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Religion als wichtiger Faktor. Rachel: Außenpolitik muss ihre Perspektive ernstnehmen

Thomas Rachel Religion Außenpolitik

Der Beauftragte der Bundesregierung für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Thomas Rachel, dringt auf eine deutlich stärkere Berücksichtigung religiöser Faktoren in der Außenpolitik. (iz). Der CDU-Politiker betont, dass sie für schätzungsweise vier […]

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Wenn Religion einen Krieg befeuern soll

religion krieg hegseth

Religion als Mittel zur Mobilisierung: Was haben die Kriege im Iran und im Nahen Osten mit Religion zu tun? 

(KNA/iz). Wer die Rhetorik der politischen Akteure verfolgt, bemerkt, wie religiöse Vorstellungen den Konflikt aufladen sollen. Das hat eine lange Tradition. Von Christoph Arens und Christoph Schmidt

Enthemmte Tiraden gehören zu seinem Standardrepertoire: Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister und selbsternannter Kriegsminister, verbindet aggressive Rhetorik gern mit christlichen Bildern und Inhalten.

Der 45-Jährige trägt ein Tattoo des Jerusalemkreuzes auf der Brust, ein Symbol aus der Zeit der Kreuzzüge. Auf seinem imposanten Bizeps steht „Deus Vult“, lateinisch für „Gott will es“ – ein historischer Schlachtruf der Kreuzritter.

Den Krieg gegen den Iran beschreibt der Pentagon-Chef als eine Art heiligen Krieg und Kreuzzug. Laut Medienberichten betete Hegseth bei einem Gottesdienst im Pentagon für „überwältigende Gewalt gegen diejenigen, die keine Gnade verdienen“. Und er bat Gott: „Lass jede Kugel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation ihr Ziel finden.“

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Foto: Marco Iacobucci Epp/Shutterstock

Papst Leo XIV. widersprach in aller Deutlichkeit: Gott dürfe nicht dazu missbraucht werden, Krieg zu rechtfertigen. Er sei „ein Gott, der den Krieg ablehnt“, sagte der aus den USA stammende Pontifex. Gott erhöre nicht das Gebet jener, die Krieg führten.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx fand am Osterfest noch deutlichere Worte: Es sei eine „schamlose Gotteslästerung“, wenn Hegseth dafür bete, dass jede Kugel im Iran-Krieg ihr Ziel treffe.

Gleiches gelte für die Aussage des orthodoxen Patriarchen von Moskau, Kyrill, der den von Russland begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine als einen „Heiligen Krieg“ bezeichne.

Zwar sind die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine eindeutig geopolitische Machtkämpfe. Doch Endzeitvisionen und religiöse Sprache tauchen immer wieder auf.

Religion verdichtet komplexe politische Zusammenhänge in einfache Erzählungen von einem göttlichem Plan. Religion soll im Kampf zwischen Gut und Böse mobilisieren und Widerstand zum Schweigen bringen:

Israel greift bei seinen Angriffen auf den Iran auf alttestamentliche Bezeichnungen zurück: Der 12-Tage-Krieg im Juni 2025 wurde unter dem Codenamen „Rising Lion“ geführt, der jetzige Krieg firmiert unter „Roaring Lion“. Beide spielen auf das vierte Buch Mose an: „Ein Volk, das sich erhebt wie ein Löwe.“

Chamenei

Foto: khamenei.ir

Der Iran lädt den Konflikt mit dem Westen schon seit der Islamischen Revolution von 1979 religiös auf: Die USA werden als „Großer Satan“ und Israel als „kleiner Satan“ bezeichnet. Der Kampf mit dem ungläubigen Westen wird als endzeitlicher Konflikt zwischen Gut und Böse dargestellt.

Gehören solche Denkschemata vielleicht sogar zur DNA von Christentum, Judentum und Islam? In den 1990er Jahren hat der Ägyptologe Jan Assmann die umstrittene These aufgestellt, der Glaube an den einen Gott habe Unterscheidungen wie Freund und Feind oder wahr und falsch zugespitzt – Denkmuster, die dann oft zu Gewalt gegen Andersgläubige führten.

Andererseits sind Gewaltlosigkeit und Frieden Kernbotschaften der monotheistischen Religionen. „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens“ – das Lukas-Evangelium etwa macht Weihnachten zum Friedensfest, und Jesus wird als „Friedensfürst“ bezeichnet.

Es lässt sich nicht bestreiten: In der Geschichte des Christentums findet sich eine Blutspur von Intoleranz und Grausamkeit – von der Zwangsmissionierung der Sachsen bis zu Ketzerverfolgung, Kreuzzügen und Religionskriegen, wie der Mittelalter-Experte Philippe Buc in seiner 2015 erschienenen Studie „Heiliger Krieg. Gewalt im Namen des Christentums“ darstellt.

Auch die Neuzeit kennt Beispiele für die Rechtfertigung der Gewalt durch die christliche Religion. Der frühere US-Präsident George W. Bush etwa rief nach dem 11. September 2001 den „Krieg gegen den Terror“ aus und bezeichnete ihn als „Kreuzzug“.

Wenn heutzutage „Dschihadisten“ Unbeteiligte ermorden, können sie sich nicht auf die klassische Lehre berufen. Ohnehin deutet die Mehrheit der islamischen Rechtsgelehrten den Dschihad heute als reinen Verteidigungskrieg.

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Wohlbefinden: Die Ruhe von Religionen lernen

bücher ruhe wohlbefinden

Das Wohlbefinden der Menschen kann erheblich beeinträchtigt werden, wenn bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung außer Acht gelassen wird.

