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Afghanistan: Viele sind ohne Geld oder Nahrung für hungernde Familien

Foto: Christian Jepsen, NRC

Oslo (NRC). Angesichts der heute anlaufenden UN-Kampagne zu Nothilfen für die afghanische Zivilbevölkerung erklärte Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegischen Flüchtlingsrates (NRC): „Der heutige humanitäre Appell der Vereinten Nationen kommt zu einem existenziellen Zeitpunkt für Millionen von Afghanen. Während in Kabul starker Schneefall herrscht, sehen wir, wie immer mehr Menschen ins Elend abrutschen. Viele vertriebene Familien schützen sich vor der eisigen Kälte in behelfsmäßigen Unterkünften und haben fast nichts zu essen.“

Die beinahe 1.400 NRC-Mitarbeiter vor Ort arbeiteten rund um die Uhr an der Verteilung von Hilfsgütern, die die Afghanen vor den schlimmsten Folgen der Kälte schützen sollen. Die Bedürfnisse der Menschen würden immer komplexer. Und die Bereitstellung von Hilfsgütern werde aufgrund des wirtschaftlichen Zusammenbruchs im Land immer schwieriger.

„Hilfsarbeit und Vertriebene berichten uns, dass sie früher mit dem Transport von Materialien und der Arbeit auf den Feldern ein paar Dollar pro Tag verdienen konnten, jetzt aber meist ohne Geld oder Lebensmittel zu ihren hungernden Familien zurückkehren. Ohne dringende Maßnahmen zur Behebung der kritischen Ernährungsunsicherheit und ohne internationale Unterstützung für Schulen und Krankenhäuser wird sich die humanitäre Notlage weiter verschärfen“, so der NRC-Generalsekretär.

Humanitäre Hilfe sei eine Lebensader für Afghanistan und „eine gemeinsame Verantwortung für uns alle“. Dieser Appell werde bedeutungslos sein, wenn die Außenwelt und die Taliban-Regierung nicht schnellstens dafür Sorge trage, dass Bargeld im Lande zugänglich ist. Die afghanischen Institutionen und Bankensysteme seien zu einem Zeitpunkt lahmgelegt, zu dem sie dringend benötigt würden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, den Familien zu helfen, sich selbst zu versorgen und die Hilfsmaßnahmen aufrechtzuerhalten. „Wenn wir die heutigen wichtigen UN-Aufrufe in die Tat umsetzen und sicherstellen wollen, dass die Zusagen die bedürftigen afghanischen Gemeinschaften erreichen, müssen die internationalen Geber praktische Wege finden und einführen, um den Bargeldfluss im Land zu gewährleisten.“ Andernfalls würden die humanitären Appelle vergeblich sein.

Hintergründe und Zahlen

  • Die Vereinten Nationen fordern mehr als 5 Milliarden US-Dollars an humanitärer Hilfe, um den humanitären Bedarf sowohl in Afghanistan als auch in den fünf Nachbarländern, die afghanische Vertriebene aufnehmen, im Jahr 2022 zu decken.
  • Über 24 Millionen AfghanInnen – mehr als die Hälfte der Bevölkerung – benötigen humanitäre Hilfe, um zu überleben. Das ist ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr.
  • Fast 23 Millionen leiden unter akutem Hunger, darunter fast 9 Millionen, die kurz vor einer Hungersnot stehen. Das ist die höchste Zahl in der Welt.
  • Nach Angaben des UNDP könnten bis Mitte 2022 97 Prozent der Afghanen aufgrund der wiederholten Schocks und der Wirtschaftskrise in die Armut abrutschen.

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