
Nun seien Frauen und Kinder wieder die Hauptleidtragenden im Krieg, in dem Vergewaltigung als Waffe gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werde.
Appell an Bundeskanzler Scholz
In einem Appell, den die GfbV und die „Bana Group for Peace and Development“ Bundeskanzler Olaf Scholz gerichtet haben, fordern die Organisationen:
Humanitäre Korridore und entmilitarisierte Zonen, damit die sudanesische Zivilgesellschaft selbst Hilfen organisieren kann. Entmilitarisierung des Flughafens in Khartum.
Öffnung der Grenzen nach Ägypten, Äthiopien und zum Südsudan für Flüchtende sowie humanitäre Hilfe für sie.
Sanktionen gegen Einzelpersonen und sudanesische Firmen im Besitz der Rapid Support Forces oder der Sudanesischen Streitkräfte: Einfrieren von Geldern und Strafen für Unternehmen, die mit den Sanktionierten zusammenarbeiten.
Ermittlungen des Internationale Strafgerichtshofs gegen die Hauptverantwortlichen.
Unterstützung von Treffen der sudanesischen, Demokratiebewegung, auch mit erleichterter Visavergabe.
Foto: UNHCR/Charlotte Hallqvist
Zivilbevölkerung fordert Waffenstillstand
„Ein Waffenstillstand ist wichtig. Eine Machtteilung zwischen den kriegsführenden Generälen darf es aber nicht geben. Bei Verhandlungen über eine zukünftige Regierung müssen alle zivilen Kräfte beteiligt werden“, forderte Reinke.
Die Bilanz der bisherigen Kämpfe ist erschütternd: Mindestens 3.000 Tote, über 6.000 Verletzte. Drei Millionen Menschen sind auf der Flucht, 25.000 von humanitärer Hilfe abhängig.
Viele haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, Strom, Wasser und Lebensmitteln, der Mobilfunk fällt ständig aus, Frauen und Kinder werden Opfer von sexualisierter Gewalt. In Darfur zerstören die RSF und verbündete Milizen ganze Ortschaften und greifen gezielt bestimmte ethnische Gruppen wie die Masalit an. Internationale Beobachter warnen vor einem Völkermord.
Der Europarat prangert Menschenrechtsverletzungen gegen die Krimtataren auf der russisch besetzten Krim an.
Straßburg (dpa). „Die illegale Annexion der Krim durch Russland hat eine tragische Kaskade von Ereignissen und Maßnahmen in Gang gesetzt, die durch schwere und wiederholte Verletzungen der Menschenrechte der Krimtataren gekennzeichnet sind“, sagte die Menschenrechtsbeauftragte des Europarats, Dunja Mijatovic, in Straßburg am Dienstag anlässlich der Veröffentlichung eines Berichts zur Menschenrechtslage dort.
Foto: ZUMA Press Inc., Alamy
Vor einem Jahr startete Russlands großer Krieg gegen die Ukraine. Aber Einwohner der Krim leben seit neun Jahren unter russischer Besatzung. Während Moskaus repressive Politik Menschen aus allen Lebensbereichen betrifft, besteht kein Zweifel darüber, dass die krimtatarische Bevölkerung unverhältnismäßig stark Ziel von Unterdrückung wurde.
Gleb Golod, MEDUZA
Rechte der Krimtataren werden verletzt
Krimtataren werden demnach stigmatisiert, die übrige Bevölkerung der ukrainischen Halbinsel wird gegen sie aufgebracht.
Insbesondere die Krimtataren, die sich gegen die russische Besetzung wehrten oder eine andere Meinung äußerten, seien Verfolgung, Diskriminierung und Stigmatisierung durch die russischen Behörden ausgesetzt. Mijatovic forderte ein Ende aller willkürlichen Verhaftungen und Schikanen und die Durchsetzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit.
„Die Krimtataren waren im Laufe ihrer bewegten Geschichte einer nicht enden wollenden Reihe von Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt und wurden immer wieder zu Unrecht aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Sie haben genug gelitten. Das Unrecht, das ihnen zugefügt wurde und wird, muss wiedergutgemacht werden“, sagte die Menschenrechtsbeauftragte.
Die Krimtataren leben seit Jahrhunderten auf der Halbinsel im Schwarzen Meer. Große Teile der muslimischen Minderheit, die etwa zu Sowjetzeiten massiven staatlichen Repressionen ausgesetzt war, lehnen auch die jetzigen russischen Machthaber klar ab. Derzeit leben noch rund 254 000 Krimtataren auf der Krim.
Laut der Menschenrechtlerin Afize Karimova (Name auf Wunsch geändert) ist die krimtatarische Haltung gegenüber russischen Behörden „mit dem historischen Gedächtnis verbunden“. Und vor allem an die Massendeportation und Hinrichtung der tatarischen Intelligenz unter dem Stalin-Regime im Jahr 1944. Für sie war die Annexion der Krim 2014 keine Anomalie, sondern Fortsetzung einer jahrhundertelangen Unterdrückung.