(The Conversation). Als Wissenschaftlerin, die sich mit der Soziologie der Religion befasst, weiß ich, dass die Themen Ruhe und Besinnung in den meisten religiösen Traditionen tief verwurzelt sind und auch in unserem heutigen Leben nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Von Kristen Lucken

Die abrahamitischen Traditionen des Judentums, des Christentums und des Islam betrachten einen wöchentlichen Ruhetag als heiliges Recht und Pflicht der Gläubigen.

Der traditionelle jüdische Schabbat bietet einen 24-Stunden-Zeitraum, der am Freitag bei Sonnenuntergang beginnt und in dem die Hektik des Alltags zum Stillstand kommt. Die Gläubigen versammeln sich, um zu beten, gemeinsam zu essen, zu studieren und zu beten.

In ähnlicher Weise feiern praktizierende Muslime ihren besonderen Tag am Freitag. Dies ist eine Zeit, in der Muslime von der Arbeit freinehmen, um mittags am Jumu‘a teilzunehmen. Bei diesem Gebet in einer örtlichen Moschee halten Imame eine Predigt zu einer Reihe von intellektuellen, spirituellen und praktischen Themen und leiten die Gemeinde im Gebet.

Obwohl die Besucherzahlen rückläufig sind, begehen viele Christen den Sonntag durch den Gottesdienstbesuch, den gemeinsamen Gottesdienst, Musik und das Teilen des Abendmahls. Die christliche Variante des Sabbats ist eine Zeit der Ruhe, des Gebets, der Anbetung und der Zweisamkeit mit der Familie.

Richtungen des Islam, des Christentums und des Judentums sehen darüber hinaus regelmäßige Zeiten des Gebets und der Besinnung als Teil täglicher und jährlicher Zyklen vor. In der islamischen Tradition stellt das Innehalten zum Gebet im Laufe des Tages eine der fünf Säulen des islamischen Glaubens dar.

Durch die Praxis der Meditation beruhigen religiöse Praktiken die Sinne, um einen Zustand der Ruhe zu erreichen, von dem sie glauben, dass er ein gesteigertes Bewusstsein hervorbringt. Hindus, Buddhisten und Jains lehren das Konzept des Dhyana, was im Allgemeinen mit „Kontemplation“ übersetzt wird.

Durch Yoga, Meditation und andere kontemplative Praktiken können Praktizierende einen Zustand meditativen Bewusstseins und Selbstwahrnehmung erreichen, der zu einer besseren geistigen, körperlichen und spirituellen Gesundheit führen kann.

Religionen betonen die Notwendigkeit von Ruhe und stiller Besinnung, damit sich unser überladener Verstand auf das Beten und andere kontemplative Praktiken konzentrieren kann. Der Apostel Paulus erläutert, wie die Pflege der „Frucht des Geistes“ durch Gebet und Kontemplation uns zur Geduld führt und vom Egozentrismus wegbringt.

Buddhisten glauben, dass geistige Beruhigung durch Meditation den Menschen helfen kann, zu erkennen, dass ihre Gefühle, Wahrnehmungen, Weltanschauungen und sogar das Selbst vergängliche Aspekte des Lebens sind, die Leiden verursachen können. Es kann den Menschen auch unterstützen, über ihre Verbundenheit mit der Welt um sie herum nachzudenken.

Ruhe und Versenkung helfen gläubigen Personen, sich mit den tieferen Quellen der Sinnhaftigkeit zu verbinden, die sie durch das Studium der Heiligen Schrift, Meditation und Gebet zu pflegen suchen.

Wie der amerikanische Trappistenmönch Thomas Merton in seinem 1948 erschienenen autobiografischen Werk „The Seven Story Mountain“ erklärt, ist Kontemplation eine Zeit der Ruhe, der Unterbrechung jeglicher Tätigkeit und ein „Rückzug in die geheimnisvolle innere Einsamkeit, in der die Seele in der unermesslichen und fruchtbaren Stille Gottes versinkt“.

Die Medizin ist zu einem unerwarteten Verbündeten der Religion geworden, wenn es darum geht, die positiven Auswirkungen dieser religiösen Praktiken zu bestätigen. Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Auszeiten, Lernen und Kreativität festgestellt.

Schlaf, Spaziergänge in der Natur und Bewegung bieten eine Reihe von Vorteilen, die die Lebensqualität steigern, darunter ein besseres Gedächtnis, höhere Produktivität und eine bessere körperliche Gesundheit.

Jüngste Fortschritte in der Neurobildgebung haben es Forschern ermöglicht, Veränderungen im Gehirn während intensiver Gebete, Yoga und Achtsamkeitsmeditation zu beobachten. Wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Ausübung dieser Praktiken zu besserer Gesundheit und mehr Wohlbefinden führen kann.

Eine Vielzahl klinischer Studien zu Achtsamkeits-, Dezentrierungs- und Akzeptanztherapien kommt zu dem Schluss, dass regelmäßige Meditation das Hirn physisch verändern und dessen Reaktion auf die Umwelt beeinflussen kann.

So wurde beispielsweise festgestellt, dass diese Praktiken die neuronalen Bahnen des Gehirns umstellen und neue Netzwerke bilden, was zu einer Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens führen kann.

* Übersetzt und veröffentlicht im Rahmen einer CC-Lizenz.

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Bildungsreihe für bessere pädagogische Qualifizierung abgeschlossen

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Bericht über den Abschluss der ersten bundesweiten Seminarreihe „Islampädagogische Arbeit mit Kindern“ in Frankfurt.

