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Österreich: Kritik an Webseite zu Moscheen hält an

Foto: Photo 500, Adobe Stock

Bonn (KNA). Die Kritik an der inzwischen aus dem Internet genommenen „Islam-Landkarte“ für Österreich hält an. Der Wiener Kardinal und Erzbischof Christoph Schönborn sagte in seiner Fronleichnamspredigt im Stephansdom, er sorge sich um den Erhalt des Religionsfriedens in Österreich. Bei aller berechtigten Vorsicht und Sorge um die öffentliche Sicherheit dürfe nie vergessen werden, dass jeder Mensch völlig unabhängig von Herkunft und Weltanschauung als Ebenbild Gottes „eine unzerstörbare Würde“ habe. Und dazu gehöre auch der Respekt vor der „Gegenwart Gottes im Leben der anderen Religionen“.

Der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner und Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, erklärte am 3. Juni: „In einer Zeit, in der viele Umfragen bestätigen, dass die antimuslimische Stimmung in Österreich und in ganz Europa zunimmt“, stigmatisiere die Karte alle in Österreich lebenden Muslime als potenzielles Sicherheitsrisiko.

Er kritisierte insbesondere, dass die Karte auch interreligiöse Organisationen wie den Muslim Jewish Leadership Council, dessen Co-Vorsitzender Goldschmidt ist, mit einschließe. „Wir fordern die österreichische Regierung nachdrücklich auf, ihre Verpflichtungen zur Achtung der Rechte auf Vereinigungsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit einzuhalten“, so der Rabbiner.

Der Schweizer Soziologe Marc Helbling mahnte zu einer differenzierteren Sicht auf den Islam in Österreich und Europa. Der Einfluss des politischen Islam dürfe sicher nicht unterschätzt werden, sagte der Integrationsforscher im Deutschlandfunk. „Studien zeigen immer wieder, dass es viele Muslime gibt, die fundamentalistische Überzeugungen haben.“ Weil es aber auch sehr viele gemäßigte Gläubige gebe, müsse man „sehr vorsichtig sein, wie man an die Öffentlichkeit tritt“, so Helbling, der auch neuer Hans-Blumenberg-Gastprofessor am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Universität Münster ist.

Die spärlichen Informationen zu den in der Karte aufgeführten muslimischen Moscheen und Vereinen sowie die Tatsache, dass die Wiener Dokumentationsstelle Politischer Islam als Herausgeber fungiere, berge die Gefahr, moderate und fundamentalistische Einrichtungen zu vermengen. Die in den vergangenen Tagen besonders kritisierte Angabe der jeweiligen Adressen dieser Einrichtungen sei zudem auch irrelevant für eine wissenschaftliche Diskussion.

Die vergangene Woche von der Dokumentationsstelle Politischer Islam veröffentlichte Islam-Landkarte verzeichnet mehr als 600 islamische Vereine und Moscheen in Österreich mit genauer Ortsangabe und den dahinter stehenden Dachorganisationen. Nachdem Unbekannte in den vergangenen Tagen „Warnschilder“ aufgestellt hatten, nahmen die Herausgeber, darunter auch das Institut für islamisch-theologische Studien der Universität Wien, die Karte aus dem Netz.