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Ab ins Schöne!

Ausgabe 289

Foto: Freepik.com

(iz). Während sich unsere Autobahnmeistereien wie jedes Jahr vorbereiten, für ausreichend Baustellen zu sorgen, und Nachzügler preiswerte Tickets in letzter Minute ergattern, stehen Sommerurlaub und die Karawane unzähliger Erholungsuchender vor der Tür. Dieses Ritual ist so normal, dass wir uns keinen anderen Zustand vorstellen können. Irgendwann muss der Mensch abschalten. Und das geht zu Hause nur schlecht.

Obwohl sich in unseren Quellen und diversen, regionalen Traditionen nichts unter dem modernen Schlagwort „Tourismus“ finden lässt, hat das Reisen (As-Safar) im Islam sowie im Alltag der Muslime eine nicht zu überschätzende Bedeutung. Das Leben ist – nicht nur in der Ferienzeit – eine Reise: vom Augenblick unserer Geburt bis zu unserem letzten Atemzug. In der Sura Al-Baqara finden wir die folgende Stelle: „Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück.“

Der letzte Prophet, unser Meister Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, machte auch die Erfahrung der Reise. Allah brachte ihn vom Haram in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem und von dort zu einer Begegnung, die ihn in die größtmögliche Nähe der Gegenwart des Herrn der Welten führte. „Preis sei Dem, Der Seinen Diener bei Nacht von der geschützten Gebetsstätte zur fernsten Gebetsstätte, deren Umgebung Wir gesegnet haben, reisen ließ“, heißt es dazu im ersten Vers der Sura Al-’Isra.

Abgesehen von der Hadsch finden sich im Qur’an andere Hinweise auf das Reisen. Dazu zählt der zehnte Vers der Sura Muhammad: „Sind sie denn nicht auf der Erde gereist, damit sie das Schicksal derjenigen erkennen können, die vor ihnen kamen?“

In der islamischen Tradition finden sich verschiedene Motive für eine Reise. Über seine Bedeutung und Wirkungen schrieb der Rechtsgelehrte und Begründer der nach ihm benannten Rechtsschule, Imam Asch-Schafi’i: „Es findet sich für den Klugen und Verständigen keine Ruhe des Geistes im permanenten unbeweglich-sein. Also, verlasst eure Heimatländer (…)! Reist! Hier findet ihr einen Ersatz für das, was ihr zurückgelassen habt. Zieht hinaus! Hier findet sich die Süße des Lebens. Ich habe gesehen, dass stehendes Wasser fault. Wenn es fließt, ist es nahrhaft (…). Verlässt der Löwe sein Lager nicht, kann er nicht jagen. (…) Die Absichten des Reisenden sind ehrenwert. Wer reist, der wird wie Gold geachtet.“

Abu Huraira gab die folgende Aussage des Propheten weiter: „Drei Bittgebete werden ohne Zweifel beantwortet: Das Bittgebet desjenigen, dem Unrecht angetan wurde, das Bittgebet des Reisenden und das Bittgebet eines Elternteils für sein Kind.“