(iz). Ende Dezember fand im Saalbau Titus-Forum in Frankfurt das erste bundesweite Fortbildungsseminar zur islampädagogischen Arbeit mit Kindern seinen feierlichen Abschluss. Nach einem Jahr intensiver Arbeit war dies ein wichtiger Moment, um ein Projekt abzuschließen, das in dieser Form bislang einmalig ist. Von Karima Elmazdoula

Die Seminarreihe wurde im Namen der Islamischen Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe (IASE e.V.) unter der Leitung von Karima Elmazdoula umgesetzt sowie gemeinsam mit Dr. Ali Özgür Özdil konzipiert und entwickelt. Das Format stellt den ersten professionellen Weiterbildungskurs in Deutschland dar, der sich systematisch mit islampädagogischer Arbeit mit Kindern befasst.

Sie erstreckte sich über ein Jahr und vereinte über 40 pädagogisch Tätige aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern aus ganz Deutschland und Österreich. Ziel war es, eine fachlich fundierte, zeitgemäße (religions-)pädagogische Qualifizierung anzubieten, die dort ansetzt, wo klassische Ausbildungen häufig zu kurz greifen.

Fotos: Autorin

Viele pädagogisch Tätige arbeiten mit muslimischen Kindern, ohne in ihrer Ausbildung vertieft mit religionspädagogischen Fragen, professioneller Haltung oder islamischen Erziehungsgrundlagen in Berührung gekommen zu sein.

In 13 Modulen wurden unter anderem Fragen nach einer kindgerechten islampädagogischen Erziehung, des Verhältnisses von eigener religiöser Identität und gleichzeitig pädagogischer Professionalität sowie Fragen nach Grenzen und Verantwortung pädagogischen Handelns behandelt.

Inhaltlich spannte die Bildungsreihe einen breiten Bogen: von Bindung und Beziehung als Grundlage pädagogischer Arbeit über Didaktik und Methodik, den professionellen Umgang mit Eltern und interkulturelle Pädagogik bis hin zu konkreten religionspädagogischen Themen.

Mit diesem ersten Durchgang wurde ein grundlegender Baustein für die Weiterentwicklung islampädagogischer Arbeit gelegt. Die Absolventinnen und Absolventen dieser Weiterbildung sind Pionierinnen und Pioniere dieses Ansatzes und bilden den Ausgangspunkt für nachfolgende Generationen.

Sie wurden gezielt dazu befähigt, ihr Wissen in Teams, Einrichtungen und Fachkontexten weiterzugeben, als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu wirken und sind entsprechend zertifiziert.

Dr. Ali Özgür Özdil hat die Seminarreihe als Referent fachlich getragen. Seine Expertise und seine dialogische, zugewandte Vermittlung haben maßgeblich dazu beigetragen, dass komplexe Inhalte verständlich und praxisnah bearbeitet werden konnten.

Der große Zuspruch zur Seminarreihe bestätigt den hohen Bedarf an qualifizierten Fortbildungsangeboten in diesem Bereich. Der demografische Wandel und die gesellschaftlichen Veränderungen machen deutlich, wie wichtig es ist Qualität und Professionalisierung in der Bildung von Kleinkindern nachhaltig zu sichern. Entsprechend groß ist das Interesse an weiteren Formaten.

Die Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe (IASE e.V.) plant, die Inhalte des Seminars in Form eines praxisorientierten Fachbuches zu ergänzen und herauszubringen. Ein Meilenstein für die Professionalisierung in der islampädagogischen Arbeit.

Die Teilnehmenden der Seminarreihe zur islampädagogischen Arbeit mit Kindern blickten mit großer Zufriedenheit auf die Fortbildung zurück. Immer wieder fiel das Wort „Gewinn“ – gerade für Quereinsteiger, die sich in diesem Feld neu orientierten und Sicherheit im Umgang mit religiösen Themen suchten.

Das Seminar wurde als „toll“ und „sehr wertvoll“ beschrieben; viele betonten, wie sehr sie es ans Herz gelegt bekamen und dass sie es jeder Person empfahlen, die in irgendeinem Kontext mit Kindern arbeitete.

Besonders hervorgehoben wurde die Atmosphäre: Die Leichtigkeit, mit der Inhalte vermittelt wurden, die vielen Beispiele aus der Praxis und der Austausch in der Gruppe trugen dazu bei, dass neue Perspektiven entstehen konnten.

Fotos: Autorin

Die Teilnehmenden schätzten es, nicht nur frontal beschult worden zu sein, sondern von den Erfahrungen der anderen zu profitieren und gemeinsam an konkreten Situationen aus dem pädagogischen Alltag zu arbeiten. So wurde deutlich, wie wichtig Vernetzung war – über Professionen, Regionen und Einrichtungen hinweg.

Inhaltlich überzeugte der Kurs vor allem durch seine Verbindung von islamischen Werten und kindgerechter Pädagogik. Die Teilnehmenden betonten, dass islamische Inhalte sensibel, bewusst und zugleich verständlich vermittelt wurden.

Statt sich in abstrakten Theorien oder rein wissenschaftlichen Artikeln zu verlieren, gelang es dem Referenten Dr. Ali Özgür Özdil, einen nachvollziehbaren Bezug zur islamischen Theologie herzustellen und diesen auf alltägliche Situationen mit Kindern zu übertragen. Viele beschrieben die Fortbildung als „Wissensauffrischung mit Sensibilitätserweckung“, die bekannte Themen neu beleuchtete und eine längst fällige „Erfrischung“ bot.

Großes Lob erhielt der Referent selbst: Dr. Özdil wurde als professionell, humorvoll und didaktisch versiert geschildert. Seine Art, Kontroversen geschickt aufzugreifen und konstruktiv zu bearbeiten, hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck.

