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Museumsdirektor will stärker auf Flüchtlinge zugehen

Foto: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Antje Kanzler

Berlin (KNA). Museen für Geflüchtete zu öffnen und sie dafür zu begeistern ist nach Aussage des Direktors des Museums für Islamische Kunst in Berlin, Stefan Weber, eine Herausforderung. „Museen sind nicht leicht zu erobern“, sagte Weber am 14. Dezember bei einer Podiumsdiskussion des Deutschen Kulturrats. Die Staatlichen Museen zu Berlin hätten sich daher viele Gedanken gemacht, wie sie Zugewanderte aus fremden Kulturräumen ansprechen könnten.
Ein sehr erfolgreiches Projekt sei „Multaka“, bei dem Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak anderen Geflüchteten ihre Geschichte zu den Exponaten erzählten und sie durch die Museen führten. „Wenn sie einmal drin sind, bleiben sie“, sagte Weber. Der Austausch mit den Geflüchteten sei zudem für die Mitarbeiter der Museen eine große Bereicherung, fügte Weber hinzu.
Der Museumsdirektor berichtete auch über das Projekt „Tamam“. Hierbei werde in Moscheegemeinden für kulturelle Bildung geworben. Er habe bei den Gemeinden eine sehr große Offenheit erlebt, sagte Weber. Dabei gehe es auch viel um Kommunikation. „Meine Sprache und meine Inhalte sind für die meisten einfach unverständlich“, sagte Weber. Wissenschaftler müssten lernen, neue Vermittlungskompetenzen zu entwickeln.
Er hätte jedoch gehofft, so Weber, dass die Politik leichter Mittel zur Verfügung stelle, um solche interkulturellen Bildungsprojekte langfristig zu unterstützen. Ohne eine lange Bindung sei es schwierig, solche Projekte gut und dauerhaft zu bewerkstelligen, sagte Weber.
Der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, klagte über grundsätzliche Defizite in der kulturellen Bildung. „Schule ist der einzige Ort, wo ich wirklich alle Kinder und Jugendliche erreichen kann“, erinnerte Höppner. Beim Musikunterricht etwa sei der Zustand an Schulen jedoch lausig.
Bürgerschaftliches Engagement in der Arbeit mit Flüchtlingen und Zugewanderten müsse von politischen Strukturen und von hauptamtlichen Kräften unterstützt werden, sagte Höppner. Dafür müsse Geld in die Hand genommen werden, mahnte er. Projekte seien sehr wertvoll, aber wichtig sei eine strukturelle und dauerhafte Förderung.
Die Leiterin der Frankfurter Stadtbibliothek, Sabine Homilius, sagte, dass etwa Bibliotheken gerade beim Erlernen der Sprache Begegnungen schaffen könnten. „Bibliotheken sind sehr offene Orte“, so Homilius. Viele Geflüchtete kämen gerne dorthin.