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Roma in Ost- und Südosteuropa leiden besonders unter Corona-Pandemie

Foto: Gonzalo Bell, Shutterstock

Göttingen (GfbV/iz). Anlässlich des Welt-Roma-Tages (8. April) und des 50. Jahrestages des ersten Welt-Roma-Kongresses (1972) weist die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) darauf hin, dass die Roma-Minderheit in Osteuropa und auf dem Westbalkan besonders schwer unter der Corona-Pandemie leidet.

„Während sich Roma vor Corona mit Lohnarbeit oder durch Altpapier- und Altmetallhandel einigermaßen über Wasser halten konnten, ist das heute kaum mehr möglich. Viele Roma sind ins tiefste Elend abgerutscht, müssen betteln oder im Abfall nach Verwertbarem suchen“, berichtete Jasna Causevic, Expertin für Südosteuropa der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), am Mittwoch in Göttingen.

Die Menschenrechtlerin warnte: „Es besteht die große Gefahr, dass all die winzigen Fortschritte zur Verbesserung der Lage der Roma in Ost- und Südosteuropa, die vor allem einem erstarkten Selbstbewusstsein der Roma und besonders dem Engagement des Roma-Frauennetzwerks zu verdanken sind, durch die Pandemie zunichtegemacht werden.“

Es drohe eine „verlorene Generation“ heranzuwachsen, da auch die Roma-Kinder, die früher zur Schule gehen konnten, heute nicht am digitalen Unterricht teilnehmen könnten, weil Internetanschluss und Computer fehlten oder es keine Hilfe im Umgang mit gedruckten Materialien gebe.  

Während sich die Roma in Westeuropa mittlerweile einer größeren Akzeptanz erfreuen könnten, seien sie in Südosteuropa wie in Serbien, Montenegro, Kosovo, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien bis heute Opfer einer fortdauernden Apartheidpolitik, sagte die Menschenrechtlerin. Roma würden bei der medizinischen Versorgung, in der Bildung, bei Beschäftigung und Wohnen systematisch benachteiligt und ausgegrenzt. „Die Strategien der EU sowie alle nationalen Bemühungen und Gesetze haben an der prekären Gesamtlage im Osten Europas kaum zu Gleichstellung und Teilhabe der Roma geführt“, kritisierte Causevic.

90 Prozent von ihnen seien arbeitslos, Zehntausende lebten in Slums, hätten kaum Zugang zu medizinischer Versorgung, Kinder würden in der Schule diskriminiert und die Zahl der Analphabeten unter Roma sei nach wie vor enorm hoch. Roma-Frauen würden zwangsverheiratet und dürften sich nicht bilden.  

„Die Roma-Minderheiten in Osteuropa und auf dem Westbalkan brauchen sofort unbürokratische Unterstützung der EU“, forderte Causevic. Denn in einigen Staaten wie beispielsweise in Bosnien und Herzegowina würden Roma auch verfassungsrechtlich diskriminiert. Sie seien nicht einmal als Minderheit anerkannt und könnten laut geltendem Gesetz nicht für das Staatspräsidium oder Parlament kandidieren.

Mit zehn bis zwölf Millionen Angehörigen stellen die Roma die größte ethnische Minderheit Europas. Etwa sechs Millionen von ihnen leben in der EU. Auch dort werden sie trotz des Diskriminierungsverbots Opfer von Vorurteilen und sozialer Ausgrenzung.

Zusatzinformationen: Vom 7. bis zum 9. April organisiert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma die „Sinti und Roma Jugendkonferenz: Gemeinsam für Emanzipation und Empowerment“:

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