Gleb Golod, MEDUZA
Der Europarat mit Sitz im französischen Straßburg ist gemeinsam mit seinem Gerichtshof für die Wahrung der Menschenrechte in den 47 Mitgliedstaaten zuständig. Er ist kein Organ der Europäischen Union.
Tilman Zülch, langjähriger Verfechter für die Rechte verfolgter Völker ist nach Angaben der von ihm gegründeten GfbV am 17. März im Alter von 83 verstorben.
Göttingen (GfbV). „Am 17. März starb unser Gründer und Vereinsvater, Freund und langjähriger Initiator unserer Menschenrechtskampagnen, Tilman Zülch, im Alter von 83 Jahren in Göttingen. Wir sind tief betroffen über diesen Verlust. Mit unseren Gedanken sind wir bei seinen Angehörigen und Freunden in aller Welt“, teilt Burkhard Gauly, Bundessvorsitzender der Gesellschaft für bedrohte Völker stellvertretend für Vorstand und Geschäftsstelle mit.
Tilman Zülch: Visionär der Menschenrechtsarbeit
Tilman Zülch war ein Visionär der Menschenrechtsarbeit. Sein Blick auf das Schicksal von verfolgten ethnischen und religiösen Minderheiten sowie indigenen Völkern, sein selbstloses Engagement gegen Völkermord und Vertreibung stehen heute beispielhaft für internationale Menschenrechtsarbeit. Denn die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass gerade Minderheiten, Völker ohne Staat und indigene Völker oftmals schutzlos der Verfolgung und Bedrohung, gar der Vernichtung ausgesetzt sind.
Dass sie eine internationale Lobby brauchen, die vehement für sie eintritt, war eine der Grundüberzeugungen von Tilman Zülch. Für ihn, geboren in Ostpreußen, mit seiner Familie vertrieben und geprägt durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit, stand fest, dass das Wissen um die Shoa dazu verpflichtet, heute Verantwortung zur Verhinderung von Genozid und Gewalt zu übernehmen.
Diese Prinzipien und Tilman Zülchs Haltung, den Menschen in den Blick zu nehmen, Empathie zu empfinden und zu zeigen, auch selbstlos Menschen in Not zu helfen, werden wir als Gesellschaft für bedrohte Völker in unserem täglichen Einsatz für Verfolgte in aller Welt beherzigen.
Biafra, Irak sowie Sinti und Roma
Gemeinsam mit Klaus Guercke gründete Tilman Zülch 1968 die „Aktion Biafra-Hilfe“, aus der die GfbV hervorging. Diese setzte sich für die zehn Millionen Angehörigen des Ibo-Volkes ein, die von der nigerianischen Regierung mit militärischer Unterstützung der Sowjetunion und Großbritanniens einer Hungerblockade ausgesetzt wurden.
Mit der kirchlichen Luftbrücke flog Zülch in den Biafra-Kessel und wurde direkter Zeuge des Aushungerns, dem zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Im Oktober 1968 hielt Günter Grass eine viel beachtete Rede auf der ersten großen Biafra-Demonstration in Hamburg. Persönlichkeiten wie Ernst Bloch, Heinrich Böll, Paul Celan, Helmut Gollwitzer, Erich Kästner, Siegfried Lenz oder Carl Zuckmayer unterstützten die Aktionen der Biafra-Hilfe.
In den nächsten Jahrzehnten gelang es Zülch, viele Menschen für die GfbV zu begeistern und an die Organisation zu binden: prominente Persönlichkeiten, Minderheitenvertreter, Vereinsmitglieder und über 30.000 Unterstützerinnen und Unterstützer.
Foto: Guillaume Le Bloas, Adobe Stock
Mit Tilman Zülch an der Spitze ist die GfbV immer wieder gegen den Strom geschwommen und hat sich nicht zuletzt für Volksgruppen eingesetzt, „von denen keiner spricht“, so der Titel eines der von Zülch herausgegebenen Bücher. Seit 1970 setzt sich die GfbV kontinuierlich für Kurden, Yeziden oder assyro/aramäische/chaldäische Christen im Nahen Osten ein.
So deckte die GfbV die Beteiligung deutscher Firmen am Aufbau der Giftgasindustrie und einer Kampfhubschrauberflotte im Irak auf, der in der kurdischen Stadt Halabja 5.000 Menschen zum Opfer fielen. 1977/78 wurde die erste große Europarundreise für indigene Delegierte aus 16 Staaten Nord- und Südamerikas organisiert – mit überwältigender öffentlicher Resonanz.
