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Vom Krieg zerrissen: Wie den Jemeniten helfen?

Ausgabe 337

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Foto: WFP, Asma Waguih

Jemen: Trotz möglicher Lösungen für den Jemenkrieg, leiden Millionen akut unter seinen Folgen.

(IPS). Ende Mai veranstalteten die Vereinten Nationen ihre jährliche Woche zum Schutz von Zivilisten. Die Themen der Veranstaltungen spiegelten viele der drängenden Probleme im Jemen wider, wo der Konflikt seit Jahren anhält. Von Abdulwasea Mohammed

Obwohl es angesichts laufender Friedensverhandlungen eine gewisse Hoffnung gibt, leiden Millionen Jemeniten weiterhin unter akuten Auswirkungen des Krieges. Konflikte und Hunger sind im Jemen wie überall auf der Welt eng miteinander verwoben. Kampfhandlungen sind nach wie vor die Hauptursache für extremen Nahrungsmittelmangel.

Foto: Ibrahem Qasim | Lizenz: CC BY-SA 4.0 international

Jemen: Millionen direkt oder indirekt durch Krieg gefährdet

Die humanitäre Hilfe, die Nahrungsmittel, Bargeld und sauberes Wasser umfasst, rettet täglich Leben. Aber ohne klare Anzeichen für einen dauerhaften Frieden können der Hunger und andere potenziell tödliche Herausforderungen nicht beendet werden.

Das Gleiche gilt für ökonomische Faktoren. Die meisten übersehen die Folgen einer zerstörten Wirtschaft für die Lebensmittelunsicherheit von katastrophalen Ausmaßen. Wir brauchen sowohl einen inklusiven Frieden als auch umfassende Wirtschaftsmaßnahmen, damit die Jemeniten überleben und sich erholen können.

Jahrelange Sanktionen, anhaltende finanzielle Schocks und die ökonomische Verschlechterung sowie die gestiegenen Preise für Brennstoffe und Nahrungsmittel und die Unterbrechung der Lebensgrundlagen und Dienstleistungen lassen Millionen hungern.

Die Weltbank schätzt, dass rund die Hälfte der 233.000 Todesfälle seit 2015 auf indirekte Auswirkungen des Krieges zurückzuführen sind – auf den Mangel an Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur. Schmerzhafter ist, dass es in vielen Gebieten zwar reichlich Lebensmittel auf den Märkten gibt, die meisten sie sich aber nicht leisten können.

7 Jahre Not im Jemen. Foto: Islamic Relief

Überwältigende Konsequenzen

Die indirekten Konsequenzen sind überwältigend. Bedauerlicherweise kommen direkte Auswirkungen von Kämpfen auf die Nahrungsmittelproduktion und die wichtige Infrastruktur hinzu. Oxfam hat dokumentiert, dass Landwirtschaftsbetriebe angegriffen, Fischerboote beschossen und nicht explodierte Sprengkörper, Streumunition und Landminen verwendet werden. Letzteres macht Anbauflächen unbrauchbar.

Um allen Bedrohungen und ihren verheerenden Auswirkungen zu begegnen, braucht man gemeinschaftsbasierte und -geführte Maßnahmen. Dieser Ansatz lässt sich auf alle Bereiche der humanitären Hilfe und auf die ersten Schritte der Erholung anwenden.

In Krisenzeiten sind Gemeindevorsteher, lokale Organisationen und Nachbarn die wahren Ersthelfer, die als erste kommen und lange bleiben, wenn größere Gruppen abreisen müssen. Sie sind in mancher Hinsicht wirksamer und verfügen über das Wissen, um den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft zu helfen. Sie brauchen mehr Mittel, um ihre Arbeit effektiv zu erledigen.

Dies ist eine konkrete Möglichkeit für die internationale Hilfe, im Jemen jetzt und in Zukunft etwas zu bewirken – die Unterstützung für den Schutz der Bevölkerung und die Finanzierung lokaler Organisationen neu zu gestalten und zu überarbeiten. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Aufbau von Vertrauen und langfristigen Beziehungen.

Foto: Mahmoud Fadel, World Food Programme (WFP)

Humanitäre Hilfe ist kompliziert

Wie alle humanitären Maßnahmen ist die Arbeit im Jemen kompliziert. Manchmal läuft die Zeit für die Finanzierung ab, bevor ein Projekt überhaupt begonnen hat, nachdem man sich mit sicherheitspolitischen, logistischen und bürokratischen Herausforderungen auseinandergesetzt hat.

Natürlich können lokale Gruppen eine der größten humanitären Krisen der Welt nicht allein bewältigen. Organisationen wie Oxfam sollten auf ihre Prioritäten hören und prüfen, wie sie die laufende Arbeit am besten unterstützen können.

Unter Berücksichtigung aller Risiken und Ansätze ist es von entscheidender Bedeutung, dass Strategien und Programme zur Bekämpfung des konfliktbedingten Hungers die spezifischen Bedürfnisse und Erfahrungen der am meisten gefährdeten Menschen wie Frauen und Binnenvertriebene mit einbeziehen.

Jenseits aller anderen Dinge müssen wir Kernursachen des Konflikts und seiner Auswirkungen ganzheitlich adressiert werden. Damit es Fortschritte geben kann, muss sichergestellt werden, dass eine Friedenslösung die Stimmen von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen einschließt. Gleichzeitig müssen seine Ursachen wie politische und wirtschaftliche Ungleichheit angegangen werden, die zum Krieg beigetragen haben.

Mit mehr Mitteln in den richtigen Händen und einem erneuten Engagement für den Frieden können die Jemeniten – und alle anderen, die in einer ähnlichen Spirale von Hunger und Unsicherheit gefangen sind – einen hoffnungsvollen Weg in die Zukunft finden.

* Der Autor ist Kampagnenmanager bei der Hilfsorganisation Oxfam.