Die Methodik der Kommunikation mit verschiedenen Adressatengruppen und der Umgang mit islampädagogischen Themen wurden als besonders prägnant und förderlich beschrieben. Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten, dass sie den Islam gewissermaßen „mit Kinderaugen“ neu betrachten konnten und sich zugleich selbst reflektierten.

Auch Organisation und Rahmenbedingungen der Seminarreihe erfuhren viel Anerkennung. Die Module seien gut strukturiert, abwechslungsreich und kurzweilig gewesen, das Team wurde als flexibel und hilfsbereit geschildert. Dass selbst Details wie ein gelungener Abschluss mit gemeinsamem Essen positiv erwähnt wurden, zeigte, wie sehr sich die Teilnehmenden wertgeschätzt fühlten.

Am Ende blieb ein deutliches Fazit: Diese Fortbildung stärkte Haltung, fachliche Kompetenz und persönliche Sicherheit im Umgang mit religiösen Themen – und machte Lust auf mehr Vertiefung und Fortsetzung.

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Zur Politisierung des Heiligen

heilige religion

Das Heilige jenseits der Machtfragen: Wofür wird Religion noch gebraucht?

(iz). Religionskritik hat in den letzten Jahrzehnten einen paradoxen Erfolg errungen: Sie hat den öffentlichen Diskurs über Religion politisiert – und ihn damit verengt. Was ursprünglich ein menschliches Grundphänomen mit metaphysischen, epistemologischen, ethischen und kosmologischen Dimensionen ist, erscheint heute fast ausschließlich unter dem Blickwinkel politischer Macht, gesellschaftlicher Konflikte oder normativer Identitätsfragen. Religion wird damit zu einem Unterfall politischer Ideologie, statt als eigenständige Weise des Welt- und Selbstverhältnisses verstanden zu werden.

Diese Verschiebung ist nicht zufällig. Sie ist das Resultat einer langen Genealogie, die von der aufklärerischen Entzauberung der Welt über den Marxismus bis zu zeitgenössischen Formen der Ideologiekritik reicht.

Das Heilige und die Macht: Religion wurde zunehmend als Herrschaftsinstrument interpretiert

Religion wurde zunehmend als Herrschaftsinstrument, als Ausdruck sozialer Verhältnisse oder als kulturelles Abwehrdispositiv interpretiert. In dieser Perspektive verliert sie ihren Eigenwert und erscheint nur noch als Funktion historischer Machtkonstellationen.

Doch gerade im Triumph dieser Sichtweise liegt ein Verlust begründet: Die ganzheitliche Dimension religiöser Praxis und Erfahrung gerät aus dem Blick.

Diese Politisierung ist längst nicht mehr nur ein analytischer Blick von außen, sondern prägt zunehmend die Religionspraxis selbst. In vielen Teilen der Welt haben sich religiöse Traditionen mit nationalistischen Projekten, identitären Abwehrkämpfen und machtpolitischen Interessen verbunden.

Religion erscheint dann nicht mehr als Kritik der Macht, sondern als deren kulturelle Verstärkung. Wo religiöse Symbole zur Markierung kollektiver Feindbilder dienen, wird der metaphysische Horizont durch territoriale und ethnische Grenzziehungen ersetzt. Die spirituelle Suche nach Wahrheit verengt sich zur Verteidigung von Zugehörigkeit.

Bioethik

Foto: nevodka.com/Adobe Stock

Deutungsangebote für das Ganze des Wirklichen

Religiöse Traditionen haben über Jahrtausende nicht primär politische Programme formuliert, sondern Deutungsangebote für das Ganze des Wirklichen entworfen – für Geburt und Tod, Schuld und Vergebung, Sinn und Leid, Zeit und Ewigkeit.

Sie artikulierten Ordnungen, in denen das Vereinzelte des menschlichen Lebens auf eine übergreifende Einheit bezogen wurde: in metaphysischen Prinzipien, symbolischen Kosmologien, kultischen Zeitstrukturen und spirituellen Übungswegen. Diese Ordnungen waren nicht bloß abstrakte Theorien, sondern verkörperte Weltverhältnisse, in denen Denken, Handeln und Empfinden ineinandergriffen.

Mit der gegenwärtigen Reduktion auf politische Lesarten verschwindet diese existenzielle Tiefendimension nahezu vollständig. Zugleich greift eine eigentümliche Arbeitsteilung um sich: Religion gilt in ihrer politischen Dialektik als potenziell gefährlich und wird deshalb in den privaten Raum verwiesen. Öffentliche Gestaltungsmacht, so lautet der implizite Konsens, soll allein säkularen Institutionen zukommen.

Privatisierung von Religion steht im Widerspruch zu Herausforderungen

Doch diese Privatisierung steht in einem auffälligen Widerspruch zu den Herausforderungen der Gegenwart. In Fragen der Biotechnologie, der künstlichen Intelligenz, der ökologischen Transformation oder der globalen Gerechtigkeit geht es längst nicht nur um technische Machbarkeit, sondern um Maßfragen sowie um das Bild des Menschen und um Vorstellungen von Verantwortung.

Gerade hier wären religiöse Traditionen gefordert, sich einzumischen – nicht als politische Akteure unter anderen, sondern als jahrhundertealte Speicher ethischer, kosmologischer und anthropologischer Reflexion.

Ebenfalls unbeachtet bleiben dadurch die vielschichtigen Verflechtungen von Religion mit Philosophie, Ökonomie und Technik. Philosophisch war Religion über Jahrtausende der Träger und Motor grundlegender Reflexionen über Sein, Erkenntnis, Maß und Ziel.

