Muslime in Großbritannien: Die eigene Vielfalt als Stärke nutzen

Die muslimische Bevölkerung Großbritannien mit rund 3,37 Millionen Angehörigen (2019) hat jetzt schon erhebliche Stärken bei Soft und Hard Power. Man kann den Standpunkt vertreten, bei ihr handelt es sich um die wortgewaltigste Minderheit im Westen. Bisher ist es ihr trotz der Versicherheitlichung nach 9/11 gelungen, ein staatlich erzwungenes Vertretungsgremium zu verhindern. Von Yahya Birt […]

16.12.2022 .Redaktion 8 Min. Lesezeit
Pandemie Muslime Großbritannien

Foto: Rocketclips, Inc., Shutterstock

Die muslimische Bevölkerung Großbritannien mit rund 3,37 Millionen Angehörigen (2019) hat jetzt schon erhebliche Stärken bei Soft und Hard Power. Man kann den Standpunkt vertreten, bei ihr handelt es sich um die wortgewaltigste Minderheit im Westen. Bisher ist es ihr trotz der Versicherheitlichung nach 9/11 gelungen, ein staatlich erzwungenes Vertretungsgremium zu verhindern. Von Yahya Birt

(Ayaan Institute). Die wichtigsten strategischen Schritte für sie sind Professionalisierung und Konsolidierung der Interessenvertretung, die Diversifizierung der politischen Zugkraft auf lokaler Ebene, das Überdenken des öffentlichen islamischen Diskurses weg von der Dreiecksbeziehung zwischen dem muslimischen Minderheitenstatus und der unreflektierten Förderung dekontextualisierter auswärtiger Agenden sowie der Ausbau der Kapazitäten muslimischer Onlinemedien und des Kreativsektors im Allgemeinen.

Die Muslime des Landes haben sich bereits erhebliche Stärken als eine Minderheit aufgebaut, der es gelungen ist, ihren Einfluss zu projizieren. Nach der letzten Schätzung des landesweiten Büros für Statistik leben in England und Wales 3,37 Millionen Muslime (Stand: 2019, 5,7 Prozent der Bevölkerung). Auch wenn ihr zunehmender Einfluss ab 1989 einsetzte, gehen die Wurzeln ihrer Interessenvertretung über 100 Jahre zurück. 1885 wurde die erste islamische Vereinigung in London gegründet. 1890 kam eine Moscheegemeinschaft von Konvertiten in Liverpool hinzu. Innerhalb des imperialen Kontextes setzten sie sich für muslimische Rechte ein. Beispielsweise machten sie sich für bessere britisch-osmanische Beziehungen stark. Während und nach dem Ersten Weltkrieg kritisierten sie das Sykes-Picot-Abkommen, die Auflösung des Osmanischen Reiches und forderten ein Ende der Kolonialherrschaft in Indien.

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