1979 bis 1981 machte die GfbV den bis dahin tabuisierten Holocaust an Sinti und Roma bekannt. Der von Zülch 1979 herausgegebene Band „In Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ (mit einem Vorwort des kürzlich verstorbenen Philosophen Ernst Tugendhat), ein gemeinsam mit dem Verband deutscher Sinti unter Romani Rose organisierter Trauermarsch zur KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen (1979) mit der damaligen Präsidentin des Europaparlaments, Simone Veil, und Heinz Galinski, damaliger Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie schließlich der Internationale Roma-Kongress (1981) in Göttingen unter Schirmherrschaft von Simon Wiesenthal und Indira Ghandi, mit 400 Roma-Delegierten aus 26 Staaten und fünf Kontinenten, brachten den Durchbruch:
Der Genozid wurde von der Bundesregierung anerkannt. Staatenlose Sinti erhielten ihre deutsche Staatsbürgerschaft zurück, die Bezeichnung Sinti/Roma anstelle von Zigeuner wurde durchgesetzt und die neu entstandenen Institutionen der Volksgruppe wurden nun staatlich gefördert.
Die lauteste Stimme für Bosniaken und Krimtataren
Die GfbV war die wohl lauteste und nachdrücklichste Stimme im deutschen Sprachgebiet, als im Bosnienkrieg (1992–95) Hunderttausende Europäer, bosnische Muslime, um ihr Leben liefen, vor geschlossenen Grenzen standen, in Konzentrations- und Vergewaltigungslagern, bei standrechtlichen Erschießungen und den Bombardements ihrer Städte starben.
Das Massaker von Srebrenica war der tragische Höhepunkt ihres Martyriums. Die GfbV organisierte 1993 die Bosnien-Demonstration vor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, dabei waren auch Marek Edelman, Kommandeur der Widerstandskämpfer im Warschauer Ghetto, der französische Philosoph Alain Finkielkraut und der litauische Präsident Vytautas Landsbergis.
Es folgten u.a. die große Bosnien-Demonstration mit 50.000 Teilnehmern in Bonn (1994), die Gründung des Bosnischen Forums (1994), der Aufbau eines symbolischen Friedhofes vor dem Wohnhaus von Bundeskanzler Helmut Kohl (1995) und der bosnische Genozidkongress in Frankfurt (1995). Auch hier gilt unser Dank der Unterstützung von Persönlichkeiten wie Rita Süssmuth, Christian Schwarz-Schilling und Martin Walser.
Schon seit den 1980er Jahren setzte sich die GfbV als eine der ganz wenigen Organisationen für sowjetische Dissidenten wie den Anführer der Krimtataren Mustafa Dzhemilev ein. Nur folgerichtig war daher auch die intensive Arbeit gegen die Kriege in Tschetschenien (1992-1994, 1999-2006), das Anprangern der entsetzlichen Verbrechen durch das Putin-Regime dort und die harte Kritik an der deutschen Russlandpolitik in den 2000er Jahren. Die GfbV unter Tilman Zülch machte die indigenen Krimtataren und die von rücksichtslosem Rohstoffabbau und Rassismus betroffenen indigenen Völker der russischen Arktis zu ihrem Anliegen.
Foto: ZUMA Press Inc., Alamy
„Für die Rechte so vieler Menschen“ (S. Wiesenthal)
1999 schrieb Simon Wiesenthal an Tilman Zülch: „Sie haben eine Organisation mit gegründet und aufgebaut, die allen Menschen, die sich bedroht fühlen, eine Anlaufstelle für Hilfe bedeutet, mag die Bedrohung gegen Einzelpersonen oder Gruppen gerichtet sein. Sie haben sich für die Rechte so vieler Menschen eingesetzt, dabei den Menschen in den Mittelpunkt Ihrer Bemühungen gestellt – ohne Rücksicht auf persönliche Nachteile und Anfeindungen – und auf diese Weise beispielgebend Großartiges geleistet. Ich war immer froh, auf Ihre Mitarbeit zählen zu können. Mögen Ihnen und Ihren Mitstreitern noch viele erfolgreiche Jahre und Aktionen beschieden sein!“
Zülch, der Herausgeber einer Reihe von Büchern über Völkermord und Vertreibung sowie der Zeitschrift „bedrohte Völker -–pogrom“ ist, erhielt für seinen unermüdlichen Einsatz als unbequemer Mahner und Warner zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, den Niedersachsenpreis für Publizistik, den Göttinger Friedenspreis, die Ehrenbürgerschaft der Stadt Sarajevo, den Bürgerrechtspreis des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma oder den Srebrenica Award against Genocide.
Zülch betrachtete diese Auszeichnungen auch als Anerkennung der Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Regionalgruppen sowie des Engagements der Mitglieder und Förderer der GfbV.
Sein von Ideologie und Parteipolitik unverstellter Blick für Unrecht, seine Tatkraft und Entschlossenheit, seine große Bereitschaft, Schwächeren bei der Durchsetzung ihrer Rechte zur Seite zu stehen, bleiben unser Vorbild. Wir werden ihm in unserem Verein ein liebevolles und ehrendes Andenken bewahren.
Das Menschenrecht, auf das jeder von uns Anspruch hat, frei von Hunger zu sein, ist heute stark in Gefahr. Inmitten multipler hungern immer mehr Menschen. (IPS). Am Tag der Menschenrechte […]
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