Die großen metaphysischen Systeme der Antike und des Mittelalters sind ohne ihre religiösen Quellen nicht denkbar; selbst die Moderne definiert sich noch im Widerstreit mit diesen Denktraditionen. Religion war nicht bloß Gegenstand philosophischer Kritik, sondern deren ursprünglicher Nährboden.

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Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Ökonomie und die Religion

Ökonomisch strukturierte Religion Formen des Tausches, der Gabe, der Schuld und der sozialen Bindung, lange bevor moderne Marktmechanismen und staatliche Institutionen diese Funktionen übernahmen.

Tempel, Klöster und Kirchen waren nicht nur Orte des Kultes, sondern auch Knotenpunkte von Produktion, Distribution und Fürsorge. Religiöse Ethiken prägten Vorstellungen von Arbeit, Reichtum, Maßhalten und Verantwortung und wirken – oft unsichtbar – bis in gegenwärtige Wirtschaftskulturen fort.

Und technisch war Religion von der Monumentalarchitektur über die Buchkultur bis zur Medientechnik eine treibende Kraft symbolischer Welterschließung. Kathedralen, Ritualobjekte, Ikonen, Schriftmedien und liturgische Inszenierungen waren frühe Hochformen einer Technik des Sichtbarmachens des Unsichtbaren.

Auch moderne Bild- und Kommunikationstechnologien stehen, bei aller funktionalen Entzauberung, noch in dieser Traditionslinie.

Empörung Foto: Drazen Zigic, Shutterstock

Zusammenhänge werden nivelliert

Die reduktive Religionskritik unserer Gegenwart nimmt diese Zusammenhänge kaum noch wahr. In ihrer Fixierung auf Machtanalysen und Diskurskämpfe verliert sie ausgerechnet das aus dem Blick, was Religion – jenseits aller dogmatischen Verhärtungen – philosophisch und kulturell bedeutsam macht: ihren Versuch, eine umfassende, sinnstiftende Ordnung des Wirklichen zu entwerfen, die den Menschen nicht nur politisch positioniert, sondern existenziell orientiert.

Doch auch die Religionen selbst können sich dieser Diagnose nicht entziehen. Wenn sie ihre gesellschaftliche Relevanz jenseits von Identitätspolitik und Machtallianzen zurückgewinnen wollen, genügt es nicht, auf äußere Missverständnisse zu verweisen.

Erforderlich ist eine innere Transformation: eine bewusste Distanzierung von der eigenen Politisierung und eine Rückbesinnung auf jene Dimensionen, in denen Religion historisch wirksam war – als philosophische Sinnsuche, als ökonomische Ethik des Maßes und der Verantwortung, als kulturelle Form der Weltdeutung jenseits bloßer Zweckrationalität.

Damit verliert der moderne Diskurs nicht nur einen Gegenstand, sondern eine Dimension des Denkens. Wo Religion nur noch als politisches Risiko oder als Identitätsmarker erscheint, verschwindet die Frage nach dem Ganzen, nach dem letzten Grund, nach dem Maß menschlicher Existenz.

Die Welt wird erklärbar, aber nicht mehr deutbar; sie wird funktional, aber nicht mehr sinnvoll. Was bleibt, ist eine Rationalität ohne Transzendenz, eine Politik ohne metaphysischen Horizont – und ein Mensch, der sich selbst nur noch als Produkt historischer Kräfte versteht, nicht mehr als Wesen, das auf Sinn, Wahrheit und Ganzheit hin entworfen ist.

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Nationalismus als Götzendienst

Nationalismus

Wie gehen gläubige Menschen mit Nationalismus um: Über die Entscheidung zwischen Religion und Nationalstaat.

(Renovatio). In der jüngsten US-Politik gibt es wachsende Besorgnis über den Aufstieg des christlichen Nationalismus, der Überzeugung, dass die USA seit ihrer Gründung ein im Wesentlichen christliches Land sind und daher eine vorbestimmte Rolle in der Geschichte zu spielen haben. Von William T. Cavanaugh

Christliche Nationalisten setzen sich für Gesetze, Finanzmittel und öffentliche Symbole ein, die die christliche Praxis und Moral fördern. In den USA wird diese Ideologie heute fast ausschließlich mit rechten Anliegen in Verbindung gebracht, darunter die Ablehnung von Einwanderern und von ethnischen, spirituellen und sexuellen Minderheiten.

Nationalismus ist nicht auf Christentum beschränkt

Ein solcher Nationalismus ist nicht auf das Christentum oder Amerika beschränkt, und die Version unseres Landes wird allgemein als ein Beispiel für ein breiteres weltweites Phänomen angesehen: Wir finden leicht Varianten in Indien, Israel, der Türkei, Myanmar und so weiter.

In den meisten Analysen liegt der Schwerpunkt auf dem „christlichen“ oder „religiösen“: Wir gehen davon aus, dass die Vermischung von Religion und Politik etwas besonders Gefährliches an sich hat. Ich möchte mich hier auf den zweiten Begriff in diesen Begriffen konzentrieren: Nationalismus. Das Problem ist nicht nur der christliche, sondern Chauvinismus an sich, wie er von Christen und Nichtchristen gleichermaßen praktiziert wird.

Die Lösung für das Problem ist nicht seine säkulare Form. Tatsächlich ist er, ob religiös oder säkular, eine Form von Götzendienst, wenn auch eine prächtige Form; die gerade deshalb gefährlich ist, weil sie an echte Tugenden wie Nächstenliebe und Opferbereitschaft appelliert. Die schwierige Frage ist, wie man erkennt, wann solche Tugenden zu Lastern werden.

