DIK nach 20 Jahren Bestand

Mit der DIK begann 2006 ein Austausch zwischen Staat und Muslimen. Ein Durchbruch, sagen Forschende. Was sie in 20 Jahren erreicht hat und warum es Streit um die Teilnehmenden gab.

28.09.2026 .Redaktion 4 Min. Lesezeit
dik politik rückblick schäuble

Im Laufe der DIK gab es immer wieder Kritik daran, dass sich die Konferenz zu stark auf Sicherheit und Extremismus fokussiere. (Foto: BMI/Henning Schacht)

(Mediendienst Integration). Vor 20 Jahren, am 27. September 2006, eröffnete der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die Deutsche Islamkonferenz (DIK). Das Ziel: Einen Austausch zwischen Muslimen und dem Staat aufbauen.

Denn es gab kaum Regelungen – für islamische Bestattungen, Religionsunterricht oder die Ausbildung von Imamen. Von Beginn an standen auch Sicherheitsfragen und extremistischer Islamismus auf dem Programm, die Zeit lebte unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September und der folgenden Anschläge in Europa.

Ein staatlicher Dialog mit Muslimen – dagegen gab es in der Politik Vorbehalte. „Wolfgang Schäuble nutzte seine Reputation und Präsenz, um das durchzusetzen“, sagt die Islamwissenschaftlerin Riem Spielhaus.

Imo|photothek.net / Deutsche Islam Konferenz

Sie hat die Konferenz als Wissenschaftlerin begleitet. Bis 2006 habe es auf Bundes- und Länderebene kaum Kommunikation mit muslimischen Interessenvertretern gegeben, sondern eine Blockadehaltung.

Mit der Deutschen Islam Konferenz änderte sich das – dort kommen seit 2006 muslimische Akteur*innen mit Vertreter*innen von Bund, Ländern und Kommunen zusammen. „Die Deutsche Islam Konferenz war ein Durchbruch“, sagt Spielhaus.

Die DIK ist nicht nur Diskussionsraum, sondern stieß auch zahlreiche Vorhaben an. „Die Konferenz hat viel verändert und möglich gemacht“, sagt Spielhaus. Etwa den Islamischen Religionsunterricht an Schulen oder Islamische Theologie an Universitäten.

Erste Überlegungen, Islamischen Religionsunterricht an Schulen einzuführen, gab es schon in den 1970er Jahren. Lange Zeit stockte das Projekt. In der ersten Phase der DIK (2006-2009) erarbeiteten dann Vertreter*innen von Bund, Ländern und islamischen Akteuren erste rechtliche Grundlagen und Empfehlungen. Heute gibt es in neun Bundesländern Islamunterricht an Schulen.

Religion Zentralrat Religionsunterricht

Foto: Jasmin Merdan, Shutterstock

Im Schuljahr 2025/26 nahmen rund 84.500 Schüler*innen teil, wie eine neue Recherche des „Mediendienstes Integration“ zeigt. Die Zahl hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. „Dass es heute diesen Islamunterricht gibt, ist ein Verdienst der DIK“, sagt Spielhaus. Das Angebot decke aber noch lange nicht den Bedarf.

2009 empfahl die DIK, Islamische Theologie an Hochschulen in Deutschland zu etablieren – etwa, um Lehrkräfte für den Religionsunterricht auszubilden. Bereits 2011 eröffneten erste Standorte, der Bund förderte den Aufbau.

Heute wird in Deutschland an zwölf Hochschulen Theologie oder Religionspädagogik gelehrt. In Münster eröffnete diesen Sommer eine eigenständige Fakultät. „Mittlerweile haben wir in der Islamischen Theologie ein Ausbildungssystem, das weltweit führend ist“, sagt der Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Er hat als Wissenschaftler bei allen Phasen der DIK mitgewirkt.

Im Laufe der DIK gab es immer wieder Kritik daran, dass sich die Konferenz zu stark auf Sicherheit und Islamismus fokussiere. „Es ist ein Problem, wenn Sicherheit zum Hauptthema gemacht wird oder Muslime unter Generalverdacht geraten“, sagt Spielhaus. Es sei aber eine Chance, islamische Organisationen beim Thema einzubeziehen.

Um Sicherheitsbehörden und muslimische Communities zu vernetzen, entstand auf Vorschlag der DIK das Kooperationsnetzwerk Sicher Zusammenleben. Im Jahr 2010 sagte der Zentralrat der Muslime aus Protest seine Teilnahme an der Konferenz ab. Die Begründung: Das Bundesinnenministerium wolle das Thema antimuslimischer Rassismus nicht auf die Agenda setzen.

Muslimfeindlichkeit Expertenkreis

Foto: Markus Spiske, via flickr | Lizenz: CC BY 2.0

Später nahm sich die DIK des Themas an. Gefördert von der Konferenz erschien 2023 ein umfassender Forschungsbericht zu antimuslimischem Rassismus in Deutschland.

Mathias Rohe war einer der Koordinatoren des unabhängigen Expertenkreises, der den Bericht verfasste. „Antimuslimischer Rassismus ist immer noch ein Alltagsphänomen“, sagt der Forscher – etwa bei der Jobsuche oder auf dem Wohnungsmarkt.

Für Kontroversen sorgte immer wieder die Zusammensetzung der DIK. In den ersten drei Phasen lud das Innenministerium eine feste Gruppe von Verbänden und zu Beginn auch Einzelpersonen ein.

Daran gab es von vielen Seiten Kritik: Konservative islamische Verbände würden zu viel Gewicht bekommen und nur einen Bruchteil der Muslime in Deutschland vertreten, liberale Stimmen fehlten. Andere kritisierten, wortstarke Einzelpersonen würden zu viel Raum einnehmen.

Dass es Streit um die Teilnahme gibt, findet Rohe normal. Schließlich habe die DIK den Teilnehmern Zugang zu politischen Entscheidungsträgern gegeben: „Es geht darum, wer an den Tisch darf und wer nicht“. Mittlerweile wechselt die Zusammensetzung je nach Thema. Neben islamischen Verbänden sind heute zunehmend zivilgesellschaftliche Organisationen vertreten.

* Gekürzter Nachdruck im Rahmen einer CC-Lizenz. Dieser Beitrag erschien am 17. September auf der Website des Mediendienstes.

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