Nach Moschee-Brand: Rassismus nicht vorschnell ausschließen

Berlin (KNA). Türkische Organisationen haben vor einem übereilten Ausschluss rassistischer Motive bei Straftaten gewarnt. Dies sei bei dem Brandanschlag am 12. August auf die Mevlana-Moschee in Berlin-Kreuzberg der Fall gewesen, kritisierten am Donnerstag die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) und der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB). Nun seien die Sicherheitskräfte eines Besseren belehrt worden.

Die Berliner Polizei hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass sie nun von einem Anschlag ausgehe. Zuvor hatte sie bei dem Brand an einem neuen Anbau der Moschee auch einen technischen Defekt oder fahrlässige Handhabung von brennbaren Flüssigkeiten für möglich gehalten. Islamfeindlichkeit und Rassismus müssten in der Gesellschaft breiter debattiert werden, forderten der TGD-Bundesvorsitzende Safter Cinar und TBB-Vorstandsmitglied Ali Sönmez nach einem Besuch der Brandstelle.

Lassen sich aus den Brandanschlägen Bedeutungen für die Community ableiten?

(iz). Nach einer versuchten Brandstiftung durch Unbekannte auf eine Bielefelder Moschee am 11. August kam es am Morgen des 18. August zu einem ähnlich gelagerten Anschlagversuch auf eine andere muslimische […]

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Ali Kizilkaya: Deutschland ist „nicht islamfeindlich“

(iz). In den letzten zwei Wochen ließen mehrere Brandanschläge auf Moscheen in Berliner und Bielefeld die muslimische Gemeinschaft aufhorchen und machte viele, nicht nur die Gemeinden vor Ort, betroffen. Viele Muslime stellen sich nicht nur Fragen nach der Sicherheit ihrer Einrichtungen, sondern auch nach der Zukunft eines gedeihlichen Zusammenlebens. Insbesondere ein größeres Interesse von Politik und Medien wurde in sozialen Medien wie Facebook weithin angemahnt.

Darüber sprachen wir mit dem amtierenden Sprecher des Koordinationsrates der Muslime und Vorsitzenden des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland, Ali Kizilkaya, über seine Eindrücke bei Besuchen in Berlin und Bielefeld, über unangemessene historische Vergleiche sowie über nachbarschaftliche Solidarität. „Es gibt in Deutschland leider Islamfeindlichkeit, aber Deutschland ist nicht islamfeindlich“, sagte er.

Islamische Zeitung: Lieber Ali Kizilkaya, Sie haben, als derzeitiger Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM), von Brandanschlägen betroffene Moscheen in Berlin und Bielefeld besucht. Was haben Sie empfunden, als sie die angegriffenen Gemeinden besucht haben?

Ali Kizilkaya: Am Ort des Geschehens bekommt man natürlich einen viel besseren Eindruck, als über Medienberichte und Fotos. Ich war tief betroffen und schockiert. Angesichts der mutlosen Zerstörung kommt man sich im ersten Augenblick hilflos vor.

Islamische Zeitung: Brandschläge auf Moscheen häufen sich in den letzten Jahren und gerade in diesen Tagen hat man dies deutlich gesehen. Wie ist die Stimmung bei den betroffenen Gemeinden?

Ali Kizilkaya: Man spürt, dass sich die Gemeinden alleingelassen fühlen. Sie können nicht nachvollziehen, woher dieser Hass gegen sie kommt. Sie, die sich doch so sehr darum bemühen, als selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft angenommen zu werden.

Islamische Zeitung: Ergreifen diese und andere Gemeinden Ihrem Kenntnisstand nach konkrete Gegenmaßnahmen, um sich vor weiteren Anschlägen zu schützen?

Ali Kizilkaya: Zuerst ist es natürlich wichtig, dass man wachsam ist und genau hinschaut. Natürlich erwartet man, dass die Politik und auch die Gesellschaft diese Herausforderung gemeinsam annehmen. Das sind Anschläge, die gegen unsere Gesellschaft gerichtet sind. Gebetshäuser, seien es Kirchen, Synagogen oder Moscheen, sind Orte, die eines besonderen Schutzes bedürfen. Insofern ist zu erwarten, dass alle aufmerksam sind. Man muss wachsam sein, aber es gibt keinen Grund zur Panik.

Islamische Zeitung: Sind – bei aller Empörung –, Vergleiche mit der NS-Zeit hilfreich?

Ali Kizilkaya: Nein. Sie verbieten sich sogar.

Islamische Zeitung: Lieber Herr Kizilkaya, wie bewerten Sie die Stimmung im Lande, gibt es auch Hoffnung?

Ali Kizilkaya: Es gibt in Deutschland leider Islamfeindlichkeit, aber Deutschland ist nicht islamfeindlich. Natürlich gibt es hier besonnene Stimmen, die aber leider noch viel zu zaghaft zu hören sind. Zu unserer Enttäuschung waren die Reaktionen bisher leider noch sehr verhalten. Politik und Medien haben dieses Thema bisher mehr oder weniger ignoriert.

Islamische Zeitung: Müsste man sich jetzt nicht konzentriert zusammensetzen, um konstruktive Strategien zu entwickeln?

Ali Kizilkaya: Das tun die Muslime bereits, auch wenn es nicht immer öffentlich zu erkennen ist. Jetzt haben wir eine neue Situation: Innerhalb einer Woche wurden drei Anschläge auf Moscheen verübt. Das gibt natürlich zu denken. Wir werden erst einmal innerhalb des Koordinationsrates der Muslime beraten, wie wir mit der Lage umgehen und was wir machen können.

Islamische Zeitung: Was können Muslime lokal tun, damit sich die Nachbarschaften solidarisch verhalten können?

Ali Kizilkaya: Solidarität sollte unabhängig von diesen Bränden behandelt werden. Moscheen sollten immer eine gute Beziehung zu ihren Nachbarn pflegen. Schließlich ist das auch eine islamische Pflicht. Solidarität entsteht dann von selbst.

Islamische Zeitung: Was gibt Ihnen die Energie und die nötige Zuversicht, um in dieser Zeit diese wichtige Arbeit zu machen?

Ali Kizilkaya: Zuerst, der Glaube. Zweitens, wir sind eine Gesellschaft, also gibt es keine Alternative zum Zusammenleben.

Islamische Zeitung: Lieber Ali Kizilkaya, wir bedanken uns sehr für das Interview.

Brandanschläge: Ein Bericht über die Berliner Mevlana-Moschee

(iz). In der Nacht zum 12. August kam es zu einem Brand am Rohbau der Berliner Mevlana-Moschee im Stadtteil Kreuzberg. Seitdem begann für die Gemeinde in Kreuzberg ein Gezerre um […]

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Betroffenheit in Bielefeld: „Die Mehrheit verurteilt diese Taten“

(iz). Neben der Berliner Mevlana-Moschee wurden auch zwei Bielefelder Gemeinden von unbekannten Tätern mit attackiert. Die erste traf es am 11. August. Zur Mittagszeit dieses Tages wurde in die Nakschibandiya-Tekke […]

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