Die Vorstellung, dass er götzendienerisch ist, mag als heftige Behauptung erscheinen. Aber sie benennt nur theologisch eine Realität, die einige Soziologen seit über einem Jahrhundert erkannt haben. Viele Forscher sind überzeugt, dass Nationalstolz als solcher eine Religion ist; unabhängig davon, ob eine Glaubensrichtung wie das Christentum oder der Islam damit verbunden ist oder nicht.

Wenn Nationaldenken selbst Religion wird

Die Nutzung des Begriffs „Religion“ in diesem Zusammenhang unterscheidet sich von seiner üblichen Verwendung, die sich auf die expressive Anbetung eines Gottes bezieht. Nationalismus – selbst säkularen – so zu bezeichnen, bedeutet anzunehmen, dass Glaube mehr ist als nur die ausdrückliche Verehrung eines benannten Gottes, und dass nicht entscheidend ist, was Menschen sagen, dass sie glauben, sondern wie sie sich tatsächlich verhalten.

Wenn jemand behauptet, Christ zu sein, aber nie in die Kirche geht und seine gesamte Zeit damit verbringt, sich mit der Börse zu beschäftigen, dann entspricht die umgangssprachliche Idee, dass der Kapitalismus seine Religion ist, eher der Wahrheit. Dies ist die Grundlage für die Vorstellung, dass „Götzendienst“ mehr bedeutet als einem Baal eine Ziege zu opfern.

Wenn Paulus sagt, dass Gier Götzendienst ist (Kolosser 3,5), meint er nicht, dass Menschen sich explizit und buchstäblich vor dem Geld verneigen und es anbeten. Sondern dass ihr Habitus eine übermäßige Hingabe an eine geschaffene Realität offenbart, die nicht göttlich ist. Menschen müssen nicht ausdrücklich behaupten, dass ihr Land ihr Gott und Nationalismus ihr Glaube ist, wenn ihr Verhalten und ihr Auftreten dies zeigen.

In der Soziologie wird dieser weit gefasste Begriff insbesondere mit Émile Durkheim in Verbindung gebracht. Nachdem er seinen Glauben an Gott aufgegeben hatte, gelangte er zu der Überzeugung, dass Religion nichts mit einer göttlichen Realität zu tun habe, sondern vielmehr eine soziale Dynamik sei. Sie sei in Wirklichkeit die Selbstvergötterung des Kollektivs.

„Die religiöse Kraft ist nur das Gefühl, das die Gruppe ihren Mitgliedern einflößt, aber außerhalb des Bewusstseins derjenigen, die es empfinden, projiziert und objektiviert wird. Um objektiviert zu werden, wird es auf ein Objekt fixiert, das dadurch heilig wird; aber jedes Objekt kann diese Funktion erfüllen.“

Es spielt keine Rolle, ob kollektive Selbstvergötterung auf einen Gott oder eine Flagge projiziert wird. Durkheims Definition von Religion mag uns eigenwillig erscheinen, aber die Erkenntnis, dass Menschen alle möglichen Dinge verehren, ist nur eine Wiederholung der biblischen Kritik an der Götzenverehrung, die er in der Rabbinerschule aufgenommen hatte. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die abrahamitischen Traditionen glauben, dass es unter all den falschen Göttern einen wahren Gott gibt.

Er gab den Glauben an den Gott Abrahams auf und hatte nichts dagegen, dass die Hingabe an die eigene Nation im modernen Westen die Hingabe an den Gott der Schriften ersetzte. Er war sogar ein glühender französischer Patriot, obwohl der Tod seines Sohnes im Ersten Weltkrieg ihn schließlich von der nationalistischen Sache enttäuschte.

Beitrag von Carlton Hayes

Carlton Hayes, Professor für Geschichte an der Columbia University, sah sich durch den Fanatismus und das Gemetzel des Ersten Weltkriegs dazu veranlasst, seine Untersuchungen zum Nationalismus als einer Form der Religion aufzunehmen, die 1926 in seinem wegweisenden Aufsatz „Nationalism as a Religion“ und 1960 in seinem Buch „Nationalism: A Religion“ mündeten.

Hayes erkannte wie Durkheim einen fortbestehenden „religiösen Sinn“ des Menschen, der sich in der westlichen Moderne weitgehend von der Kirche zur Nation verlagert hat.

Die Nation ist der Gott des zeitgenössischen Menschen, von dem er Schutz und Erlösung erwartet. Hayes beschreibt detailliert die ausgeklügelten Mythen, Feiertage und Liturgien, die die Flagge, die Nationalhelden und die Gründungsereignisse der Nation umgeben. Der Nationalstolz baut insbesondere auf Opfertheologien auf:

„Der vielleicht sicherste Beweis für den religiösen Charakter des modernen Nationalismus ist der Eifer, mit dem alle seine Anhänger in den letzten hundert Jahren auf den Schlachtfeldern ihr Leben gelassen haben.“

In jüngerer Zeit schrieben Carolyn Marvin und David Ingle: „Nationalismus ist die mächtigste Religion in den Vereinigten Staaten und vielleicht auch in vielen anderen Ländern.“ Er ist so einflussreich, weil er die Verehrung unseres Zusammengehörigkeitsgefühls ist, eine Art kollektive Selbstvergötterung, die ursprünglich von Eliten ins Leben gerufen wurde, aber von der breiten Bevölkerung akzeptiert und reproduziert wird.

Warum die Hingabe an die Nation?

Was finden Menschen an der Hingabe an die Nation so überzeugend und wertvoll? Es herrscht die allgemeine Auffassung, dass sie eine der bewundernswertesten und tugendhaftesten Eigenschaften ist, die eine Person zeigen kann. Es heißt, ein Mensch für andere zu sein: die zutiefst humane Realität unserer Verbundenheit mit anderen anzuerkennen, nicht nur die abstrakte Menschlichkeit, sondern konkrete Leute mit Namen und Gesichtern.

Es bedeutet, das Beste für sie und das Gemeinwohl fördern zu wollen, was genau das ist, was die großen Glaubensrichtungen verlangen. Die Hingabe an die Nation ist eine Schule der Tugenden, weil sie die moralische Disziplin vermittelt, andere vor sich selbst zu stellen.

Über eine rein vertragliche Beziehung hinaus, in der man eine kalte Kosten-Nutzen-Analyse seiner Interaktionen mit anderen vornimmt, sind diejenigen, die ihr Land lieben, bereit, anderen ohne Rücksicht auf die Kosten zu dienen, weil sie sich als Teil von etwas Größerem als ihrem individuellen Selbst fühlen. Die Hingabe an die Nation fordert uns auf, den Narzissmus des engen Eigeninteresses zu überwinden.

Ein solches Zugehörigkeitsgefühl ist besonders in einer Einwanderungsnation wie den USA überzeugend, wo Generationen von Einwanderern versucht haben, sich zu integrieren, indem sie ihre Ergebenheit an die Nation betonten.

Selbstaufopferung ist der Gipfel dieser Hingabe, wie in Memes zu sehen ist, die die Opfer des GIs mit der von Jesus gleichsetzen. Einem beliebten zufolge „gibt es nur zwei Kräfte, die jemals bereit waren, für dich zu sterben: Jesus Christus und der amerikanische Soldat“.

Zwar sollte man bedenken, dass Kombattanten im Gegensatz zu Letzterem auch erwartet wird, für einen zu töten, doch respektieren die Menschen die Risiken, Entbehrungen und Disziplin, denen sie sich freiwillig für etwas Größeres als sich selbst aussetzen.

Einige Denker sind weniger davon überzeugt, dass man zwei Religionen haben kann, und sehen die Zivilreligion der USA in direkter Konkurrenz zu den abrahamitischen religiösen Traditionen. Hayes, der wegen der Überwindung nationaler Grenzen zum Katholizismus konvertierte, hielt Nationalismus für Götzendienst, „Stammesegoismus und Eitelkeit“.

Obwohl er davon überzeugt war, dass „die katholische Kirche das letzte große Bollwerk der Menschheit gegen die Irrtümer und Übel des Nationalismus ist“, kritisierte er dennoch seine vielen Glaubensbrüder in Vergangenheit und Gegenwart, die „den Nationalismus über unseren Glauben stellen und damit unserem hartnäckigsten und heimtückischsten Feind Hilfe und Trost spenden“.

Moderne Arbeitsteilung

In den USA gibt es eine Arbeitsteilung zwischen öffentlicher Zivilreligion und privater traditioneller Religion. Aber nur eine kontrolliert die Gewaltmittel. Der moderne Staat ist nach Max Webers berühmter Definition die Instanz, die das Monopol auf die legitime Anwendung von Gewalt besitzt. Und dieses Alleinrecht hängt von der ausschließlichen Loyalität seiner Anhänger ab.

Nur der Nationalstolz kann die opferbereite Hingabe der Bürger mobilisieren. Man kann nicht mehr als eine wahre Religion haben. Der christliche Glaube wird im Westen zwar immer noch von Millionen praktiziert, aber es ist freiwillig, privat, nicht offiziell gültig und nur insoweit zulässig, als es die Verehrung des nationalen Gottes nicht beeinträchtigt.

Wir können diesen religiösen Nationalismus als Anerkennung der Tatsache betrachten, dass das Christentum nur wahr sein kann, wenn es Zwangsgewalt ausübt. Deshalb glauben christliche Nationalisten, dass die Christen in den Vereinigten Staaten wieder die Kontrolle übernehmen müssen.

Für Gläubige ist es sowohl notwendig als auch schwierig, Götzendienst zu vermeiden. Es geht nicht einfach darum, unseren ausschließlichen Glauben an den Gott Abrahams zu bekennen, denn er ist in erster Linie eine Frage des Verhaltens und nicht bloß des Glaubens. Es handelt sich nicht nur um einen metaphysischen Irrtum, sondern um Untreue, um die übermäßige Hingabe an etwas anderes als Gott.

Das bedeutet nicht, dass Glaubensvorstellungen irrelevant sind, sondern dass das, was Menschen tatsächlich glauben, sich eher in ihren Taten widerspiegelt als in dem, was sie behaupten.

Aus dem gleichen Grund befindet sie sich auf einem Kontinuum von mehr und weniger. Ab welchem Punkt wird das Vertrauen auf militärische Macht oder eine Altersvorsorge übertrieben? 

Ab wann hat die Liebe zum Land Vorrang vor meiner Verpflichtung gegenüber den Kindern Gottes, die jenseits unserer Grenzen leben? Im Falle des Nationalismus sind diese Fragen besonders schwierig. Weil die Hingabe an das Land echte Tugenden verkörpert, wie die Liebe zu den Mitmenschen, die Hingabe an etwas, das größer ist als das eigene Ich, und die Bereitschaft, sich für andere zu opfern.

Es gibt keine einfache Formel, um zu bestimmen, wann die Liebe zum Mutterland zu einer Art kollektivem Narzissmus, zu Götzendienst, geworden ist. Ich möchte dennoch zwei Kriterien vorschlagen, die sorgfältig abgewogen werden müssen.

Das erste ist Gewalt. Wird das Göttliche mit dem verbunden, wofür wir zu töten bereit sind, sodass die Bereitschaft dazu als höchste Tugend angesehen wird? Verlangt der Gott, den wir angeblich verehren, Zugang zu den Zwangsmitteln des Staates?

Das zweite Kriterium ist Ausgrenzung. Endet die Sorge um das Gemeinwohl abrupt an den historisch bedingten Grenzen des Nationalstaates, in dem wir leben? Hängt unsere Nächstenliebe davon ab, dass wir innere und äußere Feinde identifizieren und verteufeln, die die Reinheit der Nation bedrohen? Wenn die Antworten auf diese Fragen bejahend sind, dann ist Götzendienst eine klare und gegenwärtige Gefahr.

Dieser Texte wurde am 10. April auf der Website des Magazins „Renovatio“ (Zaytuna College) veröffentlicht. Übersetzte Textstellen sind Auszug des deutlich längeren Originals.

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Religion und Diplomatie – neuer Sammelband erschienen

diplomatie

Das Buch „Religion und Diplomatie“, herausgegeben von Dr. Heinrich Kreft, ehemaliger Botschafter und Sonderbotschafter für den interreligiösen und interkulturellen Dialog, bietet eine umfassende und vielschichtige Betrachtung der Rolle von Religion in der internationalen Politik und Diplomatie.

(iz). Basierend auf einer Vortragsreihe, die zwischen 2021 und 2024 an der Andrássy Universität Budapest stattfand, vereint der Band Beiträge von renommierten Wissenschaftlern, Politikern und religiösen Führern, die sich mit der zunehmenden Bedeutung von Religion in globalen Konflikten, Friedensprozessen und diplomatischen Beziehungen auseinandersetzen.

Das Buch gliedert sich in mehrere Kapitel, die jeweils unterschiedliche Aspekte des Verhältnisses von Religion und Diplomatie beleuchten. Die Beiträge reichen von theoretischen Reflexionen über die Rolle von Religion in säkularen Staaten bis hin zu praktischen Beispielen interreligiöser Dialoge und konkreter Friedensinitiativen.

Beispielsweise gibt es Beiträge von Jean-Claude Kardinal Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, der über die Arbeit der COMECE in Brüssel und die Bedeutung des Dialogs zwischen religiösen Institutionen und der EU berichtet; von Annette Schavan, ehemalige Bundesministerin und Botschafterin beim Heiligen Stuhl, die Einblicke in die päpstliche Diplomatie und die Friedensarbeit katholischer Laienorganisationen wie Sant’Egidio gibt; von Rabbiner Walter Homolka, der das Judentum zwischen Religion und Politik verortet und die Herausforderungen des Managements von Diversität in einer zunehmend populistischen und fundamentalistisch geprägten Welt diskutiert; von Aiman A. Mazyek, ehemaliger Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, der die Rolle des Islam in Europa und die Bedeutung des interreligiösen Dialogs für die Integration von Muslimen in Deutschland beleuchtet; von Dr. Regina Elsner, die sich mit der Rolle der Ostkirchen im Kontext des russischen Angriffs auf die Ukraine auseinandersetzt und die Spannungen innerhalb der orthodoxen Christenheit analysiert.

Eine der größten Stärken des Buches liegt in seiner interdisziplinären und multiperspektivischen Herangehensweise. Durch die Kombination von wissenschaftlichen, politischen und religiösen Stimmen gelingt es dem Herausgeber, ein breites Spektrum an Themen abzudecken, das von der historischen Rolle von Religion in Konflikten bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie dem Umgang mit religiösem Extremismus und der Förderung von Religionsfreiheit reicht. Besonders beeindruckend ist die Aktualität der behandelten Themen, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine und die zunehmenden Spannungen auf dem Westbalkan noch zusätzlich an Bedeutung gewonnen haben.

Ein weiteres Plus ist die internationale Ausrichtung des Buches. Die Beiträge stammen nicht nur aus Deutschland und Europa, sondern beleuchten auch die komplexen Beziehungen zwischen dem Vatikan und China sowie die Rolle von Religion in postkommunistischen Gesellschaften.

Dadurch wird deutlich, dass Religion nicht nur ein lokales oder regionales Phänomen ist, sondern eine globale Dimension hat, die in der Diplomatie und internationalen Politik nicht ignoriert werden darf. 

Manchmal wünscht man sich an einigen Stellen eine tiefere analytische Durchdringung der behandelten Themen, aber das ist dem Umstand sicherlich geschuldet wegen der Ansammlung von Aufsätzen verschiedener europäischer Persönlichkeiten.

„Religion und Diplomatie“ ist alles in allem ein wichtiger und zeitgemäßer Beitrag zur Debatte über die Rolle von Religion in der internationalen Politik. Das Buch bietet nicht nur eine fundierte Einführung in das Thema, sondern auch konkrete Beispiele und Ansätze, wie Religion in der Diplomatie und Friedensarbeit genutzt werden kann.

Es ist eine wertvolle Lektüre für alle, die sich für die Schnittstelle von Religion, Politik und internationalen Beziehungen interessieren, und ein Muss für Diplomaten, Politiker und Wissenschaftler, die in diesem Bereich tätig sind.

Religion und Diplomatie, Ein Blick aus Wissenschaft, Politik und Religionsgemeinschaften, Herausgegeben von Dr. Heinrich Kreft, Botschafter a.D., 2025, 198 S., brosch., Preis: EUR 49, ISBN 978-3-7560-